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Full text of "Die Medizinische Fakultät zu Leipzig im ersten Jahrhundert der Universität; Jubiläumsstudien von Karl Sudhoff. Mit 16 Tafeln"

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Studien zur Geschichte der Medizin 

herausgegeben 

xon der Puschmann-Stiftuns an der l'niversität Leipzig 

Redakteur: Karl Sudhuff 



Heft S 



Die medizinische Fakultät 



Leipzig 



im ersten Jahrhundert der Universität 

Jubilaumsstudien von 

Karl SudhofF 

Mit i6 Tafeln 





Leipzig 1909 
Verlag voq Johann Ambrosius Barth 



R 



McLzjfcr & Wittig in Lcipzii;. 



Vorwort. 



Die Gefahren der Lokalliistorik sind bei<annl. Sie steigern 
sich, wenn eine feierliche Gelegenheit den Anlaß gibt, und werden 
dadurch gewiß nicht geringer, wenn die Untersuchungen nicht von 
langer Hand unternommen sind, weil dem Autor die Bodenstandig- 
keit fehlt, er sich also einarbeiten muß, wo andere begeistert ans 
Ausarbeiten gehen! 

Dies Alles war mir völlig klar, schon als ich diese Studie im 
Spätherbste 1908 begann. Kein irgendwie gearteter Auftrag hat 
mich dazu veranlaßt, trotzdem dies Wagnis zu unternehmen, einzig 
das Bedürfnis, mir selbst über die Anfänge und die erste Ent- 
wickelung einer wissenschaftlichen und lehrenden Körperschaft klar 
zu werden, der nahe zu stehen, ich seit vier Jahren die Ehre 
genieße, mir klar zu werden über den Entwickelungsgang und 
die Bedeutung der medizinischen Eakultät Leipzig im Gesamtbilde 
deutschen Universitätslebens am Ende des Mittelalters. 

Von vornherein schien es mir geboten, der Untersuchung die 
in den letzten Worten ausgesprochenen gemessenen Grenzen zu 
ziehen, eiimial weil nur so eine Spur von Aussicht bestand, eine 
wirkliche Durcharbeitung des Themas zu erreichen und damit der 
Arbeit einen mehr als ephemeren Wert zu sichern, zweitens weil 
sie damit in dem Rahmen blieb, den ich mir für die nächsten Jahre 
gespannt hatte, die Medizin im deutschen Mittelalter und den Zeiten 
der Renaissance und des Humanismus erneut zu durchforschen. 
Wenn ich ihm auch nur selten das Wort gestattet habe, so mag 
dieser größere, allgemeinere Gesichtspunkt der folgenden Arbeit 



doch zugiitc gckoininrn sein, \m ni^slcus iiulcin er die Heijiistcnins;" 
zum Teil ersetzte, deren Auslösunq tlen mehr als beschritkiun 
Anfanijen medizinischen Lehrens und 1 rcibcns (vun l'orschen l.iUi 
sich kaum n-dcnl im MriUniscIun versain war. 



Wer sich den Hisltiriker nur als den Iaudat<)r temporis acti 
vorstellen kann, wird hier nicht auf seine Kosten kommen. Aber 
auch die I listorie der Medizin hat diesen Kindheitsx.ustand über- 
wunden. Es gilt hier dasselbe, was etwa bei der Beurtcilimg d(;s 
gTOÜen Giovanni Battistita Morgagni maUgebend ist, dem man 
es mit vollem Rechte als grundlegendes Verdienst annichnet, tlaU 
er zum ersten Male mit dem 1 lunger nach Sensationillem in der 
pathologischen Anatomie aufräumte, mit der spielerischen Freude 
am Ungewöhnlichen, am AuLieronlenllichen, mit der Bevorzugung 
lies Monströsen in der Bcforschung, das erst aus der Kenntnis des 
Alltäglichen, der mit Regel mäUigkeit auftretenden pathologischen 
Erscheinungen Bedeutung und Verständnis gewinnen kann, aus der 
systematischen Untersuchung aller X'eränderungen aller Organe unter 
bestimmten pathologischen Bedingungen. — In ähnlicher Weise ist 
in der Erforschung der kulturellen Entwickelung die Kontinuität zu 
erfassen, was damit niemals gelingen wird, daß man sein Augen- 
merk nur auf das Außergewöhnliche, das „Große" richtet, nur auf 
die ragenden Erscheinungen gewaltiger Lebensäußerung und alle 
Niederungen, Stagnationen und Rückständigkeiten völlig außer Acht 
läßt oder, was noch schlimmer ist, das L'nverstandene, weil ernstlich 
nicht Untersuchte, mit gangbar aburteilenden Redensarten abtut. 
Das Flachland hat nicht nur volkswirtschaftlich seine Bedeutung 
ebenso wie die gewaltigen Gebirgsmassive, deren Durchwanderung 
den Geist erhebt. Auch hier ist für den rechten Standpunkt „die 
Aussicht frei". — — 

Im Bewundern wie im Tadeln ist das Maßhalten das Schwere, 
das die Gerechtigkeit des Urteils und seine Richtigkeit allein ge- 
währleistet. Der Fehler ist nicht etwa geringer, wenn der Biograph 
der Größe seines Helden allzuwillig sich hingibt, als wenn der 



Kulturhistoriker an einer Zeiterscheinung nur die Schattenseiten 
sieht in beiden Fallen ist der Maßstab verloren gegangen. 

Jedoch ist mit dem Maßhalten in diesem Sinne dem temperament- 
vollen Erfassen uml zur Darstellung bringen noch nicht das Urteil 
gesprochen, wenigstens nicht für den hier Schreibenden, wie z. B. 
der ristoris-Mellerstadlstreit den Leser lehren mag, der manchem 
zu temperamentvoll angefaßt scheinen wird und doch gerade da- 
durch buchstäblich die historische Wahrheit tribt. — — 



Wenn im Folgenilen trotz mancher entgegenstehender Schwierig- 
keiten — auch außer der Kürze der Zeit') — im Ausschnitt ein 
Bild korporativen Gelehrtentums, redlich lehrenden Strebens und 
wissenschaftlicher Kleinarbeit in den Jahrzehnten der zu Ende gehenden 
Scholastik wahrheitsgetreu gezeichnet ist, wie ich hoffe, so dürfte es 
in erster Linie dem Bestreben zu danken sein, nur die ersten Quellen 
reden zu lassen, allein die Akten und die literarischen Spuren der 
denkenden, strebenden und handelnden Persönlichkeiten zur Unter- 
suchung heranzuziehen und das damit gewonnene Material in mög- 
lichster Schlichtheit und U^nmittelbarkeit zum Wort zu bringen, dagegen 
erst in dritter und vierter Linie alles Das einzusehen und zu be- 
rücksichtigen, was bisher über die Leipziger medizinische I-"akultat 
und ihr Leben im ersten Jahrhundert der Universität da und dort 
zerstreut berichtet worden ist. Trotzdem man also nur geringe 
Spuren im vorliegenden Hefte davon finden wird, gesehen und ge- 
lesen habe ich doch wohl alles Einschlägige. Mir schien aber weder 
zu seiner geordneten literarischen Zusammenstellung begründeter 
Anlal3, noch zu einer raisonnierenden Auseinandersetzung mit 
etwaigen abweichenden Darstellungen anderer. Ich denke auch 
hierin ist trotzdem ersichtlich, daß die Untersuchung ebensowohl 
in die Breite wie in die liefe ging. 

Wo Lücken noch klaffen und .Xufklänuig noch vonnöten, weiß 
ich selbst wohl am besten; ich habe es nirgends zu verschleiern 

') Ein wesentlich früherer Beginn dieser Quellenstudic, w.ir schon dadurch ausgeschlossen, 
daß die ältesten Fakultälsaktcn Jahre lang nach auswärts versandt waren. 



versucht. Am unvollstamlijjstcn ina;^ vielleicht der (>. Abschnitt 
iibcr ilio literarische Bet;itijp.inif der Leipzitjer Mediziner in ilieseni 
Zeitraum sein, trutzdem er weitaus den cfölitcn Kaum einnimmt. 
Naturcfcmäli war er iler Letzte, iler zur .\usarbeitung kam. Das 
bis 1509 Gedruckte ist vielleicht doch noch nicht vülliof erschöpft 
und in tlem 1 landschriftlichcn ist wohl erst der .Anfang gemacht. Möge 
auch ilieser .Xnfang einiger Beachtung wert gehalten werden — ein 
Schelm gibt mehr als er hat, und das Jubiläum steht vor iler Tür — 
möge es in neue glückliche Zeiten gesegneter .\usbildung des jungen 
deutschen Nachwuchses und zu reicher wissenschaftlicher Ernte auf 
allen t'icbieten hinüberleiten die glorreiche Alma Mater l.ipsiiiisis! 

Leipzig, den 4. Kili 1909. 

Karl Sudhoff. 



Inhaltsverzeichnis. 



Seile 

Vorwort "' 

Verzeichnis und Krklärung der Abbildungen vrii 

Aus dem ersten Jahrhundert der Leipziger medizinischen Fakultät. 

1. Universitätsgründung. Konstituierung und äußeres Leben der medizinischen Fakultät in 

den ersten J.ihrzehnten. Die ersten Promotionen. Dotierung zweier Lehrstellen 3 

2. Inneres Leben der Fakultät. Die ersten Satzungen und ihr weiterer Ausb.iu 22 

3. Die erste Reformation der Universität im Jahre 1502/3 und die durch ihr Aktenniaterial 

gegebenen Einblicke in das Fakultätsleben und den Lehrbetrieb in den letzten 

Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts 39 

4. Aus dem Dekanatsbuch der Leipziger medizinischen Fakultät unter fünf Dekanen, 1440 — 1509 57 

5. Die Stadt und die Arzte der Fakultät 86 

6. Literarische Betätigung der Leipziger Ärzte und Professoren der Medizin 100 

Anhang. 

1. Die Statuten vom Jahre 1503, mit Zusatzbeschlüssen bis ums Jahr 1520 159 

Wichtige neue Bestimmungen in dem behördlicherseits erlassenen Fakultätsstatut 

von 1543 171 

Spätere ergänzende Beschlüsse und Ausführungsbeslimmungen der Fakultät vom 

Jahre 1555 usw 172 

2. Äußerungen der verschiedenen Mitglieder der Leipziger Universität über Mängel und Keform- 

bedürftigkeit der medizinischen Fakultät in den Gutachten zur Reformation 

der Hochschule auf Anfordern Herzog Georgs verabfaßt im Oktober 1502 . . 175 

3. Akten betreffend die Schmiedebergsche Stiftung für das Gehalt eines Arztes am Georgen- 

hospital zu Leipzig im Jahre 15 17 182 

4. Diätetische Verhaltungsvorschriften in Peslzeiten und Vorschriften zur Pestkur von Dr. med. 

Vinzcnz Seh woff heim von Liegnitz 185 

5. Daz ist wider dy pastilencz, ein Pestregimen für die Frau von Plauen 192 

6. Ein Gesundheitsregiment für Kurfürst Friedrich den Sanftmütigen (1428 — 1464) von Dr. 

med. Johann Meurer in Leipzig ' . . 200 

7. Ärztliche Ratschläge für die Reise für einen sächsischen Herzog, anscheinend aus der 

2. Hälfte des i j. Jahrhunderts 205 

Namenregister 209 



Verzeichnis unil l'jkläiuni' der Ahhildunecn. 



Tafel I, Eine Seite aus dem ältesten Statutenbuche der I-eipiigcr medizinischen Knkultüt. 

Beginn der Eintragungen iil>cr Promotionen und Rcreplioncn (Einlr.igungcn der 
Dekane Gerhard Hoghcnkcrkc, Helmold Glcdcnstedc, Jakob Mcscberg, 
Johann Schipnitz von Weida und Johann Wagner von Landsberg), vgl. S. 5 T. 
u. S. ;8 (T. 

Tafel II. Dekanatskonto, angelegt auf der Innenseite des hinteren HinKinddcckels des 1. Slatuten- 
buches von Dekan Dr. Johann Schipnitz von Weida (s.imt eigcnhrindigen Ein- 
tragungen der Dekane Valentin Becke von Schmicdcbcrg und Johann Wagh von 
Halle). Xg\. S. 80 ff. 

Tafel III. 1. Grabmal der Familie Pistoris in der Thom.iskirchc zu Leipzig. Vgl. S. 95. 

2 u. 3. Großes und kleines Siegel der medizinischen Fakultät zu Leipzig. Vgl. S. 19 ff. 

Tafel IV. „Der Sterbende", Tafelgcmälde von Lukas Cranach d. Alt. vom „Schmidburgschcn 
Altar", weiland in der Nikolaikirche zu Leipzig, gemalt 1518. (Grabmal des Dekans 
Valentin Becke von Schmiedeberg.) Heute in der städtischen Gemäldegalerie zu 
l^ipzig. Vgl. S. 96 f. 

Tafel V. Donatorengruppc der Familien Becke von Schmiedeberg (links der Sohn Heinrich 
und der Vater Valentin) und Pistoris (rechts der Vater Simon und der Sohn 
Christoph, samt den Stamm-Müttern, Martha Pistoris geb. Schmiedeberg und Ursula 
Schmiedeberg geb. Proles, gemalt 1522, gestiftet von Simon Pistoris d. Alt., unter 
einem Kreuzigungsbilde von Georg Lembcrgcr auf der Innenseile der Schreintürc des 
„Schmidburgschcn Altars", weiland in der Nikolaikirche zu Leipzig, heule in der 
städtischen Gemäldegalerie. (Vgl. S. 98.) 

Tafel VI. Gesamt-Tilel und Untertitel des anatomischen Abschnittes von Peyligks ,,Compcn- 
dium'', 1499 (vgl. S. 114). 

Tafel VII. Situsbild aus Peyligks Compendium, 1499 (vgl. S. 120 f.). 

Tafel VIII. Organ-Abbildungen aus Peyligks Compendium, 1499 (vgl. S. 119). 

Tafel IX. Titel und Bild der geistigen und Sinnesqualitäten aus Hundts „Antropologium", 1501. 

Tafel X, Organbilder aus Hundts „Antropologium", 1501 (vgl. S. Iiq u. 120). 

Tafel XI. Organbilder aus Magnus Hundts „Antropologium", 1501 (vgl. ebenda). 

Tafel XII. Situsbild der „Compcndiosa declaratio" von 1516 (vgl. S. 121). 

Tafel Xin. Titelblätter zweier Schriften Martin PoUichs von Meilerstadt, ca. l495(vgl.S. 122 u. 133). 

Tafel XIV. Leipziger medizinisches Disputationsprogramm Kaspar Keglers, 1512 (vgl. S. 138). 

Tafel XV. Facsimilia von Titeln zu Schriften von Pollich und Pistoris. 

Tafel XVI. i. Titelblatt der letzten Streitschrift Pollichs. 2. Gedruckte Vorlesungsanzeige von 
Konrad Tocklcr (über die „Spera materialis") von 1507 (vgl. S. 87 f.). 



Aus dem ersten Jahrhundert 
der Leipziger medizinischen Fakultät. 



Geichichle der Medizin. Vlll. 



1. Universitätsgründung. 

Konstituierung und äulieres Leben der medizinischen Fakultät 

in den ersten Jahrzehnten. Die ersten Promotionen. 

Dotierung zweier Lehrstellen. 

Praga modo doleas nunquam caritura dolore, 
Cum cicro careas, qui le ditabant honore ! 
Lyptzk exuhare fers maxima gaudia quare, 
Nam facis intrare lucentia lumina clare'). 

Prag, vorübergehend der Sitz der Regierung des deutschen Reiches, vorüber- 
gehend ein Mittelpunkt geistigen Lebens für weite Strecken deutschen Landes, 
auch für Schlesien, Meißen, Thüringen, Bayern, hatte seine günstige Position 
für kleinvölkliche lokale Sonderinteressen auszunützen versucht — zu eigenem 
Schaden. Die vom König Wenzel seitens der „Natio bohemica" schlau er- 
schlichene Entrechtung der anderen drei Nationen, der bayerischen, sächsi- 
schen und polnischen, die durch Dekret vom i8.'26. Januar 1409 ihnen allen 
dreien nur noch je eine Stimme gab gegenüber drei Stimmen der böhmischen 
Nation, und die gewaltsame Amtsentsetzung ihres erwählten Rektors und des 
Dekans der Artistenfakultät am 9. Mai hatten die schnöde um 60jährige Rechte 
Betrogenen mit dem allgemeinen Auszug beantwortet. 

Der stärkste Strom hatte sich nach der kleinen Stadt im Meißnischen 
gewendet und in Leipzig die 6. deutsche Universität gegründet, die bald manche 
ihrer älteren Schwestern: 

Prag 1348 

Wien 1365 

Heidelberg 1386 

Köln 1388 

Erfurt 1392 

weit überstrahlen sollte. Nach der Stadt an der Pleiße „in loco fertili et sub 
aere temperato" hatten sich nach ihrem Wegzug aus Prag etwa 40 Magistri 
und Doctores und 400 Baccalarien und Studenten gewendet, wo ihnen ein kluges 
Fürstenpaar freundlich eine Stätte, vor allem zwei abgabenfreie Gebäude in 

') Geschrieben ans Ende einer Handschrift des „Clariücatorium" Johannis de Tornamira 
von Heinrich Lamme, Dr. med. aus Lübeck, etwa 1410. (Ms. med. Fol.° Xr. 1 der Stadt- 
bibliothek in Lübeck.) Lamme bat viele Abhandlungen in Montpellier während seiner Studien- 
jahre in andere Lübecker Handschriften kurz vor und nach dem Jahre 1400 abgeschrieben. 

I* 



j I . UnirersiOtsgrUndun;;. 

der Kitterstraüo uiul der iVtcrsstr.iÜc gelogen, das „Grolic" und das „Kleine 
Kolleg" rur Nut/.ung anwies, damit zunächst für 20 l.eluer freie Wohnung (im 
größeren 12, im kleineren 8) und Hesoldung. 

Als das papstHche Privileg, in Pisa von Alexander \'. am 9. Septem- 
ber 1409 ausgefertigt, eintraf, das in der- neuen Universitätsstadt, ,,in oppido . . . 
loci amcnitate non modica circumcirca", ein „Studium generale" ins Leben 
rief, „sacrae theologiae et utriusque juris nee nun medicinae et Septem libe- 
ralium artium", mit allen Privilegien und Rechten in weitestem Umfange, da 
hatten sich die Herkömmlinge vom ungastlichen Prag schon um manchen 
wackeren Mann von andersher vermehrt. 

Man hatte sich in vier Nationen wieder zusammengeschlossen, der Meißner, 
Sachsen, Bayern und Polen, mit völlig gleichen Rechten, und schon vorher 
den Landesherren ein X'erzeichnis der Lehrer überreicht, das 46 Namen, 
Magistros et Doctores, aulweist, darunter 7 Mediziner: 't 

(3) ^Igr- N'incentius Wyaw doctor medicinae 

(4) Mgr. Gerhardus Hogenkirche doctor medicinae 
(25) Mgr. Helmoldus de Zolticcdel (doctor inedicinac) 
(31) Mgr. Anshelmus de Fraiiketistcyn (doctor medicinae) 
(34) Mgr. Nicolaus Fabri de Sagano (doctor medicinae^ 
(36) Mgr. Jo. Hilden 

(42) Mgr. Lubertus de Osenbrug [doctor medicinae). 

Die eigentliche Konstituierung des Lehrkörpers wurde mit der Wahl 
eines Dekans der philosophischen Fakultät am 24. Oktober 1409 vollzogen, 
der sofort eine Matrikel dieser Gesamtfakultät anlegte, in der alle Magister und 
Baccalarien genau nach dem Jahre ihrer Promotion .Aufnahme fanden. Dies 
Verzeichnis des Lehrerkollegiums von M. Heinrich Bernhagen, sächsischer 
Nation, erstem Dekan in Leipzig, ist erhalten und bringt unter 42 Magistern 
von den obengenannten Medizinern fünf in folgender Reihenfolge: 
(4) Mgr. Helmoldus de Zoltwedel (Sa.x.) 
(26) Mgr. Gerhardus Hogenkergh (Sax.) 
{32) Mgr. Nicol. Fabri (Pol.) 
(33) Mgr. Jo. Hilden (Bav.) 

Mgr. Lubbertus de Ozenbrugg (Bav.)') 

') Das kursiv Gedruckte ist später beigesetzt, teilweise auf Rasuren der Universitatsmatrikcl. 
In allen handschriftlichen Dokumenten, welche im Folgenden zum Abdruck gelangen, sind u und v, 
sowie ae und e nach modernem Brauche geregelt, desgleichen die Interpunktion. Die Orthographie 
der Originalien ist im übrigen beibehalten. Die Abkürzungen sind aufgelöst, die Eigennamen durch- 
gehends mit grollen Anfangsbuchstaben geschrieben. 

*) Vizentius Wyaw, der hierin fehlt, war Bacc. art. zu Trag 1383, Magister 1387, später 
Doctor medicinae; er scheint die Universität Leipzig früh wieder verlassen zu haben. Anshelmus 
de Frankensteyn war 1391 zu Prag Bacc. art., 1405 Magister geworden. Er ist vielleicht mit 
M. Anscimus de Frankenberg identisch, der im Sommer 1410 in Leipzig inskribiert wurde (wie auch 
Wyaw) und im Prager Über decanorum nicht vorkommt. Ferner findet sich Magister Bernhard 
Vorschove de Monasterio, Dr. med. von Bologna, im Sommersemestcr 141 1 immatrikuliert, er trat 
also in den Lehrkörper der jungen Hochschule ein. Weiteres verlautet nicht von ihm. 



FakultätsgrtlDduni;. 



Sämtliche Lehrer der Universität waren Magistri artiuni und zunächst 
Mitglieder dieser Fakultät, und dadurch im Mitgenuß aller Rechte derselben. 
Die Hildung gesonderter weiterer Fakultäten ließ auf sich warten. Die Mediziner 
schlössen sich erst im Jahre 1415 zu einer medizinischen Fakultät zu- 
sammen, ohne daß damit die Verpflichtung zum Hesitz der Magisterwürde in 
der philosophischen Fakultät in Wegfall kam ' . Wie wir noch sehen werden, 
war auch das allgemeine philosophische Studium Vorbedingung für die medi- 
zinischen SpezialStudien. In diesen V^orbereitungsstudien, worin Vorlesungen 
über Aristotelische Schriften (darunter auch „de coelo"', „meteora", „parva 
naturalia"), über die topica des Boethius, über Arithmetik, Euklids Geometrie 
und über Planetentheorie mit inbegriffen waren, müssen wir keine irgend be- 
denkliche philosophische Dressur, sondern einfach einen Ersatz für unsere höhere 
Mittelschulbildung auf Gymnasium und Oberrealschule, einen Vorbereitungs- 
modus zum eigentlichen Fachstudium behufs Schaffung einer breiteren wissen- 
schaftlichen Grundlage und Erlangung einer höheren Allgemeinbildung suchen. 



.Am 10. Juli 141 5, also fast 6 Jahre nach der Begründung des Studium 
generale in Leipzig, konstituierte sich die Facultas medica, oder wie sie im 
ganzen ersten Säkulum und noch lange nachher, ja heute noch auf den 
Fakultätssiegeln heißt, die „Facultas Medicine". Noch heute besitzt sie ihr 
erstes Statutenbuch, das kurz nach 141 5 angelegt wurde. Es besteht heute aus 
8 Pergamentblättern in Folio von 330:220 mm, die in Holzdeckel mit Leder- 
überzug gebunden und mit zwei Schlössern geschlossen waren, die jetzt ver- 
schwunden sind, wie weiland das Statutenbuch selbst aus den Händen der 
Fakultät % 

Als erste Eintragung im Statutenbuche der Leipziger medizinischen 
Fakultät finden sich von der Hand Helmolds von Gledenstede (vgl. Tafel I) 
spätestens im Jahre 143 1 die Namen folgender neun Doktoren als Mitglieder 
der Fakultät: 

Haec sunt nomina doctorum facultatis medicinae studii Lypzensis 
mgr. Gherardus Hoghenkerke 
mgr. Vincencius Haller 
mgr. Vincencius de Nysa 
mgr. Helmoldus Gledenstede de Zoltwedel 
mgr. Johannes Kynst^, 



') Sie ausdrücklich in den Statuten vorzuschreiben, hatte man anfangs versäumt und erst 
ein unliebsamer Zwischenfall im Jahre 1 508 führte dazu, diese Lücke in der schriftlichen Fixierung 
des Usus auszufüllen. 

■) In den Jahren 1518— 1573 oder gar 1584. Genaue Angaben über dies Sututenbuch 
siehe zu Beginn des 2. Abschnittes S. 22 ff. 

') Johannes Kuntz, Haderslevensis Sa.\onus schreibt J.J.Vogel auf dem Umschlag des 
Mitgliederverzeichnisses der medizinischen Fakultät (s. u. S. u). In der Matrikel kann ich diesen 
nicht finden. 



I . Vni\-eniUUgnlndun|;. 

ingr. Lubbertus de Oicnbrugha') 

mgr. Johannes Hyldcn 

mgr. Nicolaus Fabri 

mgr. Johannes Hoppe de Jutcrbuk. 

Es schlieft sich direkt an, von der Hand des gleichen Herrn Dekan, die 
Eintragung einer vcrstcnl) Doktorpromotion ^s. Tafel I Sp. 1), welche am 
9. Oktober 143 1 in der Nikolaikirche stattfand, wie es noch lange Zeit nachher 
tur diesen feierlichen Aktus die Regel bildete -). 

Über die älteste urkundlich beglaubigte Leipziger medizinische Doktor- 
promotion ist also mit folgenden Worten in dem Fakultätsalbum berichtet: 

Anno domini M''cccc''xxxi nona die mensis Octobris in die Dyonisii 
magister Nicolaus Schulteti de Frankenvordis et 
magister lacobusMerzeborch de Stendal receperunt insignia doctoratus 
medicinae a magistro et doctore medicinae Helmoldo Gledenstede 
de Zoltwedel in ecclesia sancti Nicolai civitatis Lypkzensis et inibi 
ad facultatem medicinae studii Lypkzensis sunt recepti. 

Zwischen dem 9. Oktober 143 1 und dem November 144", also in abermals 
16 Jahren, sind von verschiedenen Händen im ganzen 11 weitere Magister in 
das Fakultätsalbum, d. h. auf freie Blätter des Statutenbuches ohne nähere 
Zeitangabe eingetragen worden. 

Zunächst abermals die beiden am 9. Oktober 1431 Promovierten: 

Magister Nicolaus Schulteti de Frankenfordis 
und Magister Jacobus Meseberch de Stendal. 

Des weiteren 

Magister \'incencius Swoffheym de Legenitz 
und Magister Franciscus Korcze de Wratislavia. 

Es folgt sodann als zusammengehörige Eintragung, von der nämlichen 
Hand, die auch schon Franz Korze eingetragen hatte, vermutlich des promotus 
anni 1431 Jakob Meseberg, eine Gruppe von 6 Promovierten: 

mgr. Petrus de Pawlicow 
Magister Johannes Weyda 
Magister Johannes Meurer 
Magister Nicolaus Pistoris 
mgr. Conradus Deynhardi 
mgr. Johannes Stauffmann 

') Lubertus Starten Osnabrugcnsis nennt ihn Vogels Verzeichnis auf dem Umschlag 
und trlgt ihn unter 1425 ab Fakultätsmitglied ein. 

•) Für diesen Zweck mußten, ebenso wie für die an gleicher Stelle abgehaltenen Promotionen 

.-.r T^- ! '.• ■'.'■■ y. ■■■•,]]., erst Katheder und Sitze aufschlagen (G. Erler, Matr. 2. XLI u. XXI). 



FakultätsgrUndung. 



welche allesamt — „sicher ein großes Ereignis für die kümmerlich vegetierende 
Fakultät!" sagt ein früherer Autor — nachträglich (von Meseberg selbst!) als 

. I a domino doctore Jacobo Mesebergk 

universitate , j c-^ j i 

... de Stendal 

Lipczensi ) 

durch eine Klammer zusammengefaüt sind am Fuß der ersten Spalte des Blattes ( 1 1 f 
(vgl. Tafel I Spalte I). Doch ist es durciiaus unwahrscheinlich, daß auch alle diese 
sechs auf einen Tag mit dem Doktorhut geschmückt worden seien. Dagegen 
spricht schon die völlig verschiedene Stimmung der eintragenden Hand, die nur 
für VVeyda und Meurcr, \'ielleicht auch noch für Nie. Pistoris (der später mit 
anderer Tinte, weil zu blaß in der Sclirift, überfahren worden ist) die nämliche 
ist, und für Deynhardi unil Stauffmann. Doch selbst die Annahme wäre falsch, 
daß sie die Gesamtleistung eines Dekanatsjahres Jakob Mesebergs darstellen, 
der noch lange Jahre diesen Ehrenposten nach dem Jahre 1441 bekleidete, 
wie wir noch sehen werden. 

Wir werden im 4. Abschnitte die einzelnen Doktorpromotionstermine 
fast aller hier genannten Mediziner noch kennen lernen; es handelt sich bei 
der ganzen Liste offenbar nicht um Doktorpromotionen, sondern um Bac- 
calariatsprüfungen und daran anschließende Promotionen zum Baccalaureus 
medicinae, die aber auch nicht an einem und demselben Termin erfolgt sind. 

Die genannten zwei Doktoren und zehn Baccalarien der Medizin in 38 Jahren 
seit der Universitätsgründung reden eine bewegliche Sprache. Es war recht mager 
bestellt mit der „Facultas medicinae" an der Hochschule im Meißnischen! Hatte 
sich doch nicht einmal ein besonderes Doktorenbuch gelohnt; man fand auf 
den leeren Blättern des Statutenbuches Platz; ja auch noch in späteren 
Statutenbüchern blieb es bei diesem Brauche und als es Rechnungsbücher 
gab, benutzte man diese zur Eintragung der neugebackenen Doctores und 
Baccalaurei. 

Überhaupt war es mit dem Besuche der Universität Leipzig in ihrem 
ersten Jahrhundert und auch später noch nicht gerade glänzend beschaffen. An- 
fangs waren es hauptsächlich Prager, die nach Leipzig kamen, doch ging seit 
dem Wintersemester 1410 ihre Zahl schnell herunter. Bis zum Jahre 1433 finden 
sich „Pragenses", die gebührenfrei waren, wenn sie dort den vollen Betrag er- 
legt hatten, in der Matrikel aufgeführt. Die Gesamtzahl der Inskribierten, die 
im ersten Semester 507 betrug, fallt im Wintersemester 1415/16 auf 115 und 
steigt bis 1422 23 auf 310, um 1429 30 wieder auf 85 zu fallen. Darauf wieder ein 
langsames Ansteigen auf 471 und ein jäher Absturz auf 171 Inskribierte im 
Winter 146S/69 und wieder ein ziemlich stetiges Ansteigen auf 539 im Jahre 
1508/9, wobei zu bemerken wäre, daß im Sommersemester stets die meisten 
Immatrikulationen stattfanden'). An dem zeitweisen Segen der Inskriptionen 

'j Vgl. Erler, Matrikel i, LXV und Drobisch, Beiträge zur Statistik der Universität 
Leipzig, 1848. In großem Zusammenhang und äußerst übersichtlich und scharfsinnig behandelt die 
g.in/e Frequenzfrage der Universitäten die vorzügliche Arbeit von Franz Eulenburg, die Frequenz 



s i rsiUUcrtnduiu: 

hatten aber, wie wir noch h »rcn wenlcn. die Mediziner all/.eit den geringsten 
Anteil. Sollen doch selten mehr als 20 Medi/.incr zu gleicher Zeit in Leipzig 
studiert haben, häufig sugar nocli weit weniger. 

Zu dem betriiblichen Zustand, in dem sich die ,,.\])ollinischc Kunst" 
£U Leipzig in den ersten Jahrzehnten befand, liat gewiÜ der Umstand mit bei- 
getragen, daß noch 29 Jahre nach der Gründung der Hochschule ins Land 
gingen, ehe überhau])t aucii nur ein Pfennig an Lehrgehältern nder sonstiger 
Dotierung lür die Mediziner aulgewendet wurde. 

Dali das so nicht weiter gehen könne, wurde denn auch an den ent- 
scheidenden Stellen in Dresilen und Merseburg eingesehen. Und indem die 
herzoglichen Hruder Friedrich und Wilhelm am 2. Februar 143S in der so- 
genannten „donatio 240 sexagenorum" der Universität eine bescheidene Summe 
neuer Mittel als jahrliche Quote zuwiesen, trafen sie durch die zugehörige 
Keformationsordnung vom 24. Februar 143S gemeinsam mit dem Hischof 
Johannes von Merseburg die Hestimmung, da(J von nun an zwei voUdoticrte 
KoUegiatenstellen im großen Kolleg den Professoren der Medizin vorbehalten 
bleiben sollten, unabhängig von dem im übrigen erhalten bleibenden VVahl- 
turnus der Nationen. So finden wir denn von nun an zwischen den beige- 
setzten Bav., Mis., Sax., Fol. in den Listen des großen Fürstenkollegs die 
Bezeichnung Med. hinter einer Reihe von Namen; das sind eben unsere medi- 
zinischen Universitätslehrer, die nun endlich I lausung und Nahrung, wenn auch 
in bescheidenstem Grade, gefunden hatten. Freilich scheint die Änderung nicht 
sofort in vollem Umfang in Kraft getreten zu sein, da doch erst eine solche 
Stelle frei werden mußte. Doch sehen wir uns die betreffenden Stellen dieses 
wichtigen Aktenstückes einmal an, das im Original noch heute im Universitäts- 
archiv sich befindet. (Nr. 8.) Nach einer einleitenden Begrüßung und einer 
allgemeinen Betrachtung über die Unzulänglichkeit nicht völlig bis ins Kleinste 
geordneter und geregelter Dinge geht das Reskript sofort auf die mangelhafte 
Dotierung und Ausgestaltung der medizinischen Fakultät ein: ') 

. . . universitatem nostram studii Lipczensis non in omnibus facultatibus 
plene dispositam sed quoad egregiam medicinae facultatem propter 
lectorum carentiam lectionumque defectum per plures iam praeteritos 
annos minus sufficienter fuisse ordinatam, igitur super his et aliis dictae 
almae universitatis necessariis . . . mature deliberavimus super certis reformati- 
onibus pro commodo, incremento et prosperitate eiusdem almae universi- 
tatis . . . Primo statuimus, volumus et ordinamus, ne de cetero praefata 
facultas in lectoribus deficiet, ut in collegio nostro maiori apud sanctum Nico- 
laum duae collegiaturae proxime vacantes in perpetuum sint pro duobus valcn- 



der deutschen Universitäten von ihrer Gründung bis zur Gegcnw.irt. Abhandlungen der philologisch- 
historischen Klasse der Königl. Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften Bd. XXIV Nr. 2, 
Leipzig 1904, 323 S. Lex.-8". 

') Vgl. Stube 1, Urkundeob. d. Univ. Leipzig S. 31 — 33 Xr. 23; Zarncke, Statulenbücher 
d. Univ. Leip^ii' S. 6 — <,. 



Die ersten medizinischen Professuren. 



tibus doctoribus in medicinis reservatae, et quod ad eas assumentur duo me- 
dici, non habita distinctione nationum, qui legendo singulis diebus perficere 
poterint ac in ceteris actibus scolasticis in ipsorum facultate utiliter praeesse. 
Debent quoque duo iili nicdici cum collegiatis ceteris dicti collegii maioris in 
singulis obventionibus participare, si in coUegio stare elegerint, alias in solo 
corpore collegiaturae debent esse contenti. Item volumus et ordinamus, ut 
octo collegiaturae in nostro coUegio praefato mancant quo ad dispositionem 
nationum in ordinatione laudabili hactenus observata, sed quo ad residuas col- 
legiaturas ser\'etur tornus inter nationes ut nunc bis, nunc illis iuxta ordinem 
ex eis provideatur. Ouoniam vero naturalis expostulat ratio iurisque dispositio 
idem profitetur, ut hi ceteros pinguiori praecellant stipendio, quos labor expectat 
prolixior fructusque utilior alios facit anteire, hinc est quod volumus, statui- 
mus et ordinamus, ut hü duo phisici qui ad legendum in singulis diebus legi- 
bilibus prae ceteris sint collegiatis astricti, ultra obventiones coUegiis maioris 
habeant Stipendium duarum collegiaturarum in collegio nostro minori apud 
sanctum Petrum proxime vacantium, quas et nos per praesentes pro eis reser- 
vamus in perpetuum. Ne vero deficiat numerus magistrorum collegii eiusdem, 
statuimus, volumus et ordinamus, ut ad praefatas duas collegiaturas duo assu- 
mantur artium magistri nationum tamen debita servata distinctione, qui in 
cameris ac singulis aliis eiusdem collegii obventionibus solis corporibus colle- 
giaturarum pro medicis ut praeniittitur reservatis cum aliis praetacti collegii 
collegiatis participare debeant plenarie et admitti, sintque ab omnibus oneribus 
mensae, donec eis aut alicui eorum in corpore provisum fuerit, penitus exone- 
rati . . . Datum et actum Lipczk, anno domini . . . [1438] . . . feria tertia 
proxima post Mathiae apostol. [25. Febr. 143S.] 

Im großen Kolleg bei der Nikolaikirche sollen also den Medizinern außerdem 
Wahlturnus der Nationen zwei Kollegiaturen, wie oben gesagt, reserviert bleiben 
für zwei leistungsfähige Doktoren der Medizin, die täglich Vorlesungen halten und 
die übrigen Unterrichtshandlungen und -Übungen leiten können, und zwar sollen 
diese beiden Arzte entweder wie die anderen Kollegiaten im Kolleg Wohnung 
nehmen oder w'enigstens der Körperschaft angehören. Außerdem werden den 
beiden medizinischen Lehrstellen auch noch die Einkünfte zweier Kollegiaturen 
am kleinen Kolleg (bei St. Peter zugewiesen, was die kümmerliche Arithmetik 
dieser Nährstelle noch mehr erschwerte, da nach einer komplizierten Rechnungs- 
aufstellung im Statutenbuch dieses kleinen Fürstenkollegs in Folge der Schaffung 
dieser zwei neuen Medizinerstellen jeder Kollegiat wöchentlich nur noch 40 
Groschen zu . besehen hatte statt früher 54 '). 

In den Genuß dieser neugeschaffenen Pfründen scheint zunächst nur der 
zweite Dekan der medizinischen Fakultät, Dr. med. Helmold Gledenstede 

') Vgl. BeiUüge zur Geschichte der Universität Leipzig in ihren ersten Jahrhundert. I. Das 
älteste Statutenbnch des kleinen Fürstenkollegs, hrsg. v. Karl Boysen, Leipzig 1909, S. 40 f. und 
die Ausführungen im 3. Abschnitt S. 51 ff., wo das gesamte Einkommen aus beiden Kollegiaturen 
für einen Medizinprofessor, der ja doch fast immer ein verheirateter Mann sei, auf wenig mehr als 
40 Gulden im Jahre angegeben wird (an anderer Stelle, S. 48, auf 44 Schock Groschen also etwa 
130 Gulden). 



I ,^ I . UniversittUgründung. 

von Salzwcdel gckomnu-n zu sein; er ist bis zu seiiuni Tode 1441 im CkiiuÜ 
der Stelle geblieben, wahrend im Jahre 1440 Jacobus Mcseberg und l-ranz 
Korr aus Breslau in dies Kolleg eintraten und gleichzeitig Joh. Sclupnitz 
aus Weyda ins kleine Kolleg Aufnahme fand, das er aber 1447 wieder verließ, 
um an die Stelle des resignierten Korz zu treten — „majoris coUegii coUe- 
giatus (actus discessit" '). 

Mit dem Jahre 143S beginnen auch in dem Verzeichnis der Fakultäts- 
mitglieder bei den F"akultätsakten -) erst die Eintragungen der „Professores 
medicinae", deren in der uns hier beschäftigenden Zeit, dem ersten Jahrhundert 
der Universität allezeit nur zwei gewesen sind, der Professor der praktischen 
Medizin und der der theoretischen. 

Der Professor practicae war der ältere und rangierte an erster Stelle; 
der Professor der Theorik jjflegte beim Abscheiden des Kollegen für die prak- 
tische Medizin oder bei dessen Rücktritt in dessen Stelle aufzurücken, mit der 
auch die Bekleidung des Dekanats in Personalunion verbunden war. Das Ein- 
rücken in die Professura Pathologiae, also die theoretische Professur, pflegte 
mit dem Eintritt in das große Kolleg zeitlich zusammenzufallen, naturgemäß, 
doch stelle ich der Übersicht halber die Reihenfolge der Professores Therapiae 
und Pathologiae nach dem Mitgliederverzeichnis der Fakultät zusammen, womit 
gleichzeitig die Liste der Dekane für diesen Zeitraum gegeben ist. 

1. Gerhardus Hohenkirch 1415 — 1429 (t) Dekan 

Prof. Path. Prof Therapiae 

2. Helmold Gledenstede' , u. Dekan 

de Salzwedel (1438) 1428— 1441 (t) 

') Folgendes ist die Liste der Mediziner, die ich mir bei Zarnckc, Urkundl. Quellen S. "49 ff„ 
unter den Mitgliedern des Collegium majus ausgezogen habe: 

— 1441. S. Helmoldus Gledenstede, Solzwedelio Marchicus. 
[ — 1426. B. Lubertus Starten, Osnabrugensis.] 
1434 — 1462. S. Ja. Mcseberg, discessit 1438, seJ 1440 acccpta profcssione medica 

iterum rcceptus. 
1440— 1447. Med. Franz Korz, Wratislav., resignavit. 
1447—1484. Med. Jo. Schipnitz, Weydensis. 
1462 — 1490. Med. Valentinus Becke, Schmiedebergensis, 
1484 — 1499. Med. Joh. Wagh, Halensis. 

(1490 — 1508. M. Wcnceslaus Fabri [nicht im Turnus der Mediziner]). 
1490 — 1509. Med. Joh. Currifex al. Wagner, Landsbergensis. 
1500 — 1507. P. Guiliclmus Haltcnhof, Thorunensis. 
1508—1523. Med. Simon Pistoris, Lipsiensis. 
1509-1542. Med. Henr. Stromer, Auerbaco-Bavarus. 
Im „kleinen KoUeg" habe ich (bei Fr. Zarncke, urkundl. Quellen, S. 764 (T.) außer dem oben- 
erwähnten Joh. Schipnitz Weydensis nur 1490 — 1500 Wilhelm Haldcnhof gefunden, ehe 
er „in coli, majtts cooptatus discessit"; es werden aber weiter noch als Mitglieder des kleinen 
Kollegs aufgefiühjt, die nicht in das Große aufrückten: Nico laus Sculteti de Frankenfordia 
(ad Viadmm), Conradus Deinhard, Wetteranus 

') Allerdings ist dasselbe späteren Datums, wie wir noch sehen werden. 

3i 1,1 .,!. nti,.,ii schreibt Vogels Verzeichnis der Fakultätsmitglieder konsequent. 



Die ersten Professoren und Dekane. I i 

Prof. Patli. l'rof. Tlicrapiae 

3. Jakob Mcsenberg, u. Dekan 

de Stendal 143S— 1441 1441 — 1463 (t) 

4. Johannes Schipnitz, 

de Weida 1447— 1463 1463— 14S4 (t) 

5. Valentinus Becke, 

de Schmideberg .... 1471 — 14S4 14S4— 1490 (t) 

6. Johannes Wagh ;U'ack , 

de Halle 14S4— 1490 1490—1499 (t) 

7. Johannes Wagner, 

(Currifex) de Landsberg. . 1490— 1499 1499—1509 (t) 

8. Simon Pistoris, 

de Lipsia 1508— 1509 [1509— 1523 (t)] 

[Henricus Stromer, 

de Auerbach 1516—1523 1523— 1542 t ] 

Die Professur der Pathologie schiene nach dieser Tabelle der Dekane er- 
hebliche Lücken aufzuweisen, ja sogar in den Jahren 1441 — 1447, 1463 
bis 1471, 1499 — 1508, 1509 — 1515 überhaupt nicht besetzt gewesen zu sein. 
Es werden diese Lücken aber dadurch ausgefüllt, daß eben eine Reihe von 
Professoren der theoretischen Medizin (Pathologie) nicht in die Professur für 
praktische Medizin (Therapie) und damit ins Dekanat ein- bzw. nachrückten, z. B. 

Franciscus Kortze 
de Vratislavia 1440 — 1447, 

der aus bisher unbekannten Gründen 1447 resignierte, und 

Wilhelm Haldenhoff, Thorunensis 

der 1490 — 1500 Mitglied des kleinen Kollegs und von 1500 — 1507 Mitglied 
des großen Kollegs gewesen; er war 1499 Dr. med. geworden. Beide waren 
Vertreter bzw. Lehrer der Pathologie, also der theoretischen Professur auch 
nach dem Mitgliederverzeichnis der Fakultät, einem Folioheft mit Korrekturen 
von der Hand des Leipziger Historikers S. J. Vogel.*) Nach diesem, welches 
für jedes Jahr von 1438 — 1730 die Mitglieder der Fakultät zusammenstellt, 
hat also Franz Korz im Jahre seines Rektorates 1441 den Lehrstuhl der 

') Vgl. Zarncke, Die urkundlichen Quellen S. 893 ff. Ein Folioheft von 33 beschriebenen 
Blättern in der Zeit von 1709 — 1720 von der Hand eines Berufsschreibers geschrieben und von 
J. J. Vogel durchkorrigiert, der auch für die Jahre 1409 — 1437 die lückenhaflen Notizen eingetragen 
hat, die noch zu eruieren waren. Vermutlich stellen die Jahre 1438 — 1709 die Abschrift eines 
früheren derartigen Verzeichnisses dar, dessen Original in Verlu.>;t geraten ist. Eine andere Hand 
hat das jährliche Mitgliedenerzeichnis der Fakultät und das in zweiter Spalte danebenstehende 
Dozentenverzeichnis bis zum Jahre 1730 weitergeführt. Es folgen dann noch 23 unbeschriebene 
Seiten. Soweit ich die Angabe dieses Verzeichnisses aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts nach- 
prüfen konnte, scheinen sie mir im ganzen recht zuverlässig. 



\2 1 liincrsitätsßTündunB. 

Pathologie bestiegen und 1447 darauf resigniert '\ Willioltn HaldonhotY das 
theoretische Lehrlach 1500 — 150S vertreten. Nacli der gleichen OucUe liat 
den Lehrstuhl der Pathologie von 14(54 -14<l{) oder 1470 Xicolaus Pistoris 
innegehabt, 1509-bis 1516 Konrad Nieseniann (t 1511 und von 1511 an 
Christof Schoeneleld aus Liegnitz, so daO also den obengenannten S Dozenten 
noch folgende 4 beizufügen waren, von denen nur der erste von der Professur 
zurücktr.it, die anderen wahrend iiirer theoretischen Lehrtätigkeit verstarben: 

9. Franciscus Kortze .Kurz] aus Hreslaii. Prof. der Pathologie 1441 — 1447 

10. Nicolaus Pistoris aus Leipzig „ „ „ 14G4 — 1470 

11. Wilhelm Haldenhoff aus Thorn „ „ „ löOO— l.jOS 

12. Konrad Niesemann „ „ „ 150'.) — 1510 
Christof Schoenefeld aus Liegnitz „ ,, „ • 5' ' — ' 5 ' 5 [?]) 

In diesen 12 .\rztenainen von Gledenstede bis zu Xiesemann erschöpft 
sich das ganze Material der medizinischen Professoren im ersten Jahrhundert 
der Leipziger Universität. 



Ob vor dem Jahre 143S an der Universität Leipzig überhaupt medizi- 
nische Kollegien abgehalten wurden? Zweifellos, denn sonst wären z. B. 143 1 
keine Doktorpromotionen möglich gewesen. Wenn auch in der allerbeschei- 
densten Form vielleicht, so hat doch ein Unterricht auch in der Heilwissenschaft 
bestimmt stattgefunden, mindestens vom Jahre 141 5 ab, als sich die ,, Fakultät 
der Medizin (Facultas medicinae)*' konstituierte hatte. Den bündigsten Beweis 
bringt das Studium der Satzungen der medizinischen Fakultät mit ihrer um- 
ändernden Weiterentwickelung aus dem Unterrichtsbetriebe heraus. 

Alles spricht dafür, daß die beiden ersten Dekane der Fakultät, Gerhard 
Hohenkirch und Ilelmold Gledenstede, auch die hauptsächlichsten Lehrer 
der Heilkunde in Leipzig im ersten Drittel- Jahrhundert der Universität gewesen 
sind. Vermutlich hat aber auch schon in den ersten 6 Jahren des Studium 
generale Lipsiense irgend eine Form von Lehrtätigkeit in medicinis, wenn auch noch 
nicht mit Regelmäßigkeit und nicht ohne vielmalige Unterbrechungen bestanden. 
Studierende sind doch auch auf diesem Gebiete samt ihren Lehrern von Prag 
hierher gezogen. Viele waren es zwar sicher nicht. Und die Bedingungen für 
den Unterricht waren bestimmt die denkbar ungünstigsten, wie wir gleich 
noch naher sehen werden. 

Doch vorher noch einen Blick auf die hauptsächlichsten Unterrichts- 
gegenstände in der Medizin damaliger Zeit Einen bestimmten Hinweis wenigstens 
bringt uns ein Aktenstück aus der Zeit der Universitätsreformation von 1502. 

') Es scheint, als wenn Korz aus Gesundheitsrücksichten von seinem Amt zurückgetreten 
sei, denn Vogel schreibt im eben genannten Mitglieder\-erzeichnis unter dem Jahr 1447 in der 
Dozenlenspalte (R) „Kortz resigniert" und in der Mitgliederspalte (L) „Kortze f d. [Lücke!) Nov.". Er 
scheint also am Ende des Jahres 1447 schon verstorben zu sein. Wir linden denn auch keine 
weitere Spur von ihm. 



Der medizinische Unterricht. 13 



Wir erfahren dort einiges Nähere, welclien Inhalt ungefähr diese beiden Lehr- 
kurse der Medizin, von denen wir oben gehört haben, der theoretische und 
der praktische besaßen. Der erste Kursus, der medicina theorica, wurde in 
den Morgenstunden von 6 — 7 im Sommer, von j—S im Winter 6 Semester 
lang abgehalten. Im i. und 2. Semester wurde der erste Kanon des Avi- 
cenna (Ibn Sina vorgetragen, im 3. und 4. Semester der „liber tegni" 
des Galenos kommentiert, im 5. und 6. die „Aphorismen" des Hippo- 
krates mit dem Kommentar des Galenos abgehandelt und dabei die land- 
läufigen scholastischen Kommentatoren aller dieser Schriften von Gentilis, 
Jacobus, Trusianus usw., also von Gcntile da Foligno'), Jacques 
Despars, Torrigiano de Torrigiani dem „Plusquamcommentator") und 
anderen, zum höchsten Vorteile der Hörenden zur Erklärung mit herangezogen. 
Die praktische .Medizin wurde in nachmittäglichen \'orträgen von 1 — 2 Uhr 
abgehandelt, und zwar wurden diesen V^orträgen das 9. Buch des Almansüri-) 
des Razes (Ar-Räzil. der i. Abschnitt des 4. Buches des Avicenna, das über 
die Fieber handelt, und der 4. Abschnitt des ersten Kanon über allgemeine 
Heilmittellehre zugrunde gelegt. Auch in diesem zweiten Kursus der Medizin 
wurden natürlich die gangbaren Autoren über diese Schriften aus den 
Zeiten der spätmittelalterlichen Scholastik nicht vergessen. Was uns so in 
der später im Wortlaut mitzuteilenden wichtigen Emanation der Fakultät 
über den Leipziger Lehrbetrieb im i. Jahrhundert der Universität in der Er- 
klärung „A longis temporibus institutae sunt duae lectiones in medicinis" be- 
kannt gemacht wird, entspricht völlig dem Lehrgang, wie er allenthalben im 
15. Jahrhundert in Italien, Frankreich, England und Deutschland gang und 
gäbe war — von den einzigen beiden Disziplinen, welche damals an den 
Hochschulen im Welschland schon eine Wendung zum Fortschritt genommen 
hatten oder wenigstens zu nehmen sich anschickten, von Chirurgie und Ana- 
tomie ist in den ersten 90 Jahren in Leipzig überhaupt nicht die Rede. Erst 
im letzten Jahrzehnt wurden wenigstens einige Wegweiser aufgerichtet, welche 
ins Land der Anatomie die Richtung zeigen sollten. 

Eine große Lehrfreudigkeit scheint bei den Gliedern der medizinischen 
Fakultät kaum vorhanden gewesen zu sein, trotzdem ihre „Lektionen" seit 
1438 „fundiert" waren. Denn noch zu Ende des i. und zu Anfang des 2. Jahr- 
hunderts' klagen die Professoren unisono über den \'orlesungszwang bei niini- 



') Eine immerhin respektable Erweiterung dieses Studienplanes läßt es erkennen, wenn das 
spätere Mitglied der Fakultät (allerdings etwas bewegten Angedenkens) Conrad Tockler (Toeckler), 
offenbar unter Anleitung eines seiner Lehrer (vermutlich des Joh. Wagner von Landsberg) die 
Consilia des Gentile da Foligno eifrig studierte und mit R.indbcmerkungen versah, wie sein 
Handexemplar, die Pavianer Ausgabe (AUg. Path. 79) beweist, in welcher sich am Ende die Ein- 
tragung findet: 

Bl. G,T (48 statt 47) „huic lectioni finem iraposui in studio Lipsensi Anno Christi l'>01. die 
vero 30. Novembris. Deus sit benedictus." 
L>t doch dieser Literalurtypus der scholastischen Medizin zu Ende des Mittelalters, die „Con- 
silia", der erste bescheidene Anfang einer künftigen, neuerwachenden , .klinischen Medizin". 

') Kitib at-tilib al-Mansüri, ein Lehrbuch in Ki Abschnitten für den Stalth.iltcr Mansur. 



I .j I. UnivenitMigTflndung. 

malcr Entlohnung, da er — lukrativere Reisen zu hochstehenden Kranken oft un- 
mogHch mache, seit strenger darauf gesehen wurde, dali die Kolicgiaturcn nicht ein- 
fach als Sinekuren aufgefaßt wurden, deren Kinkunfte man einstrich und gleichzeitig 
an fernen Fürstenhöfen als Leibarzt in Glanz und Ehren sich's wohl sein lieÜ. 
Freilich die Entlohnung „supra duabus collegiaturis collegii maioris cum 
duobus corporibus collegii principis" war schmal, d.i sie tatsachlich nicht mehr als 
40 Gulden jahrlich betrug, zumal die medizinischen Professoren schon frühzeitig 
Weiber hatten und außerhalb der Kollegiengebäude wohnten. Wir treffen Ver- 
suche, auf andere Weise sich Nebeneinkünfte zu verschaffen, durch Halten von 
,.Bursen" für die Studenten, wie es von „Dr. Schmiedeberg" berichtet wird, 
der seine Bursc kaum mit Medizinern allein zu füllen vermocht haben wird'), 
da die Zahl der Medizinstudierenden bestandig fast verschwindend gering war. 
Der Besuch der medizinischen Kollegien soll selten mehr als vier Hörer be- 
tragen haben -". 

Wo wurden nun diese Kollegien abgehalten? Zu Anfang bestimmt und 
fast während des ganzen 15. Jahrhunderts in einem Räume der Nikolai- 

') Daß Professor Valentin Bccke von Schmiedeberg trotzdem zu Vermögen kam, 
werden wir noch sehen. 

•) Wesentlich günstiger als in Leipzig waren die Krcquenzverhällnisse der Medizinstudierenden 
auch an .-indcren alten Universitäten des 15. Jahrhunderts in Deutschland nicht, soweit sie sich 
einigermaßen klarstellen lassen. Die absoluten Immatrikulationszahlen fiir Köln sind nach Eulen- 
burgs Zusammenstellung a.a.O. S. 312 in den 4 Jahren 1397 — 1400: 2, von 1401 — 1410: 30 
und in den nächsen 5 Jahrzehnten: 14, 15, 21, 8 und 14, selten mehr als i " ^ der Gesamtzahl 
der Immatrikulierten. Auch in Heidelberg war die medizinische Fakultät die letzte, die sich 
bildete, im fünften Jahre erst (1390) nach der Universitätsgründung. Auch hier war der Besuch 
sehr schlecht in den ersten Jahrzehnten; gab es doch hundert Jahre lang nur einen Lehrer der 
Heilkunde, wurde doch erst im Jahre 1482 das Prinzip durchbrochen, daß nur ein Kleriker Medizin 
lehren dürfe, indem man neben dem Lehrer aus geistlichem Stande einen zweiten anstellte, der 
wenigstens ein Laie sein konnte; 1522 wurde in Heidelberg eine dritte medizinische Professur 
errichtet. Die Zahl der Schüler war sehr gering. (Vgl. August Thorbccke, Die älteste Zeit 
der Universität Heidelberg, 1886, Heidelberg, G. Köster, S. 95 — 98.) In AVien lagen die Ver- 
hältnisse anfangs womöglich noch schlimmer (vgl. Leopold Senfelder, Öffentl. Gesundheitspflege 
und Heilkunde I, in Geschichte der Stadt Wien, Bd. II, Wien 1904, S. 29 ff.). Dort wurde die Uni- 
versität zwar 1365 gegründet und 1384 reorganisiert, aber erst seit 1387 wird gelegentlich ein Doktor 
der Me<lizin genannt, ohne daß schon regelmäßig medizinische Vorlesungen gehalten worden wären. 
1389 wird zum ersten Mal ein medizinischer Dekan urkundlich erwähnt (Hermann Lijrz). Eine 
wirkliche Konstituierung der Fakultät scheint erst am 6. Mai 1 399 stattgefunden zn haben. Damals 
wurden die Eintragungen in das Dekanatsbuch begonnen; gleichzeitig begegnet Johann Silber als 
erster Professor der Medizin und zweiter bekannt gewordener Dekan. Und wenn wir lesen, was 
Senfelder S. 32 über Baccalariatsprüfungen, Lizenziatsprüfungen und Rezeptionen in die Fakultät 
direkt nach 1400 berichtet, so könnten wir uns nach Leipzig versetzt glauben. Die Zahl der stu- 
dierten Ärzte war in Deutschland überhaupt allenthalben noch recht gering, dem schwachen Bedarf 
entsprechend, und, wer etwas war oder werden wollte, ging zum Medizinstudium nach Italien. 
Durch allerhand kleine Mittel (Erschwerung der Rezeption auswärts Promovierter usw.) versuchte 
die Leipziger medizinische Fakultät dieser Abwanderung ins Ausland entgegenzuwirken (wie wir noch 
sehen werden), naturgemäß ohne irgend welchen Erfolg, zumal man den Studierenden nicht einmal 
Gelegenheit bot, z. B. anatomischen Demonstrationen an der Leiche beizuwohnen, was in Wien doch 
ichon seit 1404 geschah, freilich auch ohne durchschlagenden Erfolg. — Auch in Prag war zuerst 
der Besuch sehr gering: vgl. Hasner, Die ältcstf Medizin in Böhmen S. i. 



Auditorium und Bibliothek. I J 

kirche, in welcher ja auch die sparhchen Promotionen der Mediziner vorgenommen 
wurden. Später wurde ihnen ein .Auditorium im benachbarten großen Kolleg 
eingeräumt, welches sie aber mit den Theologen teilen bi-.w. abwechselnd be- 
nut/.cn mußten, ohne daß sie sich in ihrer kleinen Zahl gegen die stattlichere 
theologische Fakultät behaupten konnten. So wird denn noch zu Anfang des 
i6. Jahrhunderts in einer Eingabe der med. Fakultät dem Kurfürsten geklagt'): 

Diu lamentati sunt doctores apud illustrissimum principem de auditorio, 
quo aegrc carent, coguntur enim cum theologis convenire pro tribus horis, scilicet 
septima, prima et tercia. Quarc si vel plures advenirent doctores vel aliquis 
ex baccalaureorum numero legere vellet, nee horam nee locum haberet. De 
hoc itaque illustrissimus princeps denuo est admonendus; potest enim dari 
locus vel in domo nova artistarum vel in collcgio maioii. 

Waren die Zustände für die Mediziner in Sachen ihrer Vorlesungsräume 
also durchaus nicht günstig zu nennen, so waren sie völlig trostlos in bezug 
auf ihre Bibliothek. Die anderen Fakultäten hatte schon beachtenswerte Biblio- 
theken zu Ende des 15. Jahrhunderts. Im Jahre 1500 wurde die Bibliothek 
der Artisten mit der des großen Kollegs vereinigt und dort gegen 138 Groschen 
Mietzins aufgestellt, „eine Zierde der ganzen Universität". Trotzdem nun aber 
die Mediziner zwei Stellen unter den zwölfen des großen Kollegs einnahmen, 
hatten sie wohl kaum bei der Bibliothek desselben irgend einen Einfluß; denn 
sie klagen noch beweglich über den Mangel eines Lokals für die Aufstellung 
ihrer Bücher zu .Anfang des 16. Jahrhunderts:-) 

Saepe doctores medicinae petierunt locum pro bibliotheca, qui summopere 
eis est necessarius propter libros, quos aliqui doctores defuncti legassent. 
Verum hactenus nihil impetrarunt, quare denuo instant ut eis unus assignetur. 
Esset enim pro maxima scholasticorum utilitate, praecipue eorum qui libris 
carerent, proque totius ordinis honore .... possent insuper ex fisci pecunia libri 
novi, si qui adveherentur, emi ac pro omnium commodo illic reponi. De hoc 
ut instigetur, valde orant.'' 

Wie groß der Bücherbestand der .Artisten unterdessen bereits geworden 
war, ergibt sich schon allein aus der Tatsache, daß 1533 schon Leihzettel für 
Bücher ausgestellt werden mußten. 

Trotzdem stand aber auch den Medizinern schon frühzeitig ein kleiner 
Bestand von Handschriften und später auch Druckwerken zur Verfügung, über 
deren Zusammensetzung einige spärliche Nachrichten auf uns gekommen sind. 
Vielleicht wurden sie bei einem der beiden Kollegiaten im großen Kolleg in 
der Ritterstraße, vielleicht im Haus zum „Fuchszagel" (Fuchsschwanz) verwahrt, 
das ihr zweiter Dekan Helmolt Gledenstede von Salzwedel ja dem großen 
Kolleg vermacht hatte. Doch wissen wir darüber nichts Näheres. Jedenfalls 
müssen es schon so viel Bände gewesen sein, daß sie erheblichen Raum be- 
anspruchten und offenbar dem betreffenden Herrn Kollegiaten dadurch lästig 

') Stübel, Urkundenb. d. Univ. Leipzig, 1879, S. 338, 20. 
») Stübel, Urkundenb. d. Univ. Leipzig, 1879, S. 338, 35. 



t . riiivenil&tsgrandung. 

tidcn, sonst waren die eben gcljortcn Klaj^cn nicht rcclit vcrstiuidlicli. Freilich 
k.«m d.uu, daO die verheirateten ,,Kollc.i;iaten", iinil das war bei ilen Medizinern 
stets die Mchrzalil, niclit inj Kollei;ium wolinten und in ihren l'rixatvvohnungen 
die Hücher der medizinischen Fakultät nicht aufstellen und anderen zur He- 
nutzunsj stellen konnten und durften. Nicht viel anders war es mit den mciii- 
zinischen liand- und Druckschriften der beiden Kollegien. 

Genaueres wissen wir über diese Bestände an medizinischen Werken, 
welche die beiden „Kollegien" besaücn, aus den Akten dieser Korporationen. 
Die Akten der medizinischen Fakultät schweigen völlig über Schenkungen oder 
Frwerbungcn von Werken ihres Faches, soweit ich sehe. 

Im Statutenbuch des kleinen Kollegs werden an medizinischen Werken 
als frühester Besitz die „.Aphorismen" des Hijipokrates erwähnt (1458), später 
außer ihnen ein Avicenna, die „Anathomia Mundini" {1489), ferner „Quae- 
stiones in medicinis", damals so sehr beliebte scholastische Spitzfindigkeiten in 
rebus medicis aller Art, die „practica Gcraldi super viaticum Constantini 
cum Cyrologia ex doctrina Hugonis", der „liber Aristotelis ad Alexandrum" 
und einige naturwissenschaftliche Aristoteles-Kommentare (1490), endlich tretil'en 
wir in dem Inventur\erzeichnis der Bibliothek des kleinen Kollegs um 1 507 
folgende zusammenfassende Liste medizinischer Schriften, in welcher auch die 
vorher gelegentlich ihrer Erwerbung genannten Werke großenteils wieder mit 
angeführt sind. 

In Medicina: 

Avicenna. 

Plinius in naturali historia. 

Galenus de alimentis cum caeteris. 

Quaestiones in medicinis. 

Lectura super prima Avicennae. 

Lectura item super prima Avicennae. 

Mesue. 

Sermo Nicoli primus, secundus, tertius, 

Sermo Nicoli quartus et sextus, 

Sermo Nicoli septimus. 

Lectura super prima et secunda Ven [statt Fen] primi canonis. 

Lectura super primam quarti Avicennae. 

Pratica Pantegni. 

Glosa super tegni. 

Magister Wilhelmus de Placentia. 

Practica Bartholomaei. 

Practica Gerhaldi. 

Quaestiones de Febribus. 

Summa de Analeticis trinarii. 

Collecta super Aviccnnam'). 

') Alle diese Schriften, soweit sie einigermatten genau sich bestimmen lassen, sind heute noch 
im Besitze der Leipziger Universitätsbibliothek. Das meiste ist schon aus dem alten FcUerschen 
Handschriflenverzeichnis der Paulinerbibliolhek von 1786 zu verifizieren (Catalogus codicum MS.SC- 



Medizinische Bücherbestände. 



17 



Über alle diese medizinisch-literarischen Schätze besaß aber die medi- 
zinische Fakultät wohl kein direktes X'crfügungsrecht, jedenfalls waren sie nicht 
ihr Eigentum, wenn auch die vorübergehenden medizinischen Insassen des 
kleinen Kollegs naturgemäß ihre fleißigsten Henutzer darstellten. 

Auch von zu erwartenden Legaten von l^iichern an die „facultas reposi- 
torium non habens" ist in dem oben angezogenen Aktenstücke die Rede'), 
und wenn wir auch den reichen Bücher- und llandchriftenlegaten, welche die 
Akten der Artistenfakultät zieren-), nichts Entsprechendes bei der medizinischen 
an die Seite zu stellen vermögen, so berichten doch die Universitätsakten auch 
schon im 15. Jahrhundert von einer größeren Schenkung medizinischer Werke 
durch letztwillige Verfügung eines (Dresdener?) Arztes-'), der in Leipzig studiert 
hatte, die freilich auch in diesem Falle nicht die medizinische Fakultät selbst 
betraf, sondern das „Große Kolleg", dem seit 143S, wie wir gesehen haben, 
mindestens zwei Mediziner satzungsgemäß angehörten. Das Aktenstück selbst ist 
aber für die Geschichte der Medizin namentlich in Leipzig doch so wichtig, daß 
ich es eingehender besprechen und exzerpieren muß'). 

Am 22. April 1459 stellen die 12 Kollegiaten des ,,Großen Kollegs", 
darunter die Mediziner Johannes Wyda und Johannes Mewerer^), eine 
Bescheinigung darüber aus, daß sie durch den Testamentsvollstrecker Hans 
Muntzmeistere (Münzmeister), Bürger in Dresden, die der Universität zu 
Leipzig letztwillig vermachte Bibliothek — ,,etliche bucher" — des „erbaren 



torum Bibliothecac Paulinae B1. 428 — 432). Natürlich finden sich auch gedruckte Bücher in der 
obenstehenden Liste, wie allein schon der Plinius beweist, von dem wir in Leipzig keine Hand- 
schrift unser eigen nennen. 

') ^'gl- '■" 3- Abschnitte S. 50, j„. 

') Vgl. G. Erler, Die Matrikel der Univ. Leipzig, IL Bd. 1897, S. 609/10, 621, 641. 

^) In den Registern und Stadtrechnungen des Dresdener Ratsarchives kommt ein Ar/t Peter 
Paulico allerdings nicht vor, wie mir Herr Stadtarchivar Prof. Dr. Richter liebenswürdig mitteilt; 
er wird also nicht dauernd in Dresden gelebt haben, das damals auch nur wenige Tausend Ein- 
wohner hatte. 

*) Es findet sich im Hauptstaatsarchiv zu Dresden und ist in Bruno St Übels Urkundenbuch 
der Univ. Leipzig S. 136 — 138 unter Nr. 119 zum Abdruck gebracht. 

*) Der hier als „Meister und zcu dem male collegiat des größeren CoUegiums der Universitäten 
zcu Lyptzk" genannte Johannes Mewerer findet sich nirgends in den Listen des großen Kollegs 
als Mitglied aufgeführt (vgl. Zarncke, Die urkundlichen Quellen S. 750 u. 751). Aber auch zwei 
andere hier im Akte 1459 Genannte: Nicolaus Gerstmann und Johannes Uderitz lassen 
sich 1459 nicht in den Mitgliederlisten des großen Kollegs nachweisen; crsterer soll ihm erst 
1466— 1471 angehört haben, letzterer 1466- 1491. Auch Cunradus Fluther stimmt nicht mit 
Zarnckcs Liste, da ein Conrad Flührer, Nurembergensis , zwar 1450 ins große Kolleg eingetreten 
aber schon 1453 wieder ausgeschieden ist. Sollte dieser Johannes Mewerer gar nicht identisch 
sein mit dem Mediziner Joh. Sprottau al. Mewrer aus Crossen, den wir noch näher kennen 
lernen werden (promoviert wie obengenannter Joh. de Weida 1447), sondern mit „Jo. Herold", 
den Zarncke unter Nr. 44 (1458 — ?) anführt, der aber im übrigen völlig in der Luft schwebt? Es 
fehlt jedoch in der Reihe der 12 Kollegiaten der Dekan der medizinischen Fakultät, der damals 
schon hochbetagte Jakob Meseberg. Vielleicht hatte er für diesen, doch vor .lUem die Mediziner 
interessierenden Akt seinen Fakultätsgenossen Joh. Meurer mit seiner Stellvertretung be.iuftragt, 
d.imit die facultas medica wenigstens durch die ihr zustehenden Zahl von Mitgliedern vertreten sei. 
Studien zur Geschictitc der Mediiin. VIII. 2 



I S ' • UniversitHtsgründunt;. 

nieister P.iulico der ein doctor was in der crtztey seligi-n" in Empfang 
genommen liaben; die Urkunde Ailirt alle übernmnmcncn Handschrirten einzeln 
auf mit kurzer Angabe ihres Inhaltes. ICs sind zunächst lO theologische Iland- 
schrit^en darunter genannt; sodann 28 medizinische Handschriftenbände, teils 
auf Papier, teils auf Pergament geschrieben, endlich zwanzig aus dem Gebiete 
der „Artes", unter welchen sich auch eine Anzahl medizinische belindcn. Ich 
gebe hier das \'erzeichnis samtlicher medizinischer Schriften und der philoso- 
phischen, soweit sie l'iir unseren Zweck mir %'on einigem Interesse erscheinen. 



Item in medicinis. 

(l.) prirao additiones Mesue inagnae in pergameno et bapiro über unus, 
(2.) item secunda pars de animalibus Aristotelis cum lectur. in libro bapireo 

mixto pergameno, 
(3.) item viaticus Constantini cum commento et Johannes Meswc in 

uno magno volumine pergamenei >, 
(4.) item prima pars de animalibus cum lectur. cnnlinens XII libros in uno 

volumine bapireo permixto pergameno, 
(5.) item liber bapireus niixtus pergameno continens tractatum de motu cordis, 

physonomiam Aristotelis et quaedam alia, 
(6.) item lilier continens quaestiones el probleumata super de animalibus 

Aristotelis, probleumata Aristotelis et quaedam alia, 
(7.) item quodlibet Rebnicz'). 

(S.) item lilium Gordonii in pergameno et bona littera, 
(9.] item libei Egidii de pulsibus et urinis, 
(10.) item primus canon Avicennae in libio magno pergameneo, 
(ll.) item liber bapireus permixtus pergameno continens antidotarium Nycolai, 
(12.) item liber pergameneus et de bona littera de differentia febrium, de 
virtutibus naturalibus, de ingenio sanitatis, de secretis Galeni 
et pluribus aliis, 
^13.) item liber bapireus Geraldi de Solo super nono Almansoris, 
(14.) item primus Canon Avicennae in pergameno disligatus, 
(15.) item practica Mundini in pergameno, 
{16.) item ars commentata et Johannicius in pergameno, 
(17.) item liber de concordantia jxietarum et philosophorum, 
(18.) item liber pergameneus de therapeutic'(e]> Galeni cum quibusdam aliis, 
(19.) item Gilbertus de febribus et alii libri in pergameno, 
(20.) item tres sextemi in pergamenn Thadei super librum pronosticoruin, 
(21.) item ars commentata in pergameno, 
(22.) item liber bapireus super priorum super veteri arte cum quaestionibus 

phisicorum et topicorum, 
(23.) item Albertus magnus de animalibus in pergameno, 
(24.) item textus de generatione animalium in pergameno, 
(25.) item liber unus in pergameno Alberti de mineralibus, de vegetabilibus 

et plantis, de nutrimento et nutribili, 
(26.] item viaticus Constantini, 
(27.) item liber bapireus in quo continetur dietarium magistri Stephani medici 

cum multis aliis tractatibus, 
'28.) item libellus pergameneus Gyradii de modo medendi, 

'1 Hf-r.ricus flc Ribhcnicz. 



Eine Handschrinen- Schenkung. ig 

(29.) Item in artibns über pergameneus nietaphysice Aristotelis cum coin- 

inenlo Averrois, 
(30.) item textus methaphysice in pergameno, 

(31.) item methaphysica Averrois cum commento eiusdem in pergameno, 
(32.) item über pergameneus phisicorum, de coelo, de generatione cum plu- 

ribus aliis libris philosophiae, 
(33.) item über bapireus comnienti Averrois super libris phisicorum, 
(34.) item textus politicorum et yconomicorum in libro pergameneo, 
(35.) item commentum Egidii super de anima in pergameno, 
(36.] item commentum super metheororum in libro bapiren, 
(37.) item über bapireus de antiqua üttera continens lecturam de anima, 

quaestiones super primum et secundum de anima et lecturam 

super priorum, 
(38.) item über astronomicalis pergameneus qui incipit „Dixit Ypocras", 
(39.) item über astronomicalis pergameneus cum multis tractatibus qui incipit 

„Tractatum de sphera". 



(40.) item practica Serapionis, Ras. Ahiiansoris et plura aüa in libro per- 
gameneo et bona üttera, 



(41.) item practica Gilbert! cum thesauro pauperum in pergameno, 
(42.) item Geraldus super nono Almansoris in pergameno, 
(43.) item Serapio de simplicibus in libro bapireo, 

(44.) item über in quo cimtinetur practica Plate[n]arii, thesaurus pauperum 
cum multis aliis quorura ultiraus est de signis morientium. 



als man zalt nach Christi unnsers herren gepurt vierczehenhundert neun vnd 
fünfzig iar am suntag vor Georü des heiligen merterers". \_22. April 1459.] 

Der Geschenkgeber bzw. Testator dürfte mit Petrus de Pawlicow iden- 
tisch sein, der zusammen mit den beiden Medizinern, die als Kollegiaten des 
großen Kollegs Johannes VVeyda und Johannes Meurer 143 1 von Doktor 
Jacob Meseberg von Stendal zu Baccalarien promoviert wurden (s. oben S. 6), 
nachdem er im Sommersemester 1427 hier in Leipzig bei der Natio Polonorum 
immatrikuliert (Petrus de Pantikow al. Paulikow), im Sommersemester 1428 das 
Baccalariat der Artistenfakultät (Petrus de Paulico] und im Wintersemester ihr 
Magisterium errungen hatte (Petrus de Pawlicaw). Den Doktor med. hat er 
sich zweifelsohne auswärts errungen. Seine Handschriftenbibliothek ist aller- 
dings in Fellers obengenanntem Verzeichnis der Paulinischen Handschriften 
unter den Manuskripten des CoUegii Principum Majoris nur zum allerkleinsten Teile 
nachweisbar (I. c. S. 385 — 388), aber das Meiste scheint sich docii heute noch 
auf der Leipziger Universitätsbibliothek zu befinden, worauf bei anderer Ge- 
legenheit näher eingegangen werden mag. 



Über die Zeit der Herstellung des Fakultätssiegels der Leipziger 
Mediziner habe ich eine quellenmäßige Nachricht nicht aufzufinden vermocht, 
doch dürfte ein Zweifel kaum am Platze sein, daß auch hierfür das Jahr 141 5 



.^ o > ■ UnivrrsitKscrandung. 

mit Recht anzusetzen ist. Man hat sich hierin an dio l'ragcr medizinische 
Fakultät oflensichtig angeleimt und die ärztlichen Martx rer Kosmas unil Dami- 
anos gleichlalls als Wappenheilige erwählt. Im emblematischen lurakiischon 
Detail freilich ist man völlig unabhängig von l'rag. Dort stehen Kosmas und 
Damianos Talmenzweige fragend auf beiden Seiten im 1 lerzscliiklc '), das dem 
doppelköpfigen Adler aufgelegt ist, wahrend der Präger Lokalhoiligc als Hclm- 
zier zwischen den beiden Adlerköpfen erscheint. Im Leipziger Siegel sitzen 
die beiden Martvrer nebeneinander unter geschnitztem Doppelbaldachin. Links 
der heilige Kosmas (S. und C. zu beiden Seiten des I leiligenscheins = Sanctus 
Cosmas) das otTene lUich in der leicht erhobenen linken Hand, während die 
rechte in gleicher Stelhmg das Harnglas hält, das diesen Heiligen immer ziert; 
rechts der heilige Damianos 8. und D desgleichen zur Rechten umi Linken 
des Hauptes = Sanctus Damianus) gleichfalls ein gelehrtes JUich in den Händen 
als Zeichen der Lehrtätigkeit, der die Leipziger Arztekorporation sich widmete. 
In der rechten Hand hält Damianos ein stabartiges Instrument, das Zarncke'-) 
als Mörserkeule deutete. Eis ist eine ansprechende, doch vermutlich nicht ganz 
den Tatsachen entsprechende Erklärung, wenn Zarncke darin die Verkörperung 
der beiden Leipziger Professuren der Pathologie und der Thera])ie sehen will, 
die 1438 fundiert wurden. Zunächst halte ich dafür, daß die Zeichnung des 
Siegels vor 143S festgestellt wurde, womit diese Annahme schon hinfällig 
wäre. Aber selbst, wenn das Siegel wirklich erst nach 1438 geschnitten 
wäre, scheint mir in Zarnckes Annahme eine Verkennung des Wesens der 
ursprünglichen „Facultas Medicinae" zu liegen, die als Korporation der Leipziger 
akademi.'^ch gebildeten Arzte auftrat, wie allenthalben, und sich als solche das 
bekannte Schutzheiligenpaar wählte, das sich neben dem anderwärts üblichen 
Evangelisten Lukas oder seinem Wappentiere dem Stier') (oft Fliigelstier) bei zahl- 
reichen medizinischen und chirurgischen Kör|)erschaftcn durchsetzte, auch wenn 
sie zu dem Lehrzwecke gar keine oder nur sehr entfernte Beziehungen hatten. 
Ursprünglich knüpfte die Legende der üvdQ'/vooi, der heiligen ärztlichen Zwillings- 
brüder, an die berühmten heilenden Zwillinge der Antike, Kastor und Pollux 
an, in deren alte Heiltempel sie wohl einrückten wie ein anderes Paar heiliger 
Krankenheiler, Kyros und Johannes. Als man zu deuten anfing, lange vor 
der Leipziger Doppelprofessur von 143S, sah man in Kosmas und Damianos, 
den heilenden Brüdern, die Verbindung von innerer Medizin und Chirurgie und 
gab dem einen ein Harnglas, dem anderen einen Spatel in die Hand, der dann 
auch wohl zur (oft vielfacherigen) Pfla.sterbüchse wurde. Ich gehe auf diese 
Emblematik der heilenden Zwillingsbrüder von den Fruchtschalen von San Co- 
simo und Damiano und den Palmzweigen und Büchsen von Schwarzrheindorf 
und dem Prager Fakultatswa])pen bis zu der Pinzette und der Arzneischachtel 
des Lorenzo di Bicci usw. nicht näher ein. Später hat man in \'erwischung 



') Nur H.il«zier und Talar lassen den mittclaltcrlicben Gelehrten erkennen. 
*) Philol.-hUlor. Klasse der Kgl. Sachs, üescllschaft der Wissenschaften, 2. Band, Leipzig 
1857 (Die Urkundlichen f^uellen zur Geschichte der Universität Leipzig) S. 903. 

1 Z. P. 1 i !.n Inf Hl/ini«chcn Fakultät'-n von Wien, Heidelberg, Freiburg, BaseL 



Pas Fakultäts- Siegel. 21 

der alten Vorstellung den Kosmas zum Patron der Arzte und den Damianos 
zum Patron der Apotheker gemacht, das sind aber alles spätere Variationen. In 
der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts war der lange doppelseitige Pflaster- 
spatel oder die Spatelsonde und das Harnglas die stehenden Attribute, denen 
das l^uch in manchen Fällen hinzugefügt wurde, ob nur bei lehrenden 
.Ärztekorporationen, will ich nicht gerade unbedingt behaupten. Dieser Typus 
hatte noch lange Zeit Bestand, wie der bekannte Holzschnitt aus dem Johannes 
Schottschen Verlag in Straßburg im „Schylhans" von 1517 dartut'), und kommt 
zweifellos auch im Leipziger Fakultätssiegel zum Ausdruck, das wir in seiner 
großen .Ausführung für feierliche Anlässe noch im Original besitzen (Tafel III 
Nr. 2), während das kleine Siegel für den gewöhnlichen Gebrauch des Tages 
gegen Ende des 16. Jahrhunderts erneut worden zu sein scheint (Tafel III Nr. 3). 
Die Legende der Umschrift lautet: 

Si^illü. ^fa:ultati5. illcöicinc. Iipc5cn)'i5. 5t(u6ti). 



') Vgl. z. B. H. Peters, Der Arzt und die Heilkunst in der deutschen Vergangenheit 
1900, Abb. 4. 



2. Inneres Leben der Fakultät. 
Die ersten Satzungen und ihr weiterer Ausbau. 

Haben wir so in wenig Strichen das äußere Leben der Mediziner an der 
jungen Hochschule und seine Erscheinungs- und Betätigungsformen in ihren 
ersten Jahrzehnten angedeutet, so müssen wir uns, ehe wir ihre äußeren Ge- 
schicke weiter verfolgen, nun Rechenschaft zu geben suchen über ihr inneres 
Leben, das in den Statuten und deren fortschreitender Ergänzung und Weiter- 
entwickelung seinen schriftlich fixierten Niederschlag gefunden hat. 

Das Original der ersten Satzung, über die man sich bei der Konstituierung 
am lo. Juli 141 5 einigte, ist in Verlust geraten, vielleicht mit Absicht 1443 
vernichtet worden, um nicht immer durch den wenig übersichtlichen Zustand, 
in dem sich das allmählich Gewordene und nicht immer kalligraphisch An- 
einandergereihte befand. 

Zweitellos ist aber das erste Statutenbuch noch vorhanden; denn auf den 
letzten Blattern des oben schon kurz beschriebenen lederüberzogenen Holzbandes ') 
finden sich üriginaleintragungen über Promotionen, die bis in die älteste Zeit 
der Fakultät zurückgehen, z. B. von der Hand des ersten Dekans Helmold 
von Gledenstede. Zu Anfang dieses Bandes sind aber 4 Pergamentblätter 
herausgeschnitten, die wohl die Originalsatzungen enthielten. Friedrich Zarncke-) 
meint, diese seien im Jahre 1 503 noch vorhanden gewesen, als man das später 
zu besprechende zweite Statutenbuch anlegte. Aber warum hätte man da- 
mals das älteste Statutenmaterial beseitigen sollen, wo man doch alles Andere 
erhielt, das von 1443 — 1490 sich zusammenkristallisiert hatte, und man doch 
sowieso ein neues Statutenbuch anlegte, das fortan in Satzungsangelegenheiten, 
also in allen prinzipiellen Fragen, allein zu Rate gezogen wurde. Ein Ent- 
wickelungszustand mehr konnte damals doch nicht mehr störend erscheinen, 
als man das bisherige Satzungsexemplar völlig ausschaltete und den Band nur 
noch zur Eintragung der Promotionen benutzte, deren Verzeichnis man von 
jetzt ab') unmittelbar an die alte Niederschrift der Satzung mit ihren Zusätzen 



•) WeiUnd, nach Friedrich Zarncke, vielfach mit Blut befleckt f? ?). 
•) Die Statutenbficher in Universität Leipzig 1861, S. 586 Anm. i. 
') Allerdings nur bis 1518. 



2. Inneres Leben der Fakultät. 23 

bis 1490 anschloÜ. Die fehlenden Blätter sind offenbar 1443 herausgeschnitten 
worden und sind dann viclK-ioiit SKÜirt \irnicl-.tit uordni. iedcnialls in Wrlust 
geraten. 



Der hcuti_i,'e Zustand dieses ältesten Dekuinentes zur Geschichte der 
medizinischen Fakultät Leipzig ist folgender: 

Zwei Ilolzdeckel, 31,6 — 51,7:22,2 cm, sind durch einen graugrünen Leder- 
rücken von 18 cm Breite zusammengehalten, dessen Enden beiderseits am Rande 
durch einen aufgenagelten roten Lederstreifen von 8 — 9 mm Breite ab- 
geschlossen sind. 

Auf der Rückseite des hinteren Holzdeckels waren im Abstand von 5 ''2 cm 
vom oberen und unteren Rande am äußeren Deckelrande Lederstreifen von 
16 — 17 mm Breite mit drei Nägeln befestigt (versenkt in eine Rinne von 
26: 19 mm), welche um die otüene Buchseite herumliefen, auf der X'orderseite 
in Randkerben des \'orderdeckels sich einlegten und 1 10 mm vom Rande 
auf einen Nagel gesteckt wurden oder mit einem Pint versehen waren, der in 
die zwei Löcher des \'orderdeckels paßte, die heute noch vorhanden sind. 

Der Band bestand ursprünglich aus 6 Lagen Pergament, also aus 
1 2 Blättern. Die vorderen 4 Blätter sind weggeschnitten, es ist also nur Blatt 
5 — 12 erhalten; von diesen 8 Blättern sind das zweite, dritte und vierte erhaltene 
mit den Seitenzahlen I — 6 versehen. 

Die erhaltenen 8 Blätter (5—12) sind folgendermaßen in Anwendung 
genommen. 

Bl. {^Y unbeschrieben bis auf einige Katalogisierungsvermerke: 

Nr. 10. A.' LX. A I. 9. Vol. I»- Nr. 1. 
Bl. (5)'' unbeschrieben. 

' SwJl'u Bli-niiu !U ^'^ Statuten von 14.5. 1429 u. .443 mit 
Bl. (7 ' u. Bl{/Y (b. 3 u- 4) Zusätzen bis idoo 

Bl. (8)' (S. 5) ) ^"^^f^en D.s 1490. 

Bl. (8)*' noch eine Eintragung über Rezeptionswesen, darunter Doktor- 
eintragungen von 1504 — 15 12. 

Bl fiOM unbeschrieben. 

Bl. (Ii)' Promotionseintragungen von 1415 — 1451 und eine von 1502. 
Bl. (II)'' Promotionseintragungen von 145 1 — 1487 (eigentlich 14S9, ver- 
schrieben ist 1479). 
Bl. (12)'' Promotionseintragungen von 1490— 1499, Sp. i; 1479 — 1493> 

1508 Sp. 2. 
Bl. (12)" Kontobucheintragungen von Johannes v. Landspergk. Darunter 

Baccalariats-Promotionen von 1452 — 1467. 
Auf dem Hinterdeckel innen Einnahme- und Ausgabeeintragungen usw. 
Auf dem Vorderdeckel innen: Eintragung von Dr. Joh. von) Weyda über 
empfangene Gelder (deutsch)') und eine Notiz, daß das Buch sich im Besitz 
Georg Schilteis befand: 

„E.K libris Doct. Georgij Schiltelij donatus Doctori Michaeli Barth ab 
Huldericho Cancellario Schiltelij ex filia nepote." 



') „doctor weyda hat entphangen rrrriiij [^4] r<;heinische> fl. [Gulden]." „llcm er hat auß- 
gegeben von dem selbigen gelde jij [19] r. fl. und rij [l2] aide ^. 



^^ , 2. Innern Leben der FakuUlt. 

Schreibcrhandc tiniicn sicli in Jen l.cii>iiL;cr mcdi<:inisclioii Statuten 
lolgcnde ": 

1. Hl. (67 /irrii/sst-Mreittr.] 

2. Hat hu bcrgcschrieben. 

3. Einigt- . Kndc der Absclinitte (S I2^ oder aul Rasuren (§ iS\ 

;/v<.. 

4. Zusatz, Siclic i; 25. [J>ft,i» 7o/i. -.on IMle:\ 

5. Zusatz zu i; 21 und 29, den Zusatzparagraphen 29, die oberen 3 Ab- 

schnitte von Hlatt (S/ und die obersten 6 Zeilen von Bl. ^S ^ (•4'^'5> 

1469, 147 l). \l\kan Johann -.on \\',Yd,t.\ 

6. Das Ende der S. (S^' und /('l. (1490). [/>./. Joh. von Lan,hbergf\ 

6a. Mitte von Hl. (S)" (1504— 1509). [Detnn Joh. -.on Lamhlvrg.] 

7. Die unterste der Zeilen von Hl. iS "^ ('5I2\ \rirt,in Simon PisfonSJ 

Heute beginnt mithin der alte Statutenband mit einer sauberen .Abschritt, 
welche bis auf die Rückseite des 7.) Hlattes reicht und, von einer Hand her- 
gestellt, folgendes bietet: 

I. Die Statuten von 1415 (.\linea i — 25). 
II. Die Statutenerweiterung von 1429 [.Alinea 26 — 30;. 
III. Die Statutenerweiterung von 1443 (Alinea 31 — ^'^\ 

Eine etwas spätere Hand hat die einzelnen Absätze beziti'ert und diese 
Zahlung auch noch auf eine Reihe zusätzlicher Hestimmungen bis 1471) weiter 
geführt, die in Originalniederschrift angefügt sind. Um dieses erste Statutenbuch 
in seinem Satzungsinhalt hier zu erschöpfen, führe ich auch diese autographischen 
Beischriften, welche bis zum Ende der Rückseite von Blatt 8 ' reichen, hier noch 
übersichtlich an: 

BI. (7)^: IV. Zusatzbestimmung vom 16. Dezember 1465. 
BI. (8)': \'. Desgl. vom 10. April 1469. 
\"I. Desgl. vom 5. März 147 1. 
VII. Desgl. vom 23. November 1490. 
Bl. 8/: Vlla. Em Schlußabsatz hierzu, auf den noch leeren Raum auf 
der Rückseite des dritten 7). Blattes herübergeschrieben. 



Das älteste Statut vom Jahre 141 5 hat man im Jahre 1443 vielleicht 
unverändert herübergenommen, doch ist das nicht sicher. Denn auch an seinem 
Bestand vom Jahre 1443 hat man später noch Veränderungen vorgenommen, 
den alten Wortlaut an einigen Stellen wegradiert und den abgeänderten auf 
die Rasur geschrieben, auch am Ende hinter ij 25 noch einen neuen Paragraphen 
beigefugt, als die Zahlung der Paragraphen schon vorgenommen war, vermut- 
lich also zwischen 1471 und 1490. Immerhin mag es sich bei diesen Ab- 
änderungen zwischen 141 5 und 1443 ""r ""^ Nebensachen gehandelt haben, 
im Wesentlichen ordnete also die Leipziger Fakultät im Jahre 1 4 1 5 ihre An- 
gelegenheiten in folgender Weise: 



;. Inneres Leben der Fakultät, 25 

~Mi nonüui 6oiniiii ^Imou. ^liiiio. ilatiritiitis ciusöcm 
iliillofimo Qiui5riiu\ontol'iiiio 6c:inio .luiuto [1+15] öccinia 
^io mcnfir julij coiichifa et approlvila fuiit Statuta in- 
i\\\ict\yt>.x facultatis iiic6iciuao. 

\. priimim öocamiii Ijalvat prinuim locum iiitcröoctor<.'5mc6i:inac fa:u!tatis. 

2. jtcm öcaimis halwit matiöarc onmilni> alijs 6octonbiis, baccalaiijs et 
fiip^x->)'iti5 fajultatii; mo6iciiiao, ut intccfint fiiis conrocacionibus pro botio 
fa:ultati5 fa:icii6is fub \>cni.i uniiis a,voffi, öuonim, tvium rol qiiatiior, 
quiiiquc rol fcr aroffovum facultati porfolpcnöonmi. 

">. Jtcm 6ecami» in fuis conrocacionibiis öoetonun ^no aliqiio fa:to fa:iil- 
tatif. tractanöo liabct inöiicoiv et fccimömn luaioivni pavtoiii rotuni :o\\ 
col•^alIcium concluöcrc, rractcrqiiam in ijraciofts et in pracinöicialibus, 
ubi unus folu» potoft contraöiccrc et iwiamaiv, et ein;. :ontraöi>::io et 
i\\iaina:io ralot ortra oraniiua licencian6orinu et ba:>:alarianöovuin. 

4. Jtcni in affunicnöo ') aliquoni in li:cn:iatinn in facultatc ino6i:inac rol 
baooalaridnöum öooanus babot :on:hi6oro fcoiiu6iuu maiorcni parloni 
rotuni concoiöanoiuni. 

5. ~\''-'"i '" ronrooacionibus aut in oraniinibus faoultatii ino6icinali> nullus. 
bkat altcri pcrba iniuriofa, maloöiotoria aut opprobriofa fub pona uniu» 
floroni rincnfts facultati pcrfolronöi. nidiilonünus pars offonöon» parti 
laofao ultra öiotani ponani tonotur falisfaooro iurta öictamcn faoultatis, 
fi non potorit inter oo> aliomoöo aniicabilis oonpoficio interpcniro. 

6. Jtoin in orantino liooncianöi rol baccalarianöi, quo a6 oorum affu<ni)p= 
ciononi-") rol roiccciononi, fi fuorint paros rocos, ita quoö tot fuorint 
roocs approbantos quot^) roicicntes, ortunc öeoanus cuilibct in cyamino 
oriftonti babot manöaro, quoö 60 noro öot rooom in fua oonfcicncia, ut 
porroniatur a6 pluralitatoni rocuni concoröanciunt. 

7. jtoni quilibot öootor tonotur focrota confilij faoultatis aö ortra non 
rorolaro, quanöo fibi por öooanuni iniunoiuntuv, non offo aö ortra ropo= 
lanöa. 

S. Jtoni quoMibot fuppofituni faoultati» nio6i>."inao tonotur pro lo:o ot 
lomporo conc,ruonti, 6o:ano oius^on^ 6obituni bonoroni ot rororanciam [!J 
inponöoro. 

>). jtoni baccalarij ot ftu6onto5 nioöioinao pro looo ot tontporo conojruonti 

tonontur, fuis öootoribus öobitarn rororonciant ot Ijonoreni inponöcro. 
\0. Jtoni quilibot pro^Ho^on^uf• in baocalariuni, liconciatum rol öootorom 
facultatis mo6i:inao in a:tu fuao pronio:ionis tonotur, iuraro rollo pro 
curare, quantiun in 00 oft, bouuni facullatis a6 quotncumouo ftatuni 
öoronorit *]. 



') a&mitteiibo übergeschrieben. 

*) „aömilfionem" übergeschrieben. 

') Die Handschrift hat „quob". 

') „3uraiii(ntuni ptimuni" am Rande. 



1. Innrtr'- I^bcD der Fakttltfit. 

[m. 

to ( \. jloiu l\u\\^la^au^ll^, li.■olK•iaIl^us ivl quililvt 6o;toi\iii5u5 in lUlu \\im 

promo.ioiii? loiiotur p»M'>>>' iui\iro, 6iclum iji\i6um in milla lUia luti 

ivrfitalv" rcfiimciv, .1uo^ fio AviiivU-iuiu illiu? ftiituti focoril, ortuii; i-o i^^o 

)it jvnuru? '). 

12. ~Mom millus vronioiwilur ll^ iilKiuom vii\i6uiu fiuult.ui> luoMwiiuu-, iiifi 

•s yrius nuitri:ulao uiiiivrfitjtis fit tufciiptu?. [\bim iiilcllioiitur i^c affii 

m01l^i^ l^^ fiUllltatOlU, ..KV/r.r, ;<„„,/■. ■] 

U". ~Mi.MH millus ^Tomoiwitur ab ciluyium {;ni6um fiuiiltatis iiK^idnao -;, 
nifi V'""? coram facultafc mo^i:inac iumrcrit, rollo )'cn\uv ftatuUi 
fa:iillati5 ino6i:inao, quac fünf ot cniiit v»'«-"* l''*-'*"'-"* f^i^riiltati? iH'prolMta 

so |.\T facultati'iu'. 

14. jtcm iiullus «ra^l^^Iu^ in nicMciiui in alia unii>or)iliUc ^i5 f.u-iiUatcni 
nio6icinüo jffimuUiir, nifi prius iniMivrit ') joiani f'^i'-'Hl'^itoni nlc^ic^nac, 
iv'llo fon\irc flatutii faculfatis mc^i:inao et ftiituonöii, c\iuk funl ot onint 
pro bono fjciiltati* inc6iciuac \\v i<.\:ülU\tcm ntcöi:inao jppvobata. 

«5 ^ö. jtcm quilibct affiuuonöus ii6 focultatont inoJ)i«:inao tanuinani boctov 
mcöicinao. liconciatus i\\ baccalarius ante fni (.iffnuipcioncni ab fa:ul 
fatv-ni tonobitur iiirarc, fi oft proniotus in alia uniivrfitatc, i.}uob ivlit 
pro:urarc bonuni fa:iiltvitis nic6icinae Jiipc^cnfis, quantuni in co oft, iiö 
Ononicunquc ftatuni öerenerit^). 

«D [6. jlcni in oraniinibu* fit^'nltatis nioöi:iniio pro liconciatiuM ivl Ki.wikuiaiii 

l^^nIiffio et rcioccio alicuius fccunönm phiralitatoin ro:uni i.'on;lu6i.üur. 

'7. jtcnt noquo licoiu'iati facultatis nic6icinac noquo bj::alarij nio6icinac 

6obont cffc :unt confilio facultati* nioöicinac. 
\8. ~\tcm iiuilibet affinnonöus ai> facultatcm moöiciiuio {ac c:\a\n ab 

65 confiliuni fa:ultati5 ciusöcni)") iurabit 6ccano fa;ulfatis moöicinac: 

„«£«0 .n. iuro robi«'), 6ccano [otj") ivftris fuccofforibu?, rcrcronciam ot 
obo^ioncialu in li:iti5 ot bonofti*, ot forraro ftatuta ot ftiituonöa, quao 
fünf ot erunt \\r fajulfatom approbata, ot procuraro boniun faculfatis 
nioöi:inao, ab quoniJinuiuo ftatuni öoronoro. fi: mo 6ous a6iui-'ot ot fan:ta 

-0 oius otpangolia." 

19. Jtoni quilibot i»o:toran6u5 in moöidna infra prinuini nionfom poft fuani 
vromocionom touobifur^ iiaro ab fi5:um facultatis quatuor floronos rinonfos. 

20. jtoni quilibot baccdlarianöiis in nioi>i:ina infiM prinium monfoin poft 
fuam pronio;iononi tonobitur 6aro aö fi;:nin fa;nltiiti5 (öuos) 'J floronos 

7» rinonfo». 

') „3urameittum ffcunium" am Rande. 
•) Es steht „incbicimc" oder meMcinie da! 
') wJt""'"'''"" tcrcium" am Rande. 
*) „3'"''i'"""u"' iiuartum" am Rande. 
') »3"r'""''''l>"" quinUim" am Rande. 

*) Steht auf Rasur von der nämlichen Hand geschrieben wie der Zusatz bei 12, bestimmt 
nach 1443 und, wie ich vermute, von der Hand des Dekans Jakob Mesebcrg. 
') 3i>i'>><n^ntum facultatis mcMcine am Rande beigeschrieben. 
•) Auf Rasur. 



Inneres Leben der Fakultät. 



2^ 



2\. jtoni qiiilibct v'i'oinotu« in alia unircrfitate in öoctoivm infra v""inuni 
monfoni voft ftiani a))'n<in>v\'ionoin ai> fa:ultatcin nicöicinac toncbitur, 6arc 
<6uo6ocini> '; florcnoi. rincnfcs [fi cfl baccalarius Ijuju«; \\ noii, öabit 
xvm fl] = . 
80 22. jtoni quilibct vn-oiuottii' in .ilia luiirorflKito in ba::aUu-iinu infiM piinmm 
luoiifcni po)'t l'naiu a)')'nnip:ioncni loncbitur övUC ii5 fa:iiltatoni pro fi^'-'o 
fiio ^llo^ ' floroiio^ rinonfof. ' : 

[Bl. (7)'.] _ 

25. Jtoni ^.n•omorcn^u~ a^ b.uwUaviuin in nio6i:itui tonivx'>vo fuac ^n'oino= 

:ionis fonotnr, 6ai\' faiiuili* unircrfitafis iinuni florcmmi rincnfcm. jöcin 
SS f^i:iiit baiWiUu'ius pi''"n«5'"^ i" ^i'i'-i nnirorfltato tempore fnac ti)'fH(ni)p 

eioni? a6 facnltateni moöi:inae. 

24. Jtcin Iicencian6ii? in li:en:iatiu\i 6abit fanuilir. uniperfitatif. uniini florc» 
num rinenfeni. 

25. Jtcni öo:tor prontotus in alia iinirerfitate ^abit fanuilis unirerfitatif. 
flo tempore Huie affumpeionis aö faeult^item meöieinac öiios florenos rinenfes. 

jtem faeidt lieeneiatu», in lüia unirerfitate promotus tempore fnae 
iiffnmpeioni» ai> facultatem meöieinae. 

[jtem nullns Ijabeat locum in actibu? folempnibu5 publiei» inter 

öoetorcs meöieinae, nift fit affumptus a6 faeultdtem meöieinae fecnnöiim 

n« ftatnta eiu55em faenitatis, neqne catbeöram Iec:ionibu5 aut 6ii;putationibn5 

afcenöet faciendi? , nifi öe confenfu 6eeani et öoctorum me6i:inae facnl* 

tatis.] 5) 



Das Statut") beginnt mit den Rechten und Pflichten des Dekans und der 
Fakultätsmitglieder in den Fakultätssitzungen, verfügt über Verhängung von 
Ordnungsstrafen, erläßt ein Schweigeverbot für Dinge, die der Dekan als ver- 



') Auf Rasur. 

') Durch eine andere Hand später hinzugefügt, bestimmt nach 1443. Es ist nicht die 
nämliche Hand, die bei § 12 Zusätze gemacht hat, sondern, wie ich glaube, die des Dekans Johann 
von Wcyda. 

») Auf Rasur. 

*) Hierauf folgt die Rasur eines ganzen Absatzes, der aber spätere Zutat gewesen zu 
sein scheint. 

'■') Späterer Zusatz jedenfalls nach 1443, vermutlich erst nach dem Jahre 147 1 hier angefügt 
vom Dekan Johann von Halle. 

") Wenn auch die Leipziger medizinische Fakultät in ihrem Korporationssiegel dem Prager 
Vorgang gefolgt ist, so weisen die Leipziger Satzungen mit denen der Prager medizinischen Fakultät 
weder im Inhalt, noch im Wortlaut, ja nicht einmal im Geiste irgendwelche Berührungspunkte auf, 
wenn wir aus der Überlieferungsform, welche Joh. Dionis John im 2. Teil der „Medizinischen 
Polizei und gerichtlichen Arzneiwissenschaften in den K. K. Erbländern", Prag 1798 (im Anschluß 
an das ,, Lexikon der k. k. Medicinalgesetze") S. 193 — 281, als ,, Antiqua" der ,,Renovata" gegen- 
überstellt, auf die um 1409 gültige schließen dürfen; höchstens die Gebühren weisen eine teilweise 
Ähnlichkeit in ihrer Höhe auf. Die alten Originalstatuten scheinen in Prag untergegangen zu sein; 
eine andere Drucklegung wie die genannte habe ich trotz vielen Suchens nicht aufzufinden ver- 
mocht; den Hinweis auf diese Publikationsstelle verdanke ich Herrn Prof. Friede! Pick in Prag. 



3S : ''l>en der FakuUlt. 

trauliche bczcicliet hat, und erstreckt die Machtvollkommenheit, Autorität, 
Khrunijspflicht und Respekt gegenüber dem Dekan und den Kakultatsgenossoii 
bei leierlichen Akten una im Unterricht über alle Graduierte und Studenten. 
Ms geht dann weiter zu den Bestimmungen bei der l->\verbung von akademischen 
Graden über. Jeder Haccalaureats- und Lizentiatskandidat hat vorher zu 
schworen, daß er denselben Grad an einer anderen (medizinischen) Fakultät 
einer anderen Universität nicht zum /weiten Male erwerben wird, daß er die 
Satzung der Fakultät halten will. Der nämliche Kid wird auch von ander- 
wärts Graduierten verlangt, wenn sie in die Leipziger Fakultät Aufnahme limien 
wollen. Hei den Haccalaurcat.s- und Lizentiatenprüfungen, deren Vorbedingung 
die Inskription in die Universitatsmatrikcl ist, entscheidet die Stimmenmehrheit 
der F'akultätsmitglieder wie in allen anderen F'akultätsangclegenheiten, mit Aus- 
nahme der res gratiosae et praejudiciales'\ bei welchen liinmütigkeil vorhanden 
sein muß, also eine Gegenstimme schon zur Ungültigkeit eines Beschlusses 
genügt In das „Consilium" der Fakultät, also in diese selbst im engeren 
Sinne, können Lizentiaten und Baccalarien der Medizin keine Aufnahme linden. 
Für die Aufnahme in die weitere Fukultät ist ein besonderer Eid auf die 
Statuten und zu pflichtmäBigem Gehorsam vorgesehen. Binnen Monatsfrist nach 
seiner Promotion hat jeder Doctorandus 4 Gulden-) und jeder Baccalariandus 
2 Gulden an die Fakultätskasse zu bezahlen. Die letztere Summe scheint 
anfangs niederer bemessen gewesen zu sein; jedenfalls ist das Wort duos 
zwischen 1443 und 1490 an Stelle eines anderen Zaiilworts eingesetzt worden. 
Wer an einer anderen Universität den Doktorhut errungen hat, muß beim 
Eintritt in die Leipziger F'acultas medica 12 rheinische Gulden Aufnahmegebühr 
binnen Monatsfrist bezahlen. Auch diese Zahl ist nach 1443 erst auf diese 
Höhe gebracht ' und noch dadurch weiter gesteigert worden, daß man den Beschluß 
in die Satzung aufnahm, diese \'ergünstigung der Zahlung einer niedereren, für 
damalige Zeit aber recht respektabeln Summe, nur denen zuzubilligen, die in 
Leipzig wenigstens das Baccalariat erworben hatten; alle anderen mußten fortan 
noch um die Hälfte mehr, also 18 rheinische Gulden Eintrittsgebühr bezahlen. 
Man suchte dem herrschenden Brauch entgegenzuwirken, daß die Studierenden 
der Medizin in Leipzig gewöhnlich schon nach Erringung der (philosoi^hischen) 
Magisterwürde (also etwa nach Bestehung des Vorexamens), beim Beginn des 
eigentlichen Medizinstudiums nach Italien zum Fachstudium zogen oder höchstens 
noch bis zur Erringung des Baccalariats in Leipzig blieben (also etwa bis nach 
bestandenem Physikum . Der Fall der beiden Nürnberger Arzte aus der Familie 
Schede!. Onkel und Xefl'e, Hermann und Hartmann, deren ersterer im Jahre 
1433 die Universität Leipzig bezog, im Februar 1436 Baccalaureus, im (Jktober 



') Bei Ehrenerwcisungen von Seiten der Fakultät (z. B. Verleihung von Graden oder 
anderen Vorrechten honoris causa) und bei Beschlüssen genereller Art, welche fiir die Zukunft 
irgendwie bindend waren. 

') Im Jahre 1466 wurden noch 3 fl. für die Doktorpromotion bezahlt, wie wir am Ende 
des 4. Abschnittes aus den Aufzeichnungen des Dekans ersehen werden (S. 80). 

') 1469 wurden zum erstenmal 8 fl. bezahlt (vgl. ebendort), später stets nur 4 fl. trotz aller 
weitergehenden Fakultütsbeschlüsse bis zum Jahre 1497 (vcl. S, 72 u. 84). 



2. Inneres Leben der FakultSt. 29 



1437 Magister wurde und dann nach Padua ging, während Hartmann von 
1455 bis 1461 in Leipzig studierte und dort am 17. September 1457 das Hacca- 
lariat, am 12. Januar 1460 den Magistertitel errang, um dann sein Studium 
bis 1466 in Padua fortzusetzen, wo er am 17. April 1466 zum Doktor promo- 
viert wurde, — der Fall dieser beiden Nürnberger Arzte, deren kostbare 
Bibliothek heute noch großenteils in München vorhanden ist und auch für 
Leipziger Univcrsitatsverhältnisse, leider nicht auf medizinischem Gebiete, noch 
wertvolle Dokumente birgt, scheint anfangs die Regel gebildet zu haben. Um 
diese Regel zu durchbrechen, hat man wohl die Aufnahmebedingungen in die 
Leipziger medizinische Fakultät stetig pekuniär erschwert, wie unsere Statuten 
darzulegen scheinen. Auch an die Fakultätsbediensteten (famuli) mußten die 
Bewerber um Baccalariat, Lizentiatur und Doktorat ein bis zwei Gulden be- 
zahlen, was anderwärts Promovierte alles nachbezahlen bzw. nochmals bezahlen 
mußten, wollten sie in das Leipziger Ärztekollegium, das ist eben die „Fakultät" 
im weiteren und engeren Sinne'), Aufnahme finden. Und diese Aufnahme war, 
wie ein späterer Zusatz (aus der Zeit nach 1471) ausdrücklich stipuliert, unbe- 
dingtes Erfordernis, wollte man überhaupt an einem feierlichen Universitätsakt in 
Mitte der Doktoren der Medizin teilnehmen, wollte man Vorlesungen halten oder 
in der Disputation seine Stimme erheben, falls nicht ein besonderer (einstim- 
miger) Beschluß des Dekans und der Fakultätsmitglieder vorlag, der diesen 
Fall zu einer Ehrenerweisung stempelte (res gratiosa des § 3), die wohl nur 
vorübergehend anwesenden, auswärtigen Gelehrten zuteil wurde. Daß einer ohne 
die „Assumptio in facultatem" in Leipzig nicht ärztlich praktizieren konnte, ist 
damit ja nicht ausdrücklich gesagt, galt aber schon von Anfang an als völlig 
selbstverständlich. 

Mit solchen Fragen der Praxis oder wenigstens der praktischen ärztlichen 
.Ausbildung befaßt sich das Nachtragsstatut vom Jahre 1429 — jedenfalls ein 
sicheres Zeichen, daß tatsächlich bereits vor der „Dotierung" der beiden Profes- 
suren der Medizin (s. o.) ein Hochschulunterricht in der Medizin stattgefunden 
hatte und daß man in der Praxis des Lehrbetriebes schon Erfahrungen gesammelt 
hatte und seine Konsequenzen daraus zu ziehen begann. 

Secuntur alia statuta [von 1429]. 
[Bl. '7)'|. Anno domini M^'ccccxxi.k decima die 5 Junij approbata sunt 
per facultatem medicinae statuta infrascripta. 

26. Primum quilibet volens promoveri in baccalarium medicinae tenetur 
antea cum aliquo doctore vel doctoribus visitasse practicam medicinae per 
biennium diligenter. 

27. Item quilibet volens promoveri in baccalarium medicinae vel doc- 
torem tenetur ante privatum suum exanien, publice in scolis sub aliquo doc- 



') Nicht nur die Professoren bildeten das „Consilium facultatis", sondern nach einer ein- 
bis rweijährigen Übergangszeit fand in der Regel jeder Leipziger Doctor medicinae auch hierin Auf- 
nahme, wie er auch vorher schon zur Teilnahme an der Lehrtätigkeit berechtigt und bis zu gewissen 
Grade verpflichtet war. Für solche ergänzende Vorlesungen der jungen Doktoren war ausdrücklich 
die Stunde nachmittags 3 Uhr vorgesehen. 



• ^^ 3. Inneres Leben der Ftkulttt. 

tore quacstioncm niedicinalcin dctcnninare et suo doctori et aliis argucntibus 
contra dictam quacstioncm rcspondcro. 

28. Item quilibet doctorandus in medicina tcmiiore complccionis sui 
byeanij tenebitur, diligenter lectioncs doctorum visitarc. 

29. Item promotus in doctorcm medicinac in alia uniucrsitate famosa, 
si desidcrat recipi ad facultatem mcdicinae, primo doccat de doctoratu suo 
jKT autenticam suam, in qua modus suae promocionis continctur, deindc 
publice in scolis dctcmiinet quaestionem medicinalem, ad quam respondebit 
doctoribus et omnibus aliis contra eandcm artjucre volcntibus [et quod velit 
peterc assumi ad facultatem medicinac secundum statuta post responsionom. 
quae responsio sit loco cxaminis. et fiat inmediate post responsionem sua 
assumpcio] 'l 

30. Item promotus in baccalarium medicinac, in alia univcrsitate famosa, 
desiderans recipi ad facultatem tamquam baccalarius medicinac, tenebitur prius 
docere de suo baccalariatu per autenticam suam, deinde sub aliquo doctore 
determinabit quaestionem medicinalem, ad quem respondebit suo doctori et 
alijs arguere volentibus. 

Die wichtigste Bestimmung ist sicher die erste, durch welche festgesetzt 
wird, daß der künftige Arzt, ehe er zum Baccalariatsexamen zugelassen werden 
dürfe, gehalten sei, mit einem Arzt oder auch mit verschiedenen Ärzten zwei 
Jahre lang fleißig deren Klientel mitzubesuchen, also an den Praxisgängen 
teilzunehmen — der Embr>o einer poliklinischen Unterweisung, der wie 
wir noch sehen werden eine dauernde Institution der Leipziger medizinischen 
Fakultät wurde. Ob er nicht für lange Zeiträume im wesentlichen auf dem 
Papiere stand? — Eine historische Kontrolle ist schwer anzustellen. 

Wesentlich nach den scholastischen Gesichtspunkten einer formal-dialek- 
tischen Schulung zugeschnitten, aber einer allgemeinen Zeitforderung entsprechend, 
ist die weitere Bestimmung über die .Abhaltung einer „Determination" über 
eine „Quaestio medicinalis"; es wurde eine mündliche .Auseinandersetzung über 
eine medizinische Frage verlangt, die der Lehrer stellte, und daran anschließend 
eine öffentliche Beantwortung aller von den Dozenten und Studenten oder 
sonst aus der gelehrten Korona erhobenen Einwürfe, also ein Vortrag mit 
anschließender Disputation zur .Aufweisung, daß man etwas gelernt hatte, und 
zur Dokumentierung und weiteren Übung und .Ausbildung einer dialektischen 
Gewandheit und Schlagfertigkeit*). 



') Späterer Zusatz bestimmt nach 1443, hScliit wahrscheinlich im Jahre 1469; wenigstens 
stimmt die Hand dieses Zusatzes mit der des noch mitzuteilenden Nachtrags vom Jahre 1469 überein 
und ist, wie ich annehme, vom Dekan Johann von W'cyda zu Papier gebracht. 

') Die „Quaestiones medicinales" sind ein ständiges, durch seine Sterilität meist übel an- 
widerndes Inventar der Handschriften, namentlich des 1 5. Jahrhunderts. Auch eine ganze Reihe von 
solchen akademischen Lchrvorträgen (Quodlibeta, disputationes quodlibeticae) namhafter Hochschulen 
sind mir samt ihren abgezirkelten Einleitungen und umständlichen ,,Graliorum actioncs'' in die 
Hände gekommen; ich werde einige interessantere aus Montpellier und Prag demnächst anderweit 
publizieren lassen. Für Leipziger Verhältnisse fehlt mir bis heute aus der Mitte des 15. Jahr- 



Inneres Leben der Fakultät. 



3t 



Auch nach dem Haccalariat soll der künftige Doktor wahrend seines 
pflichtniäßigen Bienniums gehalten sein die Lehrvorträge der Dozenten fleißig 
zu besuchen. Wer von auswärts mit einem Doktordiplom nach Leipzig kam, 
mußte sein Diplom zur Prüfung vorlegen, (daß es von einer namhaften 
[famosa] Fakultät ausgefertigt sei, galt als Voraussetzung), erneut eine Rede 
über ein medizinisches Thema halten und den Inhalt in öflentlicher Disputation 
verteidigen — an Stelle eines Kxamens, aber doch nur Formsache, wie 
sich daraus ergibt, daß die Aufnahme in die Fakultät sich sofort anschließen 
sollte, „immediate", also ohne vorhergehendes geheimes oder öflentliches Skruti- 
nium der Fakultät. Das Thema seiner „Quaestio", seiner Disputationsrede, die 
hier fast als llabilitationsrede aufzufassen ist, war dem auswärtigen Doktor 
oflenbar in sein eigenes lielieben gestellt, während dem auswärts zum Bac- 
calarius Promovierten als einziger Unterschied von der Doktorrezeption dieses 
Thema gestellt wurde, wie der Schlußabsatz ausdrücklich besagt: „sub aliquo 
doctore determinabit quaestionem". 

Mit diesen Zusätzen zum Grundstatut von 141 5 war aber der innere 
.Ausbau der F'akultätsangelegenheiten noch nicht abgeschlossen; nach abermals 
14 Jahren entschloß man sich zu einer umfänglichen abermaligen Aufnahme 
einer ganzen Reihe von neuen Paragraphen in das Fakultätsstatut. 

[Satzungszusatz vom 21. Januar 1443.] 

[Bl. (7)"]. .\nno domini millesimo quadringentesimo quadragesimo tercio 
vicesima prima die mensis Januarij approbata sunt per facultatem statuta in- 
frascripta. 

31. Primum facultas medicinae habeat decanum'), qui sit senior doctor 
promotus aut assumptus in facultate medicinae universitatis Lipczensis, qui si 
in possessione mensium sex tempore permanserit et alter doctor medicinae eo 
senior non advenerit, nisi domicilium ab hac univcrsitate transtulerit, semper, 
quousque voluerit, decanus permanebit. 



32. Item promotus in baccalarium facultatis medicinae in univcrsitate 
Lipczensi, postquam assumptus fuerit ad legendum pro licenciatura facultatis 
medicinae et legerit pro publico examine licenciaturae, extunc, postquam pro- 
motus fuerit in doctorem medicinae in univcrsitate Lipczensi, praecedere habebit 
in loco quemlibet doctorem medicinae promotum in doctorem medicinae in 
alia univcrsitate, nisi talis doctor alterius universitatis in univcrsitate Lipczensi 
ante admissionem eiusdem baccalarij ad licenciam esset praeassumptus; sie 
enim talis doctor hie in univcrsitate Lipczensi promotus talem doctorem alie- 
num sequi debet, eciam si ante ipsius doctoris ad facultatem medicinae 

hunderts der Nachweis solcher medizinischer Baccalariats- Disputationen; als Specimina mögen die 
theologischen Quaesliones des Mediziners Helmold von Gledenstcde im 6. Abschnitt und die 
Thesen eines Pistoris, Meilerstadt und Kegler an gleicher Stelle dienen. 
') DECANUS .im Rande. 



;. r. Iiitv! - ! -I ,Vr FakulUU 

assumiicioncni ad k-s^cnilum pro iicoiicia esset admissus. Doctores auteni hie 
pronioti locum habeant sccundum primogenita ipsorum ad licenciani assuiup- 
cionum. 

33. Item doctorandus in illa universitate tempore suae promocionis 
dabit quinque florenos rinenses famulis vmiversitatis. 

34. Item nullus doctor sit de consiiio facultatis mcdiciiiae, nisi liic in 
universitate vel in alia suum biennium con|)leverit, et lioc siio juramcnto 
contirmabit. 

B 

35. Item quilibet promovendus in iicenciatum facultatis medicinae tem- 
pore examinis fiendi ') pro licenciatura dabit pro doctoribus de consiiio facul- 
tatis medicinae cxistentibus duodecim florenos rinenses. 

36. Item quilibet promouendus in Baccalarium facultatis medicinae tem- 
pore sui examinis pro baccalariatu dabit (sex)*) florenos reynenscs pro docto- 
ribus de consiiio cxistentibus facultatis eiusdem. 

37. Item quilibet baccalariandus '), volens promoveri in Iicenciatum, 
debet primo optinere a doctoribus de consiiio facultatis medicinae favorcm 
legendi pro licencia, et post hoc favorem assumendi ad eandem. 

Diese Zusatzparagrajjhen treffen zunächst nähere Bestimmung über das 
Dekanat, das zur Lebensstellung des ältesten F"akultätsmitgliedes gestempelt 
wird. Bei der Dekanatsvakanz, die wegen des hohen Alters des augenblicklichen 
Trägers dieser Würde, Helmold von Gledenstede, in baldiger Aussicht 
stand und auch wenige Jahre später eintrat, sollte der nächstälteste Doctor 
medicinae in das Dekanatsamt einrücken und zwar sollte dieses zunächst ein 
provisorisches Einrücken sein und erst zu einem definitiven werden, wenn 
binnen sechs Monaten kein früher promovierter Doctor der Medizin in die 
Leipziger Fakultät wieder eingetreten sein würde. Nur im Falle seines Weg- 
zuges von Leipzig sollte das Amt vor seinem Tode auf den Nächstbefugten 
übergehen, wenn er nicht ausdrücklich von weiterer Amtsführung entbunden 
zu werden wünschen sollte. 

Ein Baccalarius der Leipziger Fakultät sollte in Zukunft, so wird nun 
festgesetzt, nachdem er die Lizenz erhalten und seine Antrittsvorlesung zum 
Lehramt gehalten hätte und (dann später) zum Doktor der Medizin promoviert sei, 
vor jedem anderwärts promovierten Doktor der Medizin den Vortritt haben, der 
nicht vor dem Doktorpromotionsakt des Leipziger Baccalarius Aufnahme in 
die Leipziger Fakultät gefunden hätte, nicht aber wenn nur seine Zulassung 
zur Lizentiatur früher ergangen sein sollte als die Aufnahme eines fremden 
Doktors der Medizin in die Leipziger Fakultät. Das kam also in der Praxis 
darauf hinaus, daß den auswärts promovierten Doktoren der Medizin in der 
Leipziger medizinischen Fakultät ihr Dienstalter nicht vom Termin der aus- 

•) Es steht „ficnde" also „fiendac" da! 

'J Auf Rasur. 

') „baccalarius" überschrieben. 



2. Inneres Leben der Fakultät. Ti 



wärtigen Doktorpromotion sondern vom Tage ihre Aufnahme in die Leipziger 
Fai<ultät gerechnet wurde. Einheimische Doktoren der Medizin sollten in der 
Reihenfolge ihrer Zulassung zur Lizentiatur ., rangieren". .'\n dem Termin der 
Promotion sind fünf rhein. Gulden an die Famuli der Universität zu entrichten. 

Die Aufnahme in den Rat der Fakultät soll nicht früher als nach Ablaut 
zweier Jahre nach der Doktorpromotion erfolgen; auswärts Promovierte müssen 
darüber einen Eid schwören, daß sie anderwärts auch ihr Biennium an einer 
Universität durchgemacht haben. 

Bei der Promotion zum Lizentiaten sind 12 rhein. Gulden den Doktoren 
im Rate der Fakultät zu entrichten, bei der Baccalariatspromotion 6 rhein. 
Gulden; doch scheint letzterer Betrag erst nach 1443 ^"^ diese Höhe normiert 
worden zu sein, da die Zahlangabe auf Rasur stand. Nach den spärlichen 
Resten unter dem Palimpsest möchte ich schließen, daß „quattuor" zuerst da- 
gestanden hat; dies dürfte die Zahlungsnormierung des Jahres 1443 gewesen 
sein. Will der Baccalarius zum Lizentiaten promovieren, so hat er erst vom 
Rat der Fakultät die Vergünstigung zu erlangen, zur Probevorlesung zugelassen 
zu werden, und danach die \'ergünstigung der .Aufnahme in die Fakultät. 



Doch auch mit dieser Vermehrung um 8 Paragraphen hat die Redaktion 
der Satzung noch immer nicht ihr Ende erreicht. Vor ihrer völligen Neu- 
regelung nach der Reformation von 1 503 wurden noch viermal (in den Jahren 
1465, 1469, 147 1 und 1490) Zusatzbestimmungen getroffen. 

Zuerst fand man für nötig, die Anordnung zu treffen, daß kein aus- 
wärtiger Doktor der Medizin in die Leipziger medizinsiche F'akultät Aufnahme 
finden solle, wenn er nicht (neben den übrigen Belegstücken) noch durch Eid- 
schwur erhärten könne, daß er mindestens drei Jahre an einer namhaften 
Universität eingeschrieben gewesen sei und dort fleißig die Lehrvorträge der 
Fakultätsmitglieder gehört habe: 

(38) Anno domini M° cccc° lxv'° sedecima die Decembris (1405 den 16. De- 
cember) conclusum 'j fuit statutum istud, videlicet quod nullus decetero recipiatur 
ad facultatem medicinae, nisi per triennium ad minus in alia universitate famosa 
steterit et doctores medicinae facultatis diligenter in leccionibus audierit; et 
hoc suo iuramento confirmabit. Et hoc de doctoribus^) in alia universitate 
promotis statutum est. 

Man hatte wolil seine Gründe, sich gegen leichtfertige Doktorpromotionen 
anderer Universitäten zu wehren, auch abgesehen von den langsam immer mehr 
zutage tretenden Bestrebungen, überhaupt die Zulassung auswärts Promovierter 
zur Fakultät zu erschweren. 

') Hier findet sich im Original eine Rasur von 8 Buchstaben Länge. Eingetragen sind alle 
diese neuen Satzungsparagraphen Nr. 38 — 41 der Jahre 1465, 1469 und 1471 vom Dekan Johann 
von Weyda. 

-) „Promotis" ist hier wegradiert. 
Smaien .'ur Geschichte der Medizin. VUI. 3 



Inneres Leben der l-'akullllt. 



\ H.-1 Jahre später wurde der längst gewiß als selbstverständlich geübte 
Usus (s obenl durch einstimmigen Fakultätsbeschluß fixiert und damit in die 
Satzung aufgenommen, daü jede Art von medizinischer Praxis zu ihrer Aus- 
übuni: in Leipzig als unumgängliche Voraussetzung habe, daß der lietreffende 
vorher als Doktor, Lizcntiat oder Baccalarius von der Leipziger Fakultät pro- 
moviert sei oder den Nachweis einer anderweit gültig errungenen Promotion 
erbracht und sich auf die Leipziger Fakultätsstatuten verpflichtet hätte. 

(39 Anno domini millesimo quadringentesimo sexagesimo nono decima die 
Aprilis [1469 </<•// lo. .J/T/Ylconclusum et approbatum t'uit statutum istud peromncs 
doctores medicinae facultatis concorditer, videlicet quod dccetero nullus ad- 
mittatur se intromittere de cura mcdicinali vel practica alicuius corporis, niorbo 
vel intimiitate laborantis aut gravati in praefata civitate Leipczk, cuiuscunque 
gentis, professionis, sexus vel condicionis fuerit, nisi prius in praefata medicinae 
facultate in doctorem, liczenciatuni vel baccalarium promotus fuerit, vel de 
promocione sua doceat altcrius universitatis, cuius dicit se fore membrum, atque 
secunduni statuta facultatis medicinae huius universitatis satisfaciat et perficiat 
ea, quae inibi continentur. 

Schon nach weiteren zwei Jahren fand man lur ratsam die Bestimmungen 
des § 38 vom Jahre 1465 zu verscharten für alle, die zuerst in Leipzig studiert 
hatten und zur Aufnahme ihres eigentlichen medizinischen Fachstudiums oder 
zur weiteren Fortsetzung desselben andere Hochschulen aufsuchten. Auch 
hier wird die Einmütigkeit des Beschlusses ausdrücklich erwähnt. 

Die Baccalarien der Leipziger medizinischen F'akultät, die zur Erringung 
des Doktorhutes an einer anderen Universität Leipzig verlassen hatten, mußten 
eidUch aussagen, daß sie ein weiteres Biennium mit eifrigem Kollegienbesuch an 
einer Hochschule ausgefüllt hätten. Wer etwa, ohne das Baccalariat ;der Medizin) 
zu erringen, Leipzig verlassen hätte, müsse mindestens den Nachweis erbringen, 
daß er vor dem Verlassen der Universität Leipzig die Dozenten der Medizin 
zwei Jahre lang fleißig gehört und zwei Jahre die Praxisgänge satzungsgemäß 
mitgemacht habe und zweimal in Disputationen den Doktoren erwidert habe. 
Sollte er anderwärts zum Doktor der Medizin promoviert sein, so müsse er 
eidlich erhärten, daß er sein Biennium an einer anderen Universität unter 
fleißigem Kollegienbesuche absolviert habe und zweimal in Leipzig an Dispu- 
tationen als „Respondent" sich beteiligen — ohne dies sei seine Aufnahme 
in die Leipziger medizinische Fakultät nicht angängig. F"ür solche, die von 
Anfang an auswärtigen Universitäten studiert hätten, bleibt es bei den Be- 
stimmungen des §38. Der neue Satzungsparagraph (40) lautete folgendermaßen'): 

(40) Anno domini millesimo quadringentesimo septuagesimo primo tercia 
feria post Invocavit (1471 den 5. März) conclusum fuit et statutum per omnes 
doctores medicinae facultatis, quod quilibet exiens de hac universitate Lipczensi 

') Am Rande die Notiz „• doctoribus alienis assumcndis sUtutum proponendum". 



Inneres Leben der Fakultüt. ^c 



pro studio medicinae pro adepcione doctoratus in medicina ad aliam universi- 
tatem, si est baccalariiis medicinae huius univcrsitatis et promovetur in alia 
universitate in doctorem, quod non recipiatur in hac universitate ad facuitatem 
medicinae, nisi sub iuramento suo dicat, quod complevit biennium suum in 
hac universitate vel in alia, in qua promotus est, diligenter doctores in lec- 
tionibus medicinae legentes audiendo. Si autem non sit baccaiarius, talis sie 
exiens ad aliam universitatem tenetur diligenter audivisse doctores huius uni- 
vcrsitatis per biennium et visitasse practicam per biennium secundum statuta 
huius univcrsitatis in facultate medicinae et bis respondisse doctoribus, antequam 
exeat ad aliam universitatem; et cum promotus fuerit in doctorem alterius 
univcrsitatis, talis tunc sub iuramento suo dicat, quod complevit biennium 
suum in alia universitate, diligenter doctores audiendo, post responsionem binam 
hie factam in universitate, alias ad facuitatem medicinae huius univcrsitatis non 
recipiatur. Si autem non studuit in hac universitate Lipczensi in medicinis et 
est promotus in alia universitate, tunc cum eo procedatur secundum statutum, 
de doctoribus alterius univcrsitatis conclusum anno etc. Iw". 

Gleichzeitig wurden die Rezeptionsgebühren für auswärts Doktorierte derart 
festgesetzt, wie es die Korrekturen des § 21 der früheren Statuten vom Jahre 
141 5 angeben, d.h. wer in Leipzig das Baccalariat errungen hatte und aus- 
wärts zum Doktor promoviert war, hatte 12 rheinische Gulden an die Mit- 
glieder des Rats der Fakultät zu bezahlen, die übrigen 18 rheinische Gold- 
gulden. 

(41) Item conclusum fuit cademtercia feria post Invocavit per omnes doctores 
facultatis medicinae, quod doctor alterius facultatis volens recipi ad facuitatem 
medicinae huius univcrsitatis, si est baccaiarius huius univcrsitatis, tenetur dare 
XII florenos renenses in auro doctoribus de consilio facultatis medicinae. Si 
autem non est baccaiarius huius univcrsitatis, tenetur dare xviii florenos renenses 
in auro doctoribus de consilio facultatis medicinae. 

Diese nämliche Bestimmung findet sich nochmals auf der Rückseite des 
nämlichen Blattes (Bl. (S)'^ mit der Seitenbezeichnung 6) von derselben Hand ') ein- 
getragen, mit der Randnotiz ,.prius scriptum est hie repetitum", was immerhin 
zeigt, welch großen Wert man gerade auf diesen Beschluß legte. 



Ein ganz anderes Gebiet berührt eine Bestimmung vom Jahre 1490, die 
Lepraschau, über deren bisherige Ausübung in Leipzig wir nichts Sicheres 
wissen. Ob sie hier wie mehrfach anderwärts von den Insassen der Leprosorien 
ausgeführt worden war? Ob sich der Rat diescrhalb an die Fakultät gewandt hat? 
Jedenfalls ist der Beschluß äußerst beachtenswert; denn sein ganzer Wortlaut legt 
die .Annahme nahe, daß er doch erst infolge anderweitiger ärztlicher Lepra- 



') Des Dekans Johann von Weyda. 

3* 



: • 1 •■ - ' '-Ucn der l'akullilt. 

•■•ut.KJücii i;iiai.T \\onkn is; . ociun dio Fakultät aus iryfiul wclclu'n ClriimK'ii 
vorbeugen wollte. 

(42) Itcni concorditer conclusuni tuit per doctores lacultatis medicinae anno 
millesimo quadringcntesinio nonagcsimo die sancti Cleinentis (1490 dni 23. A'c- 
t'fmlftr), quod in futurum nullus doctoruni audebit nequc ex suo proprio 
consilio sc intermitterc de examine leprosi aut suspecti pro lepra, nisi signo- 
tum facultatis medicinae obtineat ex favore doctoruni de consilio, sub poena 
exclusionis a consilio facultatis et sus|)ensionis ad tres annos, si ad facultatcm 
speraverit, taliter extra consilium aduc existente'}. 

Die Fakultät muß offenbar ein eminentes eigenes Interesse darin gesehen 
haben, daß sie in so scharfer Weise jedem ihrer Mitglieder die eigenmächtige, 
von ihr nicht ausdrücklich autorisierte Vornahme einer Lepraschau untersagte 
bei Strafe einer Exklusion auf 3 Jahre und eines dreijährigen .Aufschubes für 
die .-Xurnahme, falls der Hetreflende etwa auf eine solche Rezeption gerechnet 
oder sie beantragt haben sollte*). 

Eine den Lehrbetrieb betreffende Bestimmung enthalt der folgende Para- 
graph (43), der aus demselben Jahre 1490 stanmit. Er setzt fe.st, daß alle Mit- 
glieder des Rates der Fakultät der Reihe nach verpflichtet sein sollen sich an 
den öffentlichen Disputationen zu den 4 Frohnfasten (Ouatember) zu beteiligen. 
Für seine Bemühung als Teilnehmer an der Disputation bzw. ihr Leiter hat er 
I Gulden zu beanspruchen — falls die Fakultät gerade bei Gelde ist, erhält 
er diesen, wenn nicht, muß er sich geduldeUj bis etwa etwas einläuft, in welchem 
Falle die Fakultät über nachträgliche Zubilligung zu beschließen hätte — man 
sieht hier so recht die Armseligkeit der Leipziger medizinischen Fakultätsver- 
hältnisse! — dagegen hat pro poena i Gulden zu zahlen, wer sich säumig 
zeigte. Stellvertretung oder Turnusänderung aus Gründen, die sich hören 
lassen, sollen dagegen zulässig sein: 

143) Item statutum sit, quod quilibet doctor de consilio facultatis existens 
tenetur ex ordine suo secundum quatuor angarias disputare publice. VX idem 
doctor pro labore suo habebit unum florenum a facultate, si facultas habuiida- 
verit; sed si deficiet facultas, tenetur gratis; expost, cum facultas obtinebit, 
satisfaciet secundum decreta doctoruni. Et si aliquis negligens fuerit, quod 
disputare neglexerit, tenetur dare unum florenum pro poena', vel ex causa 
rationabili potest aliuni vice opponentem de consilio facultatis substituere'' . 

') .\ufg«eichnct vom Dekan Johann von Landsberg. 

') Ich werde auf diese Lepraschau der Fakultät anderwärts zurückkommen. Die einzige 
in den Leipziger RatsprolokoUen nachweisbare stammt vom Jahre 1492; G. Wust mann hat 
sie im „Archiv" der Puschmannstiftung Bd. I S. 70 f. veröfTcntlicht. 

'1 Auf einen leeren Raum am Fuße der Rückseite des Blattes (7) im J.ihre 1490 vom Dekan 
Johann von Landsberg geschrieben und dadurch zwischen § 38 u, 39 geraten. — Daß schon 1470 bis 
1473 solche Disputationen mit einer gewissen Regelmäßigkeit an den 4 Frohnfesten stattfanden und 
zum selben Satze honoriert wurden, werden wir am Ende des 4. Abschnittes aus den Notierungen 
der Dekanatsausgaben Johanns von Weyda ersehen. Es wurde also ein früherer Usus 1490 nur 
aufgenommen und satzuogsgemäß fixiert. 



2. Inneres Lebeq, der Fakultät. rn 



Den Ausführungen des nächsten Absclinittes etwas vorgreifend, um die 
Statutenfrage im Zusammenhange zu erledigen, gehe ich zum Schlüsse noch 
kurz auf die Satzungen von 1 503 und 1 543 ein. 

Die Statuten von 1 503 sind im Anhang unter Nr. i S. 1 59 ii. in ihrem 
Wortlaute zum Abdrucke gebracht unter Heranziehung des heute noch vor- 
handenen Originals im Archiv der medizinischen Fakultät [A. I 9 vol. I''(i)]'). 

Sie stellen im wesentlichen eine Neuordnung und Umredaktion des im 
Laufe der Jahre von 1415 — 1490 in die Erscheinung getretenen Beschluß- 
materials dar, in manchen, hauptsächlich formalen Punkten auch eine Erwei- 
terung. Beseitigt ist die Bestimmung, daß der Dekan bei Stimmengleichheit 
eine neue Abstimmung herbeifuhren muß. Neu ist ferner, daß es in das Be- 
lieben des Dekans und des Doktorkollegiums gestellt sein soll in besonderen 
Fällen auch die Lizentiaten, Baccalaurei und Medizinstudierenden bei Strafe zur 
Fakultätsversammlung hinzuzuziehen bzw. eine Fakultätsversammlung in ihrer 
Gegenwart abzuhalten. Neugeschaffen wird eine Vizekanzlerstelle neben dem 
Dekan, welche im Anciennitätsturnus umgehen soll und namentlich bei der 
Promotion der Lizentiaten in die Erscheinung tritt und auch in einem Vorzug 
bei der \'erteilung der Sportein sich manifestiert. Da aber auch die übrigen 
anwesenden Fakultätsmitglieder in dritter Reihe an den Gebühren der Promo- 
tionen beteiligt sind, wird ausdrücklich festgesetzt, daß der Dekan bei der Be- 
stimmung desTermines auf die Anwesenheit der Doctores regentes und residentes 
in der Stadt Rücksicht nehmen möge. Die Zahlung der betreffenden Examens- usw. 
Gebühren wird zeitlich noch genauer fixiert, für die Baccalarii z. B. vor die 
\'erkündigung des Prüfungsergebnisses gelegt. Auch der Promotor erhält nun 
eine Sondergebühr von 4 Gulden. Die Respektspflicht ist jetzt ebenfalls schärfer ge- 
faßt, und für Verabsäumung der schuldigen Achtungser\veisung werden Disziplinar- 
strafen ausdrücklich vorgesehen. Auch die Zeitspannen für die theoretische und 



') Es ist ein ganz in Pergament mit zierlichen Pressungen gebundener dünner Foliant 
(318 X 216 mm), bestehend aus 18 Pergamentblättern. Auf BI. ir steht die Bezeichnung „Nr. 9 
Liber Statutorum Facultatis medicae" von einer Hand aus der i. Hälfte des 16. Jahrhundert». 

Bl. 2r — iiT nimmt das Statut von 1503 ein von einer gleichzeitigen Hand sauber, wenn 
auch etwas steif und plumb, geschrieben; nur wenige Korrekturen und Beischriften andereren Hand. 
Am Schlüsse auf Bl. 11^ zwei Zusätze in blasser Tinte von einer Hand aus dem 2. Viertel des 
16. Säkulums. 

Auf Bl. 1 2 r der Beschluß über die \'orbedingung des Magisterium arlis für jede medizinische 
Fachqualität vom Jahre 1 5 1 1 mit feinem farbigem Initial, mit Gold belegt, sehr sauber und zierlich 
zu Pergament gebracht, darunter zwei Baccalariatspromotioncn von 1525 und 1526. Bl. 12^ IJzen- 
tiatspromotion von 1525 mit Angabe der Disputationsthemata. Darunter Baccalariatspromotion 
von 1527. 

Bl. 13' Linzcntiatur und Doktorpromotion von 1528. 

Bl. 13» Lizentiatur zweier Kandidaten von 1532 und Doktorproraotion eines derselben 1535. 

Bl. 14 — 16 unbeschrieben. 

Bl. I7r — iSr mit schönem bunten Initial und zierlicher Schrift (wie Bl. 12') der Beschluß 
über die Ausstoßung des Konrad Toeckler aus der Fakultät (15 18) und über seine Wieder- 
aufnahme 1521. Unter dem Schluß des letzteren stehen Bl. iS' u. 18» noch Eintragungen über 
Aufnahmen in die Fakultät und Doktorpromotionen aus den Jahren 1526, 1529, 1534, 1535 IS42 
und 1546. 



'"vctcs Lcbeu der Fakultät, 

praKiiscnc .\usin oimiv; wiiac» ijcnaucr festgesetzt. Dein „Promotor" wird ein 
..Conipromotor'* zur Seite gestellt und über die llerrichtung und Ausschmückung 
der Kirche lür die Promotionen ausdrücklich Bestimmung getroffen. Auch über 
wahlweise Hereitstellung von Wein oder Hier und Konfekt bei den lixaminibus 
finden wir zuerst hier Hestimmungen, die noch weiter ausgedehnt worden in 
einer Verordnung nach dem Jahre 1521, die man im Anhang nachsehen mag 
Nr. 41 S. 169). Sie erhöht gleichzeitig die Gebühren für auswärts ijronioviertc 
Doktoren der Medizin nicht unerheblich auf 25 bzw. 31 Goldgulden. Wichtig 
scheint mir eine Hestimniung aus dem Jahre i 50S, durch welche die bisherige 
Lbung zum Gesetz erhoben wird, daß keiner mehr zum Haccalaureus, ge- 
schweige zu einem höheren medizinischen Grade zugelassen werden dürfe, auch 
niemand in irgend welche nähere Beziehung zur medizinischen Fakultät treten 
dürfe, er habe denn das Magisterium der Artes vorher errungen. Brennend war 
die Sache dadurch geworden, daß zwei junge Leute auf ihr Verlangen zu 
Haccalaurien hatten gemacht werden müssen, trotzdem sie kein Magisterium 
der Artes besaßen, weil sich herausstellte, daß eine Bestimmung darüber in 
den Statuten sich nicht fand, trotzdem es bisher immer so gehalten worden 
war (vgl. das interessante Aktenstück unter Nr. 42 im ersten Abschnitt des An- 
hangs S. 17c). 

Eine abermalige Kodifizierung der Fakultätssatzung fand im Jahre 1 543 
statt, diesmal allerdings nicht aus dem freien Entschlüsse der Fakultät, sondern 
durch Allerhöchste Verordnung. Jedoch wurde das allermeiste aus der Satzung 
von 1 503 einfach wörtlich herübergenommen und ich gebe im Anhang nur ein 
paar wichtige neue Zutaten im Wortlaut wieder. 

Neu eingeschärft werden die früher (1490] zwar beschlossenen und lange 
vorher schon geübten, aber in die Satzung -von 1 503 nicht ausdrücklich mit 
aufgenommenen vierteljährlichen Disputationen mit Gebühren für alle in be- 
stimmter Form an der Disputation Teilnehmenden, abgestuft bis zur Höhe eines 
Groschens tlir die Schüler Kap. Ii;. Neu aufgenommen wurde endlich die Be- 
stimmung, daß alljährlich eine „Anatomie" abgehalten werden solle (Kap. XXIP, 
eine Forderung, die, wie wir gleich sehen werden, schon 1 502 von einigen Gut- 
achtern innerhalb und außerhalb der Fakultät erhoben worden war. 

Eine endliche Erfüllung weiterer bei der Reformation von 1 502 erhobener 
Forderungen stellen auch die neuen Hestimmungen über die Arzneitaxe und 
Apothekenrevisionen dar, ebenso die \'erweisung aller Kurpfuscher aus der 
Stadt Leipzig und ihrem Bannkreise. 

Genauere Bestimmungen über die Ausführung der anatomischen Zerglie- 
derung, eine Studienordnung für Mediziner und ein Reglement für die öffent- 
lichen Disputationen bildet vorerst den Abschluß der .statutarischen Fest- 
legungen; ich verweise hiermit darauf (S. 173 f.], ohne näher auf sie eingehen 
zu können; sie stammen vom Jahre 1555. 



3. Die erste Reformation der Universität im Jahre 1502 3 und 

die durch ihr Aktenmaterial gegebenen Einblicke in das 

Fakultätsleben und den Lehrbetrieb in den letzten Jahrzehnten 

des 15. Jahrhunderts. 

Daß in der medizinischen FukuHät der jungen Hochschule im Meißnischen 
manches verbesserungsbedürftig war, ergibt sich schon aus unseren kurzen bis- 
herigen Andeutungen. Ein weiterer Krebsschaden war vor allem die geringe 
Neigung zu ruhiger bodenständiger Lehrtätigkeit. Einmal steckte von anderen 
gelehrten Stellungen her die Sinekurenwirtschaft zu sehr in dem mittelalterlichen 
Gelehrtenwesen. Selbst die Leipziger Kollegiaturen , wie schmal sie auch zu- 
gemessen waren, galten dennoch manchen als willkommene Pfründen, die man 
andenvärts gern verzehren mochte. Diesen Übelstand erkannte schon früh die 
herzogliche Regierung. 

Im Jahre 147 1 („sabbato post omnium sanctorum", also Anfang November, 
doch steht die Jahrzahl nicht völlig fest), erließen Kurfürst Ernst und Herzog 
Albrecht an die Universität ein Schreiben (Stübel, Urkdb.d. Univ. L.Nr. 162, S.203), 
in welchem der Rückgang der Universität beklagt und als eine seiner Ursachen 
die vielfache längere Abwesenheit der Lehrer {„vy\ collegiaten") vom Sitz der 
Hochschule betont wird, was unbedingt abgestellt werden müsse. Alle seien 
zurückzuberufen und keinem ein länger als halbjähriger Urlaub künftig zu 
gewähren; gleichzeitig werden alle von der kurfürstlichen usw. Regierung etwa 
erlassenen Urlaubsvergünstigungen ausdrücklich zurückgezogen. 

Im selben Aktenstück wird, und das ist für uns besonders interessant, 
darauf hingewiesen, daß augenblicklich „in unser hoenschulen keyner in der 
astronomei unde mathematica nüczlichen noch fhßlichen leße, adder etwas prac- 
ticire, das auch eine ringerunge bringet der universitet". Das müsse abgestellt 
werden und die Kollegiaten sollten pflichtgemäß dafür sorgen, daß „ymands sich 
undir yn der egnanten kunste unde practica anneme, adder ymands sollichs zcu 
thun zcu sich czyhen, der in dem underwyßung thue unde practicire", also aus 
• ihren Mitgliedern solchen Unterricht schaffen oder einen Vertreter dieser wich- 
tizen Disziplinen von auswärts berufen. 

Daß es der kurfürstl. Regierung ernst war mit dieser Zurückziehung aller 
Lehrdispense, beweist eine Korrespondenz des Herzogs Heinrich von Schlesien 
mit dem Kurfürsten Ernst und Herzog Albrecht im Dresdner Hauptarchiv. 



40 



j. Die pr»te Rcfornialion ilcr lTiiivcr>itiil im J.ibre i;o; ? usw. 



Der Heraog von Scljlesien bat in iwei gleichzeitigen Sclirciben aus Freynstadt 

vom 6. Juni 1472 an den Kurfürst und den Herzog und an den Obermarschall 

Gugold von Schleinitz, man möge für seinen Leibarzt Dr. Gregor llilde- 

brand'), Kollegialen des Leipziger Frauenkollegs, den er nicht entbehren 

könne, nachdem er sich für zwei Jahre verpflichtet habe, eine Ausnahme 

machen : 

,, . . . zo magister Gregorius Ilillcbrand. des gnanten coUegii unßir 

liebin frauen coUegiate, sich uffczwehe gantczeiarzu unliverphlicht hath 

unde unßir artczt ist. wir daß och gar swerlichin entperin kundin . . . 

dem gemeltin magister Gregorio dy czwe iar zu abweßin von seyner 

collegiatur vorgonnin ..." 

Doch die ergangene Antwort bedauert, nicht willfahren zu kennen, und 
ersucht „ . . den egenanten meister Gregorius dorczu halden, daß er sich nach 
der egenanten unser ußaczung und Ordnung richte unde der mit soUichcn sinen 
vornemen nicht irrunge noch abebruch thun"^. 

Ob diese Strenge langen Bestand hatte, fragt man sich unwillkürlich, 
wenn man ein Aktenstück des Dresdner Hauptarchivs liest, das 8 Jahre später 
datiert ist pfen, 3. Mai 1480), und das Gesuch des Königs Matthias von 
Ungarn und Böhmen enthält, man möge seinem Hofastrologen Magister Hans 
Tolhopf die Einkünfte von seiner KoUegiatur an der Universität Leipzig 
weiter belassen. 

„Uns hat der ersam und hochgelert unser rat und lieber ge- 
treuer maister Hanns Tolhopf unnser astrologus zu erkennen geben 
und anbracht, wie er von euch mit ainer colligatur der universitet und 
hohen schulen zu Leibtz versehen worden sey, und yetzt in unsern 
dinsten ist, villeicht im an solher colligatur in seiner absens etwas 
irrung mocht werden. Wann aber sich der obgenant Tolhopf in unsern 
dinsten empsigclichen halltent, so sein wir im insonderhait seiner 
vleissigen dinst und Vernunft wegen genaigt mit unßer furdrung und 
hilff genedigclichen zu ersprießen. Darumb begern wir an eur lieb, 
vleissig bittunde, den obgenannten unnsern rate und astrologen, dieweil 
er also in unsern dinsten erscheinet, bey solher colligatur gutwillig 
hanndhaben und im die zinß davon nit einziehen, sunder volligen 
lassent . . .^) 

\'ermutlich war Hans Tolhopf (Dollhopf) '), der mit dem Lehramt der 
Mathematik und Astrologie an der Leipziger Universität Betraute, wie es scheint 

•) Gregor Hildebrandt de Crossin war im Sommer 1451 in Leipzig immatrikuliert worden, 
baccalaritis im Sommer 1452, magister im Winter 1454, Dekan der Artistenfakultät im Winter 1465. 
Wo er medizinische Ausbildung genoß, ist unbekannt; jedenfalls hat er in Leipzig medizinische 
Grade nicht erworben. Auch in den mir zugänglichen KoUegiatenlisten habe ich ihn nicht gefunden. 

•) Stfibel, Urkundenbuch der Universität Leipzig S. 204 — 205, Nr. 163-^165. 

*) Stübel, Urkundenbuch der Universität Leipzig, Nr. 182, S. 220. 

*) Auch ijanus Tolophus" sich nennend. 



3. Die erste Keiormation der Universiiai im Jahre 1502/3 usw. ai 

direkt infolge des obigen Erlasses vom Samstag nach Allerheiligen [1471]; 
wenigstens finden wir seinen Namen schon im Jahre 1471 unter den Kollegiaten 
des großen Kollegs: ,,Jo. Tolhopf, Kemnato Palatinus". Im Winter 1479 auf 
1480 auf ein halbes Jahr ordnungsgemäß beurlaubt worden, wird er jetzt zur 
Rückkehr aufgefordert, widrigenfalls seine Koliegiatur ihm entzogen werde. 
Diese drohende Gefahr abzuwenden, hat er offenbar die Inter\'ention des Königs 
Matthias erbeten. Da die kurfürstliche Regierung aber gerade auf dieses Lehr- 
fach erst 9 Jahre vorher einen so ganz besonderen Wert legte, dürfte das Ge- 
such doch wohl abschläglich beschieden worden sein. Mit welchem Erfolg? 

Anscheinend hat die herzogliche Regierung doch pflichtgemäß auf ihrem 
Rechte bestanden und den Astrologen vor die Alternative gestellt, entweder 
nach Leipzig zurückzukehren oder auf seine Koliegiatur zu verzichten. Er ent- 
schied sich wohl für das Verbleiben am Königshof; denn seinem Namen ist 
ein „discessit-', also etwa „durch Weggang ausgeschieden'', beigefügt. Daß dieses 
Ausscheiden schon direkt in seinem Eintrittsjahre erfolgt sei, also 147 1, wie bei 
Zarncke, Statutenbücher S. 75 1 zu lesen ist, scheint mir aber auf irgend einem 
Mißverständnis oder Versehen zu beruhen; historische Tatsache ist es wohl nicht'). 

Wer sein Nachfolger wurde, weiß ich freilich auch nicht bestimmt zu 
sagen. Wenzeslaus Faber von Budweis begegnet erst 1483 als Mitglied 
des kleinen Kollegs, nachdem er 1475 inskribiert und 1477 im Sommer Bacca- 
laureus, 1479 Magister geworden war. Aus dem kleinen Kolleg ins große 
aufgerückt ist er im Jahre 148S, dem er 20 Jahre lang angehört haben soll, 
trotzdem er nach Vogels Fakultätsverzeichnis schon 1503 gestorben wäre, 
was aber bestimmt irrig ist. Medizinischer Baccalaureus war er 1488 ge- 
worden und von dieser Fakultät späterhin sehr ausgezeichnet worden. Mit der 
Praktizierung der Leipziger Kalender hat er wohl bestimmt schon 14S4 be- 
gonnen, denn es ist ein solcher, in der Druckerei von Markus Brandis her- 
gestellt, für dies Jahr noch erhalten-). Die „Allerhöchste Anregung" war offen- 
sichtig in Leipzig auf günstigen Boden gefallen, aber es wäre dennoch ein 
Fehlgriff, wollte man daraus etw^a ein Lob für die medizinische Fakultät oder 
die Artistenfakultät konstruieren, daß ihr so etwas erst von Obrigkeit wegen 
hätte aufoktroyiert werden müssen. Die medizinische Fakultät hat sich diese 
astrologischen „Leistungen" nur zu gern gefallen lassen und erst ein Jahrzehnt 



') Er war 1465 inskribiert, 1466 baccalarius, 1468 im AVintersemester magistcr geworden 
und im Sommer 1474 zum Rektor gewählt worden. Allerdings finden wir ihn 1472 unter den 
ersten Dozenten der eben gegründeten Universität Ingolstadt und 1475 im Sommersemester dort- 
selbst als Dekan der „Via antiqua" (des Realismus der Thomisten und Scolisten) in der Artisten- 
fakultät. Dollhopf hat in aller Gemütlichkeit in Leipzig und Ingolstadt zugleich eine Koliegiatur 
besessen und zog eine Reihe von Jahren von einer zur anderen Universität. Später wurde er Probst 
in Forchheim und zugleich Kanonikus in Regensburg, und war ein naher Freund des Dichters 
Konrad Celtis. 

') Allerdings nur in einem Fragment auf der Leipziger Universitätsbibliothek; einen voll- 
ständigen aufs Jahr 1485 habe ich auf der herzogl. Bibliothek in Gotha gesehen (Haebler Nr. 46). 
Seinen Namen nennt Faber nachweisbar erst 1488 auf einer solchen „Edicto lipscnsis" (Haebler 
Nr. 57). Vgl. meine „Lalltafelkunst" im „Archiv (lir Geschichte der Medizin", Bd. I, S. 254 — 258 
und „Deutsche medizinische Inkunabeln", 1908, Nr. 326 u. 334. 



Kei.>tm..ti.n -in riiivcrsitSI im Jahre 15023 usw. 



nachiur i>t <-> ü.i- \\ 1 i-iii. iisl iiiKs ..Artisten" gewesen, mit der Astrologie in 
Leipzig lu brechen unter scharfem Widerspruch von medizinischer Seite! 

Aber von diesem astrologischen Seitenweg müssen wir wieder in die 
eigentliche Bahn unserer Untersuchung einbiegen I Bei diesem reglementarischcn 
Reformationsversuch von 147 1 scheint es zunächst sein Bewenden gehabt zu 
haben. Energischer nalmi man behördlicherseits die Sache zu Beginn des 
16. Jahrhunderts in die Hand. 

Als Herzog Georg im Oktober 1 502 in Leipzig weilte, erlieü er an einem 
Sonntag, dem 23. Oktober, in Übereinstimmung mit der Universität den Befehl, 
daß jeder Dozent ihm schriftlich seine .Ansicht über die Gebrechen der Universi- 
tät mitteile und Mittel zu ihrer Beseitigung vorschlage. Alle Dozenten faßten ihre 
Gutachten an einem Tage ab, am Dienstag, dem 25. Oktober, nnd alle diese 
Gutachten sind in einem Bande des Dresdener Hauptstaatsarchives im Original 
vorhanden. Ich habe sie alle im Original durchgesehen und alles ausgehoben, 
was sich auf die medizinische Fakultät bezieht und bringe es im Zusammenhange 
im Anhang unter Nr. 2 S. 175 ff.;') zum Abdruck. 

Unter diesen 45 Gutachten lehnen es einzelne ganz ab, sich über die 
medizinische Fakultät oder was mit ihr zusammenhangt, zu äußern — „hi 
scribent, quorum interest" oder „der ertzte thun i.=t mir gar nicht wissenn" — 
oder es werden nur nebenher die Posaunen des Lobes geblasen, selbst über 
alle andern deutschen Hochschulen: 

..Es seint viel gelarten doctores in der Ertznei allhie; es ist sich 
zu vermuten, man findet sie in deutschen landen als gut und so viel 
in einer Universität bei einander nicht; ich versehe mich, sie tun was 
sie sollen." j-^oct. jur. Laurentius Zoch.] 

Welche Gebrechen und Übelstände anderwärts wohl hervorgehoben 
werden, lehrt schon folgende, allerdings das Vorhandensein derselben be- 
streitende, Auslassung des Doctor juris Johannes von Breitenbach: 

„In der fakultät der Ertzenei, so die Doctores derselben facultett 
noch notturftig versorget wären, die dan jetzund auch, bei andern 
Universitäten für gelart angesehen, geburlichen Fleiß in ihrer Schule 
mit Disputieren und Lesen teten, als ich nicht anders weiß, dann daß 
sie geburlichen fleiß tun, so wüste ich von einigen Gebrechen ge- 
nannter Fakultät nichts zu sagen." 

') Schon früher von Emil Friedberg in seinem ,,Collegium Juridicum" (1882) benutzt und 
gröOtenteüs im Anhang zu seiner „Universität Leipzig in Vergangenheit und Gegenwart" (1898) 
mitgeteJiL Wer, wie ich, die Niederschriften zum eigenen Gebrauch von Ärzten des 14. oder gar 
des 15. Jahrhunderts täglich lesen muß, kann diese Gelehrtenniederschriftcn aus dem Jahre 1502 
fär ihren Landesftirsten nicht als „sehr unleserlich" anerkennen. Es liest sich fan nll. « vchr leicht 
und bequem. 



J. Die erste Reformalion der Universität im Jahre 1502 3 usw. 



Der Kaplan Doktor Johannes Reinhart berichtet zwar, daß ein Mitglied 
dieser Fakultät ein „Doktor Kaspar" zur Zeit „nicht einheimisch" sei. Doch habe 
er in einem solchen F"alle stets einen andern „seine Lektion übertragen'', wie 
das auch bei Juristen üblich sei. .Allerdings ist mir aus dem Jahre 1 502 kein 
„Doctor Kaspar'' als Professor in Leipzig bekannt geworden. Damals war 
Dekan der medizinischen Fakultät und Lehrer der Therapie Johannes Wagner 
;Currife.\) von Landsberg und Lehrer der Pathologie Wilhelm Haldenhof 
von Thorn. 

Es käme also wohl ein anderes Mitglied der Leipziger .Ärzteschaft in 
Frage, das Vorträge hielt, ohne gerade eine der beiden fundierten Lehrstellen 
inne zu haben; denn weder im großen noch im kleinen Kolleg gab es zu 
dieser Zeit ein Mitglied, das den Vornamen Kaspar führte. Wohl aber war 
damals ein stark beschäftigter .-Xrzt in Leipzig, der weithin Ruf genoß, Dr. Kaspar 
Molitoris aus Braunsberg, der sich von den Univcrsitätsangelegenheiten schein- 
bar etwas ferner hielt, aber doch Lehrtätigkeit ausübte, wie wir hier nebenbei 
erfahren. Wir werden ihm zu Ende des 4. Abschnittes mehrfach begegnen. 
Von Kaplan Johannes Lintholz von Mühlberg wird der Herr Dekan als 
,. Doctor Lanczbergk", „der etlichen Fleis" anwende, gelobt; allerdings fehlt 
gerade sein Gutachten in der Sammlung, wenn man nicht eins der beiden 
NichtUnterzeichneten ihm zuschreiben will. 

Die meisten Stimmen äußern sich in folgendem Sinne. Man klagt, daß 
nicht fleißig gelesen werde in der medizinischen Fakultät. Man mache viel 
Feiertage, statt an allen „diebus legibilibus" pünktlich seine Pflicht zu tun; 
auch würden die Vorlesungen vor den Ferien zu früh geschlossen und nach 
denselben zu spät wieder begonnen. Schüler seien zwar nur wenige vorhanden 
bei den medizinischen Professoren, aber es seien auch tatsächlich um der ge- 
nannten Mißstände willen manche Studierende der Medizin gezwungen, andere 
Hochschulen aufzusuchen, also außer Landes zu gehen. Auch Disputationen 
würden nur sehr spärlich abgehalten. Es zeige sich eben bei Medizinern und 
Juristen nur zu deutlich, daß dieselben um anderer lukrativerer Geschäfte willen 
ihre Lehrpflicht vernachlässigten, an den gemeinen Nutzen nicht dächten, sondern 
nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht seien. Dies harte Urteil findet sich in 
einer ganzen Reihe dieser doch gewiß als „pflichtgemäß", ja „amtlich" zu be- 
zeichnenden Äußerungen. 

Praktische Besserungsvorschläge für den medizinischen Unterricht finden 
sich nur spärlich. Recht sachverständig im Sinne der reformatorischen Strömung 
der Zeit äußert sich ein Anonymus, vielleicht der medizinische Dekan selbst, 
Johann Wagner von Landsberg, von welchen sich kein Gutachten unter den 
Unterzeichneten findet? 

„Facultas medicorum solum deficit, ut conqueruntur scholares, 
quod ad practicam non ducuntur, herbas noscere et discernere nemo 
docet, anatomia non cclebratur, apothecae non rectificantur." 

Also der Unterricht entbehre der praktischen Ausbildung, die Unter- 
weisung und Übung im Kennenlernen und Unterscheiden der Medizinalpflanzen 



j . j. Dif er«e Reformation der Uniwrsität im |;ilire 1501 3 usw. 

\,iUig, ebenso die ärztliche Kontrolle und Visitation der Apotheken. 
Sollte wirklich der Herr Dekan diese Äußerung getan haben, so würde man ihm 
mit Recht entgegengehalten haben, warum er denn nicht aus eigenem Antrieb 
die kenntlich gemachten Unterrichtsniängel beseitige. Es wird also doch wohl 
diese mahnende Stimme eines Klarsehenden einem welterfahrenen Mitglied der 
Artistenfakultät angehört haben und keinem Mediziner. Auf die fehlenden 
Apothekenrevisionen und auf den Mangel einer festen Arzneita.xe weist auch 
der namhafte Magister der Artistenfakultät (Dekan im Winter 1496) Peter 
Tübinger (Deubinger' aus Miltenberg hin. 

Von den Medizinern selber äußert sich der eben erst ernannte Professor 
der Pathologie, Doktor der Arznei Wilhelm Haldenho ff aus Thorn nur ganz 
kurz zur Sache. Er betont, daß alle anderen Fakultäten vierteljährlich Dis- 
l)utationen abhielten; nur die medizinische lasse es hieran fehlen. Recht ein- 
gehend spricht sich dagegen ein Arzt aus, der seit 1497 zur Fakultät gehörte 
und seit 1499 in das Consilium der Fakultät aufgenommen worden war, aber 
nicht zum Lehrkörper im engeren Sinne zu rechnen ist, ein Leipziger Kind, 
das schon im Winter 1485 den philosophischen Magistergrad in Leipzig er- 
worben und nachher sich wohl in der Welt umgesehen und anderwärts den 
medizinischen Doktorhut errungen, also auch wohl die anderwärts im medi- 
zinischen Unterricht gemachten Fortschritte kennen gelernt hatte, l^enedikt 
Staetz (auch Pistoris genannt), der seine fortschrittliche Ansicht in folgender 
Weise vorträgt: 

Bl. 39^ 

In der Facultet der Ertzney solden auch alle leßliche tage zcwene lesen, 
und so sie ausserhalb der statd gefordert wurden, solden das, so sie wyder 
quemen, erfüllen und vorgleichen; es solten auch die doctores vier Mal im jar 
disputiren und dar zcu eyn itzlicher doctor im jar eyn mall eyn repeticion halden 
in seiner materie, die er list. man solde auch keinen in baccalarium, licen- 
tiatum oder doctorem promoviren, er hette den vormals genugsam gehört, 
und nach antzeygung gelesen, das er nicht mit schaden der leutte eyn 
artzt wurde. 

Man solde auch alle dry Jar Machen eyne anathomia, das ist ein 
gantzlich zcu lidung [Zergliederung] aller gelider des menschen, da durch 
Man erlernet alle Inwendige geschicklickeyt des Menschen, und welcher das 
nicht gesehen hath, ist nicht an große fare der lewtte eyn Artzt. 

Es war auch gut, das ewer fürstlich gnade die facultet hette mit der 
freyheit begnat, das sie die jenigen, die nicht Baccalarien, Licenciaten oder 
doctores weren in der Ertzney eyner gerumbten universitet. Mochten zcu Leypz 
und in ewer gnaden furstentumb vortreyben al die lantferer seintd, welche 
ungetzweyfelt ungelarte, leichtfertige lewtte, sich der Ertzney under sthen und 
nicht gelemet haben, welche itzund in disen und andern landen die lewt so 
jemerlich vorderben, vorlemen und ermorden, das doch nymant zcu hertzen 
Nympt. auch das die doctores macht hetten, die Apotecken jerlich zcu Be- 
suchen zcu sehen, ab das Jenige, das Man zcu N'otdurfft der krancken haben 



3. Die erste Rcfornialion der UniversitUt im Jahre 1502/3 usw. ac 

soldf, genugsam vorsorget und tuglich were. Es solden auch die apotecker 
Sweren, das [Bl. 40''] sie alle dinck Nach verordenung der doctor Machten und 
nichts nachüssen. Auch nicht gitift vorkeuftten leichtfertigen personen ane 
eyns doctors angetzeygte Hantschriflt. welchs alles bis her mit Mergklichem 
schaden des gemeynen Nutz und abebruch der facuitet Ist nachbliben, und die 
facultet so gantz zcu gangen, das Jitz und kein Magister oder gar wenigk zcu 
leypzk Ist, der in der facultet studiret; wen ider man denckt auffs gut und 
vorgist seins leybs und lebens, da im nicht wenigk an gelegen Ist." 
Benedictus Staetz, doctor der artzney. 

So im wesentlichen lauteten diese gleichzeitig erstatteten Gutachten der ein- 
zelnen Mitglieder des Lehrkörpers der Universität über die Reformbedürftigkeit 
der medizinischen Fakultät im besonderen. Ihre Äußerungen werden recht erheb- 
lich ergänzt durch eine Reihe anderer Akten zur Universitätsreformation von 
1 502 und kurz nachher, die uns auch weiterhin den reformbedürftigen Zu- 
stand der medizinischen Fakultät eindringlich demonstrieren. 

Im Bericht der polnischen Nation an Herzog Georg über gewisse mit 
der Universität vorzunehmenden Veränderungen ') heißt es 

„AUeyne ist unssir Studium e\'n wenig ungeordnet und mit etlichen ge- 
brechen beladen, irstlich bey den iuristen und medicis, welche ere lec- 
tiones doctoraliter und mit grossen vleis von denihenigen, dy dorzu vor- 
ordnet lassen und interpretiren , sunder sie werden uft dovon geczogenn 
unnd gefurdirt, das sie intervalliren müssen, dach ann ere schauld." 

Das deckt sich ja so ungefähr mit dem was wir schon kennen gelernt 
haben. Auf ein völlig anderes Gebiet wird die Sache hinübergespielt wenn 
z. B. die Juristenfakultät zwischen 1504 und 1509 klagt: 

daß die Theologen die anderen Fakultäten in den Kollegien verdrängen 
und ihren Leuten alle Kollegiaturen zuschustern, so daß die Juristen und 
Mediziner keine Kollegiaturen für ihre Scholares haben-). 

Wir werden sogleich in einem langen deutschen Fakultätsgutachten noch 
ein mehreres davon hören. 

Zunächst wollen wir uns noch zwei kleine Konzepte von anscheinend 
behördlichen Berichten ansehen, die sich nahe berühren, aber doch jeder sein 
Besonderes bringt. Sie finden sich im selben Aktenband wie die Gutachten 
der Dozenten auf dem Hauptstaatsarchiv in Dresden. 

[Bl. .05r.| 

,,Der Ertzney facultet gebrechen 
Die doctores der Ertzney sein vorpflicht alle tage, so mann zulesen pfleget, 
einer vor mittage und der ander dornach zulesen, Sie sein abir vorsewmlich, machen 
viel feyer tage unnd lange vacantien, haben acht tage vor Margaretae zu lesen auf- 
gehört, sollen nach anhebenn, Ist dorein Zusehen, unnd zubestellen, das sulchs 

') Bald nach 1502 (Stübcl, Urkundenbuch der Universität Leipzig S. 2S8 Nr. 234). 
') St übel, Urkundenbuch der Universität Leipzig S. 304 ff. (Nr. 250). 



l'niM-isitSt im Jahre 1502 3 u>w. 



pr.itu;t-it. uiir.u hi- icuu'ik.s .lu. ;. .i..i,Ai.ii lun h den Caniculaiibus, so die Juristen. 
anhel>cn. widderunib anfingen zulesenn. 

Nach dein auch die doctores Iiin der Ertzney, got lob, fast gelart, were gut 
unnd nütze, das für die schuler Inn der Ertzney auch Ein gemeine dispulation auf- 
gcricht «-ürde. auf das die Schüler destobaß dauon gelernen unnd sich gebessern 
miVhten. unnd das die doctores also Im lare vier male sullen disputiren unnd 
dorzu, ein Itzlicher Im lare ein mal repetiren Inn der materien, dor 
Innen sie lesen, das auch nymandes In Baccalarium adir Licentiaten promouirt 
wurde. Er hatte denn zuvor gnujsam geh'^rt unnd studirt unnd nach anzceigunge 
gelesen, das er nicht mit schaden der lewte Ein Artzt wurde . ." 

und das Folgende von der nämlichen Hand: 

'■ ■ ' »Der Ertzney gebrechen. 

Die doctores der Ertzney seyn verpflicht zu lesen alle tage als man zu lesen 
pfleget einer vor mittage unnd darnach sie sein vorseumblich und machen vil fier- 
tage unnd lange vacantien, man hat uflT gehört viij tage vor Margarethae, s. i\ man wieder 
anheben, ist darein zu sehen und zu bestellen, das solchs geendert werde, die lec- 
tiones og allezeit widerumb anhaben nach den caniculares, wen die Juristen anfahen 
zcu lesen. Das auch vor die Schuler yn der Ertzney eine disputation auffgericht 
werde, denn die doctores gottlob fast gelert, uff das die schuler sunst mehr davon 
gelernen und sich gebessemn mochten, das allso die doctoreß vier mal Im lare 
sollen disputiren. und darzcu ein ieglicher Im lar ein mal repetiren yn der materia 
dor\-n er lese, das och nymant in Baccalaureum oder licentiaten solten promoviren 
er hette den zuun gnugsam gehört und nah anzceigunge gelesen, das er nicht mit 
schaden der leut ein artzt werde. Ist och zcu betrachten das ordenung gemacht 
wurde In den aptecken das sie gute simplicia vnd arznei (?) hetten, nicht verlegen 
besse ding, das den doctom der Ertzney geweit geben, solche zcu reformirn und 
och zu taxiren, uff das die aptecker armen kranke leut nicht verdorben (?) oder 
verlegenn ertznei geben." 

Den sofortigen Eflekt, den diese reformatorischen Bestrebungen hatten, 
können wir aus folgendem Absatz des großen Reformationsaktes, vom 8. No\'ember 
I 502 in Leipzig datiert, erschließen. Von der medizinischen Fakultät wird im 
Speziellen weiter nichts gesagt als das Folgende 

Reformation der artzneifacultet. 

Nachdem die doctores inn der artznei etzliche ausziehen und lange vacantien 
darzu machen, ist vorordent, das ein ietzlicher seiner lection mit vieis auswartten 
soll, persönlich odder durch einen andern tuglichen doctor, wo er vorhindert wurde, 
und sollen auch allezeit nach den vacantien widerumb anheben zu lesen, wann die 
iuristen anheben. 

Srillen auch ire gewönliche disputation inn der materien, dorinnen sie lesen, 
auch niemand in baccalaureum oder licentiaten promoviren, er habe dann zuvor 
genugsam studirt und gelesen. Es sollen auch die landferer die do artzeneien 
pflegen und der kunst nie gelart und die empirici one erlaubnus der doctor inn 
der artznei nicht zugelassen werden ';. 

Ermahnung zum Fleiß, Abschaffung der langen Unterbrechungen, geord- 
nete Vertretung, öftere Disputationen, Vorsicht bei den Promotionen und Kon- 

•) Stübel, Urkunden der Universität Leipzig Nr. 225 S. 264. 



3. Die erste Reformation der Universität im Jahre 1502 3 usw. An 

trolle der Kurpfuscher durch die Doctores der medizinischen Fakultät — das 
ist zunächst alles I 

Eingreifend und umfassend kann man diese Verordnung kaum nennen. 
Es begegnen denn auch schon bald wieder mahnende Stimmen. Die folgende 
mag mit zu den fri.ihesten gehören, denn sie läßt sich durch ihre Erwähnung 
des Doctor „Noricus", der sich in fürstlicher Ungnade befand, und „Vorschläge" 
zu seiner Rehabilitierung einigermaßen bestimmt auf das Jahr 15 16 etwa 
datieren. 

Von der ertzney facultet-^. 

Der ertzney facultet lection seynt in der iungsten reformation furstchticklich 
mit iren gebrechen furkumung verordent, welche aufl' die zeyt geringer besoldunge 
halben unfruchtpar werden erfunden und in nochlesicker gestalt, welchs entlich zu 
verkumen mocht werden, wo der obgenantenn facultet coUegiaturen mit gantzem 
einkumen in auswendigk den collegien wonende wurde zugeteylt. 

Auch kann e. f. g. in gedey unnd aufl'wachsunge dieser facultet schueller und 
zu abetrag unnd versonung des Unwillens zwischenn e. f. g. unnd doctore Norico 
erburt demselbigen einbinden, ein iar aber zcwey fleyssigk zu lesenn, zu welchem 
dieser doctijr sunderlich gescliickt ist. Unnd dieweyl e. f. g. lobliche universitet in 
der mathematica gantz gefallen, so kan dieser ohgemelter doctor darin troestlich 
erfunden werden und erscheynenn'^). Auch wer nicht unbilligk das diser facultet 
baccalarien wie der andern disputacion unnd etzliche lection zu lesen unnd ent- 
halden pro completione eyngebunden wurde. 

Aus der nämlichen Zeit ungefähr ist wohl auch der folgende Ausschnitt 
aus einem großen Bericht über die Ergebnisse des Reformationswerkes zu 
setzen. Wenigstens scheint mir die Äußerung über den „Dechant" am besten 
auf Simon Pistoris zu passen*), der diese Würde von 1509 — 1523 be- 
kleidete. Auch wird auf ein Ereignis in der Fakultät angespielt, das in den 
Jahren 1508 und 1509 sich abspielte und offenbar ganz kurz vorher sich er- 
eignet hatte. 

Der facultet der artzney belangend^). 

Sagt dye reformation das d)e doctores, so sie ausszcihen vre lection sollen 
durch andere mit vle}'ss zu lessen bestellenn, wie solchs gescheen ist wisslich; 
mancher ist zwey, drey ihar aussen gewest, sallariat gewest und dennoch wenig ader 
nichts zu lesen bestalt. Ciagen noch heut am tag dye schuler gemelter facultet, 
das dye do nutzlich lessen sich selten hören lan, dye aber wenig gehör han, lessen 
ofl'tmals und dyeweyl dye schuler ynen nicht zuhören, lassen sie entlich auch darvon. 
Also bleybts den mehren teyl ungelessen. Darauss bisher geursacht, das in der- 
selbigen facultet kaum zwen addcr drey scholares in gantzer universitet befunden. 

Forder meldet dye reformation nicht leychtlich zu promoviren !c. Ist ge- 
scheen diss iar, das sie licentiaten gemacht, wie gelert wissen sie dye doctores, auch 



•) Vgl. z. B. Zarncke, Urkundliche Quellen S. 882. 
-) Stübel, Urkundenbuch der Universität Leipzig Nr. 278 S. 369/370. 
') Er hat ja alle Jahre seit 1508 bis 1515 (mindestens) seine „Praktiken" erscheinen lassen, 
durch welche Leipzig seit 40 Jahren etwa eine traurige Berühmtheit genoß. 
') Freilich auch später auf Heinrich Stromer von Auerbach. 
'■) Stübel, Urkundenbuch der Universität Leipaig S. 309 Nr. 252. 



ig ;. i>ir fi«ic Kefonnatlon der Univcrsiiai im Jahre 150; 3 usw. 

euliche dvc do nicht inagistri vorher gcwest'). welchs da vor mans heldt ungewonlich 
und dyewevl dyc universitel gestanden nye vormals gescheen; Ursachen disscs ist 
vre une^tückeit, wenn itzHcher dem andern zu vordriess etwas geschceu lest. 

Zcufellige gebrechenn obgemeltcr facultet 

Der dechant ist mit untreglicher muhe beladen das es ym nicht möglich 
vlcyssig J!u lesen und noch der facultet nutz noiturfiiglich zu trachten. Er ist im 
rath, scheppenstull, leybartzt des churfursten, collegiat addcr salariat, dechant, Icctor, 
ist mit hausssorge beswert, darumb vil vorseumnis gescheen müssen und was er in 
andern s<ilt bessern, ist zu besorgen, vorbleybe, dyeweil er selbst unileyssig, und 
wen obgeschriebene und disser gebrechen nicht gebessert, werden vormutiglich wenig 
gelerter ertzte, den zu vortrauen were, zu Leyptzk erwachsscn. 

Es solt auch darvor man es heldt nicht wenig anreytzung zu disser facultet 
geben, so dye doctores anathomey adder zugeliedderung unvornunfftiger thier adder 
auch zum tode vorurteylter menschen yren schulern dye do graduirt weren noch 
wellischer weysse zceygtenn, damit sich innerlicher geschiglickeit menschlichs leybs 
zu erkundenn. 

Beachtenswert ist aucli der liier gegebene Hinweis auf die noch immer 
ein pium desiderium bildende „.Anatiiomey . . . nach wcllisciier weysse''. 

Den kümmerlichen Zustand der Besoldung der Mediziner betont wiederum 
ausdrücklich ein Konzept, das als einen der , .lesenden Doctores" ausdrücklich 
dem Dekan Dr. Simon Pistoris nennt. Georg Schiltel aus Amberg war 
Dr. med. von Bologna und im Jahre i 5 1 2 in die Fakultät aufgenommen worden. 
Ins Kollegium Majus kam er erst lange nachher, 1537. 

Die facultet in der artzeney hat alleine zwue oflenberliche unnd ordinarie 
lectiones, gestifft und fundirt ufT zwue coUegiaturen im grosen collegio, derhalben 
ire eynkommen alleine von eynem doctor, der do nit beweibt, gentzlich mag be- 
kommen aber gebraucht werden, als dasihenige so von dem collegio und dorflTer 
nutzung einkembt. Dieweil dan die ertzte und doctores genieynickiich weltlichs 
Standes und weyber haben und ausserhalb des coUegium wonen, derhalben sie 
dasihenige, so andere collegiaten haben, beraubt werden und alleine iren theil von 
den zcinsen bekommen. Einem doctori der do list auß beyden coUegien werden 
zwey theil, auß dem grosen collegio X-Wiii aide scho., auß dem furstencollegio xvi 
aide scho. und die gantze summa so eyn doctor bekembt xliiii aide scho. 

Die namen der lessenden doctor: Doctor Simon Pistoris techant um i ure, 
doctor Georg Schiltel um vii hora^). 

Ein überaus wichtiges Aktenstück, vermutlich aus dem Zweiten Jahrzehnt 
nach der Reformation von 1 502 ist das folgende ausführliche lateinische Gut- 
achten der medizinischen Fakultät, das alles zusammenfaßt, was in Lehre und 

') 1509 wurden Kaspar Kegler und Kallhasar Ludwiger nach heftigen Kämpfen in der 
Fakultät zu Baccalarien der Medizin promoviert, ohne vorher das Magistcrium der Artes erworben 
zu haben. Es stellte sich heraus, daß in den Satzungen darüber nichts gesagt sei, trotzdem es ein 
Jahrhondert lang 50 gehandhabt wurde, daß nur Magistri artium zu Baccalarien der Medizin promo- 
^^ert werden konnten. Infolge dieses Falles wurde § 42 (siehe im Anhang Abschnitt 2 S. I/O) 
einstimmig beschlossen, der diesen Usus für die Zukunft statutarisch festlegte. 

*) Stübel, Urkundenbuch der Universität Leipzig S. 366 Xr. 277. 



Die crsie Rcforinalidn der Univcrsitiit im Jahre 1502 3 usw. 4g 



Ausstattung den Fakultätsmitgliedern zu Beginn des zweiten Jahrhunderts 
wünschenswert dünkte'). 

A longis temporibus institutae sunt duae lectiones in medicinis fundataeque 
supra duabus coUegiaturis collegii maioris cum duobus corporibus collegii prin- 
cipis, quarum una legitur tempore matutino hora sexta in aestate, in hyeme 
hora septima, ac totus cursus medicinae, theoricae medicinae, in triennio com- 

s pletur, puta primus cancm Avicennae primo anno, secundo liber techni Galeni, 
tertio liber aphorismonmi H\pocratis cum commento Galieni. Recitantur circa 
huiusmodi libros doctores communiter scribentes, puta Gentilis, lacobus, Tru- 
sianus ;c., qui profeclo nequaquam omitti debent, cum hinc summa utilitas 
scholasticis eveniat, nee in hoc quicquam vel potest vel debet immutari. 

10 Altera lectio est pomeridiana hura prima, in qua completur cursus in 

medicina practica, puta nonus Almansoris, prima fen quarti, quae est de 
febribus, et quarta primi quae est de medicatione in universali cum enarratione 
doctorum communiter legi solitorum. 

Hü cursus triennio finiri possunt ita, ut singulis annis unus liber com- 

15 pleatur, quod si non finem usque legitur, non admodum refert, dunimodo ea 
quae difficilia sunt enarrenlur. Nam reliqua hiis intellectis et auditis, quis vel 
per semet ipsum vel ab doctore in studio camerario facile percipiet. Quare 
ad summum in quadriennio adhibita diligentia auditoque cursu facile quis pro 
doctoratu complere poterit. 

20 Stipendia harum duarum lectionum sunt valde exilia ac macra, nam si 

quis in coUegio habitat vel moratur, cogitur solvere mensam ut reliqui collegae 
faciunt simulque collegii emolumenta participat nihilque habet, nisi quantum 
unus ex coUegis annuatim habere solet, quod si extra coUegium moretur ut in 
plurimum medici, cum uxorati fere omnes sint, faciunt, ex harum una lec- 

25 tione tantum quadraginta quatuor florenos Renenses per integrum ac longum 
annum obtinet. Quare haec antiqua ordinatio nihil erroris in se habet, nisi 
quod stipendia nimis sunt depauperata ac ad ultimum tenuitatis exhibita. 
Ideoque si doctores medicinae de negligentia accusantur, non tarn iuste quam 
optime respondere possunt, se plus quam satis pro illa peniniola laboris facere. 

30 Quare si vel doctores vel frequentiores lectiones facere debent, ante omnia 
de salarii augmento est cogitandum, (luo facto omnia bene renovabuntur. 

Praeter has duas lectiones nuUa alia est fundata, sed aliquando a casu 
doctores assumpti solent unam ex suprascriptis pro eorum completione ad 
biennium legere. Quod cum raro eveniat, iccirco duae tantum sunt continuae 

35 lectiones, licet bonum esset (si fieri posset) ut tertia eciam institueretur, puta 
quae legi deberet hora tercia pomeridiana, sive esset in theorica sive practica. 
Verum cum tanto tempore hae duae non potuerunt stipendio competenti corro- 
borari, inane visum est ut pro tercia laboraretur, maxime cum consultius sit, 
ut duae bene provideantur quam ut ternae negligenter habeantur. 

10 Diu lamentati sunt doctores apud iliustrissimum principem de auditorio 

quo aegre carent; coguntur enim cum theologis convenire pro tribus horis, 
scilicet septima, prima et tercia. Quare si vel plures advenirent doctores vel 
aliquis ex baccalaureorum numero legere vellet, nee horam nee locum haberet. 
De hoc itaque illustrissimus princeps denuo est admonendus; potest enim dari 

»5 locus vel in domo nova artistarum vel in coUegio maiori. 

Modus promovendorum talis est: Ut quisUbet sit magister nee ad bacca- 
laureatum admitti debet, nisi duobus annis doctores audierit ac cum uno ex 
eis in practica diligens fuerit. Post baccalaureatum vero nisi et tanto tempore 



') Stübel, Urkundenbuch der Universität Leipzig S. 33; — 339 Nr. 261. 
Sludicn Jur Geschichte der Medizin. VIU. 



j. Die ente Reformation der Universität im Jahre 1502 3 usw. 

in audiendo soUicittis fucril ac in praxi acriosus, ail liccntiatuiain iiidiiciis 
minimc censetur. 

Ex communi fisci f>ecunia doctores medicinae ordinabuntur. ut singulis 
annis quattuor disputaliones tempore competcnti (puta angariac)') colcbrarcnlur 
cogiturque senipcr aliquis docloruni isto tempore, ul eum ordo tangil, dis- 
putare, ciquc unus ex scholasticis vel medicinae baccalaurcis rcspondet. Qimd 
cum prudcntissimc sil inslitutura, ncipiaquam immutari polest. 

Saepc doctores medicinae petierunt locum i>ro bibliotheca, qui summo- 
jiere eis est necessarius propter libros, quos aliqui doctores defuncti legassent. 
Verum haclenus niliil impetrarunt, quare denuo instant, ut eis unus assignetur. 
Esset enim pro maxima scholasticorum utilitate, praecipue eorum qui iibris 
carerent, proque tocius ordinis honore. Sunt enim adhuc aliqui doctores eo 
praediti animo, ut libros, si obirent, facultati medicae, non repositorium hubenti, 
legareni; possent insupcr ex fisci pecunia libri novi, si qui advelierentur, eini 
ac pro omnium commodo illic reponi. De hoc ut instigetur vaidi' orant. 

Quia membrorum et interni Tum et e\temoruni huraani corporis sub- 
stancja, complexio ;c. medicis adamussim cognita esse debet, nee tamen id 
absque anatliomia seu dissectione fieri queat, iccirco operae precium est, ut 
de anathomia annuatim videnda cogitetur. Quare rogant ul si corpus mortuum 
tempore oportuno olTerretur, eis hoc a senaiu roncedatur adque hoc locus 
aptus assignetur nemoque ad videndum intromittatur, nisi iuxta consuetudinem 
satisfecerit, quod omni ut est necessarium, ita et maxime efllagital. 

Haec sunt quae de medicinae doctoribus videanlur esse ordinanda 

sicque unanimiter ac pari volo a tolo coUegio est ronclusuin pro tucius studii 

omamento ac utiiiale ;c. 



Wir hören hier wie der Unterricht cinfjcriclitet war seit Universitätsbeginn, 
was wir oben schon besprochen haben-j, nicht minder, daß wohl eine dritte 
Professur zu wünschen wäre, ein dritter Lelirgang, daß das aber doch solange 
ohne rechten Zweck und \'orteil sein würde, solange nicht die beiden alten 
Professuren ordentlich ausgestattet seien. Es komme zwar vor, daß auch in 
Leipzig (wie sonst allgemeiner, aber nicht häufig geübter Brauch) andere jung 
aufgenommene Mitglieder der Fakultät neben den beiden offiziellen Lehrgängen 
der Medicina theorica und practica Vorlesungen hielten, das sei aber nur Zu- 
fallssaclie und es könne in keiner Weise mit einiger Bestimmtheit darauf ge- 
rechnet werden. Ob die 3. Professur, wenn sie einmal nach besserer Dotierung 
der beiden altfundierten Lehrstellen wirklich eingerichtet werde, aus der theo- 
retischen oder aus der praktischen Medizin zu nehmen sei, behandelt das Gut- 
achten als eine offene l'rage. Beweglich geklagt wird des weiteren über den 
völligen Mangel eines Hörsaales und eines Bibliothekraumes. Die Promotionen 
seien wohl ziemlich geordnet, ebenso die Disputationen, völlig fehle aber die 
anatomische Unterweisung, über deren notwendigste Einrichtung einige prak- 
tische V^orschlage gemacht werden. 

Über die Gehaltfragen und das ungünstige Verhältnis der (verheirateten) 



') Eig. „Frohndiensl", hier Frohnfasten, Qualembcr. Vgl. den Anhang zu Abschnitt 4 über 
das Rechnungswesen der Fakultät. 

') Siehe aber weiter unten S. 55. Man beachte den streng konservativen Standpunkt Zeile 9. 



3- Die erste Rerormation der Universität im Jahre 1503,3 usw. 



Mediziner den Mitgliedern anderer Fakultäten gegenüber spricht sich ein anderes 
Fakultatsgutachten aus, das auch in die gleiche Zeit fallen mag'): 

Durchlauchter hochgeborner furste, gnediger herre. Uff behendete e. f. g. 
ordenungk und artickel der facultet medicinae, durch e. f. g. unczwe)'tTelich aus sunder- 
licher wolineinungk bescheen. haben wyr in undertenigkeylt und bey unßern cides- 
pllicliten underhandeltt, und wyewoU dyeselbien artickel! aus fürstlicher tugendt durch 
c. f g. gutlich vormeinen, idoch unßers bedungkens vaste niergkliche schaden mochte 
milt der zceytt e. (. g. universitett und sunderlich unßer facultet geberen, fuegen 
e. f. g. in aller undertenigkeytt unßern gedachtt und gutdungken hirmitte demutigk 
wissen, vleissigk undertenigklich bittende, e. f g. dyesclbie unßere underrichtungk 
gnedigklichenu im besten zu betrachtenn. 

Zcum ersten das unßer facultett medicinae under andern allenn faculteten am 
ubelsten vorsorgett ist, denn sye habenn allenthalben in der ganczen universitett 
nicht meher dann zcwu oillegiaturn, von welchen sye geringenn nutz kegen der 
andern coUegiaten gebrauch zu achten entpfahen, wann ein collegiat im großen 
coUegio hadtt von einer coUegiatur meher dann Lxxx gülden, das corpus, biergeld, 
habitacionzcins und andere zugenge zusamme gerechentt, und ein medicus nicht 
über vierczigk, umb welche vierczigk gülden der medicus das gancze ihar über zu 
Icßen vorpflichtet ist unnd ein collegiatt sunst von seiner coUegiatur und umb das 
vorgnante einkommen nichts list, und haben doruber von andern ordinariis in theo- 
logiae lectionibus, als nemlich hora nona vor essens und hora secunda nach essens, 
sunderlichen soldt unnd gek. Ab sye aber sagen wollen das sye sunst one dye 
sunderlichen beseiten lectiones auch laßen, daraufT gebenn wyr e. f. g. dyesen under- 
richt, das sye ordentlich nacheinander, als heute einer, morgen der ander ;c. wenn 
nichtt vacantien, festa coUegii, actus publici, yre prandia und promociones sein, 
iczlicher eine stunde list, das alßo in vierczehen tagen adder in dreyen wochen 
unnd seiden schirer einen kaume eine stunde betritft. 

Zcum andern welle e. f. g. vormergken, das dye collegiaten im großen col- 
legio einem lectori medicinae der collegiatt in demselbien grossen collegio gnantt 
wirtt, dye denn, nachdeme sye gemeinlich beweybett, nicht bey- ynen gewonen 
kunnen, umb dasselbie aus guten Ursachen abeßein, kaume das dritte teyll ungever- 
lich (alle accidencia wye oben berurtt zusammen gerechentt) sovill als dye andern 
collegiaten im collegio haben. Und hatt auch kein medicus, so eine coUegiatur 
vorledigett, einen medicum adder andern collegiaten kein votum noch stimme zu 
welen, und wollen des dorumb unns abezurechenn Ursache haben, das sye, dye im 
collegio wonen, onera collegii tragen, welche sein das sye dorinne essenn, won- 
hafftigk sein und einen tercium der das collegium zu und auffschleust bestellen. 

Ab nun sulche onera dem gelde und der stimme adder voto, so wyr dovor 
entperen sollen, gemeß adder nichtt, geben wyr e. f g. in undertenigkeytt demutig- 
lich zu bedengken und bitten mitt undertenigem vleyß zu vorschaffen, dyeweyll 
unßer facultett nicht geringer auch nichtt weniger nuczlich und trostlich ist den 
d\e andern, und e. i. g. auch in kurcz vorschinen iharen clerlich vermargktt hadtt, 
das an erczten in der universitett gebruch gewest ist, alßo das byßweilen kein doctor 
medicinae allne in der universitett und stadtt gewest ist, welchs denn aus ungnugk- 
samer derselben facultett vorsorgungk ersprossen ist, das unßer facultett mitt sovill 
collegiatum in be\den collegien auch sulchs gewiß gleich den andern faculteten vor- 
sorgett wurden, duch der fundacion nach, welche e. f. g. seliges und lnblichs ge- 
dechtnis vorfarn zu gedeve der universitett zu bessern und zu verändern vorbehalden 
haben, magistri dve in medicinis studirn adder doctores dye niagistri sein zu sulchen 
collegiatum auffgenommen wurden. Und als e. f. g. in einem artickell der iuristen 

') Stübel, UrUundenFuch der Universität Leipzig S. 330 — 341 Nr. 262. 

4' 



-j 3, Die crtte Refonnation der Universität im ]ahi\- i>o; 5 usw. 

V, .1).^,. iw.riirit^ (Jas sye dye iurislen den meliriitevll der collegialuren im coUegio 
■ ino haben sollen und e. f. g. der mcdicos in e. f. g. reformacion gar 
i>!>t, und S7.0 sye vorhin auch inn demselben collegio keine collegiatur 
hai>cn, wurden d\e medici schir von bexden ciiUegiis gar ausgeschlossen, das s\e 
sich denn mergklich beschwertt befindenn, und wollen uns \e das es e. f. g. mcinungk 
scv nichtt verschen und bitten gncdigklich doreiii /u sehen, ulV das dye glcicheytt 
unnd billigkextt geschce. 

Forder peben wyr e. f. g. zu erkennen, das wyr gnante unßere gebrechen, 
abebruch und underdrugkungk unßer facultett, durch welche sye schir ull's niderst 
gcknmracn ist. ane e. f. g. sunderlichen rath und hulffe nichtt wissen zu wandeln, 
lUiin was in zusaminenkoinmungk der ganczen universitetl gehandcltt, haben dye 
..'llegiatcn miti yren stimmen allewege, dyeweyll yr iczund melier sein und dye 
facultisten arcium ynen anhcngigk, den vorczugk, wan dye meisten vota und stimmen 
und nichlt der wegristen personen teyll adder pars sanier vorgehen, dadurch sye 
allezceMt yren willen leichte zu schaffenn haben. 

Item e. f. g. wolle auch vormergken, das die theologi über das vnrige erzealte 
einkommen haben prebcnden zu Meissen, auch einkommen von anniversariis und 
disputacionibus, dergleichen dye facultett der iuristen auch prebenden und dispu- 
taciones, darkegen die medici nichts haben. 

Aus welchem underricht e. f. g. gnugksam kan ermessen, was mergklichs vor- 
te>ls dye theologi vor den medicis in e. f. g. universitett haben und wye sye mehcr 
einkommens umb keine adder wenigk, dann dye medici umb vyl crbeytt habenn. 
Item es sollen die doctores, licenciaten ;c. unßer facultett vleissigk in promo- 
cionibus und actibus erscheinen, wuc publici actus und promocion sein in yren 
doctoratus habitu, aber wue einer mergklicher geschetVte halben nichtt kommen 
künde, das er mitt des techands adder eldisten wissen mochte abesein, auch ist es 
sub pena carenciae gemeinlich in sulchen actibus zu kommen geholten. 

Wir geben auch e. f. g. im besten zu erkennen, das ein artickell, vaste alle 
Studenten belangende, in dieser e. f. g. universitett zu betrachten nott sey, das so 
dye Studenten erstlich alhir kommen ubell und nichtt formlich in gramatica, d)e 
ein anfangk aller ander kunste, instruirtt und underweist werden, derhalben dye 
collegiaten aus der universitett selbs yre freunde an frcnibde ende, do denn in der- 
selben gramatica yrs selbs ansehens bipß denn alhye geleßen wirt schigken. Dye- 
weyl denn ein deiner irtumb im anfange oflte groß am ende wirtt, ist dornach 
leczlich der Studenten mergklich nachte\ 11 und schaden, zu welcher facultet forder 
zu Studiren sye sich begeben, das ynen in Alexandro und andern unnuczen und 
bey gelarten leutten spottischen grammaticis und logicis und nichtt in den tüchtigen 
und namhafltigen geleßen wirtt, welchs zu grosser e. f. g. universitett vorachtungk 
in andern universiteten und landen erschalle«. Und wyewoU deme wye angeczeigett 
also, doch stehet es ane sunderlich e. f. g. einsehen nichtt zu vorandern. Das 
wolle e. f. g. zu nucz und frommen der universitett auch betrachten und was hirzcu 
von unßer facultett auch gethan soll werden, wollenn wyr vle)ß zu thun nicht 
underlassenn. 

Es sein auch vyll landleuffer im lande dye den leuthen erczenei in leyb und 
anderer weyße geben, dodurch das volgk betriegen, und lassen uns derhalbenn von 
noyten zu sein, bedungkt, das keiner im lande noch alhye in der stadtt zugelassenn 
wurde, er hette denn alhye in der universitett respondirt und seine kunst und 
doctorat erczeigett. E. f. g. wolle sulchs e. f. g. undertanen denn gemeinen nucze 
zu guthe, den wyr alleine hirinne suchen, in gnediges bedengken nemenn, das wirtt 
^■' ! ubels das sunst von denselbien ungelarten leuthen geschichtt vorkommen und 
:• iibarlichen nucz geberen. Sulchs habenn wyr e. f. g. in undertenigkeyt nicht 
••II vorhalden. 

E. f. g. undertenige techand unnd doctores der ganczen facultet medicinae. 



3. Die erste Reformation der Universität im Jahre 1502/3 usw. 53 

Näher auf die vielfach nicht unwichtigen Einzelheiten einzugehen, erübrigt 
wohl, da andeutungsweise schon von alledem gesprochen war und im übrigen 
alles leicht verständlich ist. Nur auf die Darlegungen im vorletzten Abschnitt 
über die mangelhafte grammatische \'orbildung in den ersten philosophischen 
Vorbereitungssemestern bei der Artistenfakultät möchte ich hinweisen, weil sie 
uns zeigen, wie rückständig die Universität Leipzig noch in all dem gewesen 
ist, trotz aller ephemeren Apostel des Frühhumanismus. Einen durchgreifenden 
Erfolg hatte die Retbrmation also auf diesem Gebiete ebensowenig gehabt, wie 
auf dem speziell Medizinischen. 

Der Hinweis darauf, daß eine energische Bekämpfung des Kurpfuscher- 
tums auch im allgemeinen \'olksinteresse notwendig sei, kommt nicht uner- 
wartet. Die Verordnung vom S. November 1 502 hat oftenbar keinen Erfolg 
gehabt. Man verlangt abermals, daß keiner zur Krankenbehandlung zugelassen 
werden dürfe, den die Universität nicht aprobiert habe — eine Forderung, die 
schon manches Jahrhundert unerfüllt erhoben worden ist, trotz ihrer selbstver- 
ständlichen Berechtigung und Unabweisbarkeit. 

Viel Erfolg haben diese beiden eingehenden Fakultätseingaben '^ allem 
.■\nscheine nach nicht gehabt, denn wir sehen die Fakultät sich bald nachher mit 
folgender alles kurz zusammenfassender \'orstellung abermals an ihren fürst- 
lichen Herrn wenden und um Abstellung der verschiedenen Mängel zum dritten 
Male untertänig bitten. 

Durchleuchtiger hochgebornner fürst, genediger herr. Wir stellen in keinen 
zweilTel, euer fürstlich gnaden tragen unnsers hievorigen supplicirens das wir zwe\ mal 
undertheniglich an euer fürstlich gnad gethan unnd darinnen gepetten haben uns 
mit einem lectori(o), auch einem gemach darinnen man ein liberey anrichten möcht, 
desgleich das keinem lanndtfarer, welcher anher kern und sich zuvor gegen der 
universitet nit wie ein doctor beweist und erzeigt hett, zu prateciren vergönndt 
würde, genediglich zu versehen und zu bedenncken noch gnedis gutts wissen. 
Dieweil unns aber von euern fürstlichen gnaden, villeicht derselben treflfenlicher 
obligender geschefft halben, bis anher darauff kein beschaid noch antwortt worden, 
so thun wir euer fürstlich gnad desselben hirmit underthenigklich erinnern, und 
daneben, nachdem wir inn haltung der prandia mißbrauch spüren^), weitter pitten, 
euer fürstlich gnad wolle darinnen unser facultet zu gutt auch gnedigs einsehen 
haben ader haben lassen, damit solche prandia möchten vorenndert unnd zu annder 
nützliche weg gesteh unnd gewenndt werden. Euer fürstlich gnad wollen auch 
genediglich verordnen, das die zwen coUigaten medici im grossenn collegio, welche 
stettigs lesen unnd vil mühe unnd arbeit haben, mit den anndern colligaten, die 
wenig ader gar nichts lesen, gleich auflfheben, geniss und einkomen hetten, unnd 

') Ein Sondergutachten des Dekans Simon Pistoris aus der Zeit zwischen 1511 und 1515 
besitzt das Hauptstaatsarchiv in Dresden im Konzept, Stübcl hat es im Urkundenbuch der Uni- 
versität, S. 454 — 457, in seinem vollen Wortlaut zum Abdruck gebracht, .-»her falschlich in die Zeit 
zwischen 1523 und 1540 versetzt. Es ist äußerst persönlich geförbt und bringt viel interessantes 
Detail, das ich gelegentlich an passender Stelle einflechte; seinen vollen Wortlaut findet man im 
.\nhang S. 179 — 181. 

-) Über diese ,, Prandia arislotelica", „Platonische Essen" usw., kurz über dies ganze Aka- 
demische Zweckessenwesen in Leipzig siehe Georg Erler, Leipziger Magisterschmäuse im 16., 17. 
und 18. Jahrhundert. Leipzig 1905. 220 S. 4". 



; j ; Pif fiMc Kclormalion der L iiivcrsiui im Jahre Ij02 3 usw. 

::.Ncr ansuchen, das wir obligcniidcr notturlTt nach nit umbgeen mftgen, ge- 
!i zu gemuet führen unnd behertzigen, unns auch darautT mit trostlicher 
- hcn. Das umb euer fürstlich gnad erpietten wir unns mit unnsernn 
:; dicnnsten williglich zu verdicnnen. 
. .:. underthenigc gehorsame doctores der facultet der ertzncy '). 

Sollte das Ergebnis all dieser Eingaben und Wünsche und Bitten nicht 
mehr gewesen sein als die magere Reglementierung einiger Äußerlichkeiten, 
wie sie der folgende Erlaß bringt?-; 

Als inn nechster reformation die wir mit zceitigem rate zu besserung dieser 
löblichen universitet ordnunge unnd reformation aufgericht, befinden wir demselbenn 
nicht allenthalbenn gelebt unnd nachgegangenn. Darumb wollenn wir das sollichs 
wie auf die zeit vonn unns geordent vestiglich gehaltenn unnd nachgegangenn unnd 
zu besserung derselbenn universitet die ordnunge hiemit wie volgende vorbessert 
habenn. 

Die ertzte belangende. 

Nachdem wir inn iungster reformation geordent, das die doctores der ertzney 
ire lection mit vleis außwartenn, persönlich ader durch cynen tuchtigenn doctor be- 
stellenn, bfindcn wir das derselbenn reformation nicht gelebt unnd das die doctores 
irer lection nicht außwartenn unnd durch andere ire lection, darzu die schuier nicht 
andacht habenn, bestellen. Darumb so wollenn wir das dieselbenn doctores ire 
lectiones selbs außwartenn soUenn unnd durch andere zu bestellenn über acht tag 
nicht solle zugelassen werdenn, doch das solche Zulassung des iares nicht über 
dreymal beschehe. 

Dieselbigenn doctores sollenn ire lectiones continue lesenn, wenne man zu 
lesenn pllegt, unnd welcher seine lection an ehehaft vorseumbt ader durch eynenn 
andern nicht bestellet, der sol so oft das beschiecht eynen halben gülden zu buse 
geben. Und sali keyne vacantz dan inn der marterwochen, osterwochenn, pfingst- 
wochen, weyhnachten unnd die drey tag inn der faßnacht sampt der gebotenn feyertag 
gehaltenn ader gemacht werdenn. 

Es sollen auch hinfurder in examine bey ireii eydenn gutter vleis vorgewendt 
werden, das redliche, wolgelerte personen unnd die zuvor magisiri artium seind auf- 
genomen unnd ungelarte reiicirt werden. 

So publici actus, doctores, licenciaten adder baccalaureen zu promoviren vor- 
handen, so sollenn alle doctores in irenn habit wie sie promovirt sein darbev er- 
scheynen, unnd welcher ane ehehafit absens, der soll inn eynen halbenn gülden 
pene gefallen sein, dergleichen soll derihenige so zu dem actu ane habit kernen 
wirdt gestraft und locum nicht gegebenn werden. 

Es kann dann nicht wundernehmen, wenn eine wirkliche Reformation 
des medizinischen Unterrichts in Leipzig noch in weitem Felde lag'. — 



Auch das folgende Aktenstück, das einer Lehr- und Studienordnung 
entnommen ist, die von den Herzögen Friedrich und Wilhelm im 
Jahre 1519 erlassen wurde, kann, abgesehen von seiner schwülstigen Ein- 
leitung, im wesentlichen nur als eine Kodifizierung des alten Brauches gelten. 

') Stübel, Urkundenbuch der Universität Leipzig S. 342 Nr. 263. 
') Slübel, Urkundeobucb der Universität Leipzig S. 324 Xr. 255. 



3. Die erste Rerormation der UniversitUt im Jahre 1502/3 usw. jj 

Denn die ,,Anatomia, seu corporis insectio" wird in so allgemeiner Form, 
ohne jeden Versuch einer ernsthaften behördlichen Sicherstellung eingeführt, 
daß irgendwelcher Erfolg diesem Punkte des Erlasses gewiß nicht innewohnte, 
so wenig wie der Äußerung über die Disputationen — „non deerit" — irgend 
etwas getan war. Dennoch mag das kleine Dokument hier stehen als zu- 
sammenfassende Übersicht über das medizinische Unterrichtswesen in Leipzig 
an der Schwelle der Neuzeit. 



(Das Original ist leider nicht mehr vorhanden; Friedrich Zarncke, der in dea „Statuten- 
büchern der Universität Leipzig" 1861, S. 38 und 39, nach einer Abschrift Vogels das Folgende 
mitteilt, nimmt an, dal! das Original in Druck gelegt worden war.| 

Facultas iiiedica: 

Quod necessarius sit in urbe peritus meditus, ex hoc coniicere licet, quod 
Augustus Caesar, caeteris artium doctoribus e.xpulsis, solos medicos urbe deti- 
nuit, sine quibus nee respublica nee ulla hominum aetas salva esse potest. 
Scilicet hü civibus sanitateni, qua nihil est praestantius et animi vigorem ad sacra 
rei publicae officia obeunda restituunt, sine quibus morbi, trucuientissimi cor- 
porum bestes, cives prosternunt. Quippe, ut bonus Imperator cives ab hostibus 
eripit et insidiatores abigit, ita medicus a multo atrocioribus humanae sanitatis 
hostibus cives liberat eosque iam semianimes ex Plutonis faucibus eripit. Adde, 
quod et totam Illiriam Hippocrates medicus ignibus a pestilitate vindicarit. 
Ut nostrum quoque gymnasium huiusmodi homines proferret, illustrissimus 
princeps ac dux Georgius, ut tntus medicinae cursus triennio perfecte doceretur, 
ordinavit modo subscripto. 

Mane hora septima in hyeme, in aestate vero sexta legetur 
cursus medicinae theoricae triennioque finietur: 

primo anno primus canon Avicennae cum enarratione Jacobi Foro- 
liviensis. 

secundo anno über microtechni seu ars parva Galeni cum expositione 
Trusiani. 

tertia liber aphorismorum Hippocratis cum commento Galeni et Jacobi 
dubiis [de Partibus ?J. 

Hora prima pomeridiana cursus medicinae practicae enarrabitur, 
pariterque triennio finietur: 

anno primo liber IX Rasis ad Almansorem de aegritudinibus cum 
declaratione Arculani. 

secundo in prima <fen) quarti (canonis Avicennae), quae est de febri- 
bus cum annotamentis generalibus. 

tertio anno super quarta primi, quae est de medicatione in universal! 
cum Dini vel Ugonis expositione. 

Hora tertia doctores, in facultatem medicorum assumpti, legere solent, 
quorum unus hoc semestri leget pronosticon Hippocratis. 

Anatomia seu corporis insectio singulis annis, corpore examine oblato 
habebitur, sine qua nulla perfecta murborum et humanae constitutionis cognitio. 
Disputationis exenitium non deerit. 



-,, i(. Die cntle Rerormation der UniversitJt im Jahre 1503 '3 usw. 

Einen wirklichen Fortschritt im medizinischen Unterrichtswesen üiluten 
erst zwei Ereignisse herbei, deren erstes, die Errichtung einer dritten 
Professur, der der Pliysiologie, wie ein Geschenk des Zufalls der l''akultat 
im Jahre 1531 in den Sclioß fiel, durch das Absterben ihres Mitghedes Dr. Koii- 
rad Tockler aus Nürnberg ^dalier „Noricus") ohne Erben (vgl. das Akten- 
stück in Stübcls Urkundenbuch der Universität, Nr. 362, S. 485) uiul die 
völlige Neuordnung der gesamten Besoldungsverhältnisse der Universität durch 
die große Dotation von 2000 Goldgulden jährlich') seitens des Kurfürsten 
Moriz unter dem Beirate Kaspar Borners, die der medizinischen l-akultät 
zugleich eine vierte Professur schenkte (i. Januar 1580). 

Beide Ereignisse fallen so weit hinter das Ende des Zeitraumes, den sich 
vorliegende Untersuchung gesteckt hat, daü ich mich mit diesem I iinwcise 
begnügen mul3. 

•) Vgl. Stübcl, Urkundenbuch der Univ., S. 845 — 549; Friedberg, Die Universität 
Leipzig, 1 898, S. 28 (T. 



4. Aus dem Dekanatsbuch der Leipziger medizinischen 
Fakultät unter fünf Dekanen, 1440— 1.>09. 

Wir haben unser Studium der Fakultätsakten oben S. 7 im Dekanat 
Jakob Mesebergs abgebrochen und fahren nun in unserer Fakultätschronik fort. 
Jakob Meseberg führte das Szepter des Dekanats durch mehr als zwei 
Jahrzehnte, 1441 — 1463, mit Ehren. Er war im Sommer 142 1 immatrikuliert 
worden und hatte schon im Wintersemester 1423 das philosophische Magiste- 
rium sich erworben. Erst sieben Jahre danach wurde er medizinischer Bacca- 
larius und 1431 (9. Oktober) Doktor der Medizin. Er scheint diese Würde zu- 
nächst nur als Dekoration betrachtet zu haben'). Wir finden ihn nämlich nicht 
nur im Sommer 143 1 in der Dekanatswürde der Artistenfakultät, sondern er ist 
auch 1434 offenbar als Mitglied der philosophischen Fakultät in das große 
Kolleg eingetreten, was ihm allerdings als Mediziner, wie wir gesehen haben, 
damals gar nicht möglich gew-esen wäre. Ja, er ist sogar 1438 tatsächlich 
aus dem großen Kolleg ausgetreten („discessit") und erst 1440 wieder einge- 
treten mit dem ausdrücklichen Vermerk in den Akten des großen Kollegs 
„sed 1440 accepta professione medica iterum receptus". Wäre er 1438 
schon Mediziner gewesen, so hätte er diese Qualität 143S wohl geltend ge- 
macht und wäre einfach von nun ab als einer der zwei medizinischen Kolle- 
gialen weitergeführt worden. Sollte sein Übertritt zur Medizin etwa gar nur 
deshalb erfolgt sein, daß er erneut Aufnahme in das große Kolleg fände? 
Möglich ist es immerhin-. Jedenfalls lagen in der medizinischen Fakultät die 
\'erhältnisse sehr günstig. Der alte Dekan war hoch betagt — war er doch 
schon 1383 in Prag Baccalarius geworden und dort 139S Rektor gewesen! — 
und Mesenbergs eigenes medizinisches Doktordiplom schon bald ein Jahrzehnt alt. 
Er rückte denn auch schon 1441 in die bevorzugte Professur der Therapie 
und damit in das Dekanat ein, nachdem er die II. Professur, die der Pathologie, 

'1 Ebenso auch am Ende des Jahrhunderts Wilhelm Haldenhoff (Allenhof) aus Thorn, 
der sich seines medizinischen Doktors erst erinnerte, als eine Vakanz unter ganz besonderen Um- 
standen ihm plötzlich Aussicht bot, zu einer „fundierten" medizinischen Professur zu gelangen 
(s. weiter unten, bes. gegen Ende des 6. Abschnittes). 

') Freilich ist es auch nicht ausgeschlossen, daß sich alles gerade umgekehrt verhält, daß 
Xfeseberg aus dem großen Kolleg ausscheiden mußte, weil er sich ganz der Medizin widmen wollte^ 
und daß nur zufällig im nämlichen Jahre die Neuordnung der Universität verwirklicht wurde, die 
zur Dotierung der medizinischen Lehrstellen führte. 



<icm Dekmnaubuch der Leipiicer mcdiiinischcn Knkuli.K \iiiirr fflnr Dekanen. 



wohl nicht einmal seit 143S (wie im Mitijlicdervcrzeiclinis der Fakultät aus 
dem iS. Jahrhundert angetuhrt wird), jedenlalis nur ganz kurze Zeit als erster 
bekleidet hatte. Im Antrittsjahre seines Dekanats wurde er auch in den Rat 
der Stadt Leipzig gewählt und war (unfmal, in den Jahren 1451, 1453> '45^'> 
1459 und 1462 regierender Hiirgermeister. 

Mit den Dekanatsgeschäften scheint Meseberg zunächst nocli nicht über- 
mäßig beschwert gewesen zu sein; die ersten Promotionen begegnen uns im 
Jahre 1447. Sie betreffen zwei junge Arzte, die in Fakultät und Stadt und 
weiterhin Bedeutung erlangt haben, wie wir später noch sehen werden: Johannes 
Schipnitz aus Weida (Mittweida?) und Joliann Sprottaw al. IMeurer aus 
Crossen an der Klbe. Die betreffende Eintragung lautet: 

Bl. (II)' 

.\nno domini M"cccc"\lvij" septima die Xovembris magister Johannes 
W'eyda et magister Johannes Meürer de Crossin receperunt insignia 
doctoralia in medicina a magistro et doctore medicinae Jacob o Mese- 
berch de Stendal in ecclesia sancti Nicolai civitatis Lipczcnsis et inibi 
ad facultatem medicinae studii Lipczensis sunt recepti. (Vgi. r:,fci 1, Sp. 2^ 

Schon im Juli des nächsten Jahres finden wir abermals eine Promotion 
vermerkt, die eines Leipziger Kindes, das als einziger Arzt des 15. Jahrhunderts 
in Vogels Leipziger Chronik mit seinem Namen Aufnahme fand, die des Nico- 
laus Pistoris, nach Vogel angeblich 1402 geboren und 1462 gestorben, was 
allerdings beides den Tatsachen nicht entspricht. Er hat seinen ganzen 
Studiengang in Leipzig erledigt'), hat wie Meseberg einmal das Dekanat der 
Artistenfakultät verwaltet (Sommer 1446) und ist, wie wir schon sahen, auch zur 
Würde des Professorats der Pathologie aufgerückt, das er von 1464 — 1470 
versah, und im Frühling 147 1 gestorben. Wir werden von seinen Familien- 
beziehungen und seinem Epitaphium in einem späteren Abschnitt noch zu 
sprechen haben. Der ihn betreffende Eintrag im Dekanatsbuche lautet wie folgt: 

Hl.(ll)r. 

Anno domini ÄI'^cccc".\lviij" [1448J nona die mensis Julii mgr. Xico- 
laus Pistoris de Lipczk recepit insignia doctoralia in medicina a 
magistro et doctore medicinae Jacobo Meseberch de Stendal in 
ecclesia sancti Nicolai civitatis Lipczensis et inibi ad facultatem me- 
dicinae studii Lipczensis est receptus. 'Vgi. lufci 1, S|.. n., 

Im Sommersemester 1450 finden wir in der Matrikel der Universität eine 
Eintragung bei der bayerischen Nation, die einiges Interesse erweckt. 

'14, Heinricus Swingenfels Oculista 6gr. 

Wir hatten hier also einen Okulisten oder Staarstecher, von dem wir sonst 
nichts wissen. Die Inskriptionsgebühr ist die anfangs übliche, die allerdings 

') Immatrikuliert im Wintersemester 1426, Baccalarius itn Sommer 1429, Magister im Winter 
■ 433, Dr. med. 1448. 



4. Aus dem Dekanatsbuch der Leipziger medizinischen Fakult&t unter fiinf Dekanen. eg 

1436 auf 10 Groschen, also einen halben Gulden erhöht worden war. Wir 
müssen somit diesen Staarstecher nicht gerade als arm, aber auch nicht als 
vermögend betrachten. Vielleicht war er nur als irgendwie abhängig von der 
Universität in die Matrikel eingeschrieben, weil er durch ein anderes .Amt oder 
entlohnten Dienst als Handwerker von der Universität seine Nahrung zog, etwa 
wie ein Buchbinder oder Organist oder Professoren-Diener. .Näheres weiß ich 
von ihm nicht anzugeben. 

Mit zwei rroniotionseintragungen vermag das Jahr 145 1 zu prunken: 

Bl. (ll)r. 

Anno domini M^cccc" quinquagesimo primo die Martis, sexta die Julii 
mgr. Conradus Deynhardi de Wetter recepit insignia doctoralia in 
medicina a magistro et doctore in medicina lacobo Meseberge de 
Stendal in ecclesia sancti Nicolai civitatis Lypczensis et inibi ad facul- 
tatem medicinae studii Lipczensis est receptus. iVgi. Tifd i, Sp. =. 

Bl.(ii)v. 

.•\nno domini M'^cce" quinquagesimo primo die -Martis, sexta die Julii 
mgr. Johannes Stofeman de Luckow recepit insignia doctoralia in 
medicina a magistro et doctore in medicina Jacobo Mel'zeberck de 
Stendal in ecclesia sancti Nicolai civitatis Lipczensis et inibi ad facul- 
tatem medicinae stijdii Lipczensis est receptus. 

Konrad Deinhardi aus Wetter stammt aus dem Süden Deutschlands, 
nicht etwa aus Wetter an der Ruhr Kortum-Bährensschen Angedenken, 
denn er wurde 1432 bei der Natio bavarica eingeschrieben, ist 1434 Baccalarius, 

1437 Magister geworden. Das Jahr seines medizinischen Baccalariates ist un- 
bekannt, wenn wir auch die Tatsache, daß er es hier in Leipzig erwarb, schon 
durch ihre Eintragung ins Dekanatsbuch, oben S. 6, kennen gelernt haben. 
Er verweilte lange an unserer Hochschule, wurde im Sommer 1446 ihr Rektor, 
im Winter 1446 Dekan der Artistenfakultät und 1448 Vizekanzelar. Nach 
seiner Promotion zum Dr. med. verlautet nichts mehr von ihm'). Sein Dok- 
toratsgenosse Joh. Stovemann (Stauffmann) de Luckow weilte vom Winter 

1438 an auf der Leipziger Universität, wo er in gemessenen Staffeln, 1440 als 
Baccalarius und 1444 als Magister die akademischen Würden erstieg, wobei für 
das medizinische Baccalariat gleichfalls das Datum nicht genauer feststeht, wenn 
er es auch bestimmt vor 1 447 erwarb (s. oben S. 6). Nach errungener Doktor- 
würde hat auch er Leipzig anscheinend bald verlassen. 

Mit besonderer Sorgfalt ausgeführt, so daß man an der Vaterschatt 
Mesebergs für diese Eintragung im ersten Augenblicke zweifeln möchte und 
sich erst nach eingehender vergleichender Schriftprüfung davon überzeugt, daß 
er es dennoch selbst geschrieben hat, finden wir auf Bl. (ii? des i. Statuten- 
buches der medizinischen Fakultät, dem auch alles Bisherige entnommen 
war, folgende Eintragung: 



') Vgl. aber am Ende dieses Abschnittes io der Rechnungsaufstellung des Dekans Johann 
Schipnitz von Weyda den „Doktor Wetter" 1471 — 1473, S. 83. 



\ut dem Dckaoatsbuch der Leiptiger medifinischen Fakultät unter fünf Dekanen. 

Anno legis gratiae MVccclix" [1459], die vicesinia octava nionsis Aprilis, 
mgr. Johannes Forenbergcr deNoremberga ad facultatcni medicinae 
studii Lypczensis est receptus. 

Mit dieser Eintragung sind auch zum Teil die Irrtümer der Überlieferung 
erklart, welche uns über Johann Kohrenberg oder Forberger aus Nürnberg 
begegnen. Er soll schon 1447 „ad fac med. assumptus'' sein'), obwohl er doch 
im Sommer 1445 überhaupt erst in Leipzig eingeschrieben wurde, im Soinmer 
144S dort das Baccalariat und 145 1 das Magisterium erwarb. Er hat danach 
zweifelsohne Leipzig verlassen, sich anderwärts zum Doktor promovieren lassen 
und, erst im Jahre 1459 nach Leipzig zurückgekehrt, dort als auswärtiger 
Doktor um Aufnahme in die medizinische Fakultät nachgesucht, die ihm unter 
den in Abschnitt 3 näher dargelegten, statutarisch festgesetzten Bedingungen 
gewährt wurde. Wie schon aus dieser Tatsache zu entnehmen, hatte Dr. Jo- 
hann Fohrenberg die Stadt Leii)zig zu seinem dauernden Wohnsitz und Tätig- 
keitsbezirke ausersehen und ist denn auch hier gestorben, wie ein Grabmal 
aus Stein in der Thomaskirche berichtet: 

ISlepner Nr. 796.] 

Anno 1467 d. 2 5.Maij, ohiit egregius artium ^magister)' & medicinae ^doctor) 
Joliannes Fohrenberg de Nurenberg, hie sepultus, cujus aniraa R. L P.A. 

Stauffmanns Promotion ^MSi) war entschieden die letzte in I\lesebergs 
Dekanat. Wir treffen nun nur noch Haccalariatseintragungen im Statutenbuche. 
Diese Haccalariatsprüfungen bzw. -promotionen erfolgten nicht unter dem \' orsitze 
des Dekans, sondern eines anderen Doktors der Fakultät-). V\'ir sehen hier- 
durch die uns schon bekannten Fakultätsmitglieder der Reihe nach in Funktion 
treten: Nicolaus Pistoris, Johann Schipnitz und Joh. Meurer ;S])rottau). 

^.(12)^ 

Anno domini M'cccc'iij [1452] tercia feria post festum sancti Martini 
[14. Nov.] mgr. Vitalis Flegk promotus fuit per venerabilem virum raa- 
gisirum Nicolaum Pistoris dix:torem medicinae in baccalarium faccultatis 
eiusdem. 

') Es erklärt sich diese Annahme dadurch, daß — ebenso wie die Reihe der Baccalarii von 
Meseberg ohne Datum und ohne Angabe, zu welchem Gelehrtcngrade sie promoviert wurden, in 
die I. Spalte des Blattes (lO'ccio eingetragen waren (vgl. Tafel I) — am Fuße desselben Blattes 
durchlaufend durch 2 Spalten folgende Notiz ohne Datum zu finden ist: „Magister Johannes Foren- 
berger de Norinberga ad facultatem medicinae assumptus est," von der beute kein Mensch von 
vornherein sagen kann, ob sie auf die Baccalariatspromotion StaufTmanns (zirka 1447) folgte oder 
auf Konrad Nisemans Jlezeption im Jahre 1502. Beides steht unmittelbar über der Notierung 
betr. Forenbergcr, wie ein Blick auf den Fuß unserer Tafel I ergibt. Um allen Zweifeln selbst zu 
begegnen, hat Meseberg nachträglich diese Assumptionseintragung auf 5.(11)' nochmals in aller 
Form und besonders sorgfältig geschrieben wiederholt. 

*) Sie sind denn auch, um Ordnung zu halten, Mißverständnissen (wie die auf S. 7 richtig 
gestellten und das eben besprochene) vorzubeugen und den Unterschied zwischen Bakkalar und 
Doktor energisch zu markieren, von jetzt ab an anderer .Stelle des Buches (vier Seiten weiter hinten) 
aufgezeichnet worden. 



4- Atas dem Dekanalsbuch der Leipziger medizinischen Fakultät unter fünf Dekanen. 6i 



Vitalis Fleck de Bornis (aus Borna) wurde Wintersemester 1439 im- 
matrikuliert. Baccalarius im Winter 1441, Magister Artium im Winter 1445. 

[Bi.(i2r.i 

Anno domini M"cccc"liiij [1454] quinta feria post Mauricii [26. Sept.] mgr. 

Tiiomas Hertil de lawer promotus fuit per venerabilem virum magistrum 

Johannem Wey da, doctoreni meciicinae, in baccalarium faccultatis *) eiusdem. 

Anno domini 1459 feria secunda post octavas Epiphaniae domini [15. Jan.] 

mgr. Johannes Meßko de Sweydnitz promotus fuit per venerabilem virum 

magistrum Johannem M ewerer, doctorem medicinae, in baccalarium facul- 

tatis eiusdem. 

Anno domini 1459 feria secunda post octavas Epiphaniae domini [15. Jan.] 

Ambrosius Herfart de Lobeczicz promotus fuit per venerabilem virum 

magistrum Johannen! IMewrer, doctorem medicinae, in baccalarium facul- 

tatis eiusdem. 

Anno domini !M"cccc"lxij'' [1462J ipso, die Calixti confessoris [14. Oktober] 

magister Paulus Schultet! de Wittenberg promotus fuit per venerabilem 

virum magistrum Johannem de Wyda, medicinae doctorem, in baccalarium 

facultatis eiusdem. 

Anno domini ]\r'ccccl.\ij [1462] ipso die Calixti confessoris [14. Oktober] 

mgr. Nicolaus Salhusen de Osschacz promotus fuit per venerabilem 

magistrum Johannem de W3-da, medicinae doctorem, in baccalarium 

facultatis eiusdem etc. 

Anno domini 1463 feria tercia post Scolasticae [15. Februar] mgr. Nicolaus 

Golaw promotus fuit per venerabilem virum magistrum Johannem 

Mewrer doctorem medicinae, in baccalarium facultatis eiusdem. 

Anno domini 1463 feria tercia post Scolasticae [15. Februar] mgr. Allexius 

Thyme de Freynstadt promotus fuit per vernerabilem virum magistrum 

Johannem Mewrer medicinae doctorem, in baccalarium facultatis eiusdem. 

Von Johann Fleck, Thomas Hertel von Jauer, Johann Meßkow von 
Schvveidnitz, Ambrosius Herfart von Lobositz und Paul Schultet! aus 
Wittenberg ist nicht viel zu sagen. Sie dürften alle, wie viele nach ihnen, 
die Meißnische Hochschule nach dem Baccalariat der Medizin direkt oder 
nicht lange nachher verlassen haben, um sich anderwärts den Doktorhut zu 
erringen, falls sie sich nicht mit dem niedersten ärztlichen Grade aus dem 
einen oder anderen Grunde begnügten, oder der Tod ihrem Leben ein früh, 
zeitiges Ende bereitet, wie wir es bei einem der Baccalarien des Jahres 1463 
zufallig nachweisen können, bei Alexius Thieme. 

Wir finden nämlich in den „Inscriptiones" Salomon Stepners unter 
Nr. 434 ein gegossenes Epitaph aus der Nikolaikirche angeführt mit der 
Aufschrift: 

Anno domini 1464, die 3. Mensis Septembris, obiit venerabilis vir magister 
Alexius Thyme de Freyenstat, in JNIedicina Baccalarius. Orate deum 
pro eo. Amen, 

die uns vom Irühen Tode des angehenden Arztes berichtet, der schon i*,j Jahre 
nach seiner Baccalariatspromotion ihn ereilte. 



') Es steht fakultatis im Dekan.itsbuch 131.(12)' 



\u» dem l>ek»n.»:-' Uli. •'■■ i l.eiptiger luediiinischcn l';ikuU;tt unter fünf ]>ck.iiioii. 

\ Oll Nicolaus v.v ,...v criahren wir nichts weiter, Nicolaus Salliuseii 
aus Oschatz ist aber spater wieder nach Leipzig zurückgekehrt und als „Doctor 
cxtraneus" in die medizinische I-"akultat aufgcnoninion worden, wie wir noch 
sehen werden. 

Als 4. Dekan übernahm Johannes Schipnitz') von Weida im Jahre 
1463 die Fakultatsleitung. Inskribiert im Sommer 1430 bei der Meißnischen 
Nation, hatte er im Winter 1431 zum Haccalaurcus und im Winter 1434 zum 
Magister promoviert und war im Sommersemester 1440 und 1444 mit der 
Dekanatswürde der Artistenfakultät bekleidet worden, im Winter 1443 mit dem 
Kek-torate. Das Jahr seines übrigens zweifellosen, medizinischen Haccalariatcs 
steht nicht fest-). Unterdessen hatte er schon 1440 Aufnahme als Mitglied des 
kleinen Kollegs gefunden und war, wie wir gesehen liaben, 1447 zum Doktor 
der Medizin promoviert worden. Zu gleicher Zeit ungefähr war die 11. Professur 
der Medizin durch den Rücktritt des Dr. Franz Korze vom Lehramt freige- 
worden und wir erfahren nun, daß Herzog Friedrich (der Sanftmütige) für die 
Neubesetzung dieser Stelle sich interessierte und die Bestallung Johann von 
NVeidas bewirkte. Vielleicht könnte man daraus die Bestätigung der Annahme 
entnehmen, daß als Johann Schipnitzens Geburtsort Weida, das Städtlein Mitt- 
weida im Meißnischen und nicht etwa das Städtchen Weida in Thüringen zu 
gelten habe, wo als X'ögte von Plauen und Weida die Reußen saßen. Mag 
sein, daß es sich so verhält. Jedenfalls siegte durch das Einschreiten Fried- 
richs des Sanftmütigen Joh. von Weida über seinen Konkurrenten, den vor 
kurzer Zeit am gleichen Tage mit ihm zum Doktor promovierten Joh. Sprottow 
al. Meurer von Crossen, der aber später bei demselben F'ürsten in Gunst ge- 
langte. Wenigstens scheint mir ein von ihm verfaßtes Gesundheitsregiment 
für denselben Herzog F'riedrich den Sanftmütigen darauf hinzuweisen, das 
ich im 6. Abschnitt dieses Heftes näher besprechen werde (S. 104 u. 204(11'.). 

Kurz und gut, wir sehen zunächst, daß Herzog Friedrich Ende November 
1447 sich dafür interessierte'), wer auf den so wohldotierten Lehrstuhl der theore- 
tischen Arzneikunde in Leipzig zu berufen sei; er ließ dieserhalb an die Hoch- 
schule zu Händen des Rektors ein Schreiben ergehen, das recht interessant ist 
und gleichzeitig einen kleinen Einblick gewährt in den Hergang bei der Neu- 
besetzung von Lehrstellen an der Meißnischen Hochschule. 

Im Ms. 176 der Leipziger Universitätsbibliothek finden wir auf Bl. ^y 
eine „Littera domini ducis pro doctore Johanne wyda [.?j. AW. /./^/J", 
welche also lautet: 

Frederich von gotisgnaden herczog zcu Sachsen, Lantgrave in Doringen 
unde marggraf zcu Missen '). 



') Es kommen auch die Schreibungen Schuptitz, Schuptiz, .Schüiiticz, Schuplz für seinen Namen 
vor; meist heißt es kurz „Johannes von Weida". 

') Vgl. S. 6. 

') ,.pro Johanne de Weida intercedit dux Fridcricus" sagt J. J. Vogel im Mitgliederverzeichnis 
der Fakultät. 

*) Auch abgedruckt bei Br. Stübcl, Urkundenbuch der Universität Leipzig S. 115 Nr. ')<). 



4. Aus dem Dekaiiatsbuch der Leipziger medizinischen Fakultät unter fünf Dekanen. 63 

Den wirdighen unde Erbarn Rectori und Meistern der hoenschule zcu 
Lipczk, unsern lieben andechtighen. 

Unsern grueß zcuvor. Wirdigen, üben, andechtighen. Wan an unß 
brocht ist, \vy daß der wirdige doctor Franciscus dy lecture in 
der Ercztneye by uch durch yn bißher vor weßit kurczlich begeben 
unnd der nicht mer halden wolle, Sin wir bericht, wy daß auch der 
wirdige doctor Johannes wyda der seibin kunst wol gelart an des 
gnanten doctor Franciscus stat zcu komen unnd sollich lecture zcu 
vorwesin gnugsam tugelich unnd bequem sy, unnd daruff gebeten 
deshalben eyne scrifit vor yn zcuthun. Uff eyn soUichs beghern wyr 
an uch mid gantzem fliße bittende, das ir yn daran vor eym andern 
uns zcuwillen wollet komen unnd unsers vorschribens gnissen laßen, 
als wyr uns danne billich zcu uch vorsehen unde in gute gein uch 
nicht vergessen wollen. Geben zcu Torgaw am dunerstage Clementis 
papae anno domini :c.xi,. septimo. 

Dies kurfürstliche Empfehlungsschreiben ging nun vom Rektor, damals 
Petrus Presczhewicz de Budissin, Magister und theologiae baccalarius for- 
matus, zur Beschlußfassung an die vier Nationen, die sich folgendermaßen dazu 
äußern. 

J'^ofa nacionuvi super cadem: 

Placet nacioni Saxonum, quod collcgium viaius tempore vacacionis 

collegiahirae viedicoruvi de novo doctore provideat, secnnduin quod hac- 

tenm fieri est consnetum et quod quantmu ad hoc mann tencatur. 

Placet nacioni Polonoruvi, quod negocium de littera domini ducis 

committatur collegio maiori, eo quod hoc non respicit universitatem sed 

collcgium. 

Placet nacioni Misncnsium, ex quo universitas non habet eligere, quod 

domini collegiati tempore suo velint esse memores precum domini 

principis. 

Placet nacioni Bai'arorum, ex quo univcrsitatis non intcrest eligere col- 

legiatnm, quod dirigat universitas peticionem ad collegiatos ad acquies- 

cendum peticioni principis. 

Korrekt weisen also die 4 Nationen, als nicht vor ihr Forum gehörig, 
die ganze Sache vor das große Kolleg, die Meißnische und Bayerische Nation, 
indem sie gleichzeitig das Ersuchen des Kurfürsten geneigter Berücksichtigung 
empfehlen \. 

Der Herzog erreichte aber auch so seine Absicht. Johann von Weida 
wurde ernannt und trat damit in das „große" Kolleg über und aus dem 
„kleinen" aus: „Magni coUegii coUegiatus factus discessit". Mitglied des großen 
Fürstenkollegs ist er denn auch bis zu seinem Lebensende im Jahre 1484 ge- 
blieben. Nach einer Mitteilung Stepners wäre Schipnitz Doktor der Theologie 

') Waren die beiden anderen, <lie polnische und sächsische vielleicht im Stillen für den 
anderen Kandidaten? 



(>J 4- Au» dem lVk»n«l»buch der Lfip/icfr mcdijinischcn l-nkult:il unter filnf UcUancn. 

gewesen. Es soll sich iLimlicli im ..IV'ichthaiise" der Nikolaikirclic die Inschril't 
befunden haben: 

(510) Anno 14S4 in die Lauiporii [l 7. September] obiit venerabilis vir Dr. Johannes 

Schipnitz de Weida, Theologiae doctor, cujus anima etc. 

wahrend ein in dem Schirt" derselbigen Kirche befindliches Holzepitaph mit dem 
Gemälde einer Kreuzigung folgende Inschrift getragen haben soll, ilic mit ilem 
übereinstimmt, was wir sonst von Schipnitz wissen: 

(419) Anno domini 1484, feria sexta, ipso die sancti Lamperti, obiit Venerandus 
vir, magister Johannes de Weida, medicinae doctor, niajoris collegii colle- 
giatus hie sepultus, cujus anima requiesrat in paoe. 

Es ist natürlich nicht ausgeschlossen, daß unser 4. Dekan wirklich einmal 
auch zum Doktor der Theologie honoris causa ernannt worden ist, doch 
schweigt darüber soviel ich sehe die Universitätsmatrikel und die Fakul- 
tätsakten '). 

Einer seiner ersten feierlichen Dekanatsakte war die Rezeption eines Mannes, 
der sein Nachfolger werden sollte, dessen Name auch in der Kunstgeschichte 
Leipzigs einen guten Klang besitzt, des Valentinus Becke de Schmedeberg 
oder Smidberg, der uns schon in seiner Eintragung als Mitglied der Fakultät 
kurz als Valentinus Schmidberg begegnet, unter dem er auch außerhalb 
der Fakultätsakten allein bekannt ist. 

Valentin Beck oder Becke de Smedeberck war im Somniersemester 
1458 bei der Sachsischen Nation inskribiert worden. Als Baccalaureus finden 
wir ihn schon im kommenden Sommer 1459, als Magister Valentinus l^ecke 
de Smedebergk im Winter 1461. Im Statutenbuch treflcn wir über die Rezep- 
tion des anderwärts Promovierten folgende Eintragung, über welche Johann 
von Weyda als erstes Zeichen seiner Betätigung als Dekan im Fakultatsbuche 
folgende Eintragung als Überschrift setzte-. 

Diirtor Joli. U'eiffla nirftithtae f'acuUfitin decanus. 

[Bl. A.-^.] 

Anno legis gratiae-) M''cccc"lxv'' [1465] die sedecima mensis P^ebruarii 
magister Valentinus Schmidberg ad facultatem medicinae studii 

Lipczensis est receptUS. [Mit anderer Tinte später nachgetragen:] Insuper anno 

M^cccc'lxviij" [1468] receptus est ad consilium facultatis medicinae. 

\'alentin Becke fand Aufnahme ins große Kolleg im Jahre 1471 und 
übernahm damit gleichzeitig die Professur der Pathologie des verstorbenen 



') Nur in Vogels Mitgliedervcrzeichnis wird (vermutlich nach Stepner.') bemerkt „j d. 
1 7. SepL 5. S. Lamperti D. Joh. Schipnitz de Weida theol. D." 

•) Diese Redewendung hat Johannes von Weyda von der letzten feierlichen Eintragung 
Mesebcrgs (über Fohrenberger) mit herübergenommen. 



4. Aus dem Dekanatsbuch der Leipziger medizinischen Fakultät unter Tünf Dekanen. 65 

Nicolaus Pistoris. Becke wurde auch in den Rat der Stadt berufen und 
war im Jahre 1470 Ratssyndikus. Doch müssen wir ihn zunächst noch 
verlassen. 

In dem Jahre 1465 und 1466 finden wir nacheinander zwei Magister mit 
dem Raccalariat ausgestattet, die wir später gleichzeitig mit dem Doktorhut 
gekrönt wiedersehen : 

[B1.(I2)».] 

Item anno domini 1465. mgr. Vincencius Numburg assumptus est in 
baccalariuin medicinae. Dispensatum fuit secum de responsione pro bacca- 
lariatu et hoc die beati Wenczeslai [18. Sept.J. 

Anno domini 14Ö6*' tercia feria post purificacionis Mariae [4. Februar] magister 
BurkardusGuorras de Constancia promotus est in baccalarium medicinae 
per venerabilem virum doctorem Johannem Weyda. 

Der amtseifrige Johannes von Weida hat es in seinem Dekanat also auch 
nicht unter seiner Würde gefunden, selbst den Baccalariatsprüfungen zu 
präsidieren; freilich war er unbeweibt, wie wir noch sehen werden. 

Im Jahre 1469 treffen wir dann folgende Einzeichnung ins Statutenbuch: 

IBl. (11)".] 

Anno domini M^cccc sexagesimo nono decima quarta die Novembris 

mgr. V^incentius V'ayt de Nüenburg recepit insignia doctoralia in 

medicina a magistro et doctore Johanne deWyda in ecclesia sancti 

Nicolai civitatis Lipczensis et inibi ad facultatem medicinae studii Lip- 

czensis est receptüs. 

Anno domini M^cccc sexagesimo nono decima quarta die Novembris 
mgr. Burckhardus Guorus de Constancia recepit insignia doctoralia 
in medicina a magistro et doctore Johanne de W'ida in ecclesia 
sancti Nicolai civitatis Lipsensis et inibi ad facultatem medicinae studii 
Lipsensis est receptüs. 

Beide haben ihren regelmäßigen Studiengang an der Leipziger Univer- 
sität seit 1446 bzw. 1458 durchgemacht, wie die Eintragungen in die Matrikel 
ergeben ^). 

Gleichzeitige Aufnahme in die Leipziger medizinische Fakultät fanden 
147 1 zwei auswärts zum medizinischen Doktor Promovierte: 

[Bl. (ii)v Sp. 2.; 

Anno domini M"cccc septuagesimo primo xvij" [decima septimaj die 
Junii Dr. Nicolaus Salhusen de Oschicz ad facultatem medicinae 
studii Lipczensis est receptüs. 



') Vicentius Voigt de Nüenburg iMcyenburgk) inskribiert Sommer 1446, baccalarius Sommer 
1448, magister Winter 1453, med. baccalarius 1465. Burk(hard) Gurr.iß, Guorras, Gnorus, Guras, 
Güras de Constantia insk. Sommer 1458, bacc. Sommer 1459, mag. Winter 1462, med. bacc. 1466. 
Studien zur Geschichte der Medizin. Vlir. 5 



\,;n dem L>ekiu»l«huch der Leipiiccr ineiluiiiiMluii t.ikuli:it untot lauf Dekanen. 

Annodomini M''cccc"lxxi'' \vij''|decinia septimaldie Junii Dr.'^ Johannes 
de Hallis ad facultatcm medicinae studii Lipc/.ensis est receptus. 

die dann ■* , Jahre spater sclion in den Rat der Fakultät, das „consiliuni" 
hinübergenonuuen wurden: 

|B1. (in'.' 

Item anno domini M'^cccc'lxxii' " I1472I quarta feria post epyplianiae 

doniini [S. Januar] doctor Nicolaus Üschicz et doc. Johannes 

Hallis recepti sunt ad consiliuni facultatis, 

wahrend spater satzungsgemäß ein längerer Zwischenraum erfordert wurde. 

Den Nicolaus Salhausen von Oschatz treffen wir hier schon zum 
dritten Male, er war 1463 zum Haccalarius medicinae promoviert worden, nacli- 
dem er im Sommer 1451 immatrikuliert, im Sommer 1452 zum Haccalarius 
artium und 1457 zum Magister ernannt worden war. Er ist dann zu weiterem 
Studium zu anderen Hochschulen gewandert, hat auch auswärts den Doktorhut 
errungen und ist später als Arzt in Leipzis^ geblieben, auch hier am 2. Aug. 1479 
gestorben und begraben worden. Sein Grabmal in der Faulinerkirche (gegossen) 
trug folgende Inschrift: 

[stepner 236.] 

Anno domini M.CCCC.LXXIX. in vigilia Sanrti Augusti<^ni) obiit egregius 
vir mgr. Nicolaus de Salhusen, doctor medicus hie sepultus, cuius anima 
luce fruatur aeterna. 

Johannes Wagh von Halle werden wir später als Dekan der medi- 
zinischen Fakultät wiederfinden, worauf ich einstweilen verweisen muß. 

Eine neue Varietät in den Rezciitionsformeln der Fakultät bringt eine 
Eintragung vom Februar 1476: 

[bl.(li)' Sp. 2.] 

Item anno domini M"cccc"lxxvi"' die quindecima Februarii doctor Bern- 
hardinus, filius domini Casparis, ad facultatcm medicinae studii 
Lipczensis receptus est. 

Wir lesen hier von einem Sohn eines „Herrn Caspar", der dem ganzen 
Tenor nach doch wohl ein Arzt in Leipzig gewesen sein muß. In den Ak-ten 
der medizinischen Fakultät habe ich bisher von ihm keine Spur gefunden und 
doch muß er dieser Fakultät angehört haben, wie schon daraus selbstverständ- 
lich sich ergeben würde, wenn er tatsächlich in Leipzig praktiziert hat, woran 
doch wohl kaum zu zweifeln ist-). 

') Es war aus Versehen abermals „Nicolaus" zu schreiben begonnen, was dann ausradiert ist. 

») Weder ein „Dr. Caspar" noch ein „Dr. Bernhardinus'' ist um diese Zeit in Vogels 
Mitgliederverzeichnis vermerkt. ,, Dominus Caspar" kann ja freilich auch einer anderen Fakultät 
angehört haben, aber ,, Bernhardinus" müßte unbedingt dort zu finden sein, ein Zeichen, daß wir 
tins auf die Vollständigkeit dieses Verzeichnisses nicht verlassen können. Auch Thomas Kiliani, 
der gli^ich zu nennen ist, findet sich dort nicht und Joh. Mormann nur einmal im J.ihre 14S5. 



4. Aus dem Dekanatsbuch der Leipziger medizinischen Kakultüt unter rünf Dekanen. g? 

Ob Söhne von Ärzten irgend wclclie Vorteile genossen, Ermäßigung der 
Gebühren oder Ahnhches bei der Aiifnalimc, ist aus den Akten nicht ersichtlich, 
da regehiiäßige Eintragungen der Eakuitätseinnahmcn bis auf einige Fragmente, 
die ich am Ende dieses Abschnittes zusammenstelle, leider fehlen. Jedenfalls 
haben sie den Sohn des Arztes Kaspar nicht davon abgehalten, seinen ganzen 
medizinischen Studiengang auswärts zu absolvieren; denn Dr. Bernhardinus, 
der hier .Aufnahme in die Fakultät findet, ist sicher ein „Doctor extraneus", 
ebenso die folgend genannten „recepti" des Jahres 1477 und 1483. 

[Bl. (11)» Sp. 2.] 

Item anno domini M"cccc"lxxvij" die tricesima mensis Julii doctor 
Thomas Kiliani ad facultatem medicinae studii Lipczensis receptus est. 

[Ebenda.] 

Item anno domini MVccc'Ixxxiij" doctor Johannes Morman de 
Ratispona ad facultatem medicinae studii Lipczensis receptus est et hoc 
undecima die Februarii. 

Von beiden, offenbar eine Zeitlang in Leipzig als Arzte ansässigen und 
tatigen Männern ergeben die Fakultätsakten und Stadtakten, soweit ich sehe, 
im übrigen keine Auskunft. 

Zum Schlüsse der Dekanatstätigkeit Johannes von Weida noch zwei 
Baccalariatseintragungen vom Jahre 1479. 

[Bl.(i2)'Sp. 2.] 

Anno domini M"cccc" septuagesimu nono magister Symon Pistoris de 
Lipczk promotus fuit in baccalarium medicinae per magisirum Joliannem 
Weyda, doctorem medicinae, secunda feria post Elyzabeth [25. November] 
videlicet vicesima tertia die Nnvembris. 

Anno domini M^cccc" septuagesimo nono vicesima tertia die mensis No- 
vembris Stanislaus Reichinbach de Schwidenicz promotus fuit in bac- 
calarium medicinae per magistrum Johannem Weyda, doctorem in 
medicinis. 

Nur der Erstere ist hier von erheblicherem Interesse; es ist der Sohn 
des einige Jahre vorher verstorbenen Professors der Pathologie') und Rats- 
angehörigen der Stadt, Nicolaus Pistoris, der spätere Dekan, dem der Boden 
Leipzigs eine Zeitlang zu heiß geworden war, als er sich im Leipziger Syphilis- 
streite, der auch in der allgemeinen Geschichte der Medizin zu trauriger .,Be- 
rühmtheit'' gelangt ist, eine so schwere Niederlage geholt hatte (s. Abschnitt 6 
gegen Ende). 

Am 17. September 14S4 hatte Johann Schipnitz von Weida das 
Zeitliche gesegnet. Als sein Nachfolger rückte an 5. Stelle in der ganzen 
Reihe Valentin Becke aus Schmiedeberg in das Dekanat der medizinischen 
Fakultät, von dessen früheren Schicksalen wir schon gelegentlich seiner Promo- 



') Von einer etwaigen Gebührenermäßigung aus dieser Ursache verlautet auch hier nichts. 



» .. 1..,,, lyVuutsbuch der Leipxi(;cr mcJUinbclicn F.ikuliat unter fünf Dekanen. 

tioii im i.iiv.c i.\"2 gesprochen haben. Er verwaltete das Dekanat nur relativ 
kurze Zeit. Als ordnungsliebender Mann und guter Haushalter hat auch er 
nicht ver.<aun>t, die Hinkünfte des Dekanats zu notieren, worin ihm sein Vor- 
gänger allerdings, wie ich noch zeigen werde, schon recht ergiebig voraus- 
gegangen war; so finden wir denn von N'alentin Hecke, wenn auch ohne Datum, 
so doch zweifellos im Jahre 14S4 eingetragen'), die folgende Mitteilung: 

Ego Valentin US Smidberg rccepi 4 llor. a doc<tore) Martina 

Mellerstadt, 

Vll flor. ex amicabili composicione quam habuit facultas cum liafredibus 

d^omini) d<(octoris> Weyda. 

Inwiefern die Fakultät mit den Erben ihres verblichenen Dekans „güt- 
liche .-Xuseinandersetzungen" hatte, bleibe einstweilen dahingestellt'-); der erst- 
genannte Posten handelt aber bestimmt von der Aufnahmegebühr des Leipziger 
Frühhumanisten Martin l'ollich (Polich) aus Melierstadt in die medizinische 
P'akultat, über deren Mitglied Simon Pistoris er fast anderthalb Jahrzehnte 
spater einen so grimmigen Sieg mit den Waffen der Logik und Dialektik 
davontragen sollte, dessen er selbst doch nicht froh wurde. 

Drei Jahre nach ihm fand dieser, sein späterer Gegner, in die Fakultät 
Aufnahme. 

Bl. (II)' Sp. 2.] 

Item anno domini M"cccclxxxvij [14S7J magister Symon Pistoris de 
Leipczk doctor die 14"'' [quarta decima| mensis Februarii assumptus 
est ad facultatem medicinae [von der nämlichen Hand beigefügt:] In- 
super anno cccclxxxviij I1488J receptus est ad consilium facultatis 
medicinae in vigilia omnium sanctorum. 

Man sieht, Simon Pistoris ist nach etwa i' ., Jahren in tlcn Rat der 
P'akultat aufgestiegen. Die Zeitspanne zwischen den beiden Rezeptionsterminen 
wachst. Schon im nämlichen Jahre, anscheinend wenige Wochen nach seiner 
Aufnahme in das „consilium facultatis' , nahm Pistoris die Haccalariatspromotion 
Wenzel Fabers von Budweis vor. 

[BI. (12)' Sp. 2]. 

Anno domini M'cccc octuagesimo octavo magister Wen czeslaus Bude - 

wiß vel verius Fabri de Budewiß sequenti die pro.xima ante'') festum 

Martini [10. November:] sub rectoratu suo promotus fuit in baccalarium 

medicinae per magistrum Symonem Pistoris de Leipczk, medicinae 

doctorem. 

Item ex singulari favore doctorum, et ut alii alliciantur promovendi, 

eidem magistro Wenczeslao de Budewifß fuit conccssum et praero- 



') Auf der Innenseite des hinteren Einbanddeckels. 

') Vgl. weiter unten S. 83. 

•) Es stand .,post" da; „ante" ist übergeschrieben. 



4. Aus dem Dekanatsbuch der Leipziger medizinischen Fakultät unter Tünf Dekanen. gc) 



gativum donatuni, quod de caetero haberet locum suuni ante alios 
doctores, qui postsuum baccalariatum recii)ientur de aliis universitatibus, 
in quantum prosequentur promotioneiu suam in liac universitate. 

Man hat den andei^'ärts zum Magister (aiiium) promovierten, gerade mit der 
Rektoratswürde bekleideten Mann besonders ehren wollen. Ein ähnlicher Vorgang 
scheint sich, wie wir noch finden werden, am 13. Juni 1497 bei ihm wiederholt 
zu haben, den wir als fleißigen Praktikenschreiber und berühmten Astrologen 
kennen. Über die Rangfolge der Rezipierten hatte man ja, wie wir oben 
(S. 32 fl.) gesehen haben, ausführliche Bestimmung getroffen. Gebühren hatte 
Wenzel Faber von Hudweis bei dieser Ehrenpromotion anscheinend nicht zu 
entrichten (r. 

[Bl. (II)' Sp. 2 Ende..] 

Item anno domini Mlx.xix [statt 1489IJ assumptus est dominus doctor 
Johannes de Lantczperg ad facultatem medicinae. Item ipse solvit 
doctoribus pecuniam solvendam. Item [von der nämlichen Hand wie das 
Vorhergehende')] anno domini Mlx.Kxxj [1491I] feria quarta post Pauli 
[27. Jan.?] receptus est ad consilium facultatis. Item dedit IUI florenos. 

Ob das Zeitintervall zwischen der Aufnahme in die Fakultät und in das 
Konsilium mit dem bei Simon Pistoris beobachteten übereinstimmt, läßt sich 
nicht bestimmt entscheiden, da das erste Monatsdatum fehlt. 



') Es ist vielleicht schon die Hand Johanns von Halle, die beide Eintragungen vor- 
nahm, deren eine doch noch in Schmiedebergs Dekanatszeit fallt. Die Hand Johanns von Halle 
scheint sehr zu wechseln. Obenstehende Eintragung erinnert in ihren Schriflzügen in manchem an 
die Hand Johanns von Weyda; doch ist es zweifellos die nämliche, welche in der 2. Spalte 
des Blattes (12)' die Eintragung vom Jahre 1497 über Wenzel Faber gemacht hat, welche ja auch 
in das Dekanat Johanns von Halle fallt. Vorübergehend war ich versucht anzunehmen, daß 
die erste Jahreszahl richtig sei und die zweite verschrieben (beide können nicht richtig scinlj, 
daß die Aufnahme Johann Wagners von Landsberg in die Fakultät und den Rat der Fakultät 
also in das Dekanat Johanns von Weida fielen, worin mich noch die Beobachtung bestärkte, 
daß Vogels Mitgliederverzeichnis der Fakultät den Namen „Landsbergs" seit 1481 unter den 
Assessoren der Fakultät mit aufführt und den 29. Januar 1 48 1 als sein Rezeptionsdatum angibt. 
Offenbar hat er also die -vorliegende Eintragung so aufgefaßt, daß 1491 ein Schreibfehler wäre. 
Aber ohne Not möchte ich doch in der Reihenfolge der Eintragungen nicht noch diese neue Un- 
ordnung annehmen, während sie im anderen Falle von 1451 bis 1499 in ungestörter Zeitfolge auf 
Bl. (11)' Sp. I u. 2 und Bl. (12)' Sp. i fortlaufen. Außerdem ist der Wortlaut von denen der 
vielen Rezeptionseintragungen Johannes von Weida derart differcnt, daß mir diese Annahme un- 
überwindlichen Schwierigkeiten zu begegnen scheint. Niemals sagt Joh. v. Weida „assumptus est" 
sondern neunmal regelmäßig „receptus'', nur einmal fehlt bei 9 Eintragungen die Nennung von 
Leipzig, niemals vor allem machte Johann von Weida bei den Eintragungen der Recepti und 
Promoti eine Angabe über die Bezahlung der Gebühren ; er hat diese Eintragungen auf eine andere 
Stelle des Dekanatsbuches verlegt, wie wir noch sehen werden. Ich bleibe also dabei, daß Johann 
Wagner von Landsberg erst 1489 in die Fakultät eingetreten ist und 1491 in den Rat derselben 
Aufnahme fand, zumal die Hand mit der der Eintragung vom Jahre 1497 übereinstimmt, Johann 
von Halle also doch wohl tatsächlich zu verschiedenen Zeiten sehr verschieden geschrieben hat. 



TQ 4. Au» dem l>riv»iiat>i'Hcn lifi i.fip/iKci mediiinischcn KaViiltÄt untfr Rlnf Deknneii. 

Hatte Valentin Hocke von Sdunietlcberjj so seit last 20 Jaliren theo- 
retische und spater praktische Medizin gelesen, als er linde Mar^ 1490 starb, 
so ist doch weder von wissenschaftlichen Leistungen etwas von ihm bekannt 
geworden, noch hat sein Dekanat irL;end bedeutende Spuren hinterlassen. Aber 
an seinen Namen knüpit sich durch das X'ermachtnis eines Sohnes, der die 
juristische Laut'bahn ergritT und mit Khren durchführte, gewiti auch unter dem 
Einfluß der X'erschwagerung mit der Arztefamilie l'istoris, eine wichtige Neue- 
rung, die erstmalige Anstellung eines besoldeten Spitalarztes. Sein Bild ist uns 
von tretilicher Künstlerhand auf dem berühmten ,,Schmiedebergschen Altare" 
festgehalten, vielleicht hat auch das allbekannte Hild des „Sterbenden" von 
Lukas Cranach bewußt eine Ähnlichkeit mit erhaltenen Bildern von ihm an- 
gestrebt. Ich werde über das ganze Bildwerk dieses Altares bei der Be- 
sprechung der Schmidburgschen Stiftung im nächsten Abschnitte eingehendere 
.Xuskuntt sieben. 



Auf \'alentin Sciimicdeberg folgte als 6. Dekan Johannes Wagh 
(Wack, Vach) von Halle, der seine Studien im Sommer 145 1 in Leipzig 
begonnen und im Winter 1452 zum Baccalarius promoviert die Universitäts- 
stadt für fast 20 Jahre verlassen hatte. Im Jahre 1471 in die Fakultät, 1472 
in der Consilium facultatis, wie wir gesehen haben, rezipiert, trat er 1484 das 
Lehrahmt der theoretischen Medizin als Nachfolger Schmidebergs an und 
damit gleichzeitig ins große Kolleg als Kollegiat. Das Dekanat hat er bis zu 
seinem Tode am 3. August') 1499 verwaltet, von dem ein gemaltes Kpitaph 
in der Nikolaikirche mit der Darstellung der \'erkündigung, Geburt und Fassion 
Christi im Triptychon Kunde gab, auf dem die nicht allzuflüssigen Verse 
standen: 

[Stepner 415] 

Artis quid cyclice quid confert Techna raedendi, 

In mediciis possit quo minus atra dies, 
Doctor Johannes Wagh, Hallensis proba proles 

Arguit, hie condiü, quem pie Nicolae. 
Artibus ut pubes fnrmetur, cnntulit aera, 

Ad superos tollas hunc precor, alrae Dens. 

'Am unteren Rand des linken Altarflügels die Inschrift: „Oro pro nobis, Maria mcmen . . "]. 

Im Beginne seines Dekanats finden wir folgende etwas ungewöhnliche 
Eintragung, die dem Aufzunehmenden, auswärts Promovierten eine Art VVohl- 
verhaltenszeugnis ausstellt und, wie es jetzt in Übung kommt, gleich beifügt, 
wann die Aufnahme in den Rat der Fakultät erfolgte und wie es mit den 
Gebühren gehalten wurde. 

;bi. (I2J' Sp. I.] 

Anno domini M cccc 90 ( 1490] feria tertia post Jacobi [27. Juli] respondit 
d<ominus) doctor Caspar Brunsperg et bene atque discrete erga 

'1 Nach Vogels Xlitgliedervcrzeichnis der Fakultät. 



4. Aus dem Dekanatsbuch der Leipziger medizioischeu Fakultät unter fünf Dekanen. n \ 
doctores se habuit. Item [Von der nämlichen Hand, Johanns von Halle, wie 

das Vorhergehende] 93 anno circa dominicam Invocavit [23. FebruarJ assumptus 
est in consilium lacultatis niedicinae sub dispensacione \'I florenorum 
r<Tienensium). 

Kaspar Molitoris von Braunsberg scheint im Sommer 1477 inskribiert 
«orden zu sein, aber seine ganze übrige akademisclic Laufbahn anderwärts 
zurückgelegt zu haben. Wenn auch wenig auf dem Lehrgebiet der Fakultät 
hervorgetreten, so scheint er doch in Leipzig eine bedeutende Rolle gespielt 
zu haben, auch von Seiten des Hofes und der Regierung in Dresden und sonst 
von auswärts vielfach in Anspruch genommen worden zu sein, wie wir noch 
sehen werden. Es scheint ständiger Brauch geworden zu sein, daß den neu in 
das Konsilium Rezipierten das Präsidium bei den Baccalariatspromotionen der 
medizinischen Fakultät übertragen wurde, so auch dem „Doktor Kaspar". 

(Bl. (12)' Sp. 2.; 

Anno domini Mcccc93 [1493] promotus est re(verendus) d(omin)us mgr. 
Pasca de Alvenslefen in baccalarium niedicinae sub rectoratu suo per 
doctorem Caspar de Brunsperg^). 

Mit besonderer Feierlichkeit wird der vor einigen Jahren (148S) ehren- 
halber zum Baccalarius der Medizin und dann 1489 zum Licentiaten promo- 
vierte Magister der Artistenfakultät und weltberühmte Kalenderpraktikant 
Wenzel Faber von Budweis^^ iin Jahre 1497 """ auch zum Doktor medicinac 
promoviert, natürlich vom Herrn Dekan persönlich in der Nikolaikirche und 
allen anderwärts Doktorierten ausdrücklich in der Rangordnung vorangestellt. 

[Bl.A,-.] 

Anno domini Mcccclxxxxvij [1497] dominus Wenczeslaus Fabri 
de Pudweyß, canonum medicinae licenciatus, promotus est in doc- 
torem facultatis medicinae a domino doctore et magistro Johanne de 
Hallis in ecclesia s. Nicolai in die sancti Anthonii in alma nostra 
universitate studii Liepczensis, sed locum suum optineat, ut antecedendo 
omnes alios doctores in aliis universitatibus promotos et singulariter 
antecedit dominum Wilhelmum, quia dominus doctor Caspar ipse 
sua propria voluntate suo loco privilegiavit '). 

Den zuletztgenannten Dr. Caspar kennen wir schon, der dominus 
Wilhelmus ist bestimmt mit dem gleichzunennenden Wilhelm Haldenhoft 
identisch. Doch scheint Ilaldenhoff vor Wenzel Faber als Doktor rezipiert zu 
sein, Staetz, ein Assumptus des gleichen Jahres 1497, bestimmt nach dem 



') Bestimmt von der Hand Johanns von Halle geschrieben. 

*) Seit 1483 im kleinen Kollegium, seit 1488 ins große gewählt, angeblich bis 1508, doch 
scheint er 1505 oder 1506 verstorben zu sein. 

^) Dieser Abschnitt ist von der nämlichen Hand geschrieben, die 14S9 und 1491 die Ein- 
tragung über die Aufnahme Johann Wagner vornahm, vermutlich gleichfalls die Johannes von 
Halle. S. S. 69 Anm. i. 



. uriii UekuMtsbuch der Leipziger medixiuUckcn l-'akultät unter filof Dekanen. 

.\nloni.:-i.ii;e [i". Januar) 1497, was auch sein sogleich mitzuteilender Rezcp- 
tionsvermerk ergibt. 

Vorher müssen wir uns eine doppelte Haccalariat.-^i^roniotion .msehcn: 

[Bl. (IS)' Sp. I.) 

Anno domini 1499 die tertia post Exaudi [14. Mai] promoti sunt in bar- 
ralarios medicinae magistri Magnus Hundt de Magdeburgk, tunr reitor 
universitatis, et Johannes Swabe de Liptz'\ 

Magnus Hund aus Magdeburg wird uns im 6. Abschnitt naher beschäftigen. 
Johannes Schwab aus Leipzig war im Sommer 1490-") immatrikuliert worden 
und begegnet uns 15 12 bei einem feierlichen Rezeptionsakte als Mitglied der 
medizinischen Fakultät, ohne daß wir seine Doktorpromotion oder den Termin 
seiner Aufnahme in die Fakultät nachweisen könnten. 

Beachtenswert ist folgende Notiz, welche von der Aufnahme zweier nam- 
hafter Doktoren der Medizin in den Rat der Fakultät berichtet: 

[BL(i2)' Sp. I.; 

Anno domini 1499 in die sancti Chiriaci [S. August] assumpti sunt ad 
consilium facultatis medicine doctores Wilhelmus Hai den ho ff de 
Thorn et Benedictus Staetz de Liptz et dedit quilibet quatuor flor. 
ad fiscum'l 

Die beiden waren wieder einmal auswärts promovierte Doktores. was trotz 
aller harten und drückenden Bestimmungen der Statuten immer noch mehr in 
Aufnahme kommt. Anderwärts wehte immer schärfer, auch in der Medizin, ein 
fortschrittlicher Geist, nur in Leipzig hielt man noch fest am Alten. Dort 
scheinen sich auch die Neuzugekommenen schnell wieder zu konservativer 
Ansicht gewandelt zu haben, denn die Mehrheit der Fakultät bestand doch 
schon aus ander%värts Promovierten, auch die Mehrzahl der Dekane im 1 5. Jahr- 
hundert Über Haldenhoff werden wir gleich zu sprechen haben; seine 
Rezeption als Doktor ist nicht vermerkt. Benedikt Staetz' Eintragung als 
rezipierter Doktor (doctor ad facultatem assumptus) ist noch nachzutragen: 

[Innenseite des hinteren Einbanddeckels, Sp. i.] 

Anno domini M cccc 97 [1497] Benedictus Staetcz Lipsensis, arcium 
magister et medicinae doctor, in die Conversionis Pauli [25. Jan.] 
dedit XMII. flor. Rhen. in assumpcionem se [I] in doctorem medicinae 
in nostra universitate scilicet Liepczensi, quod ego mgr. Johannes 
Hall'^ensis), medicinae doctor et eiusdem facultatis decanus, protestor 
manu propria^. 

•) Geschrieben von Johann Wagners von Landsberg Hand. 

*) Vielleicht ist er auch mit dem Manne gleichen Namens identisch, der schon im Winter 
1475 immatrikuliert, im Winter 1482 Baccalarius und im Winter 1492 Magister geworden war. 
Auch Benedikt Staetz aus Leipzig und Wilh. Haldenhoff von Thom haben sich ja zum Studium 
so lange Zeit genommen wie wir gleich sehen werden. 

•) Bestimmt von Johanns von Halle steifer Hand geschrieben. 



4. Aus dem Dekanatsbuch der Leipziger medizinischen Fakultät unter fünf Dekanen. 73 



Wir haben ihn schon als Mann des Foi^schrittes und F"reund der Anatomie 
in seinem Gutachten bei der Reformation vom Oktober 1 502 kennen gelernt. 
Benedict Pistoris al. Staetz war ein Leipziger Kind und hatte sich zum 
Studium offenbar Zeit genommen. 1472 immatrikuhert hatte er 1479 das Hac- 
calariat und 14S5 das Magisterium errungen und darauf die X'aterstadt ver- 
lassen und war endlich 1497 als fertiger Doktor wiedergekommen. 

Als Johannes Wagh von Halle das .Amt des Dekans mit der Ruhe des 
Grabes vertauschte'), rückte in seine Ämter Johannes Wagner von Lands- 
berg ein, den wieder Wilhelm Aldenhoff ^venn auch vielleicht nicht sofort) 
in der Dozentur der theoretischen Medizin ablöste, da der näher berechtigte 
Dr. Caspar ihm, wie wir gesehen haben, den Vortritt gelassen hatte und die 
dem Patent nach noch älteren Martin Pollich von Melierstadt (rec. 1484 
oder 1485) und Simon Pistoris (rec. 1487) in heftiger literarischer Fehde lagen, 
die wir weiter unten, zu Ende des 6. Abschnittes, besprechen werden, bei 
welcher Gelegenheit wir uns auch mit der Frage des Antritts der Theoretischen 
Professur durch Haldenhoff noch näher beschäftigen müssen. 

Wilhelm Haldenhoff aus Thorn hatte von 1477 — 14S3 in Leipzig 
seinen philosophischen Studien obgelegen und war als Leipziger Magister ar- 
tium auf Reisen gegangen, um seine medizinischen Studien zu vollenden, von 
deren Krönung und seiner Assumption in den Rat der Fakultät wir schon 
vernommen haben. Er war vermögend und gab schon am i. Oktober 1498 
dem Rat der Stadt ein Darlehn von 700 Gulden zu 35 Gulden Jahreszins. Später 
crriclitete er ein Stipendium, aus dessen Wortlaut ich hier direkt einiges heraushebe. 

Wilhelmus Aldinhoff [Haltenhoff] de Thoronia artium et medicinae doctor, 
collegü maioris^ universitatis studii Lipczensis . . . coUegiatus [vermacht durch Testa- 
nientsinstrument vom 11. März 1506 (das Bürgermeister und Ratmannen der Stadt 
Thorn am ::3. April 1506 anerkennen und zu befolgen sicli bereit erklären)] in stuba 
coUegiati irum dictis maioris collegü . . . ego Wilhelmus Haldenhoff de Thorn, artium 
et medicinae utriusque doctor, collegü maioris g3^mnasü liptzensis collegiatus .... 
[1400 fl. für 3 Stipendien an Thorner arme Studenten, zunächst aus seiner Verwandt- 
schaft, zum Besuch der Universität Leipzig und je 10 fl. jährlich für 2 unbescholtene 
Thomer arme Mädchen zur Aussteuer in die Ehe, außerdem eine Reihe von Jahres- 
legaten an Krankenhäuser in und bei Leipzig und in Thorn für einige Kranke.] 
Acta fuerunt haec Liptzk in stuba magistrorum et collegiatorum supradicti collegü 
maioris . . . 

Paulus Suoffheym de Görlitz, clericus Misnensis diocesis . . . notarius, almae 
universitatis studü Liptzensis scriba unterschreibt^). 

Haldenhoff hat also zu seiner zweiten Heimat eine große Liebe gefaßt und 
sucht zwischen seiner Vaterstadt und Leipzig ein Band gegenseitigen Nutzens 
zu weben. 

*) Er starb ohne Erben, vgl. Simon Pistoris Gutachten von 1511 im Anhang am Ende des 
Abschnittes 2 S. 180 Zeile 58. 

-) Nach Zarnckes Verzeichnis der Mitglieder des großen Kollegs S. 761 in den Jahren 
1500 — 1507 als Gewählter der Polnischen Nation, also nicht als Mediziner; dem kleinen Kolleg 
soll er von 1490 — 1500 angehört haben. 

') Vgl. Stübel, Urkundcnbuch der Universität Leipzig S. 342 — 348 Nr. 264. 



ck.in.tiMnicn iiri Leipiiger roeditinisclirn hnkuUat unter lunt Dekanen. 



Der i. in der Reihe der Dekane, der leUte im ersten Jahrhundert der 
Universität, Johannes Wagner (Currificis) von I^imlsberg, im Sommer 14O4 
bei der bayrischen Nation inskribiert, hatte die Leipziger Hochscluile als Ma- 
gister 1469 verlassen und ist, wie wir gesehen haben, 14S9 in die Fakultät 
als Doktor aufgenommen worden und 1491 in das Consiliuni facultatis, erst 
nachdem er, wie es scheint, schon Aufnahme in das große Kolleg gefunden 
h.attc, dem er von 1490 bis zu seinem Tode angehört haben soll, der am 
6. Oktober 1509 eintrat'). Sein Grabdenkmal war früher in der Nikolaikirche 
zu sehen, eine Kreuzigung auf Holz gemalt, deren Inschrift Stepner corrupt 
überliefert hat: 

[4«] Anno I5gi [statt 1500], die . . obiit venerabilis vir, Magister Johannes de 
Lantspergk, medicinae Doctor, secunda feria post Francisci-), cujus R. I. P. A. 

Die erste .Arbeit Johannes Wagners im Dekanat, das er 1499 antrat, 
war die, Ordnung zu schaffen in dem Konto der Fakultät, wie wir im Anhang 
dieses .Abschnittes S. 84 näher sehen werden. 

Wahrend der ersten neun Jahre seines Dekanats sind gar keine Baccalariats- 
prufungen und gar keine Doktorpromotionen abgehalten worden. Einzig zwei 
Rezeptionen auswärts promovierter .Arzte sind /.u verzeichnen, eines Franken 
aus der Würzburger Gegend und eines Schlesiers, die beide ihre ganze Studien- 
zeit auswärts zugebracht hatten und darum vor ihrer Rezeption erst immatriku- 
liert werden mußten. Die betreffenden Eintragungen in das Statutenbuch der 
Fakultät — der Raum war unterdessen auf den hinteren Blättern knapp ge- 
worden; W. suchte sich zuerst zwischen den älteren Eintragungen ein Plätzchen 
und begann dann direkt hinter den Satzungen und ihren Zusätzen mit der 
Aufzeichnung der Promotionen und Rezeptionen — lauten in chronologischer 
Ordnung: 

(Bl. (II)' Sp. 2.] 

Anno domini 1 502 in die sanctae Gerdrudis [ 1 7. März] assumptus est ad 
facultatem doctor Conradus Nisemanus ex Lankeym vgl. TaW 1 sp. = umcn;. 

[B1.(8)T.] 

Anno domini 1504, die vero mensis Junii tercia, receptus est ad con- 
silium facultatis medicinae dominus doctor Conradus Nisemanus. 
Solvit fisco facultatis IUI flor. 

Anno domini 1508 in die sancti Lucae [18. Okt.] receptus est ad con- 
silium facultatis medicinae dominus doctor Cristofferus Schonfeit 
et solvit fisco facultatis IUI. flor. 

Konrad Niesemann stammte aus Großlankheim in der Würzburger Diö- 
zese und war 1501 im Wintersemester in Leipzig immatrikuliert worden. Er 



') Er war unbeweibt, wie Simoa Pistorü in seinem Sondergutachten vom Jahre 1511 an- 
gibt. Vgl. im Anhang am Ende des 3. Abschnittes S. 179 Zeile 18. 

') Der Tag des Heiligen Franciscos ist der 4. Oktober, der zweite Tag danach tatsächlich 
der Todestag unseres Arztes. 



4- Aus dem Dekanatsbuch der Leipziger medizinischen Fakultät unter fiinf Dekanen. -j^ 

übernahm nach Haldcnhoffs Tode die Professur der Pathologie, die er kaum 
zwei Jahre inne hatte, da ihn schon am 28. März 1511 der Tod abrief. Sein 
Epitapli, ein Tafelgemälde der Himmelfahrt Maria, hatte folgende Inschrift: 

[Stepner Si.) 

Conradus Nisemanus, Liberalibus litcris et medica arte Doctor insignis 
e.x Lankheim Orientalis Franciac pago ductam originem virtutibus, in- 
genio, pietate ad sublimum gloriae decus e.\tulit, qui post multa artis 
suae merita egregia in hanc urbem et exteras nationes infracto animo 
aeternorum spe moribundae naturae concessit anno XFi Dni 151 1. 
Mensis vero Marcii die 28., cui hie cum piis benigne spectator sus- 
citationem laetam precare. 

Christopf Schönefeld aus Liegnit/. wurde im Sommersemester 1507 
in Leipzig als Dr. med. immatrikuliert und im nächsten Jahre schon ins Konsi- 
lium der Fakultät aufgenommen, mit fast verdächtiger Eile also; die Fakultät 
lebte mit ihrem Dozentenmaterial förmlich aus der Hand in den Mund; denn 
schon 1511 trat Schönefeld das Lehramt der Pathologie an'). Als Präses 
dreier Baccalariatspromotionen treffen wir ihn Anfang Februar 1509, also 
im letzten Jahre des Dekanats von Johannes Wagner, seinem Sterbejahre. Er 
hat aber diesen wichtigen .Akt, der so schweren Kampf in der Fakultät hervor- 
gerufen hatte, ehe er in Szene gehen konnte, noch mit den kräftigen, großen 
Zügen eines Presbyopen in das F"akultätsbuch eingetragen. Es ist; die oben 
schon erwähnte Baccalariatspromotion, in welcher infolge eines Statuten- 
mangels sogar nicht Magistrierte mit dem Baccalariat der Medizin bekleidet 
wurden. Die Einschrift in das Statutenbuch hierüber lautet: 

[Bl. (8)>.] 

Anno domini 1509 die 13 [decima tertia] mensis Februarii mgr. Conradus 
Tockler de Nurenberga promotus est per venerabilem virum magistrum 
Cristoferum de Schonfeit, medicinae doctorem, in baccalarium facul- 
tatis eiusdem et dedit duos flor. ad fiscum facultatis eiusdem. 
Anno domini 1509 die 13 fdecima tertia] mensis Februarii Caspar Kegeler 
de Thirßheim promotus est per venerabilem magistrum Cristofferuni 
Schoenfelt, medicinae doctorem, in baccalarium facultatis eiusdem et dedit 
n. florenos ad fiscum. 

') Vgl. auch Simon Pistoris Gutachten von 151 1 im Anhang am Ende des 2. Abschnittes 
Zeile 45 u. 87, das vor dem Antritt der 2. Professur durch Christoph Schönefeld geschrieben zu 
sein scheint und erkennen läßt, daß man ihn schon vor dem Eintritt in den Genuß der Kollegiats- 
stelle im großen Kolleg für eine supplierende Tätigkeit mit 30 6. im Jahre honorierte, wohl um 
ihn in Leipzig zu halten. Daß er mit seinem Dekan trotzdem nicht besonders stand, ersehen wir 
ebenda, Zeile 96. Christoph Schönefeld fällt mit seiner Wirksamkeit als Ordinarius in den An- 
fang des 2. Jahrhunderts, also außerhalb der Zeit unserer diesmaligen Untersuchung. Conrad 
AVimpina in seiner „Centuria illuslrium scriptorum" (ed. Merzdorf, Lipsiae 1839 S. 62) gibt ihm 
das für jene Zeit sehr hohe Lob: „callet Iriplicem linguam, Hebraeam, Graecam et Latinam." Unser 
„trilinguis" hätte also wohl als der erste „philologische Mediziner" der Universität Leipzig zu 
gelten, von irgendwelchen Schriften oder Ausgaben verlautet bei ihm aber nichts. Trotzdem wird 
man ihn wegen dieser seiner d-imals schon so hochgeschätzten Dreisprachigkeit in Leipzig zu h,alten 
versucht haben. 



rfi 4. Auj dem IVk«n»l»hu<:h der I.cip/i(;or nioIiiiiniMlicn 1 «ikulliu unter liliil' lleknneii. 

Anno domint 1500 die niensis Februarü dccima tertia Batliasar |!J Lot- 

wiger de Haitis promotus est per vcncraliilem magistruni Cristoferum 

Schönfeit, medicinae doctorein, in baccalarium facultatis eiusdeni et dedit 
duos flor. ad fiscum facultatis. 

Eine andere Haccaiariatsproniotion laiul im vorhergehenden Jahre statt, 
die man bisher immer übersehen zu liaben scheint, und doch steht sie aus- 
drücklich auf Bl. (12)' des Statutenbuchs von derselben Hand des Dekans 
Johannes Wagner von I^ndsberg eingetragen: 

Anno domini 1508 5 a feria post octavas pascac promotus est in 
baccalarium medicinae magister Heningus Sarctoris de Bronswigk tunc 
rector universitatis qui dedit pro fisco ij fl. K^henenscs). 

Allerdings heißt der Kcctor dieses Wintersemesters Ludwig Sartoris de 
Görlitz; und es liegt auch sicher eine Verwechselung hier vor. Heinrich 
Schrader (auch Sartoris) de Brunscwig (inskr. im Winter 1480, Baccalarius 
im Winter 14S2, Magister im Winter 14S9, Cursor im Winter 1492) ist nie- 
mals Rektor in Leipzig gewesen und es .scheint auch auf den ersten Blick gar 
kein Grund vorzuliegen, der ihn irgendwie als mit dieser Eintragung in das 
Fakultätsbuch der Mediziner gemeint, legitimieren könnte, und doch hat ihn 
der Herr Dekan mit den Rektor des Jahres nur um der Namcnsgleichheit 
willen venvechselt. Er kam wohl wenig mehr unter Menschen und saß be- 
ständig über seinem Aristoteleskommentar (s. am Ende des 6. Abschnittes), 
so daß ihm so etwas bei seinen Eintragungen ins Dekanatsbuch über Fakultäts- 
akte, denen er nicht beigewohnt hatte, .schon in die Feder kommen konnte. Denn 
Heinrich Schrader von Braunschweig war wirklich später zum Studium der 
Medizin übergegangen. Wir treffen ihn aktenmäßig 2^3 Jahre nachher als „Der 
Artzney doctor" bezeichnet in einem Stiftungsbriefe vom 30. September 151 1, 
in welchem ein „Henricus Schrader von Brunswigk, der artzney doctor" beim 
kleinen Fürstenkolleg 40 fl. jährlich (also fast einen Professorengehalt), verordnet, 
welche für einen Leipziger Studenten bestimmt sein sollen oder, falls die Uni- 
versität in Verfall geraten sollte („si mutatio tanta fieret in universitate, ge- 
schege aber in disser Universität Leypzk so große Wandlunge, da die Studenten 
nicht gut tun sollten"), für andere würdige Braunschweiger. Er ist bestimmt 
der Baccalar vom Jahre 1508; vielleicht hat er es nie weiter als zum Baccalar 
der Medizin gebracht und der höhere Titel der Stiftungsurkunde (Stübel, 
Urkundenbuch der Universität Nr. 289 S. 295) ist nur eine kleine N'erschönerung 
des Stifters. 

In den Anfang der Dekanatstätigkeit Johannes Wagners dürfte wohl 
ein Aktenstück zu setzen sein, welches sich abschriftlich im Entwurf im Kopial- 
buch 107 des Hauptstaatsarchivs zu Dresden befindet (Bl. 242 ab), und dessen 
Original bei seiner Absendung an die Leipziger medizinische Fakultät vom 
Kanzler Erhardt unterschrieben war. Es mag im Jahr 1501 etwa abgefaßt 
sein und belehrt uns darüber, daß auch schon damals die medizinische Fakultät 



l- Aus dem Dekanatsbuch der Leipziger nieiliüinischcii l-akulliit unter i 7 7 

als ärztliche Körperschaft amtlich in Anspruch genommen wurde, nicht nur in 
Universitäts- und Unterrichtssachen. Ähnlich wurde sie ja höchstwahrscheinlich 
schon damals und sicher in den nächsten Jahrzehnten als Begutachtungs- 
behörde an der Lepraschau beteilijjt. Haben sich doch bei den Fakultäts- 
akten eine ganze Reihe von solchen Lepragutachten aus dem 3. Jahrzehnt des 
16. Jahrhunderts erhalten. 

Im vorliegenden Falle handelt es sich um ein Schreiben der herzoglichen 
Regierung in Dresden an die Fakultät der Arznei in Leipzig, also an die Körper- 
schaft der Leipziger Arzte, mit dem Ersuchen sich eines in Leipzig schwer 
erkrankt darnieder liegenden Ritters Otto Pflug anzunehmen. 

Die Eintragung im Kopialbuch hat folgenden Wortlaut: 

Herzog!. Schreiben an die facultät der Ertzney, sich des Kranken 
Otto Ptlugk anzunehmen. 

Dechant, doctoribus Ist gesriben, noch dem, H. Otto Pflugk Ritter, mit swerer 

der facultet der kranckeyt beladen, und in gots geweidung zu Lipzck legt, 

Ertzney zu Lipzck. mit Beger, das sye guten vleiß und achtunge, bej Ime, 

haben wolten, domit er vormittelst gotlicher, vnd Irer, 
hulffe, wider seiner krankeyt entledigt vnd zu gesunt, seins 
leibes kommen mocht, dar Inn vleiß nicht sparen wolten, 
das sich mein Gn. H. zu Inen vorsehen wolt, also thun 
wurden. 

Zu gleicher Zeit ging ein besonderes Schreiben an einen bestimmten 
Leipziger Arzt ab, folgenden Inhalts: 

Doctor Caspar Ist der gleichen geschrieben, bej H. Otten Pflugk, treulichen 

zu Leipzck. vleis furzuwenden damit er durch gottes vnd seiner hulff 

wider gesuntheit erlangen möcht. 

\'ermutlich hat sich also der kranke Ritter in eben dieses „Doctor 
Caspars'" spezieller Behandlung befunden, den wir oben kennen gelernt haben, 
Dr. Caspar Brunsberg, d. h. Dr. med. Caspar Molitor aus Braunsberg, der 
auf seine Anciennetät in der Fakultät verzichtet hatte, vermutlich da er 
mehr Interesse für den praktischen Beruf als für Ehrenämter und Lehrstel- 
lungen hatte und in der .Ausübung der Praxis möglichst wenig durch Vorträge, 
Sitzungen und feierliche Akte gestört werden wollte, was ja auch die schmal 
besoldeten Professoren als drückend empfanden, wie wir im 3. Abschnitt ge- 
sehen haben, zumal in der konsultativen Praxis über Landes. Ganz hat er 
sich aber der Lehrtätigkeit doch nicht entziehen können, wie wir schon ge- 
sehen haben und im Anhang noch weiter sehen werden '). 

Wie weit sein Ruf als Praktiker reichte und wie hoch er am Hofe selbst 
in Ansehen und als Arzt in Schätzung stand, dürfte ein anderer Brief beweisen, 
der sich im selben Kopial 107 aufBl. 25 b registriert findet und vom nämlichen 
Kanzler Erhardt mit unterschrieben ist. Die Notiz lautet: 

'1 Stromer nennt ihn bei seiner Promotion seinen Lehrer; er ist wohl .luch der „Caspar 
Begeler", der 1508 umsonst das Bürgerrecht erhielt wegen seiner Verdienste zur Pestzeit (Wust- 
mann, Gesch. der Stadt Leipzig, I, S. 275), nicht Kaspar Kegler, Dr. med. 1512. 



\ .> tirin Uvkan*lsbuch der Leipziger niediiinischcti Fakultül untor ftlnf Dekanen. 

Dienstags Wcnzcslai 1501. 
Ködern die ist doctor Caspar zu Lii)/ilv geschrieben, das mein g. frau 
von Hayern meinem g. hern gesclirieben und gebetten, ir doctor Caspar 
/.uzuschicken, darumb begert mein g. her. das er sicli turderlicli gein 
Kochhtz fuge und meyner g. Irawen in iercr i<ranl<heit liühVehch sey. 

Commisso 1 lolineister 
Erhardt subscr. 

Dr. Caspar Mohtoris ist auch allem .Anschein nach, wie zu erwarten, 
diesem Wunsche gefolgt und hat sich nach Kochlitz ;oder nach Dresden) zur 
Beliandlung der hohen Frau begeben; denn ich glaube, daC folgendes 
Schreiben zur selben ärztlichen Reise hinzuzurechiu'ii ist, das sich im iii\nilichen 
Kopial 107 auf Blatt 62 b angeführt findet. 

Mitwochs nach Crispini 1501. 
Die uti supra ist dem Rentmeister geschrieben meinem gnedigen hern etzlich 
granatapfel auÖzurichten und alher zu schicken, auch ein eingelegt recept in der 
apoteken zu Leiptzk verferttigen zu lassen. 

Commisso Doctor Caspars niedici. 

Weil er in Dresden oder gar in Rochlitz das verordnete Rezept gar nicht 
oder nur unvollkommen hergestellt zu erhalten fürchtete, hat der mit der Kur 
beschäftigte Arzt, das Rezept für die „Frau von Hayern" oder einen anderen 
hohen Patienten durch den Hofkurier mit nach Leipzig in die heimische Apo- 
theke senden lassen. Da der Wenzelstag auf den 2S. September fallt und 
Crispinus auf den 25. Oktober, im Jahre 1501 ein Dienstag, so wäre die Spanne 
vom 28. September bis zum 26. Oktober für damalige Zeit sicher nicht zu 
lang bemessen, um anzunehmen, daß es sich in beiden Briefen um denselben 
Krankheitsfall handelt. 

Daß man auch noch im Jahre 1 509 am herzoglichen Hofe in Dresden 
die Leipziger Apotheke höher einschätzte als die in der noch kleineren eigenen 
Residenzstadt, beweist ein Schreiben mit beiliegendem Bestellzettel aus diesem 
Jahre, das ich dem Kopialbuch 110 Bl. 245 des Dresdener Archivs entnehme 
und gleich hier mit anfüge. 

Freytag nach Omnium Sanctorum 1 509. 
An Hanßen Luther Apoteker zcu Leyptzk. 

Lieber getreuer. Wir schicken dyr hierbey etzliche recept und anders, wie 
du vomemen wirdest, und ist unßer beger, du wollest dye dermaß und also ta.\iren, 
wie du sye pflegst zcu geben und zcu nemen, und die taxa under die recept 
schreyben und uns dye bey dißem bothen uff forderelichste zcu senden, und des 
keyne beswerung haben, in dem thuste uns guts gefallenn. 

Datum Dresden uts. 

Czedell. 

Item eyn quentyn von aller specerey, dye man in der apoteke haben muß, 
sye kommen über mehre adder nicht. 

Item von ingemachten blumen wie man eyne untie gibt und wie eyn hant- 
voller allerley gekreutter, sye wachssen im lande adder ausserhalb dem lande. 



4. Aus dem Dekanatsbuch der Leipziger medlzinisclien takultHt unter l'ünl Dekanen. 7g 

Du wollest auch zceychen an dye andere zieddel hierbey, wie man gibt dye 
apiata, laxativa, Syrup, und ungenta, Emplastra und die olea, igliihs eyn untien, gibt 
auch wie dye confortativa eyn untien und wie dye speties eyn quentyn von solchen 
confortativen gegeben werden. 

Doch nun zurück zu unserem Thema, um es zu beschließen! 

Das Dekanat übernalim mit Beginn des neuen Jahrhunderts der Univer- 
sität der zurückgekehrte Simon Pistoris, der zur Zeit zweifellos der älteste 
lebende Leipziger Dr. med. war, da er schon 1487 in die Fakultät aufgenommen 
worden war. Er waltete seines Amtes bis zum Jahre 1523'). Sein Nachfolger 
wurde „der Wirt von Auerbachskeller"', Dr. Lipsiensis Heinrich Stromer 
von Auerbach in Baiern, bis zum Jahre 1542. Die erste Dekade der Leipziger 
medizinischen Dekane schloß Georg Schiltel aus Hambach. Dr. med. von 
Bologna, der sein Amt aber nur 2' ^ Jahre versah, da er schon am 15. Juni 
1545 starb. 



Doch ehe wir zu anderem übergehen, wollen wir anhangsweise im Zu- 
sammenhange überschauen das 

JterhmitKjsicesen des Dekanats im ersten Jahrhundert 
der niedixinisrhen Fahiiltüt. 

Zweifellos w-ürde manches unvollständig Aufgezeichnete und manche wenig 
präzise Angabe in den Satzungsänderungen und in den Promotionsnotierungen 
Aufklärung, Ergänzung und Bestätigung finden, wenn wir genau geführte Ge- 
schäftsbücher der Fakultät besäßen, wenn für Einnahmen und Ausgaben eine 
regelmäßige Listenführung bestände. Wo man aber so wichtige Fakultäts- 
angelegenheiten wie die \'erleihung der Grade ganz aufs Geratewohl auf zu- 
fallig frei befundenen Stellen des ersten Satzungsbuches, kunterbunt wie Kraut 
und Rüben durcheinander notierte-], laßt sich von vornherein annehmen, daß 
die Buchführung der Dekane im ersten Jahrhundert an Ordnung und Genauig- 
keit wohl auch alles zu wünschen ließ. Und doch sind diese Ausgabe- und 
Einnahme Notierungen der Beachtung wert, wenn sie auch nur an verlorenen 
Ecken stehen. 

Aus den ersten drei Dekanaten fehlt jede F"orm von geschäftlichen 
Notierungen. Sehen wir, was die vier anderen Dekane aufgezeichnet haben! 



') Da die im Jahre 1502 begonnene Reformation der Universität noch keine befriedigenden 
Resultate erhalten hatten, hat die Herzogliche Regierung auch sein Gutachten über die Schäden 
der Me<lizinischcn Fakultät sich noch nachträglich erbeten; wir teilen es im Anhang am Ende des 
Abschnittes 2 in extenso mit. Nur eine kleine Stelle d.iraus mag hier stehen, weil sie zeigt wie ernst 
der später so viel geschmähte Mann seine Lehrtätigkeit, im Sinne seiner Zeit betrachtet, auffaßte: 
„So ist CS warlich nicht leicht, sunder schwer in Mcdicinis zu lesen, es bedarf auch wohl zeit 
darauf, wo man ihm recht thun will und daß es nulzbarlich sein soll, man will dann lesen wie es 
im buche stehet, also die nonnen den psalter." 

') Zum Beweis, daß ich nicht übertreibe, seien hier die Jahresdaten der Eintragungen auf 
den freien Blättern des i. Satzungsbuches der Fakultät tabellarisch zusammengestellt. Es finden 
sich folgende Notierungen auf den einzelnen Blättern (s. S. 80): 



UckankUbttch der Leipiigcr mcdixinUclien l':ikuli:it unter fünf licknnen. 



Johann Schipnitz von Weyda hat sich zu soim-r geschäftlichen Bucli- 
Tührung, die zu seiner Zeit noch völlig unbeschriebene Innenseite des hinteren 
Hinbanddeckels ersehen, welche ich nur ganz wenig verkleinert auf Tafel 11 
reproduziere'". In einer vorderen breiteren Kolumne fiihrte er seine Kinnahmen 
auf, in einer schmalen hinteren Kolumne die Ausgaben. 

IV. Dek.inat. Dr. Johann von Weyda. 1463 — 1484. 

Einnahmen. 

(1) Recepi 3 florcnos in auro a doctore l'alcntiuo tempore suae assum- 
ptionis ad facultateni 66''\ U-/Ö5J 

(2) Item recepi 2 florcnos rinenses a magistro vincciitio tempore recejjtionis 
pro baccalariatu quos distribucrunt doctorcs intcr sc. U-^öjJ 

(3) Item recepi 2 florcnos renenses a magistro burkardo de constivilid post 
promotionem suam in baccalariatum, videlicet tertia feria post puri- 
ficationis-) Mariae. \i466\ 

(4) Item doctor biirkordns 4 florcnos in auro post doctoratuni suum. 

\I469\ 

(5) Item doctor vinccntius 4 florcnos in auro post doctoratuni dedit. 

\I469\ 

(6) Item doctor Joli. de Hallis 4 florcnos pro flsco, alios '') qnatuor distribuit 
doctoribus anno 71 tertia feria post Viti [15. Juni| cum esset assunijjtus. 

\1471, 17. Juni| 

(7) Item 4 florcnos doctor oscititz. ['47^] 

Siiiiima 21 florcnos. 

(8) Item 20 grossos consumpsi in Merseburg cum doctore oscliitz propter 
considerare |:) Privilegium de extraneis practicantibus in civitate. 

{9^ Item 4 florcnos aureos dedit doctor Thomas Kiliani wyda. 
^^___ \J477'\ 

auf BI. (8)': auf Bl. (I i)' in zwei 



von 1504 


Spalten : 




1508 


von 14 15 


'447 


1509 


ohne Jahres- 


1448 


1512 


angabe 


1451 




bis 1446 


1502 



»459 

auf Bl. (12)': 
von 1499 

1452 

'454 

'459 

1462 

'463 

1466 

'463 

1467 

') Die Originalmaße der beschriebenen Fläche betragen 245 x 200 mm. 

') Man kann auch „purificationem" lesen, es steht aber purificationis (sc. festum) da. 

'j Kann auch „alias*' heißen. 



auf Bl. (II) 


1": 


all 


if BI. (12)': 


'on 1451 


'47' 


von 


1490 1479 


■459 


1472 




'493 '479 


'465 




1497 1488 


1469 


1477 




'499 


1469 


'483 




'499 '493 


1518 


1487 
1488 
1489 




1508 


auf dem Innenblatte des 






hinteren Einbanddeckels: 






von 1466 
'47' 


1466 
1470 
1471 






'497 


'•17' 






1484 
'494 


1472 
1472 
'473 







.;. Aus dem Dckanatsbucb der Leipziger medizinischen FakulUt unter fünf Dekanen. gi 

Aus diesen Aufzeichnungen Johannes von Weyda sehen wir zunächst, daß 
im Jahre 1466 für das Doktorat bzw. die Aufnahme in die Fakultät 3 Goldgulden 
zu bezahlen waren untl für die Verleihung des Baccalariates 2 rheinische Gulden. 
Erstere Summe war 1469 schon auf 4 Goldgulden erhöht, ja Joh. von Halle, 
der auswärts das Doktorat errungen hatte, zahlte außerdem noch 4 Gulden an die 
Mitglieder der Fakultiit, was von Nicolas Salhausen von Oschatz nicht vermerkt 
ist, der gleichfalls auswärts ]iromoviert war. Vermutlich hatte er sich dessen ge- 
weigert und es sind darob Weiterungen entstanden, weshalb man die Entscheidung 
beim Bischof in Merseburg angerufen zu haben scheint. Später wurde ja der Be- 
trcig verdoppelt, den auswärts Doktorierte zu bezahlen hatten, wie aus Abschnitt 2 
S. 28 zu ersehen ist. 

Die Einnahme-Übersicht läßt ferner erkennen, daß manche Promovierte wohl 
etwas säumig waren mit der Bezahlung ihrer Gebühren, wenigstens haben Doktor 
Valentin Becke von Schmideberg) und Baccalarius Vincenz (Voigt von Naumburg) 
erst im Jahre nacti ihrer Promotion gezahlt, trotzdem statutengemäß die Zahlung 
oinnen Monatsfrist zu erfolgen hatte. Die prompte Zahlung Johannes von Halle 
scheint jedenfalls etwas Ungewöhnhches gewesen zu sein, sonst hätte man den Tag 
seiner Zahlung, der mit dem seiner Promotion zusammenfiel, nicht ausdrücklich notiert. 

Ofifenbar hat im Jahre 147 i eine Abrechnimg im Gremium der Fakultät statt- 
gefunden, weil damals Joh. von Weyda seine Dekanatseinnahmen zusammenzählte. 
Eine andere Abrechnung anderer Hand (wahrscheinlich seines Amtsnachfolgers 
Valentin Becke von Schmiedeberg] ist innen auf dem Vorderdeckel notiert: 

„Doctor Weyda hat entphangen fffriiij [44] r. fl. [rheinische Gulden] 
Item er hat auß gegeben von demselbigen Gelde rir [19] r. fl. und jii [12] 
aide ^." 

Aus den vorliegenden Notizen von der Innenseite des Hinterdeckels können wir 
diese Einnahme allerdings nicht erheben. Es sind aber nach den oben S. 64 — 67 
mitgeteilten Promotionsaufzeichnungen in der Einnahmeliste nicht verzeichnet zwei 
Aufnahmen auswärtiger Doktoren in die Fakultät, die des Doktor Bernhardinus, 
Filius Domini Casparis und die des Doktor Johannes Morman von Regens- 
burg, 1476 bzw. 1483, und zwei Baccalariatspromotionen des Jahres 1470, die 
des Simon Pistoris und des Stanislaus Reichenbach, was weitere 12 Gulden 
ergeben würde, die aber bei Hinzurechnung aller direkt an die Fakultätsmitglieder 
verteilten Einnahmebeträge doch nur die Summe von 43 Gulden erreichen ließen. 
Anscheinend hat daher der Eifer der Buchführung bei Joh. von Weyda auch 
nicht bis zu seinem Lebensende ausgehalten, trotzdem er in der Kassenführung (wie 
auch in anderen Notierungen) der gewissenhafteste aller Dekanen des i. Jahrhun- 
derts der Fakultät gewesen ist. Wir besitzen aber von ihm auch eine lange Aus- 
gabenliste in der zweiten Kolumne der Innenseite des Hinterdeckels des Statuten- 
buches, die gleichfalls im Jahre 1466 anhebt und bis zum Jahre 1474 fortgeführt 
ist. Sie ist wohl noch interessanter als die vorstehende Einnahmeliste. 

Ausgaben: 

Exposui 

/ fl. in auro judeo baptizato 

[Eine ganze Zeile über die Verwendung eines Goldguldens ist ausradiert.) 

Item f ' fquinque]^. in auro pictori in lectorio 66'° Urbani [1466, am 

25. Maij. 
Item 18 gr. 6 ^ pro cerevisia (:) scriptura (structurarj et substantiis (?) 

servis pictoris. 

Studien zur CeschicI.le der Medizin MII. (> 



8} 4- Aas dem Dekuiatsbuch der Leipitger medUinischen Fakultät unter (\\n( Dekanen. 

Item I fi. in auro cancellario pro littera conlirinationis statuti de atl- 

venis practicantibus. 
Item / //. in auro pro nie cum disputa^tum est?:) in [Kiii . . io? cinc- 

ritio?] anno etc. 70. 
Item / /f. in auro doctori pistoris disputante scxta feria in angaria 

pentliecostes anno etc. ~o. 
Item Iji. in auro doctori sniidbcrjj de disputatione michaelis in angaria. 
Item / ff. in auro michi de disputatione in quadragesima quarta k-iia 

in angaria 7/°. 
Item doc. smidberg / ff. penthccostes disputatione anno 7 1 ". 

Summa 12 Jf. 18^1: 6^. 

Item /ff. in auro doc. wetter micliaelis in angaria disputanti [r] ~j". 
Item Ijf. in auro doctori oschitz circa nativitatis Cliri. 7/" in angaria. 
Item i ff. in auro doct. halle in angaria quadragesimae 7.?°. 
Item 72" penthecoste nulla disputatio ego abst. |abstinui?J 
Item 7/" micliaelis angaria nulla disputatio ego asbt. |abstiniii?| 
Item 72' /ff. angaria nativitatis christi ego disputavi. 
Item 'j" /ff. angaria [Lücke, doctori:] wetter. 

Item 7j" penthecoste^s) angaria nulla disputatio usque cum scribitur 
7./" tunc doctor sclimidberg /jf. in quadragesima. 

Summa 6 ff. in auro. 
Summa summarum /Sjf. in auro /S ^r. 6 .d^. 

Ziehen wir zu dieser Ausgabensumme von 18 fl. in Gold und 18 Grossis 
6 Heller noch die 20 Grossi Kosten der Reise nach Merseburg 147 1 hinzu, die 
in der Einnahmeliste notiert sind, so ist die Summe der Ausgaben (19 fl. 12 alte Gr.) 
auf der Innenseite des Vorderdeckels erreicht und auch die Einnahmesumme der 
44 rheinischen Gulden könnte man mit einiger Gewaltanwendung herausbringen, 
wie wir oben gesehen haben, so daß man eine Art Bilanz der Buchführung Johanns 
von Weida aufstellen könnte. Doch einige andere Ergebnisse aus den Ausgabe- 
notierungen Weydas scheinen mir weit wichtiger. 

Dieses Ausgabenverzeichnis lälit zunächst erkennen, — vun dem getauften 
Juden sehe ich ab, da ich die Sache nicht durchschaue — daß die medizinische 
Fakultät trotz relativ geringer Benutzung von ihrer Seite doch zu den Kosten der 
Herrichtung des Hörsaales im großen Kolleg mit herangezogen wurde. 

Der dritte Posten stellt wohl die Gebühren dar, welche in der Folge der 
Satzungsänderung des § 39 im Jahre 1 469 an die Kanzlei der Bischöflichen Kurie 
in Merseburg zu entrichten waren. Alles Weitere sind Disputationsgebühren, welche 
den Mitgliedern der Fakultät für ihre Mühewaltung dabei im regelmäßigen Turnus 
zu bezahlen waren. Im Jahre 1470 fanden drei solcher Disputationen statt, im 
Jahre 1471 die vorgeschriebenen vier, im Jahre 1472 fiel die zweite und dritte aus, 
im Jahre 1473 wurde nur der erste Termin eingehalten, desgleichen im Jahre 1474. 
Mit der ersten Frohnfeste 1474 scheint diese akademische Übung für lange Zeit 
völlig eingeschlafen zu sein. Als Leiter der Disputationen werden in diesen Jahren 
genannt: 

Im ersten Turnus: 
Johann von Weyda, [Nicolaus] Pistoris und Valentin Sclimidberg. 

Im zweiten Turnus: 

Joh. V. Weyda, Valentin Schmidberg, Wetter, [Nicolaus Salhausen von] Oschatz, 

Joh. Wagh von Halle. 

Im dritten Turnus: 
Joh. V. Weyda, ^\■elter, Valentin Schmidberg. 



4. Aus dem Dekanalsbuch der Leipziger medizinischen Fakultät unter fünf Dekanen. 83 

« — ~— 

Schwierigkeiten in dieser Akten-Fakultätsiiste macht nur „Doctor Wetter", der 
also von Michaelis 147 1 bis zum Mürzfastentermin 1473 mindestens der Leipziger 
medizinischen Fakultät angehört haben müßte. Da wir gar keinen Anhalt dafür 
haben, daß Doktor Konrad Deynhardi von Wetter seit seiner Doktorpromotion 
im Jahre 145 1 (S. 59) in Leipzig sich aufgehalten hat, und ein anderer Arzt aus 
\\'etter nicht nachweisbar ist, bleibt nur die Annahme übrig, daß Vinzentius Voigt 
von Naumburg, dessen Familiennamen sich einige Dutzend Variationen in der 
Matrikel gefallen lassen muß, unter Dr. Wetter zu verstehen sei. 



Gegenüber Johannes von VVeydas Einnahmen- und Ausgaben-Notierungen 
sind die seiner drei Nachfolger relativ und absolut äußerst dürftic:. 



V. Dekanat, Valentin Becke von Schmidberg [1484—1490]. 
Er nahm einen guten Anlauf, wie wir gesehen haben, und notierte: 

Ego Valentinus Schmidberg recepi 4 floretios a doctore Martina 
Melierstadt. {.H^s] 

7 ßoirnos ex amicabili conipositione, quam habuit facultas cum haere- 
dibus domini doctoris W'eyda '). 

Bei der Aufnahme des Simon Pistoris ist von der Zahlung von Gebühren 
nichts vermerkt. Ließ man den Sohn eines ehemaligen Professor der Medizin ge- 
bührenfrei? Bei der Ausrechnung der Gesamtsumme von 43/44 Gulden bei Johann 
von Weyda ist aber die Baccalariatsgebühr des Simon Pistoris kaum zu missen; 
so wird auch seine Aufnahmegebühr (1479) '^^^ Doktor in die Fakultät nur ver- 
sehentlich nicht notiert sein. Ähnliches gilt vielleicht für die [Ehren-JPromotionen 
des Wenzel Faber von Budweis. Dagegen ist bei Johann von Landsberg 
wieder ordnungsgemäß notiert gelegentlich seiner Aufnahme in die Fakultät: 

Item ipse solvit doctoribus pecuniam solvendam. \_148g] 

und bei der Aufnahme in das Konsilium der Fakultät 

Item dedit 4 florcnos. \i4gi\ 

Weitere Eintragungen finden sich nicht. Ausgabeaufstellungen fehlen hier völlig. 

') Wenn sich die Fakultät .mf den Standpunkt stellte, daO 44 il. Einnahme und die 19 fl. 
1 2 ald. Ausgaben in Rechnung zu bringen und die Differenz von den Erben zu zahlen waren , so 
war eine ,,amicabilis compositio" allerdings am Platze, denn dann wären direkt an die Fakultäls- 
mitglieder verteilte Summen nochm.ils gefordert worden. Daß man nicht so unbillig war, ergibt 
die bescheidene Summe von 7 Gulden, auf welche man sich einigte. — übrigens war Johann 
von Wejda unbeweibt und wohnte im großen Kolleg, wie aus einem Gutachten des Simon Pistoris 
(Stübel, Urkundenbuch der Universität S. 455, 4) hervorgeht. Vielleicht erklärt sich aus dieser 
geringeren Beschwerung mit eigenen wirtschaftlichen Sorgen die größere Sorgfalt, welche er den 
wirtschaftlichen Angelegenheiten der Fakultät widmete. 

6* 



'••m Dckamitsbuch der Leipiiger meduinUchen FnkulUt unter Rkof Dekanen. 

\..i '.■■■.:: I r.lviiid, t. Tafel II': 

VI. Dekanat. Johann von Halle [1490— 1499 . 

.Xnno doniini Mccccp./ [1494] facta coniputationc per doctores niedi- 
cinae tacultatis fcria quarta post undccini milia virginum [21. Okt.] 
renianserunt x.t~y ßomii rliciu-nscs. 

Item eodem die et anno conclusum l'uit per doctores niedicinae tacul- 
tatis bis disputatio in anno, si sint scolares niedicinae. 
sed et post crucis [exaltationenir 14. Sept.] aut michaelis (29. Sept.) 
semel per doctores consilij tacultatis quod ordo tetigerit et accipiet 
doctor pro suo labore l flor. rlien. 

Fernere Einnahmeposten: 

Caspar Hrunsbcrg . . . I4y3 . . assuniptus . . siif> iiis/>ittsiiciotic 

l '/. florcnonan. 

. . . 149/ ■ . Henedictus Staetz . . dedit Xl'III Jlor. Rhett, in assump- 

cionem. 

... /./P5 .. Wilhelm Haldenhofl' et Bcnedictus Stactz ... dedit 

quilibet qiiatnor flor. ad tiscuni. 

VII Dekanat, Johann Wagner von Landsberg 1499-1509]. 
Bl. (121'. 

Hgo Johannes Landisbergk accepi a venerabilibus viris domino 
Johanne Hennig de Haynis, sacrae theologiae professore ' ), nostrae 
almae universitatis rectore, domino magistro Magno Hundt de Magde- 
burg, arcium magistro et niedicinae baccalario, et aliis, quibus fuit 
commissa cura rerum doctoris Johannis Halle, niedicinae doctoris 
defuncti, 111 flor. ungaricales, .\X11II flor. Rhen. in auro, novem. flor. 
in mediis grossis et 17 gr. novos anno 1499 tercia t'eria post Lucae 
Ewangelistae (22. Okt.] 

Item ego accepi de doctore Wühelnio Pruteno-) IUI flor. pro in- 
troitu ad consilium facultatis medicinae. 

Item accepi IUI flor. a doctore Benedicto Staetz de Liptzk pro 
introitu ad consilium facultatis medicinae. 

Item accepi duos flor. a magistro Hundt de Magdeburgk ad viscum. 
Item accepi duos flor. a magistro Swabe de Liptzk ad viscum. 

Item ego dedi l flor. magistro Symoni Pistoris pro disputacione. 

Fernere Einnahmeposten gelegentlich notiert (S. oben S. 74 — 76,: 

. . J504 . . . doctor Nisemanus solvit fisco facultatis 4 florcnos. 

. . IS08 doctor . . Schon feit . . solvit fisco facultatis 4 florenos. 

. . IS08 . . . promotus in baccalariuni . . . Henningus sartoris . . . 
dedit pro fisco 2 flor. K. 

. . 150g . . 13. Febr. . . . Conr. Tockler in baccalarium. — dedit 

duos florcnos ad fiscum facultatis. 

Caspar Kegeler . . dedit II florenos ad fiscum. 

.... Halth. Lotwiger . . dedit duos flor. ad fiscum facultatis. 

' I Verschrieben ,,profcssorie". 

') HaldenhofT ans Thom in Preußen. 



4- Aus dem Dekanatsbucli der Leipziger medizinischen Fakultät unter fünf Dekanen. ge 

Es lohnt sich wohl kaum bei diesen Aufzeichnungen Ulnger zu verweilen'). 
Nur der eine Schluß ließe sich vielleiclit daraus ziehen, daß auch unter dem Dekanat 
Johann Watjncrs nur ein einziges Mal eine Disputation stattgefunden hat. 

Gegenüber den weitgelienden statutengemäßen Erhöhungen der Aufnahme- 
gebühren beim Eintritt in die medizinische Fakultät, welche wir im zweiten 
Abschnitt kennen gelernt haben, fallt es auf, daß wir in allen Einnahme- 
Notierungen immer nur 4 Gulden beim Doktorat und 2 Gulden beim Bac- 
calariat aufgeführt finden von 1469 — 1497. (Der einzige Dr. Johann Wagh 
von Hall hat einmal (freiwillig) 1471 das Doppelte bezahlt.) Erst dann wurden 
die hohen Beträge bezahlt, wahrend sie doch mindestens seit dem Jahre 1471 
in so crhcblicliero Höhe satzungsgemäß normiert. 

Wichtiger ist folgendes Schlußergebnis unserer Prüfung der Eintragungen 
von Promotionen und Rezeptionen, das durch die Einnahmenotierungen voll- 
inhaltlich bestätigt wird: 

Im ersten Jahrhundert der Universität wurde zu medi- 
zinischen Baccalarien promoviert 29 

Zu medizinischen Doktoren 10 

Als auswiirts promovierte Doktoren in die Fakultät auf- 
genommen 15 

In den letzten 40 Jahren dieses Zeitraumes (1469 — i 509) wurde nur eine 
medizinische Doktorpromotion abgehalten — und dies war eine Ehrenpromotion 
(Wenzel Faber)-). — — 



') Auch Johann Wagner von Landsberg besaß, wie Johann von Weyda keine Familie 
und wohnte im großen Kolleg, wie Simon Pistoris in seinem späteren Gutachten über die Lage 
der mediziniechen Fakultät berichtet (Stübel, Urkundenbuch der Universität S. 455, 3; vgl. den 
Abdruck im Anhang am Ende des 2. Abschnittes Zeile 18 19). 

-) Im Dekanat des Simon Pistoris (1509 — 1523) scheint nur eine Doktorpromotion statt- 
gefunden zu haben, die des Heinrich Stromer, die Pistosis gar nicht aufgezeichnet hat. Unter 
Stromer (1523 — 1542) sind 8 Promotionen eingetragen; der Tiefstand der Fakultät war überwunden. 



5. Die Stadt und die Ärzte der Fakultät. 

Wollte man eine ärztliche X'orgeschiclite der medizinischen F"akultät 
schreiben, so wäre das streng genommen recht schnell getan. 

Als der Strom der von Prag ausgewanderten Lehrer und Scliüler sich 
durch die Tore Leipzigs in die Stadt ergoß, war dort weder Arzt noch Apo- 
theke vorhanden. Beides brachte die Schar der Eingewanderten'). Die Be- 
durfnisse der Stadteingesessenen in Krankheiten waren bisher vom niederen 
Heilpersonal befriedigt worden und von landfahrenden Heilkünstlern aller .'\rt, 
deren Kenntnisse dem Lärm der Reklame, die sie machten, umgekehrt pro- 
portional waren. 

Für Venvundete in jener rauf- und fehdelustigen Zeit sorgten Scherer 
und Balbirer. Und wenn wir nach der Mitte des 15. Jahrhunderts erst von 
der .Anstellung eines Ratsbalbirers lesen, der wohl auch die zum Kampfe aus- 
ziehenden Bürger auf dem Kriegszuge begleitete, so ist der Bericht doch in 
einem solchen Wortlaut gefaßt, wie wir noch sehen werden, daß man un- 
bedenklich daraus auf ein längeres Bestehen dieses Postens vielleicht noch bis 
ins 14. Jahrhundert hinein schließen kann. \'on der .Anstellung eines Stadt- 
arztes, wie sie viele deutsche Städte, die an Einwohnerzahl Leipzig (zirka 
8000 Einwohner zur Zeit der Universitätsgründung) kaum viel überragten, z. T. 
nicht einmal erreichten, schon im 14. Jahrhundert für nötig und nützlich be- 
funden hatten, verlautet in Leipzig vor der Universitätsgründung kein Wort 
und nachher hatte man es nicht mehr nötig wie anderwärts, dafür zu sorgen, 
daß ein Arzt in der Stadt seinen Wohnsitz nahm^! 

•) Auf die Frage der Gründungszeit der Löwenapotheke in Leipzig gehe ich hier nicht ein. 
E, Denssen hat die alte Überlieferung, daß ihr Hauszeichen, der goldene Löwe, im Zuge von Prag 
mit herübergekommen sei, von ihrem Inhaber Hut er mit herübergenommen, in einem Vortrage 
auf der Dresdener Naturforscherversammlung 1907 durch Prager Lokalnachrichten neu zu stützen 
versucht (s. Verhandlungen der Dresdener Naturforscheri-ersammlunf; Bd. II S. 95 — 97). Er ist 
jetzt nachträglich , wie er mir mitteilte, an der Authentizität dieser Berichte wieder zweifelhaft ge- 
worden. Jedenfalls hat die Universitätsgründung mittelbar zur Gründung der ersten Apotheke das 
Ihre beigetragen. 

*) Herr Stadtarchivar und Stadtbibliothekar Prof. D. Gustav Wust mann teilte mir aus den 
Stadtakten freundlich mit, daß ab l. Stadtarzt in Leipzig, d. h. als erster studierter Arzt, den die 
Stadt annahm, Georg Schiltel zu nennen sei, der im Jahre seiner feierlichen Aufnahme in die 
Fakultät, als Dr. med. von Bologna, also 1512, mit 14 Schock = 40 Gulden Jahresgehali Anstel- 
lung fand, aber>i5i5 wieder seine Kündigung (dagegen 1523 gratis das Bürgerrecht) erhielt. Als 
zweiter studierter Arzt wurde 1598 Dr. Johann Steinmetz mit 300 fl. angestellt, damit er auch 
io Slerbeniläuften den Ratspersonen und Ratsangestellten zur Verfügung stehe. 



Die Stadt unJ die Aiite der Fakultät. 



87 



\'on Menschen- und \iehscuclien, von Theuerung und Pestilenz, von weit 
verbreitetem großen Landsterben berichten die Chroniken schon frühe. Manche 
mögen wirkliche Pesten, Beulen- und Lungenpesten gewesen sein, aber auch 
Fleckfieber, Pocken, Influenza, Abdominaltj-phus, Diphtherie und Antoniusfeuer 
(Muttcrkorn-Vergiftungsepedemien) waren darunter, später auch der „Schar- 
bock" und der englische Schweiß. Im neunten Jahrhundert waren 807, 810, 
S20, 875 solche Unglücksjahre, im zehnten 904, 956, 984, 98S, 994, im elften 
die Jahre 1004, 1006, 1020 und 1092, während im zwölften und dreizehnten 
zufällig nur das Jahr 1151 als Pestjahr überliefert ist. Nach dem furchtbaren 
Jahre des Beginns der großen Ausbreitung des schwarzen Todes 1348, dem 
Gründuiigsjahre der deutschen MutterunivcYsitat Prag, werden die Pestepidemien 
in Deutschland fiir lange Zeit ein häufig kommender, gefürchteter Gast. Die 
Jahre 1350, 1358, 1362 auf 63 sind solche Pestjahre in Leipzig. Im Jahre 
1405 herrschte eine Art Influenza, 1427 ein Sommersterben, 1437 die Pest, 
1438 und 1439 waren große Sterben, ja im Jahre 1463 sollen mehr als 8000 
Menschen hingeraflt worden sein, was überaus unwahrscheinlich ist, da dann 
ja die ganze Stadt ausgestorben wäre. Auch 1465 soll wieder die Pest ge- 
herrscht haben, i486 Scharbock und englischer Schweiß. 1505 und 1506 soll 
die Pest wieder gewütet und 1507 abermals 1800 Menschen gewürgt haben, 
während die Dresdener Akten von einem großen Sterben in dem Jahre 
1495 berichten. Aus diesem Jahr etwa mag denn wohl auch der Leipziger 
Brief im Codex Lnneb. 2 der Göttinger Universitätsbibliothek (Bl. 247^ Sp. 9) 
stammen, in dem von 7000 Toten in der Stadt berichtet wird: 

Ad aniicuiii . . . . Sed etsi manus aliquid torpesceret ad scribendum, 
funebri tum merore feretralique terrore nuper perculsus. Dum apud nos in 
lipczk oppido non multum amplo morbus epydimie tam atrociter grassaretur, 
ut in breui tempore circiter septem milia mortuorum cadauera antris bustualibus 
inferrentur, moestisque percepissem rumoribus eandem pestem in Rat(isbon)a 
pari forte vel funestiori tyrannide saevivisse, nesciens tum si forte idem morbus 
pestifer quempiani ibidem amicabili mihi federe adglutinatum interim absump- 
sisset, statui praesentibus literis explorare super vestrae saltem caritatis vale- 
tudine veritatem. Quod si e.K praesenti nuncio bene vos valere didicero, novo 
solacio vetus temperabitur moestitudo et de vestra superstite sospitate special! 
meus tripudio hylarescet .... 



Von einer Pestepidemie in Leipzig zu Beginn des 16. Jahrhundert be- 
richtet auch eine handschriftliche Notiz Konrad Tocklers, den wir öfters er- 
wähnt haben, aus seiner Dozentenzeit bei der Artistenfakultät. 

Konrad Tockler, nach seinem Geburtsorte meist „Conradus Noricus" ge- 
nannt, hatte im Winter 1501 den Magistergrad erworben und hielt nun Vor- 
lesungen bei der Artistenfakultät. Es ist uns der allerdings stark beschädigte 
Anschlags- bzw. Ankündigungszettel für eines seiner Kollegien in Wintersemester 
1506/7 erhalten. Er las täglich publice um 11 Uhr vormittags über die 



V < j. Dif SuJt und die Ärzle der Fakultät. 

„Sphära materialis" im Hörsaal des Kürstenkollegs in der RitterstraÜe unter 
großem Zufluß der Studenten, so daß er 64 Hörer zählte, trotzdem damals 
die Pest regierte. Ich bringe den Ankündigungszettel auf Tafel X\'l. 2 zur Repro- 
duktion trotz seines beschädigten Zustandes, da er meines Wissens der einzige 
seiner Art ist. Kr war in Tocklers Exemplar der Sphara mundi des Joh. von 
Sacrobosco (Venedig 1499) eingeklebt' und trug folgende Notizen über 
die Pest: 

„Istam lectionem legi Lyps publice tempore pestilentiae anno domini 

1507 sub decanatu magistri Conradi Lörs-) 

Item anno domini 1506 vicesima die mensis Julij incepit pestilentia in 
Lyps, et ego exivi per loca et terras multas etc. 

Die Pest hatte also im Juli 1 506 begonnen und war im Januar 1 507 
noch nicht völlig erloschen, wenn auch zweifellos wesentlich milder geworden, 
sonst wäre Magister Konrad Tockler aus Nürnberg, der im Sommer das Weite 
gesucht hatte, wie es damals üblich war, sicher nicht schon wieder nach Leipzig 
zurückgekehrt gewesen. Er hatte das Kolleg Mitte Januar zu lesen begonnen 
(nach den Bestimmungen der Fakultät waren für die „Spera materialis" 
5 — 6 Wochen als Dauer des Vorlesungskurses vorgesehen), wie Tockler sagt: 
„et incepi eam in octava trium regum, ibi enim inceptae sunt aliae lectiones". 
Möglich, daß um der Pest willen überhaupt die Kollegien so lange ausgesetzt 
gewesen waren; denn es war laut Dekanatsbuch der philosophischen Fakultät 
am 24. Juli 1506 beschlossen worden: „De loci reser\'acione in facultate et de 
actu regenciae erat consultum et conclusum, quod magistris se tempore pestis a 
facultate alienantibus locus et acturegencia servari deberet usque ad nundinas 
Pascales inclusive et interea durante peste usque ad Nativitatis domini aut 
Jeiunii esse semper magistros actu regentes, nisi ipsi revocarentur per facultatem 
aut pestis cessaret." An der Pest waren damals von der Artistenfakultät 
8 Studenten gestorben, 7 Leipziger und ein Auswärtiger*). 

Gesundheitspolizeiliche Verordnungen über den Handel mit Lebensmitteln 
habe ich erst im 15. Jahrhundert in den Akten Leipzigs gefunden, z. B. eine 
Fleischerverordnung vom 8. Januar 1442, deren in den nächsten Jahrzehnten 
mehrere erlassen werden, die sich aber vornehmlich um die Frage der Zulas- 



') „Astr. 15" der Leipziger Universitätsbibliothek. Solche gedruckte Vorlesungsankündigungen 
scheinen kurz nach 1502 regierungsseitig angeordnet zu sein, „was also in einer itzlichen facultet . . 
öffentlich sal gelesenn werdenn, das dasselblige gedruckt und öffentlich an viel orthem in und ausser- 
halb der Stadt, ehir man das Studium anfehn, angeschlagen werden" heißt es in einem Dresdener 
Konzept (Stübel, Urkundenbuch der Universität S. 323, 29) und öfter; das vorliegend Reproduzierte 
ist bei Martin Landsberg in Leipzig gedruckt und verlegt, wie der Vermerk am Fuße des Zettels 
ergibt: ,.Exemplaria satis bene pressa vendit Baccalarius Martinus Herbipolensis''. 

') Konrad Jmhoff von FmmmerCbach alias de Lor war Dekan der Artistenfakultät im 
Wintersemester 1 506 O". 

') „Sub cuius decanatu praefati magistri octo proprii discipuli carnis dcbitum solverunt, caris- 
simi septen filii civitatis Lipzcensis, unus vero tantum extraneus . . ." 



5. Die Stadl und die Ärzte der Fakultät. 89 

sung der Landfleischcr von außen her zum Fleischmarkt drehen, die endlich 
gänzlich verneint wurde. Ich finde aber bei diesem ganzen Handel keine Ver- 
anlassung, irgend einen sanitären Einfluß der medizinischen Fakultät, also des 
Leipziger Ärztekollegiums dahinter zu vermuten. Für so etwas war die Zeit 
noch ferne und die Universität spielt in der Fleischversorgungsangelegenheit 
keineswegs eine besonders glückliche Figur, ja sie erfährt mit ihrer Beschwerde 
beim Herzog eine demütigende Abweisung. Im Bier- und W'einhandel dreht 
sich bei den Ratsreglementierungen alles meist um fiskalische Fragen, wenn 
auch lur den Historiker der Volksernährung und der Nahrungsmittelhygiene 
manches bei diesem Aktenstudium abfallt, auch über eine weitere Kenntnis 
der damals bräuchlichen Wein- und Biersorten hinaus. Ich kann auf Einzel- 
heiten nicht eingehen: zahlreiche Stücke der Stübel-Förstemannschen Ur- 
kundenbücher der Stadt Leipzig bringen wichtiges Material. Ich gebe nur zwei 
besonders interessante Aktenstücke, die auch ins Apothekergewerbe hinüber- 
greifen in der Anmerkung"). Eine Taxordnung für Totengräber und Abdecker 
war schon 1453 oder 1454 erlassen (Urkundenbuch der Stadt Nr. 306). 



Weit früher als alles dieses begegnen uns auch in Leipzig urkundlich 
Badestuben und Hospitäler. 



') (1469. Michaelismarkt.) Verhütung des Handels mit gefälschten Gewürzen. 

Alle 3 Räte sind sich einig geworden, daß künftig auf den Märkten keinerlei gefälschte 
Waren sollten verkauft werden dürfen, vor allem „die mit saffran ingeber und andern wurtzen, die 
man betriglich machen kont, umbegehen und zcuhandeln pflegen". Es werden danach Aufseher 
bestimmt, die herumzugehen haben, die Waren und Gewichte zu prüfen. Es sind einige Krämer 
aus Neuenstadt, Erfurt, Magdeburg, Buell und Eschwege mit verdächtiger Ware betroffen worden 
,,etzlichen saffran funden und den genommen und ufs rathuß getragen haben, deßhalben das sie 
meynen nicht kauffmans gut sei, der sie Balgir nennen und den lewten zcu Zeiten für ort und 
andern saffran vorkeuflfen unde gebenn dann er an sich selbs ist; das die ret ein unpillichs und be- 
triglichs sein beduncket und dar umbe dieselben alle für sich gefordert und mit in nach notturfften 
daruß geredt, die dann von sich sagen und antwert geben, sie gebens und vorkeuffens vor das, das 
es sei, und solle ane betiig wol gescheen, das die rete nicht meynen . . ."; es mußte einer von seinem 
Safran 4 Lot abwiegen, die der Rat wohlversiegelt nach Nürnberg „uff die schaw" schickte „wie 
sie damit bestehen mögen und ob es kauffmans gut sei". Das andere wurde verbitschirt und in 
Verwahr genommen bis nach Eintreffen der Entscheidung und die Händler eidlich verpflichtet, 
vorher nichts davon zu verkaufen. (Urkundenbuch der Stadt. Nr. 437.) 

(1474. 15. Sept.) 

Der Kurfürst fordert verschärfte Polizei für den Weinhandel und den Verkauf der Medi- 
kamente in den Apotheken. 

„ . . . unordenunge und ungeborlichkeit mit vorfullung und vormischung der weyne geubet, 
da durch sich vil lewt beclagen, das sie des halb mit kranckheit befallen, das auch in den apotecken 
vil stück zcur artztey dynendt so langezceit vorhalden werden, das sie solch crafft als sie haben 
sollen nicht behalden, und doch gleichwol vor gut, auch die und andere artztie an gcmeynen 
crut obirsweng tewre gegebenn werdenn zcu beswerunge gemeyns volks, do mit auch die ertzt be- 
töret und zcu vilmaln gesuntheit zcu irfolgen vorhindert werden alle weyne, eß sey 

Malvasir, Reinfall, Walschweyn, Elsesßer, Rinischweyn, Kotzberger, Saleweyne .... unvormischt 
unvormenget, auch untemperiret geschenckt werden . . ." Eid . . . „so ein weyn von füren ader 
langem lager die färbe vorließen, das man yn denne ein färbe ane zcuthuhung schedelicher Dinge 



Die Stadt und die Ante der Kakull.'it. 



^clK>^ 1111 Jahre 1301 finden wir eine Badestube erwähnt, wie sie dem 
Thomasklostcr von Johann Fuhrmann erblich überwiesen und vom Landgrafen 
Dietrich abgabenfrei gemacht wird, die „Ziegelstube". 

. . stupam balnearem quae dicitur Cigelstube, fundum eius stupac et 
omnia superaedificata cum aliis pertinentibus ad eandem . . . 

von der es ein andermal heißt, 

. . dye badestube gelegen hindir unserm clostir in unserm hove ulif 
der I'lyzen, dye do genant ist dye zcigelstubc . . 

Sie lag, wie auch anderwärts üblich, in der Nähe des fließenden Wassers, der 
Pleiße, und begegnet uns immer wieder in den Urkunden, wobei auch gelegent- 
lich auf ihr bauliches und technisches Detail ein kurzer Lichtblick fallt 

Die Leipziger Bürger waren also in ihrem Städtlein frühzeitig mit der 
damals erfreulicher Weise als sehr notwendig empfundenen Gelegenheit zur 
Reinlichkeit und Hautpflege einigermaßen versehen. Direkt erfahren wir dagegen 
in früher Zeit nichts von den Üppigkeiten, die im ausgehenden Mittelalter mit dem 
Hadewesen so enge verbunden zu sein pflegten. Das Bordell war in Leipzig den- 
noch keine unbekannte Einrichtung; es führte den Ehrennamen ,,das fünfte 
Kolleg" und lag vor dem Hallischen Tore. Allerlei Polizeiverordnungen regeln 
die Hurenkleidung. Die Freudenmädchen durften z. B. kein Gold und Silber, 
keine Korallenschnüre und keine seidengefütterten Mäntel tragen, auch keine 
langen Kleider bis auf die Erde, sondern sie mußte durch große gelbe Lappen 
kenntlich sein. Das galt für die ,,wilden frauwen utif dem frj-hen Huße"; aber auch 
die „heimlichen Huren" durften alle jenen schönen Dinge nicht anlegen. Nach 
zehn Uhr soll kein Weinwirt „offenbare Frauen" in seinem Lokal dulden, „do 
von denne undir den Studenten und hantwerksknechtin viel zweytrechte mit 
slahen morderie und andir unthat mehir" entstehe 'l 



wedder machen möge ane geverdc . . . das man vß den apotecken kein alt vorlegen materie und 
stuck ICH arlztle gehorentt, es sie siecht ader zcusampne gesalzt, das voraldert und vortorben ist, 
noch gemejTi lantcruter, wasßcr und ole, die ir recht art und weßen nicht enthaldcn haben, noch 
suist keinerley, das sein gcburlich crafft nicht hat, nicht vorkouffen, sundem gute nuwe togelichc ding 
haben schicken und bestellen solle; das auch die doctores alle iar eins zcu einer zceit, als sie sich 
des vorenygeo sollen, io die apotecken gehin und die materialien eigentlich besehen unnd was sie 
erkennen nicht rechtfertig und tugenüich sey vor legen unnd dem apotccker sagen, das beyscitt 
zcu legen und eB nicht zcu vorkouffen ; das auch nymandes in dem anslag der stucke und mate- 
rialien, die man uO der apotecken nj-mpt, obirsatzt, sundem das die apotecker solch artztie umbe 
ein gewontlich gelt anslahen noch gemeynem rate der doctores, nicht noch eins doctors allein sundcr- 
licher satzunge, einen zcimlichen gewj-n nehmen und die lewte also nicht obirtewren, also eine zceit 
geschecn ist, und das ein itzlicher apoteker alle iar, wennc ein rat ander ampt und hantwcrger be- 
ttetiget, sein recht auch tbue . . . 

Geben zcu DreOden am Domstage nach Exaltationis crucis anno domini 2c. Lxx quarto. 

(Urkundenbuch der Stadt. Nr. 470.) 

') Ralsierordnungcn vom Jahre 1463 u. 1467. Urkundenbuch der Stadt Leipzig Nr. 364 
u. Kr. 414. — In der Mitte des 16. Jahrhunderts gab es 4 Badestuben. 



Die Stadt und die Arzte der Fakultät. 



91 



Im Jahre 1467 wird die IBaderinnung von der Barbierinnung getrennt. 
Die Bader dürfen fortan Iceine „buxße noch becken ußhangcn. noch wunden 
bynden, addir loBin, nocli barbiren". Nur an den Tagen so man badet, darf der 
Batler Becken außhängen, wie es bisher gehalden sei. Der Barbier muß Bürger 
sein, aber „qweme eyn gut wundeartczt her, der magk )'m iarmarkte, ouch acht 
tage vor unde nach adder auch fordir nach irkentnisse deß rats buxßen ußhengen 
unde wunden bynden, süst sal das nymandes thun denne die barbirer, die 
do undir sich brudirschafft unde ynnungen haben" '). 

Zwei Jahre später ist die Urkunde datiert, auf die wir oben schon ange- 
spielt haben, über Annahme des Meister Hans als Ratsbarbier: 

„Uflgenommen meister Hansen den Barbirer zcu des rats barbirer und man 
hat im zeugesagt sein gewonliche cleydung, darzcu sein tranckgelt am abscheiden 
des rats; darumbe sal er alle des rats dyner, wo die in des rats geschefften ge- 
wundet worden, mit wuntertzney ufTs vlissigst versorgen unde umbe sust bynden, 
und man sal ym geben zcu lone II hoe ß." r^rkundcnbuch der siadt i. Nr. 442.] 

Offenbar war dies nur ein Einzelfall aus längerem Brauche, sonst hätte Meister 
Hans nicht die „gewöhnliche" (übliche) Kleidung zugesagt erhalten*). 

Ein für die Lokalgeschichte Leipzigs wichtiger Foliant (/W./j) der Jenenser 
Universitätsbibliothek, angelegt von dem Leipziger Professor der Theologie 
Johann Weiße, hat auch ein kulturgeschichtlich wichtiges Aktenstück ab- 
schriftlich erhalten, den Reklamezettel eines „Chirurgicus et Occulista", der 
im Jahre 1477 zur Oktobermesse der löblichen Einwohnerschaft der rühmlichen 
Universitäts- und Handelsstadt seine Hilfe in vielerlei Not mit vollen Backen 
anprieß, mit Namen Johann von Tockenburg, den König Matthias von 
Ungarn um seiner großen Kunst willen zum Ritter geschlagen hatte. Bruch- 
schneiden, Steinschneiden, Kropfschneiden, Fistel- und Krebsheilung, Staar- 
stechen, Hasenschartenoperationen und Krankheiten kurieren, die an heimlicher 
Stelle sitzen, Muttermale beseitigen, das sind alles Künste, die er kann und 
übt, aber den inneren Ärzten in die Kur sich mengen mit Harnschau und 
Ähnlichem, das tut er nicht. Statt prahlerischer „Briefe" dienen ihm gutgeheilte 
Fälle als Empfehlung. Das Aktenstück lautet: 

De Cyrurgico et oculista in lypczk Anno domini 1477™° 
in mense octobri. 
Wyssentlich sey allen meyninglychen das her kommen ist eyn 
bewerter meister genant her Johan von tockenburgk ritter der 
keyserlichen mayestat^) vnd des heylichenn romischen richs 6 

') Urkundenbuch der Stadt Leipzig Nr. 409 (26. Februar 1467). Diese Verordnung trägt außer 
dem Datum die Überschrift „sub doctore Nie. Pistoris". Es ist aber irrtümlich, wenn man annehmen 
wollte, daß Nicolaus Pistoris in seiner Eigenschaft als Arzt sich um diese Batbierangelegenheiten ge- 
kümmert hätte oder ob dies seines ärztlichen Amtes gewesen wäre; er leitete damals als Bürger- 
meister die Stadt. 

') Als weitere Ratsb.-irbiere wären zu nennen; Adam Balbiercr (1479), Hans Aldehenne (gegen 
1490), später Stephan Rack, Lorenz Misch und andere. 

') Am Rande: nominatus zum ritter. 



; Pic Sudl un.i .uc Arr(c lirr l-aixull.ii. 

Diner, uikI i>t ouih des durchleuchiigen fursicn uiul horren her 
mathias koningk de [dan syn mcisterschalTt iiusf;fs/nt/ien .'] czu 
vngeren wunt artcz gewcst') eulich iar an dorn j;enanthen konii;k 
er dan scvn meisterschatVt hat ncinchrhen cyncn phoyll von ym 
brocht hot den her mer den iiij iar yn seynem rugk getragl»en lo 
»•issentlich ist seynem hoff gesynd und anderen, und siili auch vor- 
pflichtet genn seyner koniciichcn maiestat wo er ain nicht Imlffe 
mit gotes hülfe und seyner kunst wolt her seyn houht vor 
lisenn unnd durch sulche konst dy her an ym beweyßt hat her yn 
czu ritter gemacht"). is 

Traditurl?) sie: 
^ Czu wyssen sey allermeniglich das ein bewerter meisler her komen ist in 
allerley stucken der wundt erczney von dem Houbt hiß vff dy fusse. 

I " •" Zcum ersten den bruch czu sneyden vut {er) gots Hultt'e. 

2" ^ Item er kan ouch den bruch sneyden das man dy niren') nicht darfl' auli 
nemen, vnd eym an seynem leben nicht schadt. 

3" •" Item ouch etczUche bruch czu wenden vngesnyten an frawen vnd mannen. 

4" "j Item den steyn czu sneyden. 

5" "i Item auch etzliche steyne \-ngesnyten herauß czu nemen. 

0° •! Item kropff czu sneyden vnd etzhch czu vortreyben vngesnyten. 

7' 1 Item druBe vnd oberbeyn czu sneyden vnd czu helen vnd den zopher*). 

8" % Item dye fystcl vel krebeß vnd die zricrigk*) czu heylen wo das mog- 
Hch czu holen steet. 

9° •! Item ouch den star czu stechen an den ogen") vnd etzlich ge- 
brechen an den ogen ouch czu vortreyben'). 

10 •" Item haßenscharten czu sneyden vnd czu helen. 

11 • Item ouch mancherley heymclicher kranckheyt an frawen vnd 

mannen czu wenden dy nicht offenbarlich czu screyben sint. 

12 % Item er ist ouch eyn guder wundt artczt") czu alten vnd czu Haulen wunden. 
13" % Item auch frische wunden vnd beinbruch czu heylen. 

14 •! Item auch mancherley vngestalte mole, von wunden die nicht recht gehelet 

weren wider eyn rechte gestalt czu machen. 

15 *', Item etczliche mutter nn ile do myt eyn mensche geborn wurt czu vortreyben. 

16 ^ Item auch dy pestelencz czu vortreyben. 

Dieße obgeschrieben stucke kan der maister mit gots hulfle. 

17" % Item alzo bedencke eyn iglich mensche das do von höret sagen oder leßen 
was krancheyt er an j'me habe dy man nii ht alle hie gescreben kan wem 
etwas feiet der magk czu dissem meister komen vnd seynen rodt haben 
So vry\ er von nyemant key-(n) gelt nemen erhabe es dann \-or d}'enet. 

18* ^ Eß hat auch mancher meyster vil brife auch gehanghen duncket mich 
wann ich eynen krancken gesundt mache das seyn die besten briefl'e wann 
die brieff machen nymant gesunL 

19 •^ Item dem harn zcu besehen vnd jnwendiger arczten die eynem leypartczt 
der doctor czu steet nympt er sich nicht an. 

20" % Aber was er sich an nympt wil er den armen gern vmb gotes willen 
helffen, vnd dem der eß vormagk vmb eym bescheden gelt. 

') Am Rande: „Cinirgicus". — *) Am Rande: Elcvatus(?) per regem hungariae. — ') Hoden. 

•) „Zopher" weiß ich einstweilen nicht sicher zu ileuten. An Weichselzopf ist wohl nicht 
zu denken, wohl an „Skropheln" (Dnisenpakete) am Halse oder ähnliches. 

') Vielleicht steckt in „zricrigk" das nämliche Wort wie in den „Zitrachten'' des Paracelcus, 
der hierunter serpigiaös weiterfressende Exanthem versteht iz. B. Chir B. u. Sehr. Fol. Ed. Straßb. 
1605 S. 378). 

*) Am Rande: hie narratur de Katharakta. — ') [,,oculista" am Rande] — *) Am Rande: 
„Cymrgicus". 



i;. Die Stadl \ind die Ärzte der Fakultät. 



93 



Die kluge Beschränkung auf chirurgische Kuren (wenigstens in Leipzig) 
wird ihm die Herren von der Fakultät geneigt gemacht haben. 



Doch nun zu den Spitalern der Stadt! 

Am 20. März 1213 stiftet Markgraf Dietrich das Klosterhospital zu Leipzig, 
„. . hospitale . . apud Lipniz-', das Thomaskloster mit seinem Spital vor dem 
Ranstädter Thore, mit seiner Kapelle, die dem heiligen Georg geweiht war, 
daher das Georgenspital genannt. Schon 1254 hören wir von der Verbes- 
serung der Krankenpflege im Thomaskloster, das aber doch mehr ein Siechen- 
haus war, wie es sich denn doch auch bei dieser Stiftung mehr um eine Ver- 
besserung der wirtschaftlichen Lage der „infirmi" handelt. Im Jahre 1278 
erfahren Avir urkundlich zum ersten Male etwas von den „Sondersiechen", den 
Leprösen im Johannisspitale „prope Lipzk", weiter außerhalb vor dem Grim- 
maischen Tore gelegen, von dem 1391 zum ersten Male der ,,spitalmeyster . . 
mit phlege den armen siechen ... zu verantworten" urkundlich erwähnt wird. 
Ständig fließen beiden Spitälern, namentlich dem Leprösenspital neue Stif- 
tungen in den Akten zu, auch noch im ersten Jahrhundert der Universität, 
,,ad refectionem pauperum et infirmorum hospitalis infirmorum et pauperum 
et debilium pcrsonarum prope oppidum Lipczk, zu St. Georg" ') . . . „unde 
auch den armen sichen, die vor dem Grymmischen Thore bliben sullen yn 
senthe Johannes spittal"-). Auch beim Tode des 3. Dekanes der medizinischen 
Fakultät ,,Dr. Jakobus" (Meseberg) wird der Armen und Siechen gedacht, 
aber nur in wohltätigem Zwecke; von ärztlicher Wartung hören wir nichts. 
Ks handelt sich stets nur um Versorgungszwecke ^), wie man sich denn nicht nur 
als unheilbarer Lepröser mit seiner Habe im Sondersiechenhause behaglicher 
einkaufte, sondern auch in andere Spitäler, die dadurch teilweise zu Pfründner- 
heimen wurden. Hierfür in extenso nur ein charakteristisches Beispiel: 

Vertrag des Dr. Johannes Euderitzsch („der heil. Schrift doctor" lieißt 
es in Nr. 277) mit den Si)italmeistern zu S. Georgen wegen Aufnahme des 
Gerbers Rudiger Freitag in das Georgenspital (1479, 23. August). 

Doctor Johannes Ewderitzsch ist mit dem spittelmeistern zu sant Jürgen vor 
den rat komen vnd hat von wegen Rudiger Freitages des gerbers uf der Nauwen- 
strassen anbracht, wie daz sich der selbige Rudiger in das hospital mit seyner habe 
und gute geben wolle, und gebeten yn ufzunehmen nach laut und inhalde eynes 
Instruments von eynem offinbaren Schreiber derhalben begriffen, also hat ym der 
rat zugesagt also nach inhalde des instniments aufzunehmen, also hat der egnante 
doctor von seynetwegen dem rate geantwort des ersten XVIIL Ung. Gulden . . . 
[123 Gulden Rh. VIII Gr.] . . . Und der gnante Riidiger hat darzu dem hospitall 
eyn hawß uf der Nauwenstraße gelegen gegeben und geeygent, das sollen die spittel- 
meister verkeuffen und das gelt, das dafür gefellet, mit sampt den obengeschriben 

') Urkundenbuch der Stadt Leipzig Nr. 233. 
■-') Ebenda Nr. 2 1 8. 

^J „Zum Essen und Trinken der armen Leute" oder _ „zu Steuer ihrer Kleidung", „zur Er- 
quickung" usw. 



PJc ^«tadt und <lic Aritr der KikuUat. 



pcldc mit \xis>en des rau dem hospital zu giitc anlegen und /inße dafiir keufien. 
L'nd sollen yn in das hospilall nehmen und cyne kanimer eynthuen und versorgen 
mit eyner pfmnden, und sollen ym von den zinOen die weile er lebt zu bessening 
seyncr pfmnden alle wochen IH gr. geben vnd des iars, wanne er des not dürftig 
syn windet, eynen grauwen rog kaufl'en, und wanne er vorstirbct, so sal man vn in 
dem hopitall mit Wgilien und sclmesscn gleich eynem andern, der im hospital vorstirbet, 
zu der erden bestatcn .... zinße mit der haubtsummen dem hospitall ewig- 
lich volgen und des hospitals bleiben, daz danne seyne nehsten frunde also gewilliget 
und dar an gantze vorzieht gethan haben nach laut des gerichtsbuche. Gescheen 
uf montag in \-igilia Bartholomaei anno ;c. LXXIX. 

(Urkundenbucli der Stadt Leipzig Nr. 504.) 

Doch dienten die Spitaler namentlich auch zur Pflege kranker Fremd- 
hnge. und wo so viel Auswärtige ständig .Aufenthalt hatten, wie in einer Meß- 
und gar Universitätsstadt, fanden sich auch öfters nicht eingesessene Kranke, die 
man in der Privatwohnung nicht länger verpflegen konnte oder wollte. So 
trert'en wir am 4. Januar 1511 auf eine Ratsverordnung für zwei Freistellen 
ausdrücklich für Universitatsangehörige im Johannisspital, namentlicli für die 
mit ,^olcher schwerer Krankheit der Franzosen adder ander Krankheit" Ge- 
plagten vorbehalten. Das Leprahaus diente also schon nicht nur der Syphili- 
tischen nebenher, sondern auch anderweit Erkrankten. 

Wer diese Studenten und andere Kranke behandeln sollte wird nicht ge- 
sagt Vermutlich die Mitglieder der Fakultät „um Gotteswillen". .Angestellte 
Spitalärzte gab es bestimmt noch nicht in Leipzig und kaum schon ander- 
wärts. In Paris z. H. erst einige Jahrzehnte später'). Da ging aus der ver- 
einigten Ärztefamilie der Pistoris und der Schmiedeberg eine äußerst beachtens- 
werte Stiftung her\'or, deren Erträgnisse noch heute zur Bezahlung eines Spital- 
arztes Verwendung finden. 



Wir haben als erste dieser verschwägerten Arztefamilien, die auch im 
Nan^n ja die nächste \'erwandtschaft haben — „Pistoris" = Becker oder 
Beckers die eine und Beck oder Becke von Schmiedeberg die andere — 
den Nikolaus Pistoris kennen gelernt (geb. 1401 t 1471), weiland Prof. der 
Pathologie. Sein Sohn Simon Pistoris 'geb. 1453 ti523), heiratete die 
Tochter Martha-) des X'alentin Becke von Schmiedeberg. Ein Sohn beider. 



') '536; *'g'- E:n. Wickersheimer, La medecine et les mWecins en France :'i Tcprique de 
la rinaissance. Paris 1906. S. 325. 

*j Martha starb in der 6. Schwangerschaft 1497, der Gatte hat ihr in der Thomaskirchc 
folgende poetisches Epitaph in Erzguß gestiftet: 

Martha Simonis Pistoris fidissima conjux 
Sexta prole gravis proh ncce rapta fui. 
Ilecebras fugi mundanas: vita pudica 
Me multum juvit relligione piam, 
Ut mihi Sanctorum. contingant ar^a beala 
Elysii campi, lector amicc roga. 

Anno 1497. vigilia S. Katharinae. 

(Slepner Nr. 487.) 



5. Die Stadt und die Ärzte der Fakult&t. g: 

Christof, wurde Arzt'), starb aber schon im Dezember 1518-). Ein anderer 
Sohn, wie der Vater Simon mit Namen, ergriff das Studium der Rechte und 
kam in ihm zu hohen aucli akademischen Ehren, sein Bild hängt heute noch 
im Saale des Collegium juridicum. Pietätvoll hat er den drei Ärzten der 
Familie ein gemeinsames Epitaph errichtet, das heute noch an der Wand der 
Thomaskirche prangt. Wir teilen es im Bilde auf Tafel III Nr. i mit. Es ist 
gewiß ein höchst beachtenswertes Denkmal zur Leipziger Ärztegeschichte, wenn 
auch nicht von hohem künstlerischen Werte wie etwa die Gemälde des 
„Schmidburgschen Epitaphs" weiland in der Nikolaikirche, die wir noch kennen 
lernen werden. Dies Denkmal dreier Pistoris in der Thomaskirche, in Sandstein 
ausgeführt (1860:1085 mm), zeigt im linken Zwickel oben das alte Bretzel-Wappen 
der Pistoris (Bäcker), im mittleren Bogenfelde die 3 Arzte, links den Groß- 
vater Nicolaus, ein Harnglas erhebend, in der Mitte stolz aufrecht die Zierde 
der Familie, Simon Pistoris, mit bedeutender Geste die rechte Hand demon- 
strierend erhoben, rechts den früh verstorbene Christoph Pistoris, die 
Aphorismen des Hippokrates in den Unnden und auf die Stelle weisend: 

,,Vita brevia, ars longa, occasio praeceps expcri'(mentum) peric^ulosum), 
iudici(um) dift'(icile)". 

An Porträtähnlichkeit ist bei dem mäßigen Kun.stwerke kaum zu denken. 
Über "der Gruppe der 3 Ärzte steht die Jahreszahl der Denknialserrichtung 
1527, und die Widmung: 

Simon iure consultus avo, patri et fratri pientissimis et bene meren- 
tibus fabrificari fecit M.D.XXVII. 

Unter der Arztegruppe in einer Renaissancekartusche die weitere originelle 
Inschrift: 

„Si inter humanae felicitatis eventus prisca olim secula iure numerarunt 
teis [statt tres oder treis] e.K eadem Curionum familia oratores, et nos 
huius seculi rara faniiliarum exemiila sumus. Tres niedici Nicolaus avus, 

') In dem i. Satzungsbuch fanden wir folgende Eintragung Bl. (ll)': 

„Anno 15 18 Christophorus Pistoris Lipsiensis respondet pro loco, promotus in Italia 
Bononiae." 
Leipziger Professoren der Medizin fanden es also noch für ratsam , ihre eigenen Söhne in Italien 
Medizin studieren zu lassen. 

-) Siehe das Grabmal in der Thomaskirche bei Stepner Nr. 709: 

A nato Christo 1471 sexto Nonas Mali, Nicolaus Pistoris, Medicinae doctor & hujus 
urbis Cons. diem suum sexagena obiit. Ex Uxo. Katerina Wolkensteins, reliquit suae Profess. 
Doctorem Simoncm Medicor. Decan. & hujus Urb. Senatorem , qui vixit annos LXX. & mortuus 
est 1523. Prid. Non. Februarii. 

Caeterum contra illius votum & tuibato ordine Christophorus, filius ex conjuge Martha 
Schmidburgs, susceptus Parentum vestigiis, inherens quadriennio prior Idibus Decemb. decessit. 
Tres ego ut una pcperit Familia Medicos ito unum continet sepulcrum. R. I. P. 

Disce Mori. Rapuit medicos. Quis tutus ab illa? 
Nemo. Viator eris tu quoque Praeda, Cave! 



vi.>dt uiul liic Ar/tc Act bakuUat. 

Simon patcr, Christi)phorus nepos et quartuni reliquinius iureconsultuin 
siipcrstitciu, cacteruni ut una nos domus pistoria edidit ita et sarco- 
phagus hie iinus continet. 

Hier wollte also auch der Jurist mit beigesetzt sein, der sich der Her- 
kunft aus dem Backhausc nicht schämte, wenn auch sein Rosen-Wappen unten 
in der Mitte die Bretzel nicht mehr zeigt, da der Vater nach der Erhebung 
der Familie in den Reichsadelstand 1521 die Rose mit der Hretzel auf dem 
„Schmidburgschen" Grabmal führte. „Martha Schmidburgs" war des Juristen 
Simon und des Arztes Christoph Mutter, die Gattin des alteren Simon Pistoris. 
„Regina am Steyg" des Juristen Simon Frau. 

X'alentin Hecke aus Schmiedeberg, der Stammvater der schnell 
wieder erloschenen Familie „Schmidburg", gestorben am 29. März 1490 
hatte aber neben der Tochter Martha noch einen Sohn Heinrich hinterlassen, 
der wie Simon I'istoris der Jüngere das Studium der Rechte ergriff und darin 
gleichfalls zu hohen Ehren gelangte. Er wurde Kanzler beim Bischof von Naum- 
burg und errichtete frommen und kunstfreudigen Sinnes zur Erinnerung in 
erster Linie an seinen \'ater Valentin Hecke von Schmiedeberg in der Nikolai- 
kirche das berühmte .,Denkmal der Familie Schmidburg", das in der 
Geschichte der mittelalterlichen Tafelmalerei Leipzigs eine so hervorragende 
Stelle einnimmt. Dies „Denkmal in GestaU eines Schreines" ') zeigte in seinem 
Inneren das Bild „Der Sterbende" von Lukas Cranach dem Älteren, in 
der Art der mittelalterlichen Darstellungen der sogenannte „Ars moriendi" (vgl. 
Heft 2/3 dieser „Studien zur Geschichte der Medizin", S. 209 Abb. 28 und S. 216 
Abb. 29) auf Holz in Öl 1518 gemalt, heute Nr. 40 im Städtischen Museum zu 
Leipzig ^92 cm hoch, 35 cm breit, vgl. Tafel I\^). In der Mitte der unbekleidet 
im Bette liegende Sterbende-), der mit den beiden Händen die Sterbekerze 
gefaßt hält, den Blick inbrünstig auf das Crucifixus gerichtet, das ein Geist- 
licher zur Rechten ihm vorhält, hinter dem ein Engel steht, während zur Linken 
des Sterbebettes der Höllenrachen mit seinen Sündenteufeln der verschiedenen 
Lebensalter klafft. Hinter dem Engel sitzt der Notar, des Sterbenden letzten 
Willen niederschreibend, vor ihm am Fuße des Lagers kniet die Gattin in 
reichem Gewände. Ganz im Vordergrunde durchsuchen die Erben die Kisten 
des Nachlasses; vor dem Kopfe des höllischen Ungeheuers steht der Arzt im 
langen Talare, den blutroten Urin im Harnglas erhoben. Nach oben in der 
Mitte über dem Sterbelager entschwebt zwischen Engel und Teufeln die Seele 
in Gestalt eines betenden Jünglings, über welchem die Dreieinigkeit im Strahlen- 
nimbus (in der Form der später das Bild verderbend eingezeichneten Mandorla) 
in Wolken mit heiligen Engelchören thront, denen Himmelskönigin und 



') Vgl. Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs 
Sachsen. Auf Kosten der Kgl. Slaatsregierung herausgegeben vom Kgl. Sächsischen Altertumsvercin, 
7. Heft, Stadt Leipzig, bearbeitet von Cornelius Gurlitt, Dresden 1895, S. 26 — 29. 

') Eine gewisse Ähnlichkeit der Züge mit dem Bilde des knienden Valentin Schmiedeberg 
unter der Kreuzigung (s. Tafel V) läßt sich vielleicht behaupten. 



Die Stadt und die Arzte der Fakultät. 



97 



St. Johannes links und rechts als Chorführer vorschweben. Über dem feinen 
Bilde eine Kapelle als Lünettenabschluß, in der das Sterbeglöcklein geläutet wird, 
wahrend vor ihr drei Frauen und zwei Manner im Gebet knien, darüber in 
Engelskopfgloric die gekrönte Madonna mit dem Kinde; in den beiden Ecken 
Mcdaillonportriits, grau in grau den Stifter und seine Gattin darstellend. Als 
crsterer nennt sich im Bogen über der Lü nette in der später angebrachten 
Inschrift. 

„Patri Optimo. Henricus Schmitburg. Lipsiensis. lurium. Doctor. 

Fieri. Fecit Anno. Ab. Incarnatione. Domini. M.D.XVIII". 

Im Jahre 151S hatte also der juristische Sohn dem Vater, eben unserem Pro- 
fessor der Therapie, Dekan, Senator und herzoglichen Leibarzt, Valentin 
(Becke von) Schmiedeberg, dieses feine Kunstwerk zum frommen An- 
gedenken gewidmet'). 

Auf der Außenseite der Schreintüre sehen wir, von geflügelten Knaben 
gehalten, fünf v'erbundene Familienwappen, darunter den gezäumten Pferdekopf 
der Schmidburg, links in der Mitte und unten die Bretzel und Rose der Familie 
Pistoris, deren einen ärztlichen Vertreter Nicolaus wir schon kennen gelernt 
haben, während wir den größten dieses Namens sogleich werden ausfuhrlicher 
besprechen müssen, den Simon Pistoris. Sein Porträt findet sich dem des Valentin 
Schmiedeberg, gegenüber in der Mitte des Unterteils des noch zu beschreibenden 
Kreuzigungsbildes. Auf der Unterseite der Schreintüre über den 5 Wappen 
steht eine lange Widmungsinschrift, welche besagt, daß das Kunstwerk :_Sepul- 
chrum haut pulchrumj dem gesetzt sei, den seine Väter Valentin genannt hätten, 
der Medicinae Doctor gewesen sei und mit Papinischer Kunst ^) kranke Körper 
geheilt habe, das heilige Land durchwandert habe und im Jahre 1499 gestorben 
sei, einen verwitweten Sohn hinterlassend, den Juristen Heinrich^, der bei 
Fürsten und \'olk beliebt sei und, mit Glücksgütern gesegnet, als besondere 
Gabe seinem ärztlichen Vater zu ehren dem St. Georgs Hospital (s. o.) ein jähr- 
liches Legat von 14 [Schreibfehler für 54] Goldgulden zur Beschaffung dauernder 
ärztlicher Hilfe gestiftet habe. Eine Tochter Valentin Schmiedebergs, namens 
Martha sei, wie wir schon wissen, mit dem Doktor der IMedizin Simon 
Pistoris vermählt gewesen und habe ihm zwei Söhne geboren, deren jüngerer, 
Christoph Pistoris, artis medicinae doctor frühzeitig gestorben sei, während 
der ältere Simon, Doktor beider Rechte noch lebe und für Großvater, Groß- 
mutter mütterlicher Seite, Mutter, Onkel und Bruder dieses Denkmal stifte, 
was aus der Unterschrift des Kreuzigungsbildes und des Porträts Kniender in 
seinem Unterteile noch klarer hervorleuchtet*]. 

') ^'^S'- ^'uch Gust. Wustmann, Cran.ichs Sterbender im I.ripzisjcr ^[use^lm. .\U5 Leipzigs 
Vergangenheit, Leipzig 1885, S. 104 — 119. 

*) Doktor von Pavia. 

') Er war mit Ursula Proles vermählt gewesen, deren Kamilicnwappen auch auf der Tür 
sich findet (Schifferin im Kahne). 

*) Die Inschrifl lautet umgeschrieben in holprigen Hexametern und Pentametern, von deren 
Trennung ich absehe (s. S. 98): 

Studien 2ur Gcschichir der Medizin. VMl. 7 



Die Sudt und die Ante der FakullüL 



Das Kreurigungsbild auf der Innenseite der Türe des Sclueinos Jicutc 
Nr. 609 im Stadtischen Museum zu Leipzig) wird heute mit großer Wahrschein- 
lichkeit dem Maler Georg Lern berger aus Landshut zugewiesen, der sich in 
Leipzig niedergelassen hatte. Auf das interessante Kreuzigungsbild selbst 
gehe ich nicht ein. Medizinisch - kulturgeschichtlich interessant ist kaum der 
blinde Longinus, der dem Leichnam Christi die Seite ortnet'). Hier ist nur 
die Doppelgruppe der knienden Donatoren zu beachten, die im Unterteil des 
Hildes, einer mit Säulen geschmückten Wand zu beiden Seiten eines praciitigen 
Baldachins in Fruhrenaissance-Architektur über einem .Altare, sich fmdet. Links 
knien die Schmiedebergs, der Professor der Medizin \'alentin und Heinrich, 
der Jurist, bischöflich naumburgischer Kanzler, rechts die Pistoris, Vater 
Simon und Sohn Christoph, und die Frauen Martha Pistoris, geb. Schmiede- 
berg und die Stammmutter Ursula Schmiedeberg, geb. Proles. Die 
Familienähnlichkeit der Männerköple springt bei den Schmiedebergs und bei 
den Pistoris in die Augen, wir haben wohl Porträtähnlichkeit bei diesen vier 
feingemalten Köpfen anzunehmen. Ein hübscher Teil des medizinischen „Ruhms" 
Leipzigs in dem ersten Jahrhunderte seiner Universität, von der Hand eines 
namhaften Künstlers festgehalten, ist hier beisammen auf dieser prächtigen 
Gruppe, die die feierliche Promotionshalle der Nikolaikirche zu Anfang des 
zweiten Säkulums schmückte, als der „Wirt von Auerbachs Keller", Heinrich 
Stromer das Fakultätsszepter führte^. Gesetzt hat dies malerische Denkmal 
Dr. Simon Pistoris ein Jahr vor seinem Tode. 

Die Fülle von Kunst und Schönheit, welche zu uns aus diesen Denk- 
mälern aus dem Aufang des 16. Jahrhunderts spricht, ist aber nicht nur ein 

D.O.M. HOSPES. QVOD DICO-PAVLvM.EST-ASTA AC PELLEGEHEIC EST- 
SEPVLCHRVM • HAVD • PVLCHRVM ■ \7RI.INCoMPARAB . NO.MEISCHMID- 
BVRGPATRESNOMINAVERV'NT.VALeNTINM.D.ETPAPIN-IARTE^^GRA. 

Corpora • ll • cavsas • cvrabam • i'Eragrata • i vd-^a • h yer morior a- 

AoM-CCCCXCO. GNATIM-HEINRIVRECoNS.PRINCIPiBI'ARITER. GRA- 
TVM.ACPOPV.NON-ITA-DIV.ET.COEUBEMQVIDEM RELINIJVO- ISHO- 
sPiTAL • S • GEOR ■ XIV- ANNVIS • AVREIS- MEDICVM.IXSTITVIT PeRPeTV- | 
MARTHA ■ MIHI • GNA • DVLCiSS • DVOS -EXSiM.PISTORMED.D. PEPERIT- i 
CHRISTOPH -XATV-MINOR -AR -ET -MED- DOCT-IVVENIS-OCCIDIT- [SIMON- 
V. I - DET • ORD • AVO • AVI.E ■ MATeRN • MATrI . AVVXCVLo | FRATRIQVE 
ChARISS • et • B • M- STATvIT-AC .ETERN-PRECATVR.REf)vIEM-;DECiPiMVR- 

VOTIS-ET-TEMI-ORE F.*XUMVRET MORS | DERIDET-CVRAS-ANXIA- VITA» NIHIL 

') Vgl. Greef, Die Heilung des blinden Longinus in Sage und Darstellung. Bericht über die 
34. Versammlung der ophthalmologischen Gesellschaft. Heidelberg, 1907, S. 284 — 287. 

^ Die Inschrift lautet: 

Requies in Pace. D. Valentinus Schmidburg, principis Saxoniae medicus, vixit annos 48, 
obüt 1490, XIU. Kai. Scptembrcs, fabrificari factum anno domini 1322. voto materno et avanculi 
posuit D. Simon Pistoris Ordinarius. 

D. Heinricus Schmidburg, Numburgensis episcopi cancellarius, vixit annos 42. obüt 1520, 
Nonis Novembris, familiae sie finis. Nepos ex filia Martha, uxor Doctoris Simon Pistoris Medici 
\Tiit annos triginta, obiil I497 VIII. Kalendas Dccembres. Christophorus Pistoris artis et medi- 
cinae doctor vixit annos XXVII, obüt 1519. Idus Dccembres. Ursula Proles, castissima, Doc- 
toris Valentini Schmidburg Coniunx obüt M.CCCCXCV. 



;. Die Stadt und die Ärzte der FakuUUt. ng 



laut redendes Zeugnis für die Ärztegeschichte jener Tage, ein ärztlich -kultur- 
geschichtliches Dokument allerersten Ranges, sie birgt auch ein Zeugnis für 
den ärztlichen Geist, der in der Familie lebendig war, in der Erwähnung der 
Stiftung von XLIV (so muß es statt Xl\' heißen) Goldgulden jährlicli zur 
Besoldung eines Spitalarztes, eine Stiftung, die geradezu epochemachend genannt 
werden kann in der Geschichte des ärztlichen Standes und des Krankenhaus- 
wesens, worauf ich schon oben andeutend hingewiesen habe. Ist sie doch meines 
Wissens die älteste, die sich mit der Heschalüung ärztlicher Hilfe für ein deut- 
sches städtisches Hospital befaßte und sie ermöglichte und dotierte, während 
man sonst stiftungsgemäß nur an die Unterkunft und Nahrung für die Insassen 
dieser Häuser dachte, die mehr als Fremdenherbergen, Pfründnerheime, 
Versorgungs- und Waisenhäuser dienten oder als isolierende Aufenthaltsstelle 
für ansteckende Kranke. Jedenfalls hat man für ihre ärztliche Versorgung erst 
relativ spät Anstalten getroffen, wenigstens für ärztliche Hilfe, die durch feste 
Anstellung gegen Honorar oder Gehalt garantiert war. Das alles leistete die 
Stiftung Dr. Heinrich Schmiedebergs, an der Simon Pistoris zweifellos 
geistig beteiligt war'). 

Auch ein kleines „Pestilenzhaus" wurde mit Hilfe dieser Stiftung beim 
Georgenhospital vor dem Ranstädter Tore, das zum Thomaskloster gehörte, 
gebaut (eine Art Isolierbaracke für Pestkranke nach heutigem Sinne und Sprach- 
gebrauch). Auch in der Pestarztfrage zeigt sich der Sohn und Schwager eines 
hervorragenden Arztes ziel- und zweckgemäß orientiert, indem er verordnet, daß 
der künftige Spitalarzt bei Verlust seines Amtes verpflichtet werde, bei Pest- 
zeiten in der Stadt zu bleiben, während die Flucht der Ärzte vor der Pestilenz 
schimpflicher Brauch war und nur die Pestchirurgen auf ihrem Posten aus- 
zuharren pflegten. F"ür einen solchen „Pestbarbierer" mag im Georgenspital 
schon früher Vorsorge getroffen worden sein; doch macht die Anstellung eines 
Ratsbarbiers, wie wir oben gesehen haben, keinerlei dahin gehende Angaben 
oder Bestimmungen. 



') Die Einzelheiten dieser Stiftung siehe im Anhang, im 3. Abschnitte. 



6. Literarische Betätigung der Leipziger Arzte und Professoren 

der Medizin. 

Es läßt sich nicht verkennen, daß an der Universität Prag im ersten 
Halbjahrhundert nach ihrer Gründung ein reges geistiges Leben herrschte, 
auch in der medizinischen Takultat. Aber so wenig dies im 15. Jahrhundert 
in Prag angehalten hat, so wenig ist auch in Leipzig davon ein Rühmens zu 
machen. Soweit es eine .■\llgemeinerscheinung der immer melir stagnierenden 
medizinischen Scholastik war, gehe ich darauf hier nicht näher ein. Auch die 
Parallele zu Prag weiter zu spinnen, scheint mir diesmal nicht meines Amtes. 

In Leipzig nach der ganzen bisherigen Schilderung des niedrigen Fre- 
quenz- und Dotierungsniveaus und dem ganzen ärmlichen, fast armseligen Zustand 
der medizinischen Fakultät, noch nach den Ursachen einer geringen Höhe lite- 
rarischen Schattens zu suchen, dürfte überflüssig sein. Wir möchten nur aus- 
drücklich dem etwaigen Vorwurfe zu großer gelehrter Inzucht begegnen. Es 
kam allerdings eine kleine Zahl von geborenen Leipzigern, die ihre ganze Aus- 
bildung an der Pleiße empfangen hatten, auch zu akademischen Lehrstellen und 
zum Dekanate, doch keineswegs ausschließlich. Auch an auswärts Promovierten 
ist, selbst abgesehen von der ersten Generation, kein Mangel, wie das Studium 
der Dozenten- und Dekanatsliste lehren wird'). 

Doch werfen wir nun einen näheren Blick auf dies bescheidene „Blühen" 
der literarischen Produktion an der Pleiße und im weiteren Meißen, soweit es 
sich in Handschriften da und dort und in den Drucken erhalten hat. Ich 
glaube kaum, daß er sehr heißes Verlangen nach Dem erwecken wird, das 
völlig untergegangen ist — aber beachtenswert ist das Erhaltene doch'. 

Von einer schriftstellerischen Betätigung des Prager Magisters unbekannten 
Doktorates, ersten Dekans der facultas medica studii universalis Lipsiensis, 
Gerhardus Hoghenkerke, ist mir nichts bekannt geworden. 

Der zweite Dekan und erste dotierte Professor der Therapie an der Uni- 
versität Leipzig, Magister Helmoldus Gledenstede de Zoltwedel, in Prag 
schon Rektor und Dekan der Artistenfakultät und als Lehrer und Examinator 

') S. 10 — 12. Lassen wir von den 12 medizinischen Professoren des i. Jahrhunderts der 
Universillt die beiden ersten als von Prag Milhergezogene bei Seite, so sind von den 10 Übrigen 
4 Leipziger Baccalarien der Medizin und 3 sind in Leipzig zu Doktoren ])ronioviert worden, darunter 
zwei Dekane der medizinischen Fakultät. 



Schriften Helmolts voa Gledenstede. 



schon ein Jahrzehnt in Frag viel bescliäftigt und erprobt '), tritt nicht sofort 
1409 in Leipzig als Dr. med. in die Erscheinung, sondern erst im Winter- 
semester 14 16. Er ist bekanntlich aus Prag mit ausgewandert und hat fast alle 
Fakultäten in sich vereinigt, sintemal er auch, das Datum scheint nicht völlig 
festzustehen, zu den Theologen in offizielle Beziehung trat „ad gradum bacca- 
larii theologiae praesentatus et assumptus". Es spricht manches dafür, daß 
dieser feierliche Akt im Sommersemester 14 10 stattfand, als Gledenstede 
das Rektorat bekleidete. Vermutlich stammt von dieser Promotion auch das 
einzige literarische Lebenszeichen seiner Leipziger Zeit her, das ich aufzufinden ver- 
mochte, oder ist wenigstens bei dieser Veranlassung entstanden, eine scholastische 
Untersuchung über die Weisheit Gottes, welche dem vielbewanderten und be- 
währten Prager Einpauker der jungen Artisten alle Ehre macht, aber wie alle 
solchen, in allen Fakultäten zu l^eginn des 15. Jahrhunderts so sehr beliebten 
„Quaestiones" von extremster Sterilität und Langweiligkeit ist. Ms. 1423 der 
Leipziger Universitätsbibliothek hat uns diesen ,.Schatz" auf Blatt 384 — ^gV Sp. i 
erhalten als „Ouaestio Magistri Helmolt de Soltwedel". Anfang und 
Schluß dieser dialektischen Gliederverrenkung möge trotz ihrer nur persönlichen 
Beziehung zur facultas medica hier mitgeteilt sein. Wesentlich anders werden 
Gledenstedes medizinische Darlegungen auch nicht sich angehört haben: 

ütrnm summa dei sapientia omnem veritatem possibilem distinctissime unico 
actu simplicissimo in propria forma cognoscat? 

Quaestio Magistri Helmolt de Soltwedel. 

Utrum summa dei sapientia, cuius legem aetemam participant omnia alia agentia 
omnem veritatem possibilem distinctissime unico actu simplicissimo peren(n)is [?] 
puram essenciam in propria forma cognoscatr In ista quaestione tria principaliter 
supponuntur et quartum quaeritur. Supponitur in quaestione primo summa in deo 
sapientia, quia dicitur utrum summa dei sapientia secundo in quaestione supponitur 
diumae legis aetemae e.xistentia cum in t}tulo quaestionis subiungitur cuius legem 
etemam. Tertio praesens quaestio supponit legem aetemam participare omnia citra 
deum agentia. Et quarto inquisitione quaeritur an summa dei sapientia omnem 
veritatem possibilem distinctissime unico actu etc. 

Quare determinando praesentis quaestionis materiam in quatuor distinguo 
articulos, quorum primi tres articuli tria supposita quaestionis praemissa declarabunt 
et quartus articulus quaesitum in se explicando determinabit etcetera. Quantum 
igitur ad articulum primum, qui erit de quaestionis primo supposito, scilicet an in 
deo est summa sapientia. Suppono primo qund idem in re est deus prima causa, 
purus actus, suinmum bonum, primus motor, ultimus finis, felicitas summa, supre- 
mum, princeps universi, primarius dator formarum, perfectum simpliciter, bonum 
aeternum, Optimum possibile. Ista suppositio patet quia diversi philosophi in eorum 
dictis atque scriptis talibus variis nominibus deum nominare consueverunt ut patet 
de Aristotele, Piatone, Pytagora, Seneca et Boetii 

>) Aus dieser Prager Zeit Helmolts von Salz w edel findet sich im Ms. 1348 der Leipziger 
Universitätsbibliothek (das auch eine Reihe Leipziger Disputationsschemata enthält) auf S. 274 — 284 
eine quaestio Pragae disputata „Quaeritur utrum casus inleger communis insolubilis est admit- 
tendus . ." „i>er reverendum hclmoldura de soltwedel magistrum et in post in lipczk in doctorem 
medicinae promotuni, collegiatum coUegii majoris ibidem etc." 



»'. Lilorarisclie Uriatigung. 

Ms. ms. Bl. 300' Sp. 2. 

Istis sie praemissis sit prima conclusio Imius subarlinili isla : argunientatur iiuid 
dcus inlellipcndo unico actu siinplicissiinu cognoscit (probatur i|uid(.)uicl deus cognoscit 
suo intcllipere O'gnoscit, utrum per notabilc secunduin cum eins probationc in prae- 
senti subarticulo tertio) sed summuin intellipere est deus et niliil aliud quam deus, ut 
expresse |X)nit sccundum notabilc praescntis subarticuli, igitur conclusive vera quam 
tcnet quia deus est articulus purus primus simplicissimus, ut expresse dicit tertium 
notabile pniesentis subarticuli. Conclusio secunda, quidquid deus cognoscit per 
puram eius essentiam cognoscit, patet conclusio sie quidquid deus cognoscit per eius 
unicuin actum simplieissimum cognoscit, igitur conclusio vera tenet contra, quia 
actus unicus simplicissimus dei non est aliud, quan> dei pura essentia, ut elare deduci 
potest ex notabili secundo cum eius probatione recitata in praesenti subarticulo 
tertio, sed antecedens patet eonclusionem in mente praecedente. Conclusio tertia 
summa dei sapientia omnem veritatem possibilem imico articulo simplicissimo per 
puram eius essentiam cognoscit, probatur conclusio sie: summa dei sapientia omnem 
veritatem possibilem cogni >scit, utrum per subarticuluin primum superius praemissum, 
sicut summa dei sapientia cum est deus nichil cogn^iscit nisi unicn actu simpli- 
cissimo per puram eius essentiam, ut patet per primam et secundura conclusiones 
immediate praecedentes igitur conclusio vera consequentia nota est, similiter et 
antecedens oinclusio secunda et ultima ad eonclusionem universalem est isa: Summa 
dei sapientia, cuius legem etemam (391'') parlicipat omnia agentia, umnem veritatem 
possibilem cognoscit, ut patet ex articulis tribus primis simul conipositis et summa 
dei sapientia omnem veritatem possibilem unico actu simplicissimo distinctissime in 
propria fnrma per eius puram cessentiani cognoscit ut habetur ex tertio subarticulo 
articuU quarti simul compositis igitur o inclusio vera, quam nota similiter et antecedens 
patet intuenti totam quaestionem praecedetentem, et ita patet quo quaestio sicut 
prc'ponitur est vera. Ex tota positione praecedenti infero, corpore primo scientia 
dei est non entinus nulliter. Corporum seeundum scientia est imperfectorum com- 
praehensibilior, corporum tertium scientia dei est futurorum ad utruinlibet con- 
tingenter. Ista corpora speeialiter ad praesens non probo tarn breuiter, quia mani- 
festa deduci possunt ex corpore totius quaestionis. 

Explicit questio determinata a reverendo magistr^i helmoldo de 
soltwedel. 

Schon dieser Schlußsatz besagt ja, daß dies Schriftstück in den Anfang 
der Leipziger Tätigkeit Gledenstedes fallt: er ist hier nur erst Magister ar- 
tium, noch nicht baccalarius theologiae und Doctor medicinae. Wir haben es 
also wohl bestimmt mit Heimelt Gledenstedes Promotionsrede bei der 
feierlichen Bestallung mit der theologischen Baccalariatswiirde zu tun '). 



') Konrad Wimpina berichtet in seiner „Scriptorum insignium, qui in ccleberrimis prae- 
sertim Lipsiensi . . . Acadcmiis a fundatione ipsarum usque ad Annum Christi. MDXV floru- 
mmt, Centnria" edid. J. Fr. L. Thcod. Merzdorf. Lipsia 1839 S. 28, 29 unter anderem folgendes 
von „Helmoldus Glodenstede" ,, . . . ad medicinae capessenda insignia non sine ingenio anhelavit, 
perfecitque ut Aesculapius apud priscos, ita ipse apud Misn.-ie Marchiones in pretio esset. Vir 
supernnmerariae aetatis, ut ex senccta, scholasticis laboribus effoeta, ad puerilia rudimenta redirct. 
Scripsit post Medicinae ca'hcdrac regimen (quod in longos annos traduxit), in utraque medicinae et 
artium facultate non aspemenda, quac passim in libraria Lipsensi habentur, videlicet: 

I^ractica medicinalis üb. I. 

Regiminis sanitatis lib. I. 
Lecturam super A\'iccnnam inmensam. Et alia plcraquc.'' Von diesen handschriftlich um- 
laufenden Dingen, das soll doch wohl ,,in libraria habentur" heißen, ist mir noch nichts in den 
Weg gekommen. 



Peslregiiiiina. IO3 

Ein wesentlich anderes Gesicht hat ein anderes Schriftstück, das uns ein 
Schlesier hinterlassen hat, der vom Sommer 1425 bis Herbst 143 1 in Leipzig 
studiert hatte und daselbst seine ganze gelehrte Ausbildung, seine medizinische 
also unter Hoghenkerke und Gledenstede erhalten hat, die er, wie wir 
oben S. 6 gesehen haben, mit der Promotion zum Baccalarius medicinae nicht 
lange nach 143 1 beschloß'). Den praktischen Sinn der sich in dem ganzen 
„Regimen Praeservativum ab epidemia" des Vinzenz Swoffheim von 
Liegnitz ausspricht, müßte er von Hoghenkerke empfangen haben*). Doch 
hat es der Liegnitzer Arzt anscheinend nicht bei seinem Leipziger Unterricht 
bewenden lassen, es müßte sich denn um eine mehr private Unterweisung eines 
alteren Kollegen in der Praxis handeln, wenn er sich auf einen „praeceptorem 
nieum Magistrum Michaelem" mehrmals beruft '). Höchst wahrscheinlich hat 
Vinzenz Schwoffheim anderwärts den Doktorhut errungen und nennt hier einen 
seiner späteren Lehrer. Was weiter aus dem Verfasser geworden ist, vermag 
ich nicht zu sagen. Ob er sich in Liegnitz niederließ? Jedenfalls sind die 
Beziehungen der Familie Schwoffheim zur Leipziger Universität sehr rege 
geblieben. Eine ganze Reihe „Swofflieim de Legenis" begegnen uns in den 
.Anfangen unserer Universitätsmatrikel. Und daß man dies Schriftstück in den 
Leipziger Handschritten aufbewahrte, spricht doch auch für seine literarische 
Zugehörigkeit. Ich bringe es daher im Anhang unter Nr. 4 zum Abdruck. 

Immerhin beachtenswert an dieser Stelle scheint mir auch das deutsche 
Pestregiment für die Frau von Plauen, das ich zuerst in einer Bamberger 
Handschrift aufgefunden habe, dann in einer Breslauer Handschrift wiedertrat 
und endlich auch, ins Niederdeutsche übersetzt, aus einer Handschrift des 
britischen Museums aushob. Freilich ist es durchaus nicht gesagt, daß diese 
Kompilation von einem Leipziger Arzt verfaßt ist. Es gehört immerhin in unseren 
territorialen Bereich, mag also unter Nr. 5 im Anhang mitgeteilt sein, wo ich 
die nötigen kritischen Ouellenanalysen beifüge. 

.Auch über einen Pesttraktat, der mit dem Namen des Professors der 
Artistenfakultät (Mitglied des kleinen Kollegs, 1480 — 1490, t 1490) Joh. Cleyne 
(Kleine) von Lobau im losen Zusammenhange steht (Ms. Lips. 1255 Bl. 197) 
werden wir uns dort kurz aussprechen. 

Wir kommen nun zu einer Arbeit eines Mannes, der in der Leipziger 
medizinischen Fakultät, in der Stadt und in der Stadtverwaltung eine be- 
deutende Rolle gespielt hat, zu einer Schrift des Dr. med. Johann Sprottow 

') Daß es sich um seine Doktorpromolion hier gehandelt habe, wie noch Erler an- 
nimmt, kann ich leider nicht mehr für richtig halten, wenn ich auch das Schriftstück ursprünglich 
um dessentwillcn in meine Arbeit aufnahm. 

■j Vgl. aber die praktisch-medizinischen Schriften Gledenstedes, die in einer vorhergehenden 
Anmerkung nach Konrad Wimpinas Überlieferung genannt sind, vielleicht aber nach Vinzenz 
Schwoffheims Studienzeit verfaßt sind, als Gledenstede die Professur für praktische Medizin innehatte. 

') Wahrscheinlich jedoch Micacle Savonarola, damals Professor von großem Rufe in 
Ferrara (f ca. 1465). 



('. Literarische Betätigung. 

alias Mcurer aus Crossen, Min näheres Eingehen auf ihn und seine Schick- 
sale haben wir uns bis hierher aufgespart. Wir müssen also etwas weiter 
ausholen. 

Er war im Wintersemester 1432 auf die Leipziger Hochschule ge- 
kommen, hatte im Sommer 1434 das Haccalariat, im Winter 1436 das Ma- 
gisterium errungen und ist nach Absolvicrung des Baccalariats der Medizin 
in Leipzig, deren Datum nicht feststeht, und mit Erringung des Doktorhutes im 
Jahre 1447 in die Fakultät der Medizin eingetreten, nachdem er der Artisten- 
fakultät seit 1442 angehört hatte. Er hat also seinen ganzen Studiengang in 
der Stadt an der Pleiße durchgemacht und ist auch zu städtischen Ehrenstellen 
gelangt; 1452 in den Rat gewählt, bekleidete er 1465 das Bürgermeisteramt, 
das er freilich in „schwerer Ungnade" beim Kurfürsten Ernst und Herzog 
Albrecht in ungewöhnlicher Weise wieder niederlegte, indem er vom Gefängnis 
aus darauf verzichtete (7. Februar 1465]'). 

Als Kollegiat des Frauenkollegs wird er kurz nachher '18. Februar 1465) 
mit sechs anderen KoUegiatsgenossen im Namen des 8. Genossen im Kollcgio, 
Presb\-ter Hieronymus Swofheim, vor das Geistliche Gericht nach Merseburg 
von Rom aus zitiert-"). Die zeitliche Koinzidenz dieses Schriftstückes mit der 
Verhaftungsangelegenheit Meurers ist aber wohl nur eine Zufälligkeit. 

Was hatte der unglückliche Mann verbrochen, d.iß seine Landesherren 
ihn in den Kerker hatten werfen lassen? 

Mit seinem früheren Fürsten, dem Herzog und Kurfürsten Friedrich, dem 
Sanftmütigen (1428 — 1464), muß er doch wolil in guten, wenn nicht nahen 
Beziehungen gestanden haben, trotzdem ihm dieser den am gleichen Tage 
mit ihm weiland doktorierten Landessohn Johann Schipnitz von Mittweida 
als Professor der Pathologie begreiflicherweise vorgezogen hatte ^). Von Johann 
Meurer, Doktor der Medizin habe ich nämlich ein Gesundheitsregiment für 
eben diesen Herzog Friedrich im Ms. Lipsions 1584 Bl. i aufgefunden, das 
mir aller Beachtung wert scheint, ob seiner ruhigen Sachlichkeit und Phrasen- 
freiheit. Ich bringe es im Anhang unter Nr. 6 zur Publikation. 

Abgesehen von seiner interessanten Abfassungsweise und den darin 
niedergelegten gesunden ärztlichen Gedanken und Grundsätzen dokumentiert 
nun dies Schriftstück, das jedenfalls seitens des Kurfürsten Friedrich II. erbeten 
worden war, daß Johann Meurer das Vertrauen Friedrichs des Sanftmütigen 
genoß. Sollte gar gerade dieses allerhöchste Vertrauen ihm verderblich ge- 
worden sein. Es scheint wirklich so zu sein. 

Friedrich der Sanftmütige ist am 7. September 1464 gelegentlich eines 
Aufenthaltes in Leipzig, anscheinend ziemlich plötzlich, erst 54 Jahre alt, ge- 
storben; alle weiteren Nachrichten über diesen immerhin etwas frühen Tod fehlen 
bis heute, aber höchstwahrscheinlich ist Kurfürst Friedrich IL, wie aus dem 
Gesundheitsregimen hervorgeht, von dem Arzte seines \'ertrauens, vom Bürger- 

•) Posern-Klett, Urkundenbuch der Stadt Leipzig. I. Band. Leipzig 1868. Nr. 386 S. 318. 
•) Stübel, Urkundenbuch der Stadt Leipzig 1879 S. 147 Nr. 127. 
•) Vgl. oben S. 62 und zu Meurer überhaupt S. i" Anm. 5. 



Dr. Joh. Meurers Gesundhcitsregiment und Schicksale. 



meister Dr. med. Johann Meurer in dieser Krankheit behandelt worden. Hat 
sein schneller Tod der Witwe, der Schwester des Kaisers, die den Gatten noch 
22 Jahre überlebte, und den Söhnen den treuen .Arzt plötzlich verdächtig erscheinen 
lassen? Haben die Söhne ein hochnotpeinliches V^erfahren gegen ihn eröffnet 
und ihn in den Kerker werfen lassen? Ich bringe die beiden einzig zu diesem 
Falle mir bekannt gewordenen Aktenstücke aus dem Hauptstaatsarchiv in 
Dresden in der Anmerkung im vollen Wortlaut zum Abdruck. ') Sie scheinen 
mir kaum eine andere Auslegung zuzulassen, zumal in den Akten der Stadt 
Leipzig von der ganzen Sache kein Wort zu finden ist, was doch recht unwahr- 
scheinlich wäre für den Fall, daß es sich um eine Verfehlung Meurers in seinem 
Bürgermeisteramt handeln sollte. Der Schatten der Frankenkönigin Austrigildis 
schwebte eben noch lange über der Ärzteschaft. Bedroht er nicht manchmal 
auch heute noch pflichtgetreue Männer? — Neben der etwa 5 Monate langen 
Kerkerhaft war die Geldstrafe von 600 Gulden jedenfalls recht hoch bemessen. 
Wir verlieren denn auch mit dem Jahre 1465 jede Spur von Dr. Johann 
Meurer in Leipzig; er hat die Meißnischen Lande wohl bestimmt verlassen. 
Wenn ihn eine Quelle nicht nur versehentlich mit dem Breslauer Domkapitel 
in Verbindung bringt, so mag sie uns seinen späteren Aufenthaltsort dadurch 
überliefert haben. Doch das bedarf noch weiterer Untersuchung. 



') Kgl. Sachs. Ilauptstaatsarchiv. Original-Urkunde Nr. 7849: 

Ich doclor Johannes Meurer bekenne vor mich und myn erben, daz ich den erluchtyn hoch- 
gebomen furßten und hern hern Ernßte kurfurßte und hern Albrecht, herczogen zu Sachsen Lant- 
graven zu Dorj'ngen und margraven zu Missen, myn gnedigen libyn hern schuldig byn 600 gülden 
ader also vil müntcze, dy zu beczalen nemlich off den necstyn Ostermarg 300 gülden und off den 
necstyn michelsmarg och 300. Daz zu merem bekentnuß habe ich dißen briff mit myner hanth ge- 
schrebn und mit mym sigl vorsigelt. Gebyn der mynner czal ym 65 jare am donerßtage nach 
Dorothee. (Z. S.} 

König]. Sachs. Hauptstaatsarchiv. Orig.-Urk. Nr. 7850: 

Ich Johanß Meurer Docttor bekenne in dißem ofen brife vor mich meyne Erbin und erp- 
nemen und thu kunt allermenniclich die yn sehin adir horren leßen, nachdem also ich in der er- 
leuchtten unde hochgebornen fursten unde hern hern Ernsten kurfursten etc. und hern Albrechtten 
gebrudern herczogen zcu Sachssen lantgraff in Doringen und marggraff zcu Meißen meyner gnedigen 
libin hern swerre Ungnade gefallin und in irre straffung zcu gefencknis komen was das sich irre 
gnadin gein mir in dem gncdiclichin bewißet und mich von yn in gnadin unde gunst habin komen 
laßen unde der gefencknis ledig unde loß gegebin habin, deslialbin obergebe unde vorkiße ich hir- 
mitte das borger meister ampt und den rat stui zcu Lipczk in yrrer gnadin stad, gerede unde globe 
dar obir for mich, meyne erbin unde erpnemen mit fryhem wol bedachtten mutte ungenottigit unde 
unbecwungin ouch anne unrechlte gewalt und anne hinderniß, dar zcu ich gecwungen adir ge- 
drimgen wer, bey meyner gutten warten truwcn unde ouch bey meynem eyde, den ich hirzcu sunder- 
lich getan hab also hir nach berurt wirdit, das ich solchs was gein mir des gefenckniß unde anders 
halbin vor genomen ist, wedir dy genanten meyne gnedigen hern, irre erbin unde erpnemen nymer 
mehir zcu ewigin gecz tten in arg nicht gedencken nach gewcnnen mich des ouch widir yrre gnade 
irre gnadin rette, manne, ampt lutte, dynnere, burgir, gebuwir unde gemeynlich an nymandis der 
yrn, welchs weßens unde stanczs dy sint adir zcukunfftig werdin mit wortten adir werkin, heimlich 
adir offenbar durch mich adir eynen andern zcu richts adir seit halbin nach durch keynen er 
tichtten adir erdachttin anslag nicht rechin nach ouch in recht ap das durch eincherley weg gesehen 
mochtte von gemeynen rechtt ader durch sunderliche erwerbunge gnade halbin von der romischen 
kirche ader von dem heyligen rieh dar widir nymer thun wil, zcu was stant ich ymer komen mocht, 



j^, fi Litcrarisclic Detiitipinf;. 



War der geistige Zusainmonhang der oben (S. 103) erwähnten Pest- 
schriften mit der Leipziger Hochschule jedenfalls unbeweisbar, vielleicht sogar 
etwas zweifelhaft, so scheint mir eine andere Leipziger Handschrift aus dem 
1 5. Jahrhundert doch Leipziger gelehrte medizinische Arbeit um so deutlicher 
uns darzureichen. 

Ein Quartant von etwa 250 Blattern, der im Jahre 1543 mit den gesamten 
Schätzen der Klosterbibliothek in Altenzelle (Altzelie bei Xossen) zu den Bücher- 
beständen der Universität Leipzig kam'), heute Nr. 1227, zeigt an 6. Stelle 
eine zusammengehörige Eintragung einer sauberen Hand aus der Mitte etwa der 
zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts auf 45 (gesondert) numerierten Blättern. 
Auch hier ist die Vorliebe zur Beschäftigung mit der Pest deutlich zu erkennen. 
Nach einigen therapeutischen Notizen für Kopfleiden auf dem ersten Blatte 
eröffnet eine kleine Abhandlung „De niedicinis praeservativis tempore 
pestilentiae'' Bl. 2' — 6' die Sammlung. Es folgt ein zweites kleines Pest- 
regimen, Bl. ö' — y, anscheinend von Matteo (Marco?) Giovanni da Siena 
und endlich Bl. 43^ — 45'' ein Schriftstück, das abermals in erster Linie an einen 
Sachsenherzog sich wendet, ein „Regimen ordinatum pro duce Saxoniae" 
wie wir gleich sehen werden. Am Ende des zweiten der genannten Pesttraktate 

wil ouch nicht vorhengen schicken ader zcu statten eynem andern dar wider zcu thun unde was 
hir widir geschege machtloß unde unbestendig habin unde bescheidin unde obir das allis sal nach 
wil ich widir yrrc gnade irre rette, manne, burgir unde stette in sampt ader bsundern nach ny- 
mandis der ym nymer gethun mit ratte, wortten ader wercken. Ich sal unde wil mich ouch der 
regyrunge der stat Lipczk durch keynen weg nymermer an czihin, was aldo geschit, rattis halbin 
nicht beredin nach darwidir thun, deshalbin ouch kein gespreche habin, nach samenunge machin, 
nach ouch bsy keyner samenunge sein ap dy gemacht wurde, darzcu nicht ratten nach lielfTen durch 
mich adir eyn andern heimlich adir offenbar ouch umme sulchs, was an mir gesehen ist mit ny- 
mandis redin zcu keynner zeit, es sey korcz adir langk nach keinen handil habin, welchs weßens 
der werre, furste, graffe, hcrre, rytter, knecht, burgir ader buwir, frund adir fremde unde das ny- 
mandis sundirlich vordencken eynnen vor den andern. Wurde ich mich abir an der arttickel 
cynnem ader mehir vorgeßen unde darwider thun welchn der werre der groste ader der kleynste 
were es an rette, hern, manne, borger, knechte ader dyner ader sunst ymandis der ym, es geschege 
mit wortten vehil ader wenig heymlich ader offenbar ader mit werken ader mit zceichin öffentlich 
adir bcdackt, wie das zcu queme, so sal unde wil ich meynen cgenantten gnedigen hern unde yrrer 
gnadin erbin vorfallin sein libis unde guttes, da mitte denne yrre gnade zcu thune sollin habin nach 
yrrem fryhin willin unde wolgefallin anne geferde, wil mich ouch damitte rechtloß, erloß, libeloß 
unde guttcloß wirdigk gewirkt habin, wu ich darwidir thun wurde, und solliche arttickel obin 
berurt alle semptlich unde iclich besundern stette zcu haldin, habe ich eynen eyd zcu gotte liplichin 
uf den herzligin gesworn mit bedachtem fryhem mutte ungenottigit unde ungecwungin, das ich 
ouch also zcu haldin gelobe mit nnd in craft dißes briffes zcu bekenttcniß unde mehir Sicherheit 
habe ich meyn ingesigil williglich hir an discn briff thun hengen , der gegebin ist nach kristus 
gebort tuDint fir hundert unde darnach in dem fünf unde sechzcigistin jarre am Dornstage nach 
Dorethea. (^. S.) 

') „Ad Bibliothecam publicam [anderwärts auch „communis" genannt] Anno salutis l^oS" 
heißt es am Fuße des ersten beschriebenen Blattes; damals war die Handschrift also ins Cistercienser- 
kloster in Altzelle gekommen, aus dem Besitze des Arztes in Freiberg Nicolaus Münzemeister. 
Am Ende ist ein „Regimen pestis cuiusdam doctoris in N-ulgari" leider herausgerissen, das 1 506 noch 
vorhanden war als der Band in die Klosterbibliothek zu Altzelle kam , wie das gleichzeitig an- 
gefertigte Register auf der Innenseite des Vordcrdeckels erkennen läßt. 



Leipziger Pesttraktate. 107 



finden wir aber auch die Lösung für die uns aufsteigende Frage nach dem 
Grunde der fleißigen Beschäftigung unseres Leipziger (ärzthchen) Schreibers mit 
der Pest, der sich dabei auch gleichzeitig als Leipziger Gelehrter dokumentiert. 
Er schreibt Bl. 6'": 

Et haec ad laudem dei benedicti sint dicta et ad utilitatem oranium homi- 
nuni et singulariter habitantium in civitate Senensi pro quorum praeser- 
vatione a peste Ego Marcus (?) Johannes, eiusdein civitatis alumpnus Ao 1374 
in inense Junij hunc tractatum composui annis viginti ') autem post hoc Anno 
1463 horrendissima pestis quasi per totum orbem terrarum ita quod in 
multis locis et terris vix tertia pars hominum remansit, quae in multis locis 
ad duos quasi stetit menses continuos et adintravit (?) post hoc anno 1474 
in partibus Misniae, primo in Friberga etc. 

Haec sunt scripta in lypczigk tempore epidemiae Anno 1478 
Mense Septembri, ubi haec pestis aliqualiter incipiebat, per 
T. W. d. b. 

Wir erfahren hier also recht viel Interessantes auf einmal, daß 1474 die 
Pest im Meißnischen wütete und in Freiberg, dem damals recht lebhaften Berg- 
städtlein, anhub, nachdem erst 1463 eine universelle Pest mehr als die Hälfte 
der Lebenden dahingerafft hatte. Wir erhalten ferner die Kunde, daß 1474 
in Leipzig im September eine neue Epidemie ausbrach, die den Schreiber eben 
dazu führte, sich Pestpräservativa und Pestkurativa zusammenzuschreiben. 
Er fiigt denn auch zwei Fragmente verwandten Inhaltes direkt noch an (Bl. 8'' 
bis lO'): „Capitulum octavum de curatione febrium videlicet de curatione febrium 
pestilentialium cum auxilio dei omnipotentis, in quorum curationibus primo con- 
siderandum est . . .'' über Aderlaß, Behandlung der Pestbeulen durch Ruptoria 
und gleichzeitige Purgation mit Helleborus usw. . . ,.Haec omnia habita sunt 
et confirmata a domino Philippe de Elentomo (?; cardinali quae quae <„non" von 
anderer Hand beigesetzt) credimus esse fabulatoria" heißt es am Schlüsse des 
ersten Fragmentes. Das zweite bringt zum Teil parallele Anweisungen, die 
mit den W'orten schließen: „Bonus est ergo modus quo quis in tempore pesti- 
lentiae se custodire debet etc." 

An anderer Stelle dieser Handschrift, kurz bevor seine eigene Zählung der 
Blätter beginnt, Bl. I52''— 163 [eig. 164]', hat der nämliche Schreiber eine längere 
Abhandlung über Regelung der Lebensweise in Pestzeiten zusammengeschrieben, 
später „Regimen pestilentiae" betitelt. Am Ende derselben, S. 192'', heißt 
es folgendermaßen: . . . ,,Et sie quam plures astripotentis ope pestiferam cladem 
subterfugere queunt. Haec itaque e majorum antiquorum et modernorum me- 
dicorum sententijs, ut memorativae cellulae ocius imprimantur, de hac omni 
aegritudine perniciosiore pestilentia brevissime lypczigk sunt cursorie rapta 
decima Kalendas septembris Anno domini M^ccccOlxxiiij'" :I474] pro quibus 
Sit benedictus qui phebo radios aministrabat et cornua lunae." 

Eine andere, wenig spätere Hand hat dann noch beigesetzt: „Collectum 
Anno quo supra et publicatum est praesens consilium a Magistro nicolao 



') Die Lesung dieser beiden Worte ist sehr unsicher. 



, ,^ I'. Literarische Bettügung. 

luonctarij c diversorum autorum dictis autenticis curiose elaboratum". Nicolaus 
Miinzemeyster (Monetarii) aus Dresden war im Winter 1459 in Leipzig in- 
skribiert, im Winter 1465 zum Haccalar und im W'inter 1469 zum Magister 
promoviert worden. Er scheint dann außerhalb Medizin studiert und schnell 
dies Studium absolviert zu haben. Als Arzt war er spater in der alten Berg- 
stadt Freiberg ansässig und besaß eine hübsche Bibliothek, die nach seinem 
Tode dem Kloster Altenzelle zufiel und mit dieser Klosterbibliothek spater nach 
Leipzig kam. Wenn Ludwig Schmidt im ersten Hefte seiner „Beiträge zur 
Geschichte der wissenschaftlichen Studien in sächsischen Klöstern", Dresden 
1897 S. 32, Anm. 102 berichtet, daß er im Dresdener Kataloge unter L. 35 
als Verfasser eines Regimen pestilenciale genannt wird, das jetzt wohl nicht 
mehr vorhanden sei, so kann ich zwar den angegebenen Verweis im gedruckten 
Katalog der Dresdener Handschriften nicht finden, aber die verloren geglaubte 
Schrift ist wohl zweifellos die hier von mir eben genannte. Da keine nähere 
medizinische Beziehung des Monetarius zu Leipzig ersichtlich ist, er vielmehr 
seine Studien in Padua absolviert zu haben scheint ^), gehe ich diesmal auf das 
Pestregimen nicht näher ein. es ist wohl im wesentlichen italischer Trovenienz, 
auch scheint mir die Verfasserschaft Münzemeisters nicht über alle Zweifel 
erhaben. Nähere Untersuchung ein andermall — Der Schreiber hat aber 
oft'enbar zu dem Freiberger Arzte Beziehungen gehabt; von ihm hat er wohl 
auch die oben gegebene Nachricht über den Ausbruch der Pest in Freiberg 
1474 erhalten, die den Freiberger Praktiker vielleicht auch dazu geführt haben 
könnte, sein Pestmanual zusammenzuschreiben. 

Damit ist wohl das Interesse an der Pestfrage für unseren zweifellos ärzt- 
lichen Schreiber erschöpft. Er hat uns aber ein anderes Schriftstück durch 
Abschrift aufbewahrt, was der Zeitsitte des Gesundheitsregimens für einen hohen 
Herrn eine neue Nuance zu geben scheint, seine Vorläufer aber schon in der 
Antike besitzt. Er teilt nämlich auf Bl. 43'' — 45^^ [207'' — 209'' des ganzen Hand- 
schriftenbandes] Verhaltungsmaßregeln auf der Reise mit, welche für einen 
Sachsenherzog ausgearbeitet sein sollen, der eine Reise nach Ungarn unter- 
nahm. Recht wohl möglich, daß einer der Leipziger Professoren, die ja viel- 
fach im Nebenamte Leibärzte ihrer Fürsten waren — wir werden weiter unten 
einen Fall dieser Art kennen lernen, der eine gewisse literarische Berühmtheit 
erlangt hat — mit der \'erabfassung eines solchen Schriftstückes beauftragt 
worden war. Wir verweisen auf diese klugen Reiseregeln eines Unbekannten 
in den Anhang (vgl. Nr. 7 S. 205 — 208). 

') Dort hat er die kostbaren Inkunabeln erworben, die heute noch die Leipziger Universitäts- 
bibliotbek von ihm (durch den Umweg über .iVltenzelle vgl. Ludwig Schmidt an eben angeführtem 
Ort, S. 32 u 33) besitzt, großenteils mit seinem Wappen, einem blauen Halbmond auf weiß-rotem, 
senkrecht geteilten Schilde: Die Consilia des Bartolomeo Montagnana, die Avicenna- 
Kommentare des Jakob von Forli, Hugo von Siena, des Gcntile da I-'olignc (Päd. 1477), 
die „recoUecta de urinis'- des Antonio Cerraisone, und den Kommentar des schon genannten 
Jakob von Forli über das „tegni" des Galen, herausgegeben von Petrus Rochobonella, Ordi- 
narius der Theoretischen Medizin in Padua, alles gewaltige Folianten in splendiden italienischen 
Drucken eines Laur. Canozius, Joh. Maufer, Joh. Herbort in Padua und anderer. 



Dr. Nie. Münzemeister in Freiberg und Leipziger Praxis-Notizen. 109 

Dieselbe Hand die diese gesundheitsgemäßen Reiseregeln für den Herzog 
von Sachsen abgeschrieben hat, fügte auf vielen ungezählten Blättern einen 
Galenischen Traktat „de mala complexione'-, Purgier- Vorschriften und ähnliches 
bei, was wir hier übergehen können. Weit interessanter scheint mir aber eine 
Reihe kleiner Consilia und anderer praktischer Notizen (oder sollen wir sagen 
Notizen aus der Pra.xis) zu sein, die unser Schreiber auf IM. lO — 41 zusammen- 
geschrieben hat. 

Er beginnt auf BI. lo' mit einem ,,Consilium in dolore rcnum ex calculo" 
das sich an ein „Dilectum Johannem*' wendet') und genaue Anweisung über 
Bäder, Diät und reichlich zugemessene arzneiliche Heilmittel (z. B. ein Pulvis 
Eugenii und ein anderes Magistri Engelberti) empfiehlt bzw. zusammenstellt. 
Ein „Regimen Calculosorum"-) am Ende macht sehr detaillierte Vorschriften. Es 
folgt Bl. 18*, ein Abschnitt „De dolore intestinorum et renum"^), Bl. 19^ De <[H)y- 
dropisi asclite. Pro quadam muliere quae habuit ydropisim, ut apparuit asclitem 
pia.xime e.x retentione menstruosorum et causa frigida esse apparuerit. Erat 
maxima cum dolore utriusque lateris, pro quo primo memoratum hoc ordi- 
navi .... habebat sedes quindecim et multa copia aquositatis est educta. 

Bl. 21''. Cura asclitis, quando est sine febre . . . 

Bl. 21^". Item Wilhelmus curatus quidem cum ipsis trociscis . . . 

Bl. 23^. De humiditate matricis et impedimento conceptionis. Pro uxore 
Nicolai Biborgers, quae non poterat concipere propter humiditatem 
matricis et frigiditatem et non retinuit sperma virile nisi per modicam 
moram et illud apparuit esse propter humiditatem . . . 

Bl. 26'''. De retentione menstruorum. 

Pro quadam domina de Wittenberg habente retentionem menstruorum 
e.x causa frigida et ratione sanguinis ut apparet grossi et viscosi, et 
causa haec sterilitatis erat ratione levitatis et lubricositatis matricis . . . 

Bl. 29''. Pro menstruo provocando primo habeantur pilulae . . . 

Pro sorore domini abatis de Buch in Grimmis habente fluxum men- 
struorum alborum, et cum habuit fluxum ventris humoralem et apparuit 
ibidem quodammodo materia colerica. De flu.xu menstruorum al- 
borum . . . 

Bl. 30^'. De fluxu mentruorum albo. 

Pro muliere domina gernoldyni habente flu.xum menstruorum non ru- 
beorum sive alborum . . . 



•) „Dilectissime Johannes ut intelligo satis frequenter molestamini dolore renum et pectoris 
(pectinis?) ex viiio lapidis generali ex humoribus grossis et viscosis . , ." (Johannes Grossmann?) 

') „Honorabilis domine licet ad sanitatem cuislibet membri et totius corporis unum intendatur 
rcgimen mihi conscribendum . . ." 

■') Pro muliere quadam habente dolorem <[in)>intestimis et in reuibus et in dorso ratione cal- 
cuU renum qui exivit et habuit maliciam appetitus et cordis debilitatem. 



(>. Literarische BeUügung. 



lU. 31'. De i cn.isiuone. 

Pro sororc Magistri Johannis Grossmaii, morantelm] adliuc in Gera habctite 
tenasnionem cum fxpulsione saniei et iirinae dilticultatc cum duritio 
epatis et cum stomachi detectione . . . 

W. 32'. Pro domina in Krybcnsteinio habente molam matricis et 
spasmum seu tortionem in coUo cum debilitate stomachi. 

Bl. 35'. Pro uxore Lobedans in Mitteweyda habente spasmum humidum 
in manibus, sub genu et in pedibus per totum, nee potuit ambulare 
in quatuordecim septimanis, deficit autem appetitu penitus et habuit ex 
urina flegmatis multitudinem, bibit multum, comedit parum. 

Bl. 35". Pro quodam pro apostemata flcgmatico stomachi et duricie 
splenis. 

Bl. 36'. Pro domina de Gera in domo Henrici Slantitz junioris habente 
stomachum debilem cum dolore ventris post convalescentiam et cum 
restrictione menstrui. 

Bl. 36^ Pro Jacobo de Gubin habente mclancholiam . . . 

Bl. 38'. 14 18 [1478?] 

Pro domino meo generoso domino wilhelmici [:] pro praesenti iudicavi 
catarrhum frigidum, ratione cuius venit tussis maxime tempore nocturno 
et cum ttissi quandocunque venit sputum sanguinis et quandocunque 
saniei. Nota hie cerebrum frigidum catarrhos causat grossos, materia 
per tussim educta causat viscosa, tussis satis longo tempore duraverat 

Bl. 40'. Pro Gunthero piscatore domino qui exsiccatus fuit sie, quod 
ner\'os non poterat movere nee sensum nee motum in partibus ex- 
tremalibus habuit, licet virtus vitalis et naturalis salvae apparebant, 
circa quod morietur. 

ib. Pro magistro civium de lütczen habente tussim ex humiditate pulmonis 
vel saltem propter humorem grossum frigidum retentum in i)ulmone 
vel in canna [r] eius et habuit dolorem circa dyafracma . . . 

Bl. 40'^. Pro illo gallico de ordine sancti anthoni in domo vocatis civitatis [?] 
habente maximum dolorem dextri oculi cum rubedine, insompneitate, 
sicut apposui albumen ovi cum stuppa et est repercussivum. Secundum 
est lac mulieris ab ubere sumptum et scias quod lac abstergit ratione 
serositatis, immo in omni tempore competit . . . 

Das waren die Krankheitsfälle, an welche unsere Handschrift ihre vor- 
wiegend pharmakologischen, manchmal auch diätetischen Anweisungen anknüpft. 
.■\b und zu ist wohl auch ein kurzer pathologischer E.xkurs eingeschoben, z. B. 
bei Mole und Melancholia, aber es ist eigentlich doch alles therapeutisch und 
oft sind kurze Heil?nzeigen in großer Menge derart bunt aneinandergereiht, 
daß man sieht, wie der Einzelfall dem Verfasser völlig aus den Augen schwand 
und er nur die praktischen Heilmittel und Heilformeln häuft. Doch sind diese 
durchaus nicht immer Pulver, Pillen, Tränke, Elektuarien, Trochisci oder Der- 



Aufzeiclinuagen aus der Praxis eines Leipziger Arzles. 



artiges, es werden auch Pflaster und andere äußerlichen Arzneiformen verwendet 
uml Bäder verschiedener Form in größerer Zahl, Klystiere, Suppositorien, 
Schcideneinlagen usw., kurz die ganze Lokaltherapie wird mit herangezogen. 
Seltener sind diätetische Anweisungen, aber auch diese kommen vor, selbst iiber 
die Regelung der Kohabitation bei Sterilität (Bl. 29'') usw. Auch der Autorenkrani 
ist im Zeitstile natürlich nicht vergessen, Avicenna, Rhazes, Gordonius marschieren 
auf, besonders häufig der „Wilhelmus", vermutlich de Saliceto (in seiner 
„Summa conservationis"). Aber auch eigene Erfahrungen läßt dieser Leipziger 
Arzt zu Worte kommen, denn um einen solchen handelt es sich bestimmt, das 
ergibt schon die Herkunft seiner Krankheitsfalle. „Ego expertus sum", „nos experti 
sumus" kehrt immer wieder. Auch volkstümliche Erfahrungen laufen mit unter 
und manch abergläubisches Mittel, deren ich nur eines beispielsweise anführen 
will, das Krötenmittel (Bl. 22^ bei Wassersucht: „Item experientia mirabilis, 
toUatur bufo silvestris quae in nemoribus invenitur et scindatur totus per 
ventrem et super renes ligetur. Educit enim mirabiliter aquositates per vias 
urinae et cum non vulnus [volueris?] aliomodo educere ijxsum admonitionibus, 
et hoc ego multotiens sum expertus. 

Solche „experimenta" spielten damals allenthalben bei den Ärzten eine 
große Rolle. Ob man daraus, daß der Verfasser Bl. 27"' von einem Mittel spricht, 
das die „Mulieres Montispelienses habeant pro experto", d. h. bei Stockungen 
der Menses gebrauchen, schließen darf, daß der Konsilienschreiber in Mont- 
pellier studiert hat, scheint mir höchst zweifelhaft; vielleicht handelt es sich 
dabei nur um eine Lesefrucht. 

Stehen diese Aufzeichnungen aus der Praxis und für die Praxis auch 
nicht gerade unbedingt auf der Höhe der ersten Konsilienschreiber des 
15. Jahrhunderts, so sind sie doch auch bestimmt nicht erheblich unter dem 
mittleren Niveau ihrer Zeit. Der Verfasser derselben läßt sich vielleicht noch mit 
Hilfe der Anfangsbuchstaben T. W. d. B. feststellen; er hatte zweifellos in den 
siebziger Jahren des 15. Jahrhunderts eine ausgedehnte Praxis in Leipzig und 
Umgegend. An „Wenzel von Budweis" zu denken, der ja auch direkt ärzt- 
liche Funktionen ausübte, ist nicht angängig; dessen ärztliche Tätigkeit fallt 
jedenfalls später und nicht eigentlich ins Weichbild von Leipzig. Auch hätte 
sie wohl dem „iatromathematischen" Standpunkt des Astrologen mehr Rech- 
nung getragen. Auch „Caspar Molitoris de Brunsberg" fällt bestimmt in 
spätere Zeit. Einem Manne seines Schlages möchte ich am liebsten die Auf- 
zeichnungen zuschreiben, einem weitgekannten Praktiker, der zu der Univer- 
sität nur in loserem Zusammenhang stand. Kaspar v. Braunsberg hat ja auch 
Lehrfunktionen im Nebenamte ausgeübt. In der Fakultät, d. h. dem Leipziger 
Arztekollegium weiß ich einstweilen keinen mit solchen Anfangsbuchstaben 
nachzuweisen, und es ist ja auch durchaus nicht ausgemacht, daß der Schreiber 
dieser Notizen T. W. d. B. mit dem Manne identisch ist, der ursprünglich zu- 
sammengeschrieben hat. Nikolaus Münzmeister aus Dresden, der in Freiberg 
praktizierte, hat mit der Abfassung dieser kasuistisch konsultativen Bemerkungen 
direkt nichts zu tun, wenn sein Name auch genannt wird und Beziehungen 
zwischen ihm und dem Schreiber oder dem Abschreiber bestanden. 



6. Litrruische Uelütigun);. 

V.l. >..i,..,-.>cn hier vorerst die Mitteilungen über unsere Findlinge zur 
meiOnisclien Medizingeschichte aus Leipziger Handschriften. Zum Schhisse 
dieses Abschnittes werden wir noch einmal darauf zurückkommen, ohne uns 
der Vorstellung hinzugeben, daß auf diesem Quellengebiete nun schon alles 
ausgeschöpft wäre. Im Gegenteil, bei fortgesetztem systematischen Durcharbeiten 
unserer Leipziger Handschriftenbestande hotl'en wir noch manchen l^eitrag zur 
medizinischen Gelehrtengeschichte in dem Lande der Wettiner erheben zu 
können. Für diesmal macht das bedenklich in die Nahe gerückte Universitäts- 
jubilaum diesen Studien ein Ende. Überschauen wir das vorläufige Ergebnis 
unserer Ährenlese, so scheint mir das Medizinische, was bis heute vorliegt, 
einen gesunden praktischen Sinn tur die Bedürfnisse des wirklichen Lebens als 
Kennzeichen dieser frühesten Leipziger Arzte hervortreten zu lassen. 

Doch auch im Drucke ist manches autbewahrt aus der literarischen Be- 
tätigung von l,eipziger Ärzten und Dozenten, das wir nun im Zusammenhang 
einer kurzen prüfenden Beleuchtung unterziehen wollen. 



L)ie späten bescheidenen Anfänge einer ernsthaften Beschäftigung mit 
menschHcher Anatomie wurden von berufenster Hand gleichzeitig in diesen 
Studien dargelegt'). Aber auch im vorliegenden Zusammenhange müssen wir 
auf eine Reihe von Publikationen eingehen, die sich literarisch mit Anatomie 
befassen, ohne ein Studium an der Leiche damit zu verbinden. Es sind Mit- 
glieder anderer Fakultäten, die dem Mediziner dieses Thema abnehmen. 

Im Jahre 1499 gab Johann Pej-ligk, der Sohn des Bürgermeisters von 
Zeitz-") Bartholomäus Peyligk, geb. 1474 daselbst und zu Leipzig im Jahre 
1522 gestorben, seit 1506 Professor der Rechte an der Universität, bei Melchior 
Lotter in Leipzig einen stattlichen Folianten heraus''), ein rein scholastisches 
„piiilofopljio ilaturatif Conipcnöiuni", dessen Titelblatt wir auf Tafel \ I (obere 
Hälfte) reproduzieren lassen. Für vorliegende Zwecke ist einzig der letzte 
Bogen dieses Werkes von Wichtigkeit; das ganze Übrige ist pure Thomistik, 
wie denn der Verfasser im Vorwort an die „Studiosi philosophiae scholares" 
ausdrücklich den „beatus Thomas, doctor angelicus" und den „Egidius Rho- 
manus", also Thomas von Aquino (1225 — 1274) und seinen namhaften 
Schüler, des „doctor fundatissimus" Aegydius von Colonna aus Rom 



') Heft 7 dieser Studien: Rabl, Gesch. der Anatomie a. d. Univ. Leipzig. — Vielleicht haben 
wir in einer Äußerung Pollichs von Meilerstadt in seiner letzten Streitschrift gegen Simon 
Pistoris, der „Responsio" von 1501 (Fuchs S. 264), einen Hinweis, daß gewissenhafte Dozenten 
im Anschluß an die theoretischen Vorlesungen doch klarere anatomische Vorstellungen durch Leichen- 
deraonstrationen besonderer Art ersatzweise zu geben versuchten, ilurch Situsdemonstrationen an 
Tierleichcn — zweifellos besser als das bloße Wort. Pollich schreibt: ,,Ouinimo pars medicinae 
haud minima, ut anatomia, agit plerumque circa bruta; Galenus namque et gallum et murionem 
suos incidit, et quidam celebres in medicina porcorum incisionem descripserunt". 

Er weist damit deutlich auf die Salcrnitanische Schweineanatomie als anfänglichen Ersatz der 
Menschenleichenzergliederung hin, die in der Anatomia Cophonis, die auch „Anatomie porci" ge- 
nannt wird, ihre literarische Verewigung fand. Malitiös fahrt Pollich dann fort: ,,Accepi a fide 
dignis, te, quo a scholaribus lardi portionem pinguiorem obtineres, scropham aliquando incidisse." 
Liegt auch schmähende Herabsetzung, die in den Worten liegen soll, offen zu Tage, so scheint 
mir nicht minder klar daraus hervorzugehen, daß Simon Pistoris, den Pollich hier anredet, zu 
Zeiten an einem Mutterschwein seinen Schülern Anatomie demonstrierte, was wir dem wackeren 
Manne in den traurigen Universitätsverhältnissen seiner Zeit in Leipzig zum Lobe anrechen wollen. 

-) Daher auch Cizensis oder in lateinischer Übersetzung „Mammillinus" genannt. 

') 16 Bogen in Ternionen, nur der letzte ein Quarternio, also ()8 Bll., deren letztes un- 
bedruckt. An den Texlschluß anschließend auf der vorletzten Seite, (S;', die Drucknotiz: 
„ . . 3i"Pffu5 <^l> opus iftub in iui'ijini oppii>o £ipQrnft opc* || ra 2 foU'rtia IlTcldiiar £otter ^(itno 
falutifcri- iiicariiatöis ZTiil' 1| lefimo i|uab:iii3ciitcfimonoiio3criinoiioilo p;ii>ic ibus ffpicbiis." 

Studien zur Geschichte der Medizin. VIU. S 



1 . 0. Lilcrarisclie Bctitigung. 

(I2^7_t3i6i, als seine Lehrer und Leitsterne in der Philosophie hervor- 
hebt, als „in hoc opere sintjulariter inutandos obser\'andosque". OlTenbar 
fühlte der Ncuaufgenonimene des Consilii tacultatis artium ' das Bedürfnis, auch 
neben seinen seit 1490 obligaten Lehr\'ort ragen vor den Studenten seine ge- 
lehrte Erudition durch ein umfängliches Werk darzutun. 

Die letzten 12 bedruckten Seiten enthalten eine „Anathoniia totiiis 
corporis humani luorumque artium principalium", wie das SchluLiwort 
besagt, was in der Überschrift, die wir gleichfalls auf Tafel VI (untere Hälfte) 
reproduzieren, als „Compendiosa capitis i)hysici declaratio" oder als 
kurze Erklärung der Lehre vom natürlichen Bau des Menschenkörpers be- 
zeichnet wird. 

Der Text dieses Abrisses von Bau und Funktion der Organe in den 
drei Körperhöhlen, der membra naturalia im Bauche, der membra spiritualia 
in der Brusthöhle und der membra animalia des Hauptes unter vollständiger 
Umgehung der ICxtremitäten berührt sich in Vielem mit der Anatomie des 
Mundinus, ist aber wesentlich kürzer gehalten. Als Autoritäten sind Aristo- 
teles. Avicenna und Constantinus Africanus genannt. 

Trotz seiner großen Dürftigkeit hat dieser anatomisch-physiologische 
Anhang Peyligks zu seinem „Compendium philosophiae naturalis-j" ofienbar 
viel Anklang gefunden. Das dokumentiert sich in der raschen Nachfolge, die 
er fand, und auch darin, daß er gesondert wiederholt aufgelegt, wurde. 
Choulant und Haller sprechen wenigsten? von mehreren Neudrucken'); ich 
selbst habe nur einen zu Gesicht bekommen, den vom Jahre 1516. Es sind 
dies 8 Folioblätter, signiert 2lij bis 2Iiiij, ohne den Namen des N'erfassers aus- 
gegangen unter folgendem Titel [*Hnin 1201]: 

(Tomvcnöiofa Capitis vl?i)i'-'i öcclavatio: 

v:in:ipalifi Innnani f02po2t5 mcmho 

rü ficjuras liquiöo oftcnöcns : phi 

lofopbic ahnnnis a6nio6um 

p.'ofuturd. 

(Epigrainnia ab fpc:tatorö 

Qui fint Ininunii ufm. 



') Immatrikuliert war er im Winter 1484, Baccalar der Artes im Sommer i486, Magister 
im W^nter 1490, in das Konsilium der Artistenfakullät aufgenommen 1497 und Rektor im selben 
Jahre. Im Sommer 1500 wurde er dann auch mit der Ehre des Dekanates der facultas artium 
bekleidet. 

') Offenbar sind unter diesem „Philosophiae naturalis Compendium" auch die „Institutiones 
in Philosophiam naturalem frugiferae" zu verstehen, die Konrad Wimpina in seiner ,,Centuria" 
(j.Scriptorum Insignium, qui in celeberrimis pracscrtim Lipsicnsi, Wittenbergensi, Francofurdiana ad 
Viadnim academiis a fundatione ipsarum usquc ad annum Christi MDXV floruerunt, centuria") S. 61 
der Theodor Mcrzdorfschen Ausgabe, Leipzig, 1839, 8°. 

•) Lips. 1510, IS'5, 1516 und 1518. Stockton Hough in seiner Bibliographia Medica 
TreotoD, New Jersey 1890 schreibt auch noch von Ausgaben der Jahre 1503 und 1509, scheint 
aber spitcre Ausgaben nicht gesehen zu haben, denn er hält die Abbildungen aller Ausgaben für 
identisch, was nicht stimmt. 



Joh. Pcyligks anatomisches Compendium. 1 1 c 

Aul" 151. 21,' die Schlußnotiz: 

• 'iü^'^lK' iiiHwffit riiolrVsaii^sii? moiKU"cu)ii. lölo. 

Fast mehr noch als dieser Neudruck des Anhanges, über dessen Illustra- 
tionen ich weiter unten noch handeln werde',;, spricht das Erscheinen eines 
zweiten anatomischen illustrierten Werkes kurz nach dem ersten Hinausgehen 
des Kompendium Peyligks für das Aufsehen, das dies Werk gemacht hat. 
Die Lorbeeren Melchior Lotters ließen einen anderen Leipziger Verleger 
offenbar nicht schlafen, den Baccalarius artium Wolfgang Stöckel aus 
München, der ja auch 1516 noch den Neudruck des kleinen Schriftchens 
Peyligks ohne dessen Namen ins Werk gesetzt hatte, wie wir eben sahen. 
Er begegnete sich dabei, wie es scheint, mit den Wünschen eines anderen 
jungen Leipziger Dozenten, des Magisters Magnus Hundt, der im Mai 1499 
zum Baccalar der Heilkunde promoviert worden war und daraus so etwas wie 
eine Verpflichtung empfinden mochte, sich nicht durch ein anderes Mitglied 
der Artistenfakultät in Mcdicis in den Schatten stellen zu lassen. Er schrieb 
also für den Verleger Wolfgang Stöckel ein gelehrtes „anthropologisches" 
Werk, das in handlichem Quart im Jahre 1501 herauskam-). Sein Titel ist 
auf Tafel IX Nr. i in Nachbildung gegeben. Man sieht schon beim überlesen dieses 
Titels, Magnus Hundt aus Magdeburg^) prätendiert auch ausgesprochen medi- 
zinische Gelehrsamkeit. Er will nicht nur im allgemeinen von Würde, Natur 
und Eigenschaften der Menschen handeln, sondern auch von den ihn zu- 
sammensetzenden Elementen, von seinen Teilen und Gliedern, von dem, was 
ihm nützlich und abträglich ist, was ihm zustoßen kann, von seinen P'ehlern 

') Peyligk selbst scheint sich als Jurist nicht weiter um dies Kind seiner wissenschaft- 
lichen Muße in seiner artistischen Zeit gekümmert zu haben. Er wurde 1506 zum Doktor der Rechte 
promoviert und beschloß sein Leben als Professor der Rechtswissenschaft in Leipzig und Mitglied 
des großen Kollegs. Hermann vom Busche, der beredte AV'estfale, hat ihn auch im Liede verherr- 
licht, sogar zweimal. Ich setze nur das kürzere Gedicht von beiden hierher: 

Johanni Peylick Mamillino : alias Czeytz artium doctori et misnensis 
iuventutis Moderatori. 
Est mammilla tibi patrium cognomcu ab urbe 

Ut quidam cupido iam retulere mihi. 
Ipsc aliam facio causam : cognominis huius 
Et quam non iactet quilibet esse suam: 
ü, le virgineo natum vix malris ab alvo, 

Mox aluit Pallas ubere diva suo. 
Xominis haec ratio soli tibi congruit illa 
Dicta prius : tecum pluribus esse potest. 
(Hermanni Buschij . . Epigrammatum über tercius . . . Impressum Lips 1 504 Bl. ^/.) 

*) 120 BU. 4». Auf Bl. 116' [Ub'J: „3mi.'jcffu et ftnitnm cft boc || 0pns fiptÜ* fcr 
Baccalauriü Ifolf^aiigum UTo |[ nacciifcm JIiiiio iioftrc falutis !n.i£il€(l€.i. [W-H.immer- 
S-Signet ] Es folgen noch 4 Blätter Index (Bogen il — U und H). 

■') Inskribiert in Leipzig 1482, Baccalar 1483, Magister i486, in die Reihen der Artisten- 
fakultät aufgenommen im Winter 1492, Baccalar der Medizin 1499, Lizenziat der Theologie 1504, 
gest. 1519. >499 — '5>9 Mitglied des kleinen (Fürs(en-)Kollegs. 



(<. Utctarische BeUti|^ng, 



und deren Heilmitteln, von seiner äußeren Erscheinung und seinen Ausschei- 
dungen, so auch von Natur, \ermogen und Tätigkeit, von des Menschen Geist 
und Seele will er verläßliche Auskunft geben in seinem „Antropologium 
de hominis dignitate, natura et proprietatibus". Es spielt jedoch in 
klarer Erkenntnis der Zeitströmungen, der die Verleger di Gregorii in 
Venedig. Griininger in Straßburg und Melchior Lotter schon zu Danke 
gearbeitet hatten, das Anatomische bei weitem die Hauptrolle, und ein gut 
Teil des eben angeführten Programmes ist überhaupt nicht zur Ausführung 
gekommen. 

Der dem Humanismus nicht völlig abgeneigte Scholastiker, iler schon 
14S9 und öfter die grammatische Schrift des Donat und kurzlich noch den 
Seneca edierte, hatte unter seinem Dekanate im Sommer 1497 ein berühmtes 
Leipziger Kedeturnier in die Wege geleitet, wie man denn durch Heschluß 
des Jahres 1496 von jetzt ab alle 5 Jahre solche große quodlibetische Dispu- 
tionen ^de quodlibet vel quodlibetariae) abhalten wollte. Hundt von Magde- 
burg war also schon eine Nummer in Leipzig''. Er war ja zugleich Medi- 
ziner, wenn auch nicht Mitglied der Fakultät, sondern nur Ehrenbaccalar und 
Theologe, also für die Aufgabe, den ganzen Menschen in seiner Doppelnatur 
zu schildern, wie prädestiniert. Daß er sich auch dichterisch betätigte, ist von 
andersher bekannt, wird aber auch von dem Distichon unseres Titelblattes 
bestätigt. 

Aus dem „Collegium Principis studii Liptzensis" vom 23. Februar 1501 
datiert die Widmung an Graf Wolfgang von Anhalt, voller Weisheit und Autoren 
zum Lobe der Philosophe. Über das Büchlein heißt es hier: „Opusculum de 
homine quod antropologium appello non meo marte excogitatum. Sed crassa 
Minerva e.K Hippocratis coi, Arestotelis, Piinij, Galieni, Avicennae, Averrois, Alberti 
i(Magni)> aliorumque hac in re peritissimorum scriptis congestum maiorum 
vestigia imitans" und schließt mit einem frommen metrischen Stoßseufzer (die 
Magnus von Magdeburg zu lieben scheint : 

Ü pater omnipotens, qui verbo cuncta creasti, 
Trananti fer opem, portum pertingat honestum. 

Die Vorrede handelt dann von der Wichtigkeit der philosophischen und 
physischen Selbsterkenntnis des Menschen. Im Texte selbst hält sich Hundt 
mit den allgemeinen Fragen nicht lange auf. Schon im 4. Kapitel ist er bei 
der Embrjologie des Menschen, gibt dann eine allgemeine Physiologie von 
Speise und Trank, von den Kardinalsäften und anderen Flüssigkeiten des Körpers, 
vom „humidum radicale" im besonderen und der natürlichen Warme des 
Menschen.^ Er geht dann mit Kapitel 14 zur allgemeinen Anatomie der 
Knochen, Gelenke, Knorpel, Ligamente, Nerven, Stränge, Haute, Gefäße, 



*) Konrad Wimpina führt in seiner „Centuria Scriptorum insignium" (edidit Merzdorf, 
Lipsie 1839 S. 57 — 50) eine große Reihe von Schriften und Disputationen Hundts mit ihrem 
locipit an. Als Theologe wurde er 1512 Kanonikus in Meißen und starb daselbst 15 19, als die 
Universität vor der Pest dorthin geflüchtet war. 



Joh, Peyligks anatomisches Compendium. j j -j 

Muskeln, Drüsen, Haare, Nägel über, der sich die spezielle Anatomie des 
Kopfes mit den Sinnesorganen, der äußeren Glieder des Menschen einschließ- 
lich der männlichen Genitalien anschließt, während Kapitel 44 — 57, die aber 
die Hälfte des ganzen Buches bilden, die Anatomie und Physiologie der Organe 
der drei Körperhöhlen abhandeln. Ein Kapitel über die Spiritus und die Animae 
macht den Schluß. Alles ist überaus gelehrt aus der großen Zahl der 
Autoren') zusammengestellt und belegt. Auch modernere Schriftsteller sind 
dabei nicht ganz übersehen, wenn auch Mondino doch nur ausnahmsweise 
genannt wird. 

\'on größtem Interesse, wichtiger als der jeder Originalität entbehrende 
Text dieser beiden Schriften von Peyligk und Hundt sind die beiden Werken 
beigegebenen Illustrationen. Man hat vielfach angenommen, daß bald Peyligk, 
bald -Hundt der Erfinder der anatomischen Abbildungen überhaupt sei-). 
Daran ist nur so viel wahr, daß separate Abbildungen einzelner Organe des 
Menschen vor 1499 nicht im Druck erschienen waren, auch nicht in der Vene- 
tianer Ausgabe der Anatomie des Mundinus von 1498 oder gar 1488, von 
welcher noch Choulant und Stocton-Hough sprechen^. Die ältesten ge- 
druckten anatomischen Figuren sind die Ganzfiguren im „^afciculus mcöicinc 
jol^aiiuis bo fctbaj. Koutfus per || ^coigiü 6c montcfcvrato . . . jntpicffum rcnotiis 
per j*^'?*^""^ 2 (5:ey02iü fratres öe || fo;Iiuio. 2tnno 6ni . . [H91] • • mcnfis iulij 
6ie prpj" (16 Bll. in Großfolio 425x285, das letzte unbedruckt). 

Bl. a..^'. Der stehende .Aderlaßmann die Zunge zeigend [nur äußere 
Anatomie]. 

Bl. a.''. Die hockende Gravida mit geöftheter Leibeshöhle. 

Bl. l•',^ Der stehende Wundenmann mit geöffneter Leibeshöhle. 

Bl. ^^^ Der stehende Krankheitsmann mit Angabe der Gehirnzellen [sonst 
nur äußere Anatomie]. 

Auch die späteren Drucke dieses Fasciculus von 1493 'J"'^ '495 enthalten 
nicht mehr, wenn auch neugezeichnete Ganzfiguren. 

Ein neues anatomisches Detail bringen die beiden Bauchmuskelmänner 
des „Conciliator von I496(:)" die ich im Archiv für Geschichte der Medizin Bd. III 
besprochen habe. 

Als dritte Situs-Zeichnung ist der Wundenmann im Brunschuig von 
1497 ^" nennen. 



') Auch hier trifft K.irl Prantls Kritik über Hundts „Compendium totius logices" im 
Philosophischen zu : „Thomistische und Albertistische Anschauungen sind in ungestörtem Frieden ver- 
einigt''. Geschichte der Logik im Abendlandc, IV. Bd., Leipzig 1870 S. 277. 

') Vgl. S. 121 Anm. i. 

') Hier unter „emendata a Petro Andrea Morsiano de Imola, impr. p. Joannem et Gre- 
gorium de Gregoriis" ist nohl sicher eine der Mondino- Ausgaben zu verstehen, die den späteren 
Drucken des „Fasciculus medicine" angeblich Johanns von Ketham seit 1493 beigefügt sind. 
Bei diesen, wenn auch nicht in diesen finden sich denn auch tatsächlich anatomische Zeichnungen, 
die bekannten ganzen Figuren eben des ,, Ketham". 



2. 


Bl. 


Q. 


3- 


Bl 


Q!. 


4- 


Bl. 


^, 


5- 


Bl. 


Q. 


6. 


Bl 


Q. 


/ • 


Bl. 


Q. 


8. 


Bl 


Q. 


9- 


Bl. 


Qo 


o. 


Bl 


Q. 



Ilg (>. literarische BetiitiRunp. 

Das vierte Werk mit an.itoniischen Situs- b/.w. Organ-Zeiciinungeii — 
ich lasse die Skelcttzcichnungen nach Richard Helain, Nürnberg 1493 und 
Hrunschwig-Gniningers Skelett samt Titelsitus von 1497-1498 für diesmal außer 
Acht, weil nicht notwendig damit in Zusammenhang — ist erst unscrs l'eyligk 
..CompendiunV von 1499. Wir linden tiarin folgende Figuren: 

I. Bl. t?,': Ucn Torso mit den 4 Gehirnzellen, der vorgestreckten Zunge und 

dem Brust- und Bauchsitus. Tafel VII. 

Speiseröhre, vertikalstehcnder Magen und Darm. Tafel VIII Nr. 9. 

Die schuhsolenförmige Milz. Tafel VIII Nr. 7. 
oben: Leber mit Vena Chilis (nach oben) und Vena portae (nach 

untenV Tafel VIII Nr. 8. 
unten: Hamorgane (Nierengefäße. Niere, Harnleiter und Harnblase. 

Tafel VIII Nr. 10. 

oben: Herz im geöfl'neten Herzbeutel mit den 4 Ilauptgefäßstämmen 

(Vena adorla, Vena arterialis, Arteria venalis und Vena Chilis). 

Tafel VIII Nr. 5. 
unten: Luftröhre und kollabierte Lungen. Tafel VIII Nr. 6. 

Schadelkapsel mit Pfeil- und Lamdanath. Tafel VIII Nr. i. 
oben: Die 4 Hirnventrikel. Tafel VIII Nr. 2. 
unten: Hirnventrikel mit Infundibulum und Hypophysis [,,Lacuna", 

der Schleimabführung zum Rachen]. Tafel VIII Nr. ,v 

11. Bl. Ql.': Das Auge mit doppelter Pupille (Star?). Tafel VIII Nr. 4. 

Als fünftes Werk schließt sich Magnus Hundts „Antropologium" von 
1501 an mit folgenden Bildschmuck: 

I a. Bl. C,,'. Die Figura de situ viscerum (selbständic). Tafel X Nr. i. 

2a. Bl. i^V = -• Tafel XI Nr. I. | 

3 a. Bl. Q/ = 3. Tafel X Nr. 7. 

4 a. Bl. Q/ = 4. Tafel X Nr. 9. 

5 a. Bl. f j^ = 5. Tafel XI Nr. 2. 

6 a. Bl. 11/ = 6. Tafel X Nr. 8. 

7 a. Bk2n/= 7- Tafel X Nr. 6. 

8 a. Bl. ^/ = 8. Tafel X Nr. 2. 
9a. Bl. £3' = 9. Tafel X Nr. 5. 

loa. Bl. £3" = 10. Tafel X Nr. 4. 
1 1 a. Bl. £)/ = II. Tafel X Nr. 5. 

12. Bl. 2^^^ u. Bl. ©„': Kopf mit Angabe der geistigen und Sinnesqualitäten und 

ihren Leitungsbahnen. Tafel IX Nr. 2. 

13. Bl. (Sj'': Nacktes Männlein mit Nomenklatur der äußeren Teile und Regionen. 

Tafel XI Nr. 6. 

14. Bl. ~S^': Hand mit anatomischer und chiromantischer Nomenklatur. Tafel XI 

Nr. 8. 

15. Bl. 2>a- Schlüsselbeine und Brustbein mit Knorpelansätzen. Tafel XI Nr. 4. 

16. BL K^': Schema der Bauchmuskeln. Tafel XI Nr. 3. 

17. Bl. 1{5'': Wirbelsäule und Nervenpaare. Tafel XI Tafel 5. 

18. Bl. Sj': Weiblicher Genitalapparat. Tafel XI Nr. 7. 

Als sechstes Buch mit anatomischen Illustrationen würde nun Gregor 
Reischs „Margaritha Philosophica" 1502) zu nennen sein, doch ich breche hier 



Alles Nachschnitte der Illustrationen in 
Peyligks Compendium. 



Magnus Hundts „AntropoloEium". I jg 

in der chronologischen Aufführung ab und gebe nur noch die Übersicht der 
Abbildungen der namenlosen „Compendiosa . . declaratio" von 1516. 

ib. Bl. 2t,' Situsfigur, (neu) Tafel XII. 
2b. Bl. 213^ = 2 3. 7b. BI. 2V=7a. 

3b. Bl. 2V=3a. Sb. Bl. 2I/ = 8a. 

4b. Bl. 2V = 4a. 9b. Bl. 21, '•=93. 

5b. Bl. 215^ = 53. lob. Bl. 2i/=ioa. 

6b. Bl. 2I/ = 6a. 1 1 b. Bl. 2Ü= 1 1. 

d. h. der Verleger Wolfgang Stöckel hat zu seinem Nschdruck der Feyligk- 
schen „Compendiosa declaratio" die Holzstöcke seiner Nachschnitte genommen, 
die er für Hundts „.Antropologium" hatte anfertigen lassen. Nur den Einge- 
weidesitus hat er neu schneiden lassen. 

Doch wo stammen nun diese anatomischen Figuren der Peyligkschen 
„Declaratio" und des Hundtschen „.Antropologiums" her? Die Autoren der 
Anatomiegeschichte stimmen darin überein: es sind rohe Phantasiegebilde ohne 
Leichenschau nach den Texten der arabischen Anatomie hergestellt, erfunden 
oder willkürlich ersonnen. „Roh" und „ohne Leichenschau" konzediere ich 
unbedingt, aber Phantasiegebilde sind es nicht oder sicher nur zum kleinsten 
Teile. Man verwandte traditionelle Zeichnungen, die aus der Antike stammten, im 
Laufe der Jahrhunderte durch beständiges Umzeichnen zum Schem3 erstarrt 
waren und höchstens vielleicht durch Henri de Mondeville vorübergehend 
einen Schimmer neuen Lebens eingehaucht erhalten hatten. 

Für Nr. 2, 2a, 2b bis 11, na, iib sind eine Reihe von Vorbildern in 
fernerer oder näherer Verwandtschaft zu den Bildern von Einzelorganen der 
Mondeville - Handschriften zu finden, deren wir einige auf Tafel XXIV des 
4. Heftes dieser Studien mitgeteilt haben; daß 8a und 8b gegen 8 (Tafel X, 2 
und \'1II, i) insofern einen kleinen Fortschritt aufweisen, als sie das Schädel- 
dach mehr gerade von oben zeigen, so daß auch die Frontalnaht sichtbar wird, 
wie es mißverstanden auch Heft 4, Tafel XXIV Fig. 8 und 9 zeigen, sieht wie 
Korrektur nach Autopsie aus, wodurch Hundt allerdings in unserer Achtung 
wesentlich steigen würde. Eine kleine Portion eigenen Urteils kommt ja darin 
auch zum .Ausdruck; er hat aber doch wohl nur eine andere Zeichnung, die 
ihm irgendwie zukam, als bessere erkannt und zur Anwendung gezogen. Daß er 
aber das entsetzliche Augenbild mit der doppelten Pupille nachschneiden ließ, 
zeigt doch direkt wieder, wie abhängig und gedankenlos er war. Hatte doch 
sogar Gregor Reisch, der Karthäuserpater, hier gebessert, weil ihn der eigene 
-Augenschein belehrte. Hundt hat wohl dahinter eine geheime Wei-sheit ver- 
mutet, was doch nur Zeichnungsversehen eines Früheren war. Der Versuch, 
ein Star-.Auge hier wiedergeben zu wollen, scheint mir völlig unglaublich, auch 
würde er uns ja der Wirklichkeit nicht näher bringen. 

Die O.Kforder Ashmole - Handschrift 399 aus dem Jahre 1 290 enthält 
eine ganze Reihe von Zeichnungen einzelner Organe, zweifellos antiker Her- 
kunft, die J. F. Payne demnächst veröffentlichen wird. Sie enthält auch als 



I ^Q 6. I.Ucrarischc IV-läticuHC- 

Absdiluß einer illustrierten Krankengcscliiclitc ciiu-r IioIkmi l->au, die Sektion der 
X'crstorbenen , bei welcher Organe ähnlicher Zeichnung um den exenterierten 
Leichnam gruppiert sind. Es unterliegt für mich gar keinem Zweifel mehr, 
daß Peyligk ,,h ochst gewissenhaft" zu Werke gegangen ist bei seinem 
illustrativen Tun, höchst gewissenhaft sub specie temporis, indem er handschrift- 
liche anatomische Zeichnungen sorgfältig tiir den Druck kopieren ließ. Ja, ich 
mochte die Vemiutung aussprechen, daß gerade solche anatomische Zeichnungen 
einer Handschrift, ihm oder seinem \'erlegcr den Gedanken eingegeben haben, 
einen „Ciput physicum" seinem scholastischen Compendium anzufügen. Inso- 
fern ist sein illustriertes Huch immerhin eine literarische Tat, wie sehr auch 
derartiges in der Luft gelegen haben mag. Lotter und Peyligk sind die 
ersten, die an die alte graphische Tradition in anatomischen Organbildern wieder 
angeknüpft und es ihrer wissenshungerigen Zeit erschlossen haben. Direkt daran 
schließen sich Stöcke! - Hundts weitere Bilder, die zunächst die dünnen 
Linienschemata von Schlüsselbein-Stcrnum-(7)Rii)penknorpel, Bauchmuskeln und 
Wirbelsäule mit (lo) Nervenaustritten, Nr. 15, 16 und 17 (Tafel XI Nr. 3, 4 und 5) 
und das Schema des weiblichen Genitalapparates (Tafel XI Nr. 7) bringen, für 
den ich einen Vorläufer in einem provenzalischen Anatomiebild auf Tafel III 
Heft 4 dieser Studien vorgelegt habe. Was alles und wie man derartiges alles 
in Schemata brachte, das wird das große Schema des männlichen Genital- 
apparates und desgleichen des weiblichen Genitalapparates im Ashmolean 399 
noch schlagend zeigen. Auch ein Schema des Gehirnbaues findet sich dort 
mit Zentren und Smnesapparaten, das den Hundt-Stöckelschen Kopf mit 
Himkammern und Leitungsbahnen noch in den Schatten stellt. Ich habe flir 
dies Bild 12 (Tafel IX Nr. 2) schon handschriftliche N'orbilder in Heft I der 
Studien S. 29 und 30 gegeben und werde demnächst eine ganze Serie solcher 
Bilder mit mittelalterlichem Texte vorlegen, die zuguterletzt wohl auf Posei- 
donios oder verwandte antike Autoren zurückführen mögen. Die Hand mit 
chiromantischer Schematik hat im Druck schon ihren Vorläufer in den Abbil- 
dungen zu Johann Hartliebs „buch von bcv l^annb" für die Bayernherzogin 
Anna, das ich im 2*3 Heft der „Studien" bei den „Deutschen medizinischen 
Inkunabeln" schon besprochen habe. In Handschriften ist mir Solches bis ins 
II. oder gar 10. Jahrhundert zurück begegnet; auch dies zweifellos altüberkom- 
mene „Weisheit" der sinkenden Antike. 

Die Figur 13, das nackte Männlein mit der Nomenklatur der äußeren 
Anatomie (Tafel XI Nr. 6) ist zweifellos nach dem Krankheitsmännlein Kethams 
gezeichnet: die Haltung ist vollkommen identisch. In der Nomenklatur der 
äußeren Anatomie mag einstweilen der Hinweis auf Figur 2 und 3 im Parisinus 
suppl. graecus 636 auf Blatt 117' und 117' genügen, die Rob. Fuchs vor 
Jahren in der Deutschen Mediz. Wochenschrift 1898 Nr. i veröffentlicht hat. 
Dieser Bilder werden noch mehrere zutage kommen. 

Es blieben nur über die drei Situsbilder i, la und ib einige Worte zu 
sagen. Ihr entfernter Zusammenhang mit dem Situs der Laßmänner (vgl. z. B. 
den des Bartholomäus Anglicus 1485, Heft I der Studien, Seite 42) und 
des Wundenmannes im Ketham von 1491 bzw. 1393 95 und im Brunschwig 



Peyligks und Hundts anatomische Illustrationen. 



von 1497 ist in die Augen springend (Archiv für Geschichte der Medizin I, 
Tafel Via und Heft I der Studien, S. 83). Aber es hat bestimmt sowohl 
Peyligk-Lotter wie Ilundt-Stöckel aus weit direkteren anatomischen Quellen 
geschöpft, wenn auch der Inhalt des Torso des Compendium (Tafel VII) genau 
so aussieht, als habe man ihn aus einzelnen simplen Organzeichnungen zu- 
sammengesetzt, was beim Situs des Antropologium Tafel X Nr. i) weniger in 
die Augen springt. Etwas hergerichtet mögen beide sein, aber beide beruhen 
auf verschiedenen handschriftlichen Vorlagen, das scheint mir schon die heraus- 
gestreckto Zunge des Compendiums zu beweisen, die handschriftlich da und dort 
Vorkommen (auch beim X'enenstellmann des Ketham), desgleichen die volle An- 
fullung des Brustraumes mit Lunge im Antropologium wie in den anatomischen 
Bildern der persischen Serie (Studienheft 4, Tafel XI\' und XV) vor allem auch 
das Blutzentrum in der Leber, wie ich es der Einfachheit halber genannt habe, 
das viele Bilder der persischen Serie zeigen, die ich aber auch in abendländi- 
scher Tradition schon gefunden habe, besonders charakteristisch in einem Ader- 
laßmännlein des 14. Jahrhunders mit Situs, das ich noch nicht publiziert habe. 
Besonders beachtenswert ist auch der Harnapparat des Antropologium, auf den 
ich schon im Heft I S. 83 — 85 und Tafel XXII hingewiesen habe. 

Der neugezeichnete Situs des .,Compendiosa dcclaratio" von i 5 16 (Tafel XII) 
ist eine Kombination aus i und i a. Von erstcrem ist die Nomenklatur, die 
Hirnzellen und die herausgestreckte Zunge entnommen, also der Kopf, von i a 
die ganze Brust - Bauchinhalt — warum Stöckel für diesen Nachdruck das Folio- 
format wählte, statt des Quart des Antropologium, was ihn zwang einen großen 
Situs sich zeichnen und schneiden zu lassen, ist nicht ganz klar. Er wollte 
wohl die ursprüngliche Vorlage um so vollkommener nachahmen und im Situs- 
bild übertrumpfen in Größe und anatomischer „Exaktheit" i). — — 



Weit weniger epochemachend als die bisher besprochenen beiden illu- 
strierten Publikationen der beiden Leipziger medizinischen Dilettanten ist ein 
im Sinne seiner Zeit streng wissenschaftliches Werk, das den anatomischen 
Akkord der Leipziger Frühzeit an der Schwelle des 16. Jahrhunderts zum 
Dreiklang ergänzte, dabei aber eigentlich den Grundton abgibt oder die Domi- 
nante, eine regelrechte Neu-Edition des grundlegenden Leitfadens damaliger 
Hochschulanatomie, des aus der Beschäftigung mit der Leiche geborenen 

'1 Daß sich dies Titelbild der Declaratio von 15 16 wesentlich an Größe usw. von dem Situs- 
bilde Hundts unterscheidet, hat schon der Leipziger Anatom und Chirurg lo. Zacharias Platner, 
1734 in seinem Programm „De Magno Hundt Tabularum Anatomicarum, ut videtur, autore'' Bl. a, 
(6 BU., 4", Leipzig bei Joh. Christian Lengenheim) nachgewiesen. Freilich war ihm Verfasser und 
Herkunft dieser „Compendiosa .. declaratio" von 15 16 völlig unbekannt. Er vermutet, daß es 
„unus ex Magni Hundt discipulis" gewesen sei ,,qui superstite magistro iisdem figuris et eodem 
t)-pographo usus est". Wie sehr das alles danebengeschossen ist, sieht jeder, ebensosehr wie die 
ganze übrige Schrift, die in lauten Tönen den biederen Magdeburger Scholastiker als den Erfinder 
der anatomischen Abbildungen preist. 



0. Lilcratische Betäticiiin;. 



Schulbuches von Mondino dci Luzzi. Mit dieser trat schon einige Zeit'l 
vor Peyhgks „Compendiosa declaratio" ein Mann ans Licht, der zwar niemals 
tur engsten Facultas medica in Leipzig gchurte, aber doch eine hervorragende 
Stellung in medizinischen Dingen an der Hochschule Leipzigs zweifellos inne 
hatte und auch bis zur höchsten Stelle des Landes ärztliches X'ertraucn genoß, 
Martin Pollich von Melierstadt, bei dem wir etwas langer verweilen 
müssen. 

Doch erledigen wir zuerst, um mit der Anatomie in Leipzig im Zu- 
sammenhang zu Lnde zu kommen, seine Mundinus- Ausgabe. Das Titelblatt 
ist auf Tafel XIII Nr. i wiedergegeben. Wir sehen dort den vereinfachten 
Holzschnitt-') einer ,,.-\natomie", wie man sie sich in den Kreisen vorstellte, 
wo man nach \'ornahme solcher „.Anatomiae publicae" auch in Leipzig eifriges 
Verlangen trug. Auch auf diesem ältesten Leipziger Bild einer „Anatomia 
publica" sitzt der Lector mit dem Huche auf dem Thronsessel, der Dissector 
hat das Messer weggelegt und wirkt, in den Eingeweiden wühlend, als Demon- 
strator, das Publikum fehlt völlig; man mußte es sich ebenso dazudenken, wie 
die .,.'\natomia publica" selbst, die in Leipzig, soviel wir wissen, nur ,,in effigie" 
bestand, eben in unserem Bilde. 

Die Charakterisierung seiner Ausgabe als einer „Anathomia emendata" 
ist ganz gewiß nicht so zu verstehen, daß Mellerstadt irgend eine Ausgabe des 
Mondino durch Untersuchungen an der Leiche rektifiziert oder auch nur veri- 
fiziert hätte; er will damit nur sagen, daß er sich um die Tcxtgestalt ge- 
kümmert und Lese- oder Druckfehler gebessert habe ';. Ich habe keine durch- 
gehende Te.xtvergleichung vorgenommen, doch hat mir ein allgemeiner Stich- 
probenvergleich mit der .Ausgabe des V'inccntius Georgius Licius in Padua, ge- 
druckt 1494 zu Venedig bei Bernhardinus Venetus') ergeben, daß gelegentlich 
sogar die Auflösung der Abbreviaturen nicht glücklich ist^;. Er hat damit 
begonnen, daß er die Kapitel zählt („Capitulum primum"), hat aber dann doch 
die alten Überschriften der ebengenannten Venediger .Ausgabe beibehalten, 
ohne zu bemerken, daß bei Licius in dem Abschnitt „De .Anathomia ossis 
basilaris" der Abschnitt „De anathomia oculi" nur durch ein | im Te.Kte an- 
gedeutet war. Bei Meilerstadt läuft der Text selbst ohne eine solche Tren- 
nung weiter; die .Augenanatomie S. 3^' ist also gar nicht zu finden in seiner 

') Das Bnch scheint noch vor 1496 bei Martin Landsberg in Leipzig gedruckt worden 
zu sein. 

'J Die .\nregung zu dem Bilde ist wohl in der schönen Zeichnung des Petrus de Mon- 
tagnana in der Ketham-Ausgabe von 1493 bzw. 1495 zu suchen, wo sie sich vor Beginn der 
Anatomie des Mondino findet, welche 1493 und 1405 (S. n),') zum erstenmal dem Fasciculus mit 
beigeßgt wurde. Auch sie hatte ihre Vorläufer in Handschriften und hat wieder allen weiteren 
Mondinoausgaben in dieser Hinsicht als Vorlage gedient. — Das Büchlein selbst ist auf 40 Quart- 
blätter (5 Bogen 21 — € in Quatemionen) bei Martin Landsberg ohne Angabc des Jahres, Druckers 
und Verlegers hergestellt; die Rückseite des letzten Blattes ist unbedruckt. 

•) Er sagt ja auch in seinem Widmungsgedicht (s. folg. Seite!) nichts weiter als: „Scriptorum 
ritüs eiimere institui". 

') Z. B. wenn er S. B,' schreibt: „spien habet substantiam raram in qua humorem grossum 
et multum reciperc debet"', während er das ml'fü „melancolicum" hätte auflösen müssen. 

') Ich habe auch den Foliodruck von 1482 benutzt. 



Mellerstadts „verbesserter" Mundinus. 



123 



Ausgabe, während die viel weniger wichtige und nicht den 5. Teil des Raumes 
einnehmende Anatomie des Ohres ihre fette Überschrift als besonderer Ab- 
schnitt hat: „De Anathomia Auris", genau wie in der Ausgabe des Licius. 
Mit der Emendatio sieht es also etwas windig aus. Daß in Mellerstadts Aus- 
gabe die Abbildungen von manchem Hesitzer oder Benutzer vermißt wurden, 
namentlich nachdem die beiden Leipziger vorher besprochenen illustrierten 
Kompendien erschienen waren, beweist das Exemplar der Leipziger Universi- 
tätsbibliothek, das eine ganze Reihe kleiner Federzeichnungen am Rande trägt, 
rein schematischer Natur, aber teilweise richtiger als die altüberkommenen 
Hilder Peyligks und Hundts, z. B. Bl. (£^' ein Herz mit den Gefäßeinmün- 
dungen an der Basis, Andeutung des Klappenapparates an den großen Herz- 
ostien, S. D/, Zeichnungen des Harnapparates Bl. S-' und C/ usw.') Offenbar 
sind diese Randbemerkungen und Zeichnungen um 1500 geschrieben und an- 
gefertigt und beweisen aufs neue, daß in Leipzig, das gegen Wien z. B. so 
traurig in der Anatomie zurücksteht-), wenigstens das Interesse für diese grund- 
legende Wissenschaft erwacht war, wie auch andere Spuren uns haben er- 
kennen lassen. Was Melierstadt selbst über Wert und Nutzen der Anatomie 
dachte, das hat er uns in einem Gedichte hinterlassen, das auf der Rückseite 
des Titelblattes seines Mundinus steht, in dessen Unterschrift er gleichzeitig 
seinen ärztlichen Charakter betont. 

Est opere pretium, cognoscere, lector amice, 
Noscere oportunum, Iiic anathomia quid sit 
Humanae mentis et corporis anathomia 

Succuba, dans membris noticiam organicis. 
Formatis ratio vcl demonstratio certa 

Mixtorum aut medium est, quac medicina tenet, 

') Solche Abbildungen finden sich auch anderwärts in Frühdrucken am Rande eingetragen. 
Z. B. hat ein Leipziger, der 1499 in Bologna studierte, in sein Exemplar der Ausgabe des „Ketham" 
von 1495 auf Bl. Cj* sich die Anordnung der Bauchmuskeln nach Mondino und Avicenna übersicht- 
lich schematisch nebeneinander eingezeichnet, vermutlich nach der Skizze die ihm in einem Bologneser 
anatomischen Vortrage vorgezeichnet worden war. Der nämliche Schreiber und Zeichner hat diese 
Mundinusausgabe im Ketham in Bologna eingehend durchgearbeitet, wie seine vielen Beischriften 
beweisen, am Ende die Notiz ,,Bononiae Anno Christi 1499" und an gleicher Stelle: „Vidi primam 
Anathomiam Bononiae : ostensore Magistro Petro Morsiano de Imola. Iste huic labori multum 
temporis accomodavit die noctuque : eum quoque Iriduo exquisite et cum sua Laude absolvit Anno 
Christi 1499"° die vero octobris trigesima" (cf. Mitteilungen zur Geschichte der Medizin und der 
Naturwissenschaften 1906 S. 421). v. Töpli hat ja nach einer solchen Federzeichnung aus seinem 
Exemplar der QAnün des Ihn Sinä, gedruckt in Padua 1479 '™ Anhang zu seiner schönen Aus- 
gabe der „Anatomia Ricardi Anglici" Vindobonae 1902, 4", S. 39 einen Augendurchschnitt publi- 
ziert, den ich leider erst jetzt zufällig wieder finde (Mai 190Q), während ich ihn schon in meinem 
ersten Studienheft hätte anführen sollen. 

-) In AVien wurde schon am 12. Februar 1404 die erste Anatomie feierlich abgehalten und 
aus den nächsten 100 Jahren sind eine ganze Reihe von Sektionen zu anatomischen Lehrzwecken 
dokumentarisch nachweisbar. Vgl. v. Töply im IL Bande des Pagel-Neuburgerschen Handbuches 
S. 211 — 212. In Leipzig ist im ersten Jahrhundert der Universität eine „Anatomia pubHca" be- 
stimmt nicht aufzufinden, über das Weitere verweise ich nochmals auf Karl Rabls Arbeit im 
7. Hefte dieser Studien. 



(>. Literarisclie Betätigung, 



Iminixto quippc perpenditur an.ithomia. 

riüsiciis hanc e qua conditione notat, 
Naturam vcluti docet astrologi.i planctae'), 

Membrorum doctrix anathomia tbret. 
Ouur cgo Mundini (^deus adiuvet) anathoniiani 

Scriptorum vitiis exiniere institui. 
Taliter exempta communeiii vergat in \sum 

Occultis morbis seniita, certa salus. 
Ingenue licet hanc elimaverimus ac si 

Mundini ex ore, non tarnen oninis erat 
Edepol: Et quamquam prothodux fuit anathomiae, 

Hac imperfectuni sc Galienus habet, 
Gentilis doinini de Eulgineo additionc 

Conchidenda venit anathoniia modo. 
Fulgineus nanque inuenit (si dicere (as est) 

Ouae non Mundinus viderat eximius. 
Gratum opus ergo habeas lectorquc scholastica turba, 

Grates dando deo qui bona cuncta serit. 

Martinus Mellerstat medicus. 



Erwähnt muß noch werden, daß er am Schlüsse seiner Mundin usausgabe, 
worauf er ja auch in diesen X'ersen noch ganz besonders hinweist, einige Aus- 
sprüche Gentiles da Foligno zusammenstellt, in welchen dieser anatomische 
Aufstellungen bekämpft, und zwar ist dies besonders darum beachtenswert, 
weil auch Gentile (t 1348), der allerdings tatsächlich 1341 in Padua bei 
einer Sektion (der ersten dort!) Vortrag hielt (als „Lector"), bei der ein Gallen- 
blasenstein gefunden wurde, hier den Mondino nicht nach Leichenunter- 
suchungsergebnissen korrigierte, sondern weil seine Angaben mit denen des 
Ibn Sina, Galenos und ar-RäzI nicht übereinstimmen. Die hier gelehrte 
Anatomie vermag jedenfalls den hübschen Spruch nicht zu bewahrheiten, mit 
dem Melierstadt sein Büchlein beschließt: 

Hie labor ex(s>pirat nee fructus amice libelli 

Emoritur lector commoditate breui. 
Occultos morbos, morborum denique curas 

Perdocet: atque basym prestat in arte. Vale. 

Die Basis war doch zu morsch und zu sehr von Würmern durchfressenl — 
Von dieser Anatomia Mundini Pollichs soll eine Ausgabe Lipsiae 
1505. 4" erschienen sein nach Grüner (Aphrodisiacus 1789, S. 76 Anm.), die 
ich nicht gesehen habe und einstweilen bezweifle. Ich vermute, daß diese 
Edition des damaligen wissenschaftlichen Leitfadens für das anatomische 
Studium und die akademische Demonstration ums Jahr 1495 oder wenig 



') Dieser astrologisch schmeckende Vergleich darf uns nicht wundern; Melierstadt war wohl 
kaum schon durch Pico (1495I) von der Hinfälligkeit der Astrologie überzeugt, als er diese 
Korrektorarbeit übernahm. Die bequemen „poetischen" Vergleiche aus der Astrologie, waren bei den 
Dichtern des Humanismus allerorten sehr beliebt, wie diese Pseudowissenschaft selbst. 



Leipzig als Astrologenstadt. 125 



früher erschienen ist. Polich stand also schon eine ganze Reihe von Jahren 
im medizinisch -wissenschaftlichen Betrieb, hatte aber noch nicht seine große 
Häutung durchgemacht. 

Um 1450 in Meilerstadt (Mellrichstadt) in Unterfranken geboren, war 
Martin Pollich^) im Sommer 1470 nach Leipzig gekommen und dort 1472 
zum Baccalar, 1475 zum Magister der Artes promoviert worden ^J. Seine erste 
Publikation, welche das medizinische Gebiet berührte, erschien im Jahre 1482 
— bezeichnenderweise war es eine astrologische, die überdies zeigte, daß 
Pollich von der Sache nicht gründlich Bescheid wußte. 

Und doch war Leipzig damals schon für die iatromathematischen Be- 
strebungen und Doktrinen, wie für die ganze astrologische „Wissenschaft" eine 
Art Mittelpunkt des Studiums und der Betätigung. Ob das Fürstenwort vom 
Jahre 147 1 (vgl. oben S. 39) wirklich hierin wesentlich anregend und weg- 
weisend gewirkt hat, mag hier dahingestellt bleiben: jedenfalls nimmt der 
Laßzettel und das Praktikenvvesen, also die Zukunftsverkündigung in Witterung, 
wirtschaftlichem Gedeihen und Politicis in Leipzig immer mehr überhand. Von 
Hans Tolhopf haben wir oben S. 40 f schon gesprochen. Zu Ende des 15. 
und zu Anfang des 16. Jahrhunderts knüpft sich der Ruhm Leipzigs in diesen 
Dingen hauptsächlich an die Namen eines Paulus Eck von Sulzbach und 
eines Wenzel Faber von Budweis. 

Paulus Eck von Sulzbach war 1479 im Winter bei der Natio Bava- 
rica in Leipzig immatrikuliert worden; einen gelehrten Grad hat er hier nicht 
errungen. Er fügt aber 1489 einmal seinem Namen ein D. bei, als wenn er 
Doktor wäre. Er ist mir als Kalenderpraktikant mit Aderlaßrubrik zum ersten 
Male auf einem großen Einblattkalender für 14S7 begegnet, den Kunz Kachel- 
ofen gedruckt hat. Im Jahre 1489 ließ er seine Kalender bei Friedrich 
Creußner in Nürnberg erscheinen', ich sage seine Kalender, weil es damals 
schon Mode wurde, daß der gelehrte Kalendermacher seine abgrundtiefe, nütz- 
liche Weisheit in zweifacher Gestalt aufs Jahr erscheinen ließ, damit dies wert- 
volle Wissen möglichst allgemeine Verbreitung fände, in deutscher und in 
lateinischer Sprache, die letztere Form naturgemäß die gelehrtere. Paul Ecks 
deutscher Kalender für das Jahr 1489 ist bei Georg Stuchs in Nürnberg ge- 
druckt und führt den Vermerk „I)i§ 2thnanad} ift gcmadjt 5U leyP'^äi^'f öurch 



'} Zu Martin Pollich von Mellerstad vgl. Melchior Adam, Vitae Germanorum Medicorum 
Haidelbergae 1620 S. 6 — 8; Fridericus Bcernerus Lipsiensis, De Vita et raeritis Martini PoUichii 
Mellerstadii . . . Commentatio. Wolfenbutteli litteris Bartschianis A. MDCCvi. 6-1-24 S., 4 °. Konrad 
Wimpina in seiner öfter genannten Centuria Scriptorum insignium (,, Maders Anonymus"). 

-) Wie lange er dann von Leipzig weg war um (angeblich in Mainz) Medizin zu studieren, 
steht nicht fest; in Italien scheint er nicht gewesen zu sein. Doch wurde Pollich schon 1485 
unentgeltlich als Bürger aufgenommen , mußte also doch wohl schon damals der Stadt ärztliche 
Dienste geleistet haben (^Wust mann, Geschichte der Stadt Leipzig, Bd. I, S. 275). Freilich scheint 
er es immer gut verstanden zu haben, sich bemerklich zu machen. 

^) Vgl. Häbler, Hundert Inkunabelkalender Xr. 55, 58 und 59. Ich habe auch die 
Originale alle drei gesehen. 



r<. Liteiarische Betätigung. 

paul> ocf ron Snlcjbady'. Wie aiisschlieülich iatrDniatliciiiatisch, also tiicdi- 
ziniscli er seine Kalender meintCj brachte er am Kopfe seines lateinisclien 
riakatalmanaclis zum Ausdruck mit der Überschritt; JalniUi niinutioiuun far= 
ma:oruni n«.vnon ivntosutiomini pauU lEcfon öo Sultipadj", das ist der Lali- 
zettel in ausgesprochenster Form, wie er hier bei Friedrich Creußner in 
Nürnberg an den Tag kommt. Und Paul Eck hat mit der Medizin sonst 
nichts zu tun, soviel ich sehe. Freilich pfuschte damals alles in diese so in- 
teressante und praktische Wissenschaft hinein, nicht nur die Sternkundigen. 
Trotzdem war Paulus Eck zu seiner Zeit ein namhafter Mann. Als Beweis 
dessen möge dienen, daß sogar noch in dem Jahre 1501, als Pollich von 
Mellerstadt der .Astrologie den Rücken gekehrt hatte und sie literarisch be- 
kämpfte, er den Astronomen Eck mit .Auszeichnung nennt und ihn zu den 
Erfahrenen dieser Kunst rechnet, den „artis pcritis, in quorum numero Pauluiu 
Eck. n OS tri aevi dignum virum'. 

Zweifellos ein weit gelehrterer Mann ist Wenzel Faber von Hudweis, 
von dessen wissenschaftlichem Lebensgange wir schon gesprochen haben; er 
muß in Leipzig hoch in Ehren gestanden haben, da bei ihm jedenfalls von der 
Befolgung des reglementarischen Grundsatzes Abstand genommen wurde, daß 
längere Abwesenheit von Leipzig von dem Genuß der KoUegiatur ausschlösse, 
auch als er lange schon Stadiarzt in Brunn war. 

Er war eine „Zierde der Universität" um seiner Prognostiken willen, denn 
was er an astronomisch-wissenschaftlicher Arbeit geleistet hat, ist nicht sehr 
erheblich; es beschränkt sich auf die Herausgabe eines kleinen Tabellenwerkes 
von S Bll. 4". im Jahre 1492 bei Martin Landsberg in Leipzig gedruckt: 

C viifcuhij tabularum rtilc rc 
rarum Solis : lunc :ouiuncli 
onü ycr iluiaiftrum H5on:cf 
laum fab:i öo buöuHnfi bacca 
lariuiu ilici>i:inc :öpoütum, 

dem er zwei Seiten Gebrauchsanweisung beifügt. Doch scheint dies Büchlein 
über die Konjunktionen von Sonne und Mond, dessen Verwendbarkeit bis zum 
Jahre 1545 lief, brauchbar gefunden worden zu sein; denn es erlebte der 
Autor die Freude einer neuen Auflage im Jahre 1499, bei dem nämlichen 
Verleger erschienen 8 Bll. 4°): 

rpufruhij tabularum rlilo ro 
rarum roli? : lunc :oniun:ti 
onum por ilTaäiftrum ircnccf 
laum Jabii öo huöcipcii) iUc 
bidnc boctotc quonöä cöilum 
2Inno quoq5 £I}rifti. U9y. ab cobcm rcnouatuni 

') Respoosio i^' (Fuchs S. 283). In einem Widmungsbriefe Mellerstadts von Herzog Georg 
von Sachsen (Xs. Lips. I.j72 Bl. i') vom Jahre 1489 heißt es von Eck: „cum apud te sit qui 
harum rerum doctissimus existit Magister Paulus". 



Der Astrolog Wenzel Faber, Leipzigs Stolz und Zier. 127 

Die neue Auflage ist in ihren Tabellen durch Rot- und Schwarzdruck 
übersichtlicher gestaltet, in der Gebrauchsanweisung etwas ausführlicher gehalten 
und mit der Kundgabe der akademischen Rangerhöhung ihres Verfassers auf 
dem Titel geziert. Der Verleger hat überdies sein Doppelschild: Signet am 
Aste in Rotdruck ans Ende gesetzt. 

Alle ferneren Publikationen Fabers sind Praktiken und Aderlaßkalender. 
Um der letzteren und ihrer unbezweifelten Unentbehrlichkeit willen hat ihn ja 
die „Facultas medicinae" mit allen Ehren überschüttet, über die sie verfügte, 
trotzdem er sein Leben lang Mitglied der philosophischen Fakultät geblieben 
zu sein scheint. Im Jahre 14S2 trat er mit einer „IDeiffacjuna von bct Whdunj, 
bct Planeten" auf den Plan; eine gleiche ließ er aufs Jahr 1485 ausgehen. 
Im Jahre 1487 kam sein erstes „juöicium lipfonfo iltd^iftri IPcnccslay De 
iiuöctpayp" heraus, dessen Namensvettern für die Jahre 1488, 1489, 1490, 
1492, 1494, 1495, 14965 1497» 1498 erhalten sind, aber wohl sicher lückenlos 
bis 1500 erschienen. Auch deutsche Büchlein ähnlichen Inhalts sind wohl 
jedes Jahr herausgekommen; erhalten sind sie nur in beschränkter Zahl, z. B. 
fürs Jahr 1492, 1494, 1496 und 1497 ^^^ „Practica £^cutc5 [auch „peutfdj"] 
ZTTayiftri \\ wcnccslax von Suöircip" usw.'). Aderlaßkalender, die schon um ihres 
F'ormates willen dem Untergang noch mehr ausgesetzt sind, kenne ich lateinische 
für 1488 und 1489, sowie einige deutsche aufs Jahr 1489, 1493, 1494, 1497 
und 1 500. Wir sehen, wie die Tätigkeit eines Mannes beschaffen war, auf die 
Leipzigs medizinische F"akultät ihr zustimmendes Siegel gedrückt hatte. 

Das ist auch im 16. Jahrhundert noch so geblieben, trotzdem, wie wir 
gleich sehen werden, Martin Pollich an der Jahrhundertwende gerade in 
Leipzig gegen den astrologischen Unfug Sturm lief 1501 gab„DoctorIUcncc5lau5 
öc Suöipcis" sein „juöicimu £tpfcnfc" mit Mars und Jupiter in Holzschnitt auf 
dem Titel heraus, desgleichen fürs Jahr 1505 das „Judicium Lipsense Docto || ris 
wenceslai de Budweis", diesmal dem Sternlauf entsprechend mit dem Saturnus 
als „anni dominus" geschmückt. Aufs Jahr 1506 singt er sein Schwanenlied 
mit der 

„practica Ilcufefdi Xloctoris iren= || coflai von Buömeig. 
l\s.\d) (E[)rifti i| (Sclnirt (Eaufontfunfljunöcvt nn6 fcii? Jaljr. 

Auf dem Titelblatt des hübsch gedruckten Quartanten prangt Mars als 
Ritter und Frau Venus splitternackt, während sie im Jahre 1502 noch völlig 
bekleidet angeführt worden war-). 

Mit solchen Ouisquilien beschäftigte sich der gelehrte Kollegiat des 
großen Kollegs in der Ritterstraße zu Leipzig mit fast allseitiger Zustimmung 
seiner Hochschulgenossen. Ja er stand durchaus nicht allein in dieser Tätig- 
keit. Leipzig besaß noch weitere solcher „Zierden" und andere benachbarte 



') Die von mir geselienen (1492, 1494 und 149") sind alle mit großen TitelliolzschniUen von 
Martin Landsberg in Leipzig auf je zwei Bogen quarto in sauberem Drucl<e hergestellt. 

*) Doch wußte sich diese lockende Neuerung vorerst noch nicht durchzusetzen; was ich von 
Praktiken aus dieser Zeit gesehen habe, zeigt .ils Venus sonst bekleidete Frauenbilder bis zum 
Jahre 15 14, von wo an das n.ickte Venusbild auf den Kalendern die Regel bildet. 



b. Literarische Bctitiüun);. 

Hochscilulcn wetteiferten mit ihr darin. Ich führe nur einiges an, das mir zu- 
faUig durch die Hände gegangen ist. Konrad Tocckler von Nürnberg (Con- 
radus Noricus\ Mitglied der medizinischen Fakultät in Leipzig, ließ 1504 
schon ein „~^u^idum tipKMiK"' erscheinen, 1505 eine „iT'rav-tica i>outjfdj", 1507 
ein „~^ll^iv"ium tipfonfo", 1509 ein „Ju^ic■iunI t"i^^^MIfo" und eine „priicti:a 
firkrun* ^cu6fiv', 151 1 eine „practica t'iv'Knfi? ^ouljfd1", 1512 eine „practica 
tipfcnfis", 15 14 eine „practica fipfcnfu 6ouljfcij" '). Sicher ist in all diesen 
Jahren eine solche deutsche Prophezeihung neben einer deutschen Konrad 
Toecklers ausgegangen. Das Judicium und die Practica „Lipsensis" war eine 
feste Institution geworden, an der sich neben Toeckler-) undKaber noch andere 
bald beteiligten wie Georg Leymbach, Simon Eyüenmann von Villingen '), 
Magister Johann Volmar und andere im i. und 2. Jahrzehnt des 16. Jahr- 
hunderte. Dies Judicium Lipsense ist ein besonderes Charakteristikum der 
Musenstadt an der Pleiße für einen langen Zeitraum, aber auch Krakau und 
Wien traten in eifrigen Wettstreit. Das ..Judicium Cracoviense" ließ Magister 
Johannes Scultetus de Glogowia maiori seit 1502 jährlich erscheinen 
imeist in Leipzigl;. Der Wiener Professor „ma\ster Jörg Tanstetter" prak- 
tizierte nicht minder emsig. Auch in Ingolstadt ließ der Philosophus und 
Mathematicus Johann Stabius manch „Judicium Ingelstadiense" drucken; 
gesehen habe ich z. B. das fürs Jahr 1499. 

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts, aber auch im vorletzten und letzten 
Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts wehte ein stark astrologisch geschwängertes 
Lüttlein in Leipzig unter Wenzel Faber, wie wir gesehen haben, und in 
diese Atmosphäre trat Pollich aus Melierstadt und in ihr machte er sich 
schnell heimisch und ließ, gleichsam um sich zu legitimieren, sein „Componöiunt 
quin6cctm propofitionum introöucto:iarü in !| aftrologiä cfi totiöcni rcoiuli» er 
aftronomia compoitatis lipjf. 2Inn5 [I" || ^^i iniIIcfinioquaörinäcntcfimooctogeftmo= 
fc6"o qrto fl'» 6ccöb:io 1'.]" also am 28. November 14S2 in Druck gehen und 
mit samt einer Praktik aufs kommende Jahr. d\g ich allerdings niclit wieder 
aufzufinden vermochte, erschienen. Doch ist uns dieser erste Druck nicht er- 
halten; was wir besitzen und was auch in der vorstehenden Titelangabe (vom 
Ende des Buches) von mir benutzt wurde, ist ein Neudruck, der etwa 1492 
oder 1493 bei Moriz Brandis in Magdeburg hergestellt worden ist (6 Bll., 4", 
die letzte Seite leer). Das Buch stand also lange in Wertschätzung! 



') Die „p:jctica £ipfeiifis. 1, dciilf* Docloris «löra&i Ilo || rici, ZJiifT bas jar CCeufent [!] 
^ünfhunbfrt rnb .fünfftjelifi ü Pabcij am ciibt bifcr p:actica aiii fdjAn regime aii§ bcm 1| tiodj- 
berümbln ITtenftfr ^luicriia acjogn, nütjli*, rü trift ;, li* alle meiden, mit Icicbter pcrncmücj meiner 
Illmanaiti" Mercur und Jupiter mit dem Bilde einer Mondfinsternis als fast blatigroßer Titel- 
holzschnitt; 8 BIL, am Schluß das bekannte Bild eines Kranken im Bett, dem der Arzt einen Ab- 
führtnink kredenzt] habe ich auf der Erlanger Univ.-Bibl. gesehen. Sie enthält Bl. bj" — b,' diäte- 
tische Sprüche, Bl. b,' — b,' eine Auslegung der Kraft und Wirkung der Tierkrciszeichen. 

*) Daß Toekler (R. Tockler) unterdessen zum Baccalar der Medizin aufgestiegen war, 
haben -wir oben gesehen; auch Doktor der Medizin und Universitätsprofessor in Leipzig ist er 
später geworden. 

^) ,,§u ryncm funberlicbcn lob ber cniuetfitet £e>-pfigf" sagte er noch 1519! 



Marlin PoUich als Astrologe. 129 



Dies„Compendiuni quindecimpropositionuni introductoriarum in 
astrologiam vom 28. November 1482 ist den „lUaciiinficis öfiis [dominis] öoc« 
toiibj et niaijflri« ftu6ii lyyn^ cctorifjq aftrolooiii." gewidmet; Pol lieh hat sich 
also mit der gesamten damaligen Gelehrten-Körperschaft der Universität in der 
Verehrung der Astrologie eins gefühlt; Er betont einleitungswcisc im Vor- 
wort, daß ihn eine nur mäßige Erfahrung in der astrologischen Prognostik zwar 
nur mit Zagen an die Ausübung dieser Kunst gehen lasse, daß er es aber 
doch seiner wissenschaftlichen Reputation schuldig zu sein glaube, auch in diesen 
Dingen sich zu betätigen; er lege seiner vorliegenden einführenden Untersuchung 
vernunftgemäße Erwägungen naturwissenschaftlicher und philosophischer Art 
zugrunde. Freilich versagen alle solche bei den Grundfragen der Astrologie, 
die rein empirisch durch Beobachtungen gewonnen seien, ohne daß man für 
die einfachsten Beobachtungstatsachen in der Bewegung der Himmelskörper 
eine Erklärung zu geben vermöge. Man muß sich an der Konstatierung der 
Vorgänge genügen lassen. Das gelte schon für die einfachen meteorologischen 
Erscheinungen der VVolkenbildung usw., vielmehr noch bei der Prognose über 
günstige und ungünstige Einflüsse auf das Menschengeschick, wobei vorsich- 
tigste Beschränkung geboten sei, wolle man nicht aufs Raten sicli verlegen, als 
wenn man die Träume eines Schlafenden zu erkennen suchte. Alle Erkenntnis 
des Materiellen sei ja unsicher im Vergleich mit der des Abstrakten auf mathe- 
matischem und logischem Gebiete. Schon bei der Bestimmung des „Dominus 
anni" ergeben sich Schwierigkeiten, da z. B. schon über den Eintritt der 
Sonne in das Zeichen des Widders zur Bestimmung des Aszendenz keineswegs 
Einmütigkeit unter den Autoren herrsche und selbst die Zuverlässigkeit (bzw. 
Richtigkeit) der Alphonsinischen Tafeln usw. hierin bezweifelt werde, trotzdem 
hier die kleinste Ungenauigkeit die verhängnisvollsten Folgen bei der VVeiter- 
berechnung ergäbe usw. Vermutlich, weil ihn hier seine mathematischen und 
astronomischen Kenntnisse im Stich lassen, will er von genauer Bestimmung der 
Planetenstellungen ;in Konjunktion und Opposition) nichts Rechtes wissen und 
neigt statt dessen zu dem ihm besser liegenden „naturaliter ratiocinari secundum 
philosophicas rationes", was ihn zu allerhand spitzfindigen Deduktionen über 
„Dominium elementorum" und „Dominium elementatorum" in der Jahrespro- 
gnostik und Ähnlichem führt. Eingehend beschäftigt er sich in der 13. Propo- 
sitio mit der sideralen Aderlaßregelung, wobei er seine Belesenheit in den da- 
mals führenden Meistern der Medizin und Astrologie zur Genüge kundtut; zum 
Schluß dokumentiert er seine Bekanntschaft mit den üblichen Regeln der Be- 
urteilung der speziellen Einwirkung der einzelnen Himmelskörper auf das Irdische 
und stellt seine eigenen Grundsätze für die astrologische Verwertung der 
Stellung der einzelnen Planeten zueinander in Konjunktion, Opposition, Qua- 
dratur, Trigonal- und Sextilschein übersichtlich zusammen — das Ganze eine 
durchaus zustimmende Stellungnahme zur damals herrschenden astrologischen 
Lehre ohne nennenswerte Dokumentierung eines selbständigen Urteils. 

Auf dieses selbstbewußte Debüt des jungen Magisters und Dozenten 
in der sublimen Wissenschaft der Astrologie, folgte scheinbar erst nach 
5 Jahren ein weiteres Werkchen in dieser Richtung, die 

Studien .-ur Geschichte der Medizin. VMI. () 



6. Literarische Betlligung. 



practica Civconfis ') aufs Jahr 14SS, 

deren Vorwort vom Jahre 1487 datiert ist. Wenn von anderer Seite-) in den 
beiden IVaktiken Mellerstadts auf die Jahre 1488 und 1489 eine immeriiin 
besonnene und ziemlich „vorurteilsfreie" Stellung zur Sterndeutung gefunden 
wird, so kann ich mich davon nicht überzeugen; daß z. K. betont wird, die 
Sternenwirkung hebe den freien Willen nicht völlig auf, ist doch nur eine der 
üblichen N'ariationen des „Sapiens dominabitur astris" und der Anschauungen 
der Kirchenväter. 

Übrigens spricht alle Walirscheinlichkeit dafür, daß Meilerstadt z. H. 
auch für die Jahre 14S4 — 1487 je seine Jahrespraktik losgelassen hat, wie die 
aufs Jahr 1483, die doch gut beglaubigt zu sein scheint und gleichwohl un- 
findbar ist bis heute. Nennt sich doch das mir als das erste bisher bekannt 
gewordene Jahresprognostikon „practica lipconsis" (bei Friedrich Creußner 
in Nürnberg gedruckt, und scheint sich damit selbst in eine größere Reihe zu 
stellen, die jahrlich herauszukommen pflegte. Die „p:actica Docto.'is 211. 211. 211." 
auf 1489 beim selben \"erleger in Nürnberg gedruckt, läßt allerdings diese Be- 
tonung der Zugehörigkeit zur berühmten Praktiken-Stadt Leipzig beiseite, ist 
aber auch wie die vorhergehende dem Kurfürsten Friedrich III., dem Weisen 
gewidmet, und in ihrer ganzen Disposition und Darstellungsweise dem Zeitstil 
völlig konform. Eis scheint mir müßig, darin schon Vorklänge für seine spätere 
Bekehrung durch Pico von Mirandola zu suchen oder eine Konnivenz der 
vorurteilsfreien Gelehrten gegen die Wünsche seines Fürsten. Die Herren Stern- 
gelehrten ließen sich zum Schein gern von ihren hohen Gebietern zu ihrem 
spielerisch-gelehrten Tun nötigen, das in so großem allgemeinen Ansehen stand. 
Wie lange Pollich bei seinem astrologischen Praktikantentum blieb, läßt sich 
schwer sagen. Hat er doch noch 1502 trotz seiner zeitweise scharf pointierten 
Abkehr vom Praktikenwesen ein astrologisches Prognostikon auf die neubegrün- 
dete Universität Wittenberg geschrieben, das handschriftlich erhalten ist. Zur 
weiteren Illustrierung seiner Neigung für das ganze Prophezeiungswesen jener 
Tage und seiner Bereitwilligkeit, den fürstlichen Liebhabereien gefallig zu sein, 
mag der Hinweis dienen, daß Mscr. l'üi der Leipziger Universitätsbibliothek 



') Also hier wie S. iz^f. die ominöse Betonung (und ebenso 1485 aufs Jahr i486, s. Anm. 3) 
L.eipzigs als Prophetenstadt im astrologischen Sinne! Das angebUche Prognostikum aufs Jahr 1483 
ist mir noch nicht begegnet. Freilich solche Litcraturprodukte gingen leicht zugrunde, weil sie 
direkt viel gelesen wurden, aber nach Jahresfrist kein Interesse mehr hatten, und Pollich redet doch 
später zu deutlich von dieser Praktik aufs Jahr 1483 mit dem von ihm falsch bestimmten „Domi- 
nus Anni"! — Während dieser Aberglaube zum ,, Ruhme" Leipzigs blühte und allseitige Pflege 
genoß, fand der alchemistische Aberglaube, der doch wenigstens einen kleinen zukunftsreichen 
Kern von praktischer Vahrheit enthielt, in Leipzig keine Gnade. Der Rat der Stadt beschloß 
1493, daß Ch\Tnistcn und Goldmacher bestraft werden sollten. 

'J Gustav Bauch, Geschichte des Leipziger Frühfaumanismus, Leipzig 1899 (XXIL Beiheft 
zum Zentralblatt für Bibliothekswesen) S. 8 — 10. 

•) Ob die deutsche „practica lipccnfis" des nämlichen Verlags auf das Jahr i486, die 
ohne Antomamen mit dem Doppelschilde (Kanne und Vöglein) Creußoers am Aste gleichfalls von 
Pollich herstammt (München, Hf. u. Sts.-B. Inc. s. a. 1403'^ ist nicht völlig sicher, aber sehr wahr- 
scheinlich. 



Martin Pollich als Mediziner. 



»31 



ein „Praegnosticon astrolot^icon super revelationes antichristi iam iam proximo 
aldituri" des Karthäuser Faters Bartholomäus l'"ryso sich findet, das Meiler- 
stadt („niedicorum minimus" nennt er sich hier in zeitiiblichcr Ziererei) von 
Herzberg ;bei Torgau mit einem längeren Widmungsschreiben an Herzog 
Georg von Sachsen am 30. Dez. 1489 sandte. 

Mit der Medizin hatte sich Pol lieh schon einigermaßen vertraut gemacht, 
ehe er mit den astrologischen Publikationen herauskam. Es wird berichtet, daß 
er um 1480 in Mainz förmlich Medizin studiert habe, doch sind mir nähere 
Daten darüber nicht bekannt. Im Jahre 1482') berief ihn Herzog (später Kur- 
fürst) Friedrich III., der Weise, zu seinem Leibarzte. Vielfach nur eine persön- 
liche Auszeichnung, hat im vorliegenden Falle diese Ernennung bald auch 
einen tatsächlichen Inhalt bekommen, besonders seit Po 11 ich den Kurfürsten 
auf einer Reise ins heilige Land vom März bis September 1493 begleitet hatte 
und ihn dort durch rasches Eingreifen bei unvorsichtigem warmen Bade nach 
starkem Weingenusse auf der Insel Rhodus aus vermeintlicher oder wirklicher 
Lebensgefahr gerettet hatte. Jedenfalls hielt der Kurfürst nun erst recht große 
Stücke auf seinen Arzt und „Lebensretter" und setzte es auch durch, daß ihm 
1494 trotz Widerstrebens der Universität eine Kollegiatur im großen Kolleg 
verliehen wurde-); er soll sie aber schon im Jahre 1495 wieder aufgegeben 
haben ■'). 

Über Martin PoUichs Verhältnis zur med. Fakultät sind wir nicht völlig 
klar unterrichtet. Zwar besagt oben S. 68 mitgeteilte Eintragung Valentin 
Beckes aus Schmiedeberg ohne Datum (vgl. Tafel II, Sp. i), vermutlich aus 
dem Jahre 1484 oder 1485 stammend, daß „Doctor" Melierstadt ihm, dem Dekan, 
4 Gulden, also das damals trotz aller statutarischen Erhöhungen übliche Ein- 
trittsgeld des auswärts Promovierten, bezahlt habe, man muß also annehmen, 
daß er damals schon den medizinischen Doktortitel irgend sonstwo erworben 
hatte. \'on dieser Tatsache verlautet aber weiter nichts, ebensowenig von seiner 
Aufnahme in das Consilium facultatis der Universität Leipzig. Vogel hat in 
seinem Verzeichnis der Mitglieder der medizinischen Fakultät nachträglich 
PoUichs Namen 1495 eingetragen, aber gleichzeitig bei Pistoris bemerkt, abijt 
ad Elect. Brandeb. ob rixas cum Pollichio. Diese „ri.Kae'" fanden aber erst 
'499) 1500 und 1501 statt. Es ist also wohl ebensowenig zuverlässig, wenn 
Vogel Pollich 1496, 1497, 149S zu den Fakultätsmitgliedern schreibt und 
diese Mitgliedschaft 1498 damit ein Ende erreichen läßt, daß er anmerkt: 
„D. Martin Pollichius vocatur Dresdam Archiater Friderici." 

Es ist uns aber eine Schrift im Druck erhalten, die ganz so aussieht, als 



') Vor 18 Jahren sagt Pollich 1500: ,,quam experienliam ceperim duobus annis de viginti: 
quibus imperatorio elcctori lUiustrissimae domus saxonie, Sercnissimo Duci Friderico . . serviyerara". 
Castjgaliones in alabandicas, Ijoo, Bl. b,'. 

') Stübel, Urkundenbuch der Universität Leipzig S. 242 Nr. 205. Anerkenntnis des Herzogs 
Georg im Namen seines Vaters, des Kurlursten Friedrich (datiert von Leipzig den 25. Juni 1494), 
daß Polich an dieselben Bedingungen gebunden sein solle wie die anderen KoUcgiaten des großen 
Kollegs. 

^) 1495 discessit, schrieb Zamcke in dem Milgliederverzeichnis des großen Kollegs. 

9' 



.111 --IC .*uinT'-;.uu in 1 .sciiitr in-MtiiiunL; iini i inii medizinischen Würde als feier- 
liche Disputationsre<.le ver\vendet hatte oder als I'inluhrungsrcdc beim Eintritt in 
die l'akultat, die Schrift „De complexione, quid est et quotsunt: quacstio 
nuper in lipzensi universitate per Martinum mellerstat. artiuni et medicinae 
doCtorcm disputata, ad unguemque cnicndata" '), eine im wesentlichen dialek- 
tisch-oratorische Leistung, die in ein Lob der Medizin ausklingt. Es ist genau 
die .Anordnung, wie wir sie bei solchen Disputationsscliriftcn der Leipziger 
medizinischen Fakultät auch sonst linden, z. B. bei der gleich zu besprechenden 
..Positio" des Simon Pistoris vom Jahre 149S, von welcher allerdings nur das 
Gerippe erhalten ist, die Disposition, welche er als Einladung zur Disputation in 
Druck legen ließ. Das Gerüste von Mellerstadts Disputation wäre das folgende: 

Quacslio. 
Utnim Complexio qualitas tangibilis, intcnsibilis et reinissibilis sit ad pondus cum calore 
simplid vel frigore in eodem subiecto aequalis. 

A. Prima conclusio. 
Complexio una qualitas actu simplcx, media intcr calorem et frigorem aut humorem aut 
sicdtatem. 

a) Corrclarium primum. 
Complexio non est qualitas secunda, sed pertinet ad gcnus primarum. 

b) Corrclarium secundum. 
Non potest dari chlolericissimus, nee homo temperatissimus. 

B. Conclusio secunda. 
Complexio componitur ex duabus qualitatibus simplicibus solum in specie detcrminantibus, 
quarum alteram habet ut materiam, alteram tanquam formam quae materiae dominatur et agit. 

a) Correlarium primum. 
Sicut impossibile est dari ad pondus cquale ita et compositam complexionem. 

b) Correlarium secundum. 
Non omne mixtum est calidum quoad equale pondus, ncc omne humidum. 

C. Conclusio tertia. 
Non est possibile, complexionem et qualitatem primam simplicem ciusdem generis in eodem 
subiecto esse, quemadmodum nee duas extremas qualitates. 

a) Correlarium primum. 
Imposibile est, in eodcm membro multas esse eiusdem generis complexioncs. 

h) Correlarium ultimum. 
Complexio qualitas intensibilis et remissibilis ad pondus cum caliditate simplici vel frigiditate 
in eodem subiecto non est aequalis. 

D. Conclusio impertinens. 
Medicina est scientia speculativa et practica. 

Coirelarium. 
Medicina est dignior aliis scientiis philosopbicis, 

'; Ich habe das Exemplar der Senckenbcrgschen Bibliothek durch liebenswürdiges Entgegen- 
kommen des Stiftsdirektoriums hier benutzen können. Es sind 6 Quartblätter mit den Signaturen 
„aij" und „aiij", die Rückseite des ersten und letzten Blattes unbedruckt, hergestellt offenbar in 
der Offizin des Jakob Thanner. Vgl. das Faksimile Tafel XV Nr. i. — Nachträglich erfahre 
ich, daü auch die Bibliothek der Leipziger Thomaskirche ein Exemplar besitzt. 



Martin l'i>lliL-li als Mediziner. 



133 



Danach scheint PoUich also wirklich nicht nur Doktor der Medizin gewesen 
zu sein, sondern auch in Leipzig einen feierlichen Akt zur Aufnahme in die 
Fakultät abgehalten zu haben (eine „responsio pro loco" etc.), trotzdem sich 
die Fakultät dauernd fast ostentativ von ihm zurückgehalten hat. 

Von medizinischen Schriften Martin Pollichs von Mellerstadt ist jetzt zu 
nennen das Speculum iMedicinae, das wohl ins letzte Jahrzehnt des 15. Jahr- 
hundert zu setzen ist, das 5pc:uluin Illoöicinc, gedruckt vor 1495') bei Martin 
Landsberg in Leipzig. Das Titelblatt bringt in nicht übler Zeichnung einen 
großen Holzschnitt, den wir auf Tafel XIII Nr. 2 in Originalgröße wiedergeben-). 
Der bärtige Lehrer thront auf dem Katheder, hält das Harnglas in der rechten 
Hand und hat die Linke eindringlich erhoben, indem er fünf Schülern Vortrag 
hält. Es ist die bekannte Schrift Arnolds von Villanova (1238— 131 1), 
welche die Gesamtausgabe seiner Werke eröffnet und in der Lyoner Ausgabe von 
15 14 z.B. Bl. I — 45' einnimmt „medicinalium introductionum speculum" oder 
„introductorium, speculum medicinae" genannt. Ob Mellerstadt einen früheren 
Druck seiner Ausgabe zugrunde gelegt hat, was mir durchaus am wahr- 
scheinlichsten vorkommt, oder nach einer Handschrift das Buch herausgibt, habe 
ich noch nicht untersuchen können. Das Interessanteste an der Ausgabe ist 
das als Einleitung vorausgeschickte lange Gedicht an die Leipziger Studenten 
mit seiner energischen Stellung gegen alle Quacksalber und der etwas hoch- 
trabenden Ankündigung des feierlichen Einzuges aller guten Geister der Medizin 
;mit Mellerstadt rrj in Leipzig samt einem etwas verspäteten Seitenhieb nach Prag. 

iluutiuus. illcUorftat ab fdiolaro? 8iypc5cnfcs. 

Vi noua 2lrnolöus rilla / parifiiis alta 

q?ucm colit : et «oniiuo cinrit hono:c caput 
Cuiq5 poteftdtcs Ijcrharuni rfunui5 mcöciiöi 

Scirc fuas artes letus apollo bcbit 
Hof:ijt illc nil^il bocuit quob pbilojopljia 

particulari^ et hcc quo mc6t:itia rocat 
plurinia quo civauis yallotuis 2lrab)'qj Jluiconna 

»roii6ita fcvuabaut! tvaiiftulit illo fuis 
ilrtibus inq5 alijs rclut aldjiniica tnao;icauc 

Practica quo Mcta c|t philojopljia niilji 



'j Trotzdem es Pollich in dem Federkrieg mit Pistoris, in dem er sich so gern spreizt 
und seine eigene Leistungen ins Licht stellte, nicht erwähnt (ebensowenig wie seinen „Mundinus 
cmendatus"), muß dies Buch aus Rücksichten seiner Typenanwendung in die Zeit von I494 — 1495 
gesetzt werden. — Es umfaßt 144 Bll. (21, — P,); das letzte Blatt und die Rückseite des ersten sind 
unbedruckt-, auf Bl. Dj' den Doppelschild Landsbergs am Aste. 

*) In Ansehung dieser Titelholzschnitte zum „Speculum medicinae'' des Arnold von 
Villanova und zum Mundinus (S. 122), die wir auf Tafel XIII nebeneinander haben, möchte 
ich darauf hinweisen, daß solche Titelholzschnitte für den Verleger Martin Landsberg etwas Ge- 
wöhnliches waren; hat er doch jedes Jahr seine Praktiken mit gleich großen Titelholzschnitten, aller- 
dings großenteils geringeren Wertes , ausgestattet. Interessant ist darin für die Medizinhistoriker 
vor allem die Gruppe der Pesttoten und -Sterbenden (wenn Saturn der Dominus anni ist) ähnlich 
der auf manchen Darstellungen des Heil. Rochus als Pestpatron. Über diese Zeichner oder Form- 
schneider Martin Landshergs steht eine Untersuchung meines Wissens noch aus. 



b, Litcraritche BcUiligung. 



[Bl. V,\\ 



~svmV alio5 iiilcvfiiit crpiTtifrniui« oiuncs 

,fo;it ot l}im: quouivini iuffit ilpollol libnmi 

iZm iionuMi üwiili vn'>''KiirK"»>^i' ''< nu-Mciiui 
("Juo rolnti fvwiilo fi: luoMauto lib:o 

^X-iffi? o:culfai' lllo^k■ilK• infpiccvc' cau|\i5 

rintü;. funiforos wroli nof;ovo mo:bos 
ilonüno ivl ^vo^MO ^luomqj ivwuv fuo 

rclK'utuni \'iiti"? : ot tijriiuifcniin 
iuv iioii infolitam y\\u\ o»iül.i ^mpcvi.u^ a\Um 

Sacra \\üt fll^ans■. lUiibit ot onuio fonim 
2lb riiM:o noiui^ )Violo:imi flm^itll^ cnor 

v£rtivpotur:ont quiüij 2hii:cinia ^'tu^on^ 
>£rao poiio rubMiii foruotiti murioc miti\ini 

ilani tiM roi. iitbil oft »Tiolico millus. criS' 
lliin: *EnHvn:o rimmi |'o:biiv ;,\irato 

jactato KiohiiH i\iiio k\iiuu\i,i rinmi 
fcfbia iaiii tibi iiil ^\'o\'nuit moi^ci^'S borbo 

ricmoiK' kiuo iii:liifo i^o;i^\TO ni.iiÄa 
iTu iUio.i5 pooniä fi'uflra ^\'ofitobv.ni^ avtcm 

Oviitif. bob.vv for.nil tibi mcffis. crit 
roiiit ciü in iioftra^ tj^cm ipfc i£piöaunu> o.ms 

»Tui toiiot obfoffai. caiiöi6a barba cjciias 
Tcnit et ipfc patcr mc6ico:imi iinbcvbis apollo 

~Ui nuinibii? Knirum Unirca forta «jorons 
Q\wm :oiiiitabatiir {q^ riöiimii.) \\^U nuidwon 

iTui nibouni fiip:a tcmpova tOvjnu'ii oi\U 
Cr6ino .iuo~ lonao foquitui- pbcboia yubci- 

(^comiim in moioni niuriiro yxcta capnt 
Cninofi palla5iani p:ov\Tabant riforc lipjl'im 

^C:.}!^ ^o core parant ÖOvjnia dicvu)'tc (uunt 
>£iKi6ctii5 rno ia qiiiui» öocfior anno 

Qm p:iu5 in niultis o6it>tciffo potcft 
jain ycns niiffono pbcbcia furzet [jcliftro 

janiqj yomon^ inoöiaun fcnciet cycr oycm 

(5auöe icsituv :c:c fIo:i6a nala pwijc. 
^finis. 



I »Tonclufio. 

fioc fpocuhnn crcgi trinc aurilio öcitatis 

Q\K fpcculuni otcnic cooinitionis crit 
Quob üick aö facicni nobis :oncc6c riöoro 

(Tu ;.Mtcr et fili tu quoqj pneutna facrum 
Üerne v>-'rfone natura feö rna Öeufq5 

f n öeus oft 6eu5 oft öeus illo mitji. 

Etwas von eigener Leistung findet sich niciit in diesem poetisch ein- 
geleiteten und geschlossenen Abdruck einer beliebten praktischen Schrift des 
Mittelalters, auch keine Zusätze etwa aus eigener Erfahrung heraus, die ihm 
doch gewiß auch damals schon, wenn auch vielleicht in beschränktem Maße, zu 



PoUichs Abkehr von der Astrologie. I^: 

Gebote stand. Schon seine zweifellose Leibarzttätigkeit am Hofe Kurfürst 
Friedrich III. läßt über seine Ausübung der ärztlichen Pra.xis keinen Zweifel. 
.Auch bin ich in Rezeptsanimlungen aus dem ersten Viertel des i6. Jahrhunderts 
zusammengelesenen Kezeptformeln begegnet, welche seinen Namen tragen. So 
bringt eine wichtige Kollektanceniiandschrift der Lübecker Stadtbibliothek 
(Ms. Lub. uu'd. 8" Nr. 11) auf Bl. 456' eine ganze Reihe von X'erordnungen 
gegen die Wassersucht, deren erste den Schlußsatz trägt „praedicavit de ista 
cura et habuit pro magno secreto doctor iMartinus Meilerstat", während sich 
noch vier andere auf ihn berufen — wenn auch ohne wissenschaftliche Be- 
deutung zeigen sie uns den Mann doch in seiner ärztlichen Tätigkeit'). 

Damit hätten wir Martin PoUichs medizinische und astrologische 
Schriften kennen gelernt, soweit sie heute erreichbar vorliegen, es bliebe uns 
noch der große Schriftenkampf mit Simon Pistoris zu betrachten, der von der 
historischen Legende als die Ursache zweier Universitätsgründungen aufgefaßt 
wird, der von Wittenberg und von Prankfurt an der Oder, jedenfalls damit 
endete, daß sich zwei steifnackige Gelehrte ein anderes Tätigkeitsfeld suchten. 

Ob die Reise ins heilige Land den Horizont derart erweiterte, daß er 
über die Fesseln des astrologischen Wahnes klarer zu sehen begann, ob er 
durch die spiegelblanke Dialektik Picos della Mirandola allein gewonnen 
und umgestimmt wurde, die 1495 ^^^ Astrologie den Garaus machen wollte, 
aber ihr lustiges Weiterblühen auf die Dauer doch nicht zu verhindern ver- 
mochte, wird nicht bestimmt entschieden werden können, doch scheint tatsäch- 
lich die Sinneswandlung des Martin Pollich eine der vielen vorübergehenden 
Einwirkungen des epochemachenden Buches „Sisputationcs aörcrsus 2t)'lroloy05" 
zu sein, das 1495 bei Benedikt Hectoris in Bologna erschienen war-). Urkund- 
lich sicher belegbar ist diese Sinnesänderung erst in der zweiten Hälfte des 
Jahres 1499; sie bestand aber schon im Jahre 1498. 



') Die Eintragung im Ms. Lub, med. 8" Nr. II BI. 456' lautet: 

«[ Quidam vir nobilissimus maximarum e.\perienciarum ydropicorum aquam sie extraxit. 
i^ Succi radicis ebuli et parum coxit lentissimo igne et colavit et commiscuit aliquas 
species aromaticas et parum zuccari propter eius nauseam , qui sapor per se est quam 
abhominabilis et dedit ei .S iij vel paulo plus secundum constanciam virtutis pacientis et 
valde confidenter pracdicarit de ista cura et habuit pro magno secreto doctor Martinus 
Meilerstat. 

•j Item magnum secretura et verissinium radix herbae hircinae quae esto candelaria cocta 
in vino et id unum datum potui et substancia radicis temperata et pistata curat omnem 
ydropisim curabilem, ab eodem. 

C Item miranda fecit quidam dedit ydropico duas pilulas confectione de farinn purissima 
fnimenti et cucumeris asinini succo ad qualitatem cicerum et laxavit totam aquam praeter 
gambarem ibi fecit locionem de superis tranendo infra continuis vicibus cum succo caulium 
et dictavit iuxta convenienciam, ab eodem. 

•i Item vel vidi coquere folia cucumeris asinini et coctionem inicere per clystere et folia 
calidc mitti super ventrem et valde egregiam operam fecit et ego nun expertas, ab eodem. 

*i Item 9 cocooidii - jn diagridij, Masticis, pilonim spicae nardi ana ^ j conficiantur pilulae 
ab eodem. 

*) Vgl. meine „latromathematiker, vornehmlich im 15. und 16. Jahrhundert''. Abbandlungen 
zur Gesch. der Medizin Heft II, Breslau 1902, S. 32 — 34. 



l.ilcrarischc liclätigung. 



1 i;ic .iiuuu 1 i.iLjc, uic natürlich, wie fast alles Medizinische, auch wieder 
mit der latromathemathik in engste N'erbindung gebracht wurde, bescliat'tigte 
damals äußerst lebhaft in theoretischer wie in pr.iktisclier Hezichimg die Ar/.te- 
welt, die Frage der Svphilis. 

Getreu seinem schon 14SJ dokumentierten Ik'streben, sicli nicht durch 
Zögern in der akademischen Beschäftigung mit neuen Fra;j;en in den lUnter- 
grund drangen zu lassen '), hatte Meilerstadt, wie er selbst berichtet, in gezierter 
scheinbarer Selbstverkleinerung: „morbum gallicum epideiniam esse . . . asse- 
veravi pro ingenii imbecillitate et auctoritatibus et rationibus sub duabus disjiu- 
tationibus anno XC\"I. habitis"*) schon im Jahre 1496 schulgerecht über die 
„neue Krankheit" zweimal disputiert. Unterdessen begann die Flut der Syphilis- 
literatur zu steigen. Im Juni 1497 erschien zu Venedig in feiner Aldine der 
„Libellus de Epidemia, quam |1 uulgo morbum Galli |] cum uocant"') von Nicolo 
Leoniceno, der, damals schon fast 70jährig (* 142S). einer der ersten war, 
der von dem Tranke an den getrübten Fluten arabischer Entlehnungen zurück- 
gerufen hatten zu der ursprünglichen Klarheit kristallheller Ouellenfrische, die 
bei den Griechen, vor allem bei Hippokrates, sprudele. Dessen kleine Schrift 
über die Syphilis atmet denselben Geist, wie ihn schon desselben Autors 1492 
in Ferrara herausgegebene revolutionäre Schrift „De medicorum erroribus" 
manifestiert hatte ';, wenn auch ihr wirkliches \'erdienst für eine tiefere Erfassung 
des Wesens dieser Krankheit oder ihre Behandlung überaus gering ist. Sie 
war unserem Meilerstadt in die Hand gefallen und von ihm freudig begrüßt 
worden'), der ja auch vom Wehen des ,,Frühhumanisnius" einen Hauch verspürt 
hatte. Er machte dies Büchlein sofort zum Gegenstand einer akademischen 
Handlung: „Ea novitate captus, volens professioni meae satisfacere, utque tra- 
dita doctrina cunctis redderetur notissima, ausus sum . . . gymastico certa- 
mine eius rei utilitatem publice in lucem ducere tradereque praecepta, 
quibus singuli etiam minus docti non fugere tantum, sed quoque habitum 



') „IIa apud me decidi ut nescio quo metu perculsus libenter hoc onus alteri reliquissem, 
si Ulla absque aemulorum obtreclatione id posse fieri putassem . . ." AVidniun|,'svorrcde zu dem 
j.Compendium quindecim propositionum". 

•) Defensio Leoniceniana Bl. a,'; ist dieser Termin nicht absichtlich zu früh angesetzt.' 

') 28 BU. (a, — d,) 4» + I Bl. „Correctiones", Rucks, des Titels und des Blattes d, unbe- 
druckt. Bl. d,' Zeile 30: „Venetiis, In domo Aldi Manutii. Men- || se lunis .M.iii.D." Der Nach- 
druck bemächtigte sich schleunig dieses Buches; schon am 4. Juli erschien es zu Mailand bei 
Joannes de Legnano, gedruckt von Magister Guil. Siguerre aus Rouen aufs neue mit dem Titel- 
zusatz „nuUo Sroffulae". Auch in Leipzig wurde schon 1498 oder 1499 von Wolfgang Stucke), 
ein Kachdruck hergestellt: „ITicolai £coniceni oiiiceii || tini in libzum be (Epi&iinia quam ^^aU 
inoibum galli- 1, cü Dofaiit ai iUuftrem cirum 3<'iJ»iic'i j^raticifcü ili || ranbulenfem [!] concoibie 
comitcm." 24 Bll., 4" (21, — D,, Titelrückseitc unbedruckt) ohne Ort-, Jahres und Verlagsangabe. 

*) „Zticolai leoiiiceiii ie p.inij 2 pluriü alio2U3 in mebicina rrrozibus li: || bcr ab boctiffimu 
rirum 21tigelum pofitianuj." 18 BU., 4" (ai— 8, bi-i, ci— e), die letzte Seite unbedruckt, Bl. <•„' 
„3"iptcffi j^crranc per ma^ifttü Caurriitium be ralciitia 2 |i }Itibrcam ie cdftroiiouo focios . ble 
.rpiij. DfCfmbris. II anno bomini. 1492." 

'■) Doch wohl nicht nur um ihres eleganten Stiles willen, wie Simon Pistoris seinen Gegner 
spltcT vorhielt, wenn auch viel Wahres an diesem Vorhalt ist. 



l'oUicIis Hiiitretcii lUr Loonicenn und Disputation mit Pistoris. 1^7 

morbuin et pellere et curare ipsum possent . . ." '). Können wir auch nach 
Durclisicht der Schrift des Leoniceno den praktischen Efl'ekt für die Heilung 
des Lues venerea nur sehr gering anschlagen-), so war der frische kritische 
Geist, der die Modernen und die Araber stets scharf am Maße der Antike mißt, 
für jene Zeit um so eindrucksvoller und zur eigenen Stellungnahme zwingend, 
mochte sie nun zustimmend sein wie bei Pollich, oder scharf ablehnend wie 
wohl bei der Mehrzahl der Dozenten, die dem radikalen Umstürzler nur un- 
willig horchten, so auch unsere Leipziger „Facultas Medicinae", die Mellerstadt, 
dem unruhigen Neuerer, sowieso nicht recht gewogen war. Sie schickte also 
einen bewährten Kämpen aus ihrer Mitte ins Feld, den Sohn weiland des 
Professors der Pathologie Xicolaus Pistoris, der auch selbst die nächste 
Anwartschaft auf eine nahe \'akanz in den beiden ordentlichen Professuren 
hatte ■■';, da er ihr seit Beginn des Jahres 1487 als Mitglied angehörte, und 1488 
in ihr Consilium aufgenommen war, Simon Pistoris^). Im Auftrage des Dekans 
kündigte er eine feierliche Disputation an, „et iussu et ordinatione decani 
medicae facultatis", sagt er selbst, „quaestionem quandam^) coUectam et exa- 
minatam disputavi. conclusiones et correlaria ex ritu scolastici certaminis in 
auditorio publico florentis studii liptzensis disputative sustinui". Ja, um dieser 
offiziellen akademischen Handlung erhöhte F'eierlichkeit, Publizität und Nach- 
druck zu verleihen, ließ er seine Thesen drucken als: 

„Pofitio bi lUorbo ^ranco ^w Poctorcni Synioncni piftoris in 
alnio yyninafio lypcenft öifputanöa". 

Leider ist das Exemplar, das Astruc in der Mazarinschen Bibliothek zu 
Paris benutzte, dort nicht mehr vorhanden, ebensowenig ein anderes Exemplar 
in Frankreich und in Deutschland, wie mir die Herren Pollain, Haebler 
und Voullieme versichern. Der Druck selbst ist völlig zweifellos, wie un- 
widerleglich auch die zweimalige Betonung Mellerstadts dartut, wenn er die 
„quaestiunculam nudam litterariis formis pressam"*) erwähnt und ausdrücklich 
erklärt, er hätte die literarische Fehde im Sande verlaufen lassen, wenn die 
„Positio" nicht im Druck erschienen gewesen wäre: ,.si saltem formis non im- 
pressisset" "). Auch die Drucknotiz am Fuße: „Jinpri^lfin" ^YP^^ P"-'*^ 21Tdr:unx 
i^ranöt a. H98" '^^t Astruc sicher nicht erfunden, wenn sie auch das Kopf- 

') Dcfensio Leoniceniana Bl. a^'. 

■} Er schreibt nur ganz kurz darüber und fühlt das auch selbst: „Haec sunt, quae de raorbi 
gallici curatione summatim, brcviterque pertranseo, forte altero volumine latius executurus" Bl. d,'. 

') Wenn nicht Mellerstadt vor ihm „rangierte", dessen Verhältnis zur Leipziger medi- 
zinischen Fakultät nicht klar ist, wie wir oben gezeigt haben. Jeder mag im anderen seinen Kon- 
kurrenten gesehen haben; das besagt wohl auch die sonst dunkele Wendung Mellerstadts „In- 
vidia, quam adversum me a cunabulis et natalilio sydere hausit" (Denfensio Leoniceniana Bl. a,'). 

*) ,.Unus et ipse ex summis ejus aetatis medicis" sagt Melchior Adam, Vitae Germanorum 
mcdicorum, Haidelbergae 1620 S. 7. 

") quondam heißt es im Originaldrucke der „Declaratio defensiva" S. 31./. 

") Defensio Leoniceniana S. a,'. 

') Ebenda S. a/. Seine Gründe lagen aber ganz wo anders! 



(>. Literarische BctäliRunf;. 



schütteln der Inkunabclkiiiuliijcn erregt hat, weil Marcus Brandis' Verlag 1498 
nicht mehr existierte. Main fuhrt diesen Druck unter Nr. 13020 an, hat ihn 
aber nicht selbst gesehen. Wenn R. Froctor in seinem ., index o( the early 
printed books in the British Museum" ilas Druckwerk S. S35 in Klammern hier 
setzt, so will er damit sagen, daß diese 1 lainnummer nicht existiere und mit 
dem Abdruck in Grünbecks: de pestilentiali scorra. Magdeburg, Moritz Brandiß 
(Proctor Nr. 2763 identisch sei'). Darin ist der so überaus peinlich exakte 
Mann aber zweifellos im Irrtum gewesen. Für mich besteht kaum ein Zweifel, 
daß es sich um einen Einblattdruck hier gehandelt hat, um ein (liegendes 
Blatt, wie sie damals Brauch, aber schnell dem Untergang geweiht waren. 
Das älteste derartige medizinische Druckstück aus Leipzig, das mir im Original 
bekannt geworden ist, lasse ich als Spezinien seiner Art auf Tafel Xl\' leicht 
verkleinert reproduzieren, wenn es auch jedenfalls nicht vor das Jahr 1512 fällt; 
doch hat sein V'erlasser noch im letzten Jahre des ersten Jahrhunderts den 
untersten medizinischen Grad in Leipzig, anscheinend als schon älterer Mann, 
errungen-. .Ähnlich wird auch das werbende Flugblatt des Pistoris ausgesehen 
haben. 

Betrachten wir uns die Aufstellungen der „l'ositio" des Simon Pistoris 
etwas genauer'), so enthalten sie genau besehen weder etwas Aggressives gegen 
Meilerstadt, noch etwas Abträgliches für Leoniccno. Der Streitj^unkt wird 
dahin präzisiert, daß zu untersuchen sei, ob die herrschende Krankheit, die 
man die gallische nenne, aus gewöhnlichen, allbekannten Wittcrungseinflüssen, 
wie größere Wärme und Feuchtigkeit der Lult erklärt werden könne, oder ob 
irgendeine verborgene Qualität außerdem im Luftmeer vorhanden sein müsse, 
die zu deren epidemischem Auftreten Veranlassung gebe. Leoniceno hatte 
an der Hand des 21. Satzes im 3. Abschnitte der Aphorismen des Hippo- 
krates, der unter den Sommerkrankheiten Mundgeschwüre und Verschwärung 
der Genitalien aufführt (fTTO^rhotv i).x(ü(Ttsg xai (jtjmdövsg uiSoimt'), ersteres be- 
hauptet; Pistoris lehnt dies ab, ohne ihn zu nennen. Wolle man die Lues mit 
dem geläufigen Namen einer Hautaflfektion (pustula, anthimata, alhumera, ele- 
phantiasis oder saphati'; benennen, so müsse man ihr mindestens das Beiwort 



') Daß diese Annahme über die Proctornotiz richtig ist, wurde mir in der Inkun.-ibelabteilung 
des britischen Museums ausdrücklich bestätigt; Herrn Dr. Schulderer sage ich Tür seine Mühewaltung 
noch besonderen Dank. Die „Posilio" von 1498 (Hain Nr. 13020) befindet sich als gesonderter 
Druck nicht im Britischen Museum. 

*) Kaspar Kegler (der ältere), bekannt als Verfasser eines Pesttraktates (1521) und einer 
Schrift über den „Sudor anglicus" (1529), stammt aus Tiersheim und war schon 1485 in Leipzig 
inskribiert, hat aber erst 1509 das Baccalariat errungen und ist 151 2 als Doctor med. rezipiert 
■worden. Vielleicht war Kaspar Kegler der jüngere (aus Leipzig) sein Sohn, der im Sommer 
1519 inskribiert wurde, lange der Artistenfakultät angehörte (Baccalar 1525, Magister 1529, im 
Konsilium der Artistenfakultät seit 1532) und erst 1542 zur medizinischen übertrat. — Die be- 
druckte Fläche (der Spiegel) dieses Einblattdruckes hat im Exemplar der Münchener Hof- und 
Staatsbibliothek („Einbl. VIII, 13") die Maße von 310x203 mm; die Maße des Blattes sind 
430 X 325 mm. 

^) Vgl. den Abdruck bei C. H. Fuchs, Die ältesten Schriftsteller über die Lustseuche in 
Deutschland, Göttingen 1843, S. 127^ — 130. 



I.eoniceno, PoUich und Pistoris über die Sj-philis. I jg 

„epidemisch" geben. Sie gleiche in Krankheitsdisposition und Materie der 
Lepra jedenfalls weit mehr, als den Sommergeschwiiren des Hippokrates. Sie 
„wenig willfährig" zu nennen (male morigeratus), gleich schwer zu beeinflussenden 
Krankheitssäften und Fieberzuständen (wie Mellerstadt, der aber nicht genannt 
isti, gehe doch wohl nicht an. Die verborgene krankmachende Potenz im 
Firmament oder im Luftmeer erkenne man durch die Astrologie, die zwar kein 
Teil der Medizin, doch aber sehr nützlich für sie sei. Wie der Arzt aus der 
Beobachtung des Krankheitsvcrlaufes seine prognostischen Schlüsse ziehe, so 
der Astrolog aus der Beobachtung der Gestirne. 

Das sind im wesentlichen die Leitsatze des Simon Pistoris. Im 
springenden Punkte, in der Erklärung, daß ein ungewöhnlicli warmer und 
feuchter Sommer nicht genüge, um das Auftreten der Syphilisepidemie zu 
erklären, sondern daß noch ein weiterer geheimnisvoller Faktor hinzukommen 
müsse, ist Pistoris jedenfalls der Wahrheit näher als Melierstadt und Leoni- 
ceno. Der für diesen Fall allzueinfache Erklärungsversuch mittelst der Saison- 
krankheiten des Hippokrates, war zweifellos ein starker Mißgriff, trotzdem ihn 
viele gedankenlos damals akzeptierten. Wenn Pistoris diesem mysteriösen 
F'aktor der spezifischen Infektion mit einem zweiten Unbekannten dem geheim- 
nisvollen Sterneneinfluß erklärend beizukommen suchte, so ist das natürlich 
blauer Dunst, aber weitverbreitete Zeitmeinung, die jedoch der am wenigsten 
verspotten darf, der das geheimnisvolle Agens einfach ignoriert und platte 
Banalitäten wohlgefällig an seine Stelle setzt, zufrieden, daß ihm ein großer 
alter Autorname dazu scheinbar das Recht gibt. 

Wie wenig die sogenannte „Renaissance der Heilkunst" im Zurückgehen 
auf altgriechische Weisheit einen wissenschaftlichen F"ortschritt bedeutet, dafür 
bieten Leoniceno und sein eifernder Parteigänger an der Pleiße ein lehr- 
reiches Beispiel. Dadurch, daß man die Griechen im Original oder in wort- 
und sinngetreuen neuen Übersetzungen in naturwissenschaftlichen und medizi- 
nischen Dingen so wesentlich höher einschätzte als ihre geistvollen arabischen 
Interpreten, die vieles noch im Original besaßen, was uns lange verloren ist, 
verrammelte man sich für eine ganze Reihe von Jahrzehnten die Zugänge zur 
eigenen Xaturbeobachtung, tauschte kaum verstandene neue Autoritäten gegen 
falschverstandene alte ein'. — — 

Im Wesentlichen ist alles Weitere, was in Leipzig nun folgt, ein Streit 
um Worte und deren „Auslegung"; sehen wir, ob sich dabei einer der Kämpen 
noch ein Spürchen von eigener Beobachtung bewahrt, wer dialektisch der Ge- 
wandtere ist, worauf im Grunde alles hinausgeht, und wer sich im Streite einen 
Rest von Würde zu retten weiß. 

Leider muß es gesagt werden, daß schon das erste Pamphlet Mellerstadts 
an hämischer Verkleinerungssucht und brutaler Kampfesweise das Denkbare 
leistet, ohne dazu in den ruhigen Aufstellungen Pistoris auch nur den leisesten 
Vorwand zu haben. Mögen im Rede kämpf zu Ende des Jahres 1498 im 
großen Kolleg auch scharfe Worte gefallen sein, so erweckt die Plumpheit des 
Angriffes doch unwillkürlich den Verdacht des Gefühles der Schwäche der 



j 1^-, "- i.U'TAnsclic Hctati(junK, 



eigenen l'osition oder — einer vorhandenen starken latenten Gecrnerscliaft, die 
nur auf die Gelegenheit wartet, sich zu entladen, zumal der Verfasser aus- 
drucklich zweimal betont, daß er nur um der gedruckten Th<!sen willen, die 
doch von Invektiven völlig frei sind, öflentlich im Druck erwidere, und min- 
destens S Monate, wahrscheinlich noch längere Zeit, seit der Disputation 
des Jahres 1498 vergangen waren, die llitze des Gefechtes also hätte verraucht 
sein sollen. 

.\m 17. September 1499 erschien bei Moritz Brandis in Magdeburg die 
„Defensio Leoniceniana" (vgl. Tafel X\', Nr. 2) Mellerstadts, allen ,,Lipczensis 
medicis" gewidmet*';. Der Gegner wird nicht genannt, sondern als ein „zophistes" 
bezeichnet, den er wegen seiner „futilia aniliaque deliramenta" zunächst für 
einen „empiricus" gehalten, der allenthalben in Apotheken und Spezereiläden 
über gesucht benambste Krankheitserscheinungen rede-). Und dann zieht er am 
Gängelbande seiner .-\utoren gegen Pistoris ins Feld, wobei er den Plinius 
als ,,gravissimus ille auctor" bezeichnet, anscheinend ohne eine Ahnung davon 
zu haben, wie dessen Stern vor der Kritik der Humanisten durch Leonicenos 
„De erroribus" im Erbleichen war. Auf die Sache geht er kaum ein, sondern 
hilft sich mit Invektiven und Unterstellungen. So ist es natürlich ein ver- 
leumderischer Angrifl' auf Hipp(ikrates, wenn man nicht sofort zustimmt, daß 
an der oben angedeuteten .Xphorismenstelle die Lues gemeint sei „o inexcusa- 
bilem caluniniam"! Auf demselben Niveau der Schlechtigkeit („pravitatis") steht 
der Vergleich der Syphilis mit der Lepra ,, . . . nuUa ergo morborum illorum 
similitudo. nuUa cognatio minorque proportio quam huius: homo est asinus", 
wobei wir die „exakte" statistische Notiz erhalten: „a lue gallica saltem cura 
regulari adhibita multa hominum milia curata sunt". Eine wunderbare Ety- 
mologie des Wortes „epidemu.s", im Gegensatz zu „demosios", macht er sich 
zurecht*) von der Göttin .,Demia" des Festus Pompeius, „aegritudines quasi 
non publicae, sed divinae vel occultae". Die Hälfte der ganzen Streitschrift 
nimmt die Bekämpfung der Astrologie ein, an sich ja gewiß verdienstvoll und 
am Platze, aber doch im wesentUchen dialektischer Natur in enger .Anlehnung 
und vielfacher Berufung auf Pico von Mirandula*) und die hier nicht her- 
gehörige „Gottlosigkeit" der Astrologie; mutig sagt er aber der ganzen Uni- 
versität Leipzig es ins Gesicht, daß sie sich zur Mitschuldigen solches Miß- 
brauches mache, indem sie nicht verhindere, daß Praktiken unter ihren Namen 



'> 16 Bll. 4", Rückseite des letzten unbednickt, auf der Vorderseile desselben Zeile 29: 
>/ ■ . ^"'P-'iiain irta^deburgf 2Inno itomini mit- |{ Ifltnioquabiin^enlcfimotToiiageroiionono Die 
p«ro [1 txrimafrptima mfiijis repteinb:is". Vgl. den Abdruck bei C. H. Fuchs, Die ältesten 
Schriftsteller über die Lustseuche in Deutschland, Göttingen 1843 S. 131 — 154. 

') „At nuUae oflicinae sint nuUaeque aromatariae, in quibus zophista iste non malefrancum 
anthj-mata, alhuroeraque epidemialia exultando disserueril, ita enim remotioribus vocamentis delec- 
tatur . . . vel solus ea no>-isse videri . . ." (Defens. Leonic. Bl. a.'. 

>) Bl. 0,' ebenda. 

♦) Bl. b,' ebenda. 

') Wenn Pollich auch seine ,,eigcnen Beobachtungen und Erfahrungen" betont. 



Der Leipziger >yiiiiili!-5ireil 1499 — 1501. I4I 

ausgingen', wenn er auch die Kalender und Almanachs (vermutlich samt dem 
„Laßzettel"; jährlich ruhig weiter gestatten will. Zum Schlüsse verweist er auf 
eine Schrift des Juristen Pandulphus Collenutius, die gleichzeitig im selben 
Verlage auf einem Ouaternio in wohlgepflegter Latinität erscheine. Sie geht im 
Leipziger E.^cemplar als „Jllitlna (Tolle || nutij" auf vier unbezeichneten Blättern 
voraus, die nichts weiter enthalten, als eine allgemeine .Lobrede auf die 
Wahrheitj die von Tadel und \'erleumdung verfolgt wird. Collenutius ver- 
teidigte später den Plinius gegen Leoniceno (1502); damit dürfte wohl 
Mellerstadts Neigung für ihn erloschen sein. 

Nach 3^2 Monaten, am 3. Januar 1500 ließ Pistoris seine Entgegnung 
erscheinen, die „Declaratio defensiva" (Tafel XV. Nr. 3', welche auf 10 Blätter 
(das 10. und die Rückseite des ersten unbedruckt) von Kunz Kachelofen in Leipzig 
sauber gedruckt war mit dem Schlußvermerk Bl. S,'^ Zeile 1 3 : 

„I)atunx Cyptjf anno IVl. quingcntcfmio || bxc mcnfis jauuarij tcrcio"-). 
Mit Recht erklärt Pistoris in der Widmung „Pniuerfts mcöicis Symon Piftoris 
Siilulcni bicit" in aller Ruhe, die das ganze Schriftchen auszeichnet, daß es 
seinem Gegner schon im ersten Redeturnier mehr auf Angriffe und Lärm 
angekommen sei als auf die Sache, daß er auch nur um Worte und Bezeich- 
nungen streite nach Art der Grammatiker (mit dem spöttischen Nebensinn des 
gelehrten Anfängertums\ während Vertretern einer höheren Fakultät, wie sie 
es doch beide seien, Ernsteres zieme. Daß er die Autorität dieser medizinischen 
Fakultät zur Zensur ausruft (Bl. 21,'^), wirkt etwas schwächlich, ist aber für die 
ganze Sachlage bezeichnend. Mit Recht weist er aber ein solches verlästerndes 
Vorgehen, wie es Mellerstadt beliebe, als nur bei wissenschaftlichen Abc- 



') El. 15' ebenda: ,,Laudareni itaque si nostri temporis astrologi quotannis supputarent 
Almanach coniuncüonum et oppositionum lunarium atque eonim eclipses, obmittendo sceleratas 
divinatorias atque diabolicas practicas, quas nonnunquam sab litulo almae uni- 
ver.sitatis nostrae emittunt, quasi ipsa conscia sit huiusce damnatae falsitatis, 
quam nmliis annis docente experientia comperit falsam, vanam et superstitiosam." Es steckt doch 
ein guter Posten pharisäischer Heuchelei dahinter, wenn man weiß, wie wenig Jahre her sind, 
dal! Meilerstadt selbst noch seine „Practica Lipsensis" Jahr für Jahr herausgegeben hat! — Als richtiger 
zopfiger Gelehrter, dem der Sinn für Humor abgeht, dokumentiert er sich in der sittlichen Ent- 
rüstung über den übermütigen Scherz eines Praktikenschreibers aufs Jahr 1499, der seinen Lesern 
den feisten Bären aufband, daß in diesem Jahre die Augustinerpatres Frauen nehmen und Hoch- 
zeit halten würden. In einer späteren Schrift, der „Responsio" von 1501, findet sich (Bl. i)^') das 
pikante Detail' „Quia Lipczk quam Nurenbergae, carius venduntur iudicia astrologica, ibi quam hie 
in maiori pretio habentur astrologi. Videas ne astu quam doctrina plures medicinam tractent" 
und folgende verdächtige Flunkerei: ,,In locis insignibus (ut Nurenbergae), circa aegrotos talia 
exacte observare, poena exilii est; nonnumquam enim aegroti spe diuturnioris vitae nuper praesagitae 
eis ab astrologo absque ecclesiae sacramentis decessere, plus nestoream senectam quam illud salva- 
toris : quia nescitis diem neque horam, credentes", die stellenweise fast denunziatorisch wirkt und 
endlich (Bl. &,') die richtige Selbsterkenntnis „Sed quis infelicius, quam lucri vcl quaestus gratia 
quotannis astrologica vendere iudicia? [wie er selbst es so manches Jahr getan!] provocare adversus 
sc et suopte iudicio (propter mendacia) calumnias hominum, iram et dei indignationem, uode 
insipientissimi putantur?" 

') Vgl. den Abdruck bei Fuchs a. a. O. S. 15; — 168. 



(>. Literarische UeUligunc. 



Schuticil utilioh /.iinick: ..Seiiiper namque contunicliisdisputantcs.tiuoniain ciirso- 
nim est, dctcstatus sum" (Bl. 21 ,'l In der ersti-n I lalfto seiner Arbeit widerlegt 
Pistoris in sciilichtcr Sacliliclikeit die Spit/.lindigkeiteii um! Seitensprünge des 
Gegners, ihm gelegentlich recht unverblümt die Wahrheit sagenil: .»l'utas cunctis 
placere niagis, si verbis comiJtis altricetur revera, tibi zophistae nomen aperte, 
vindicas" . . . „mcdicos, non modo philosophos tantum, legito et capies" (Seite 
21,' und 2l^'\ Auch die törichte Heinuiptung, als habe er den I lippokrates 
verkleinert, wird scharf abgewiesen und die Redereien gegen eine gewisse Ähn- 
lichkeit zwischen den Erscheinungen der Lepra und der Syphilis mit dem ein- 
drucksvollem Hinweis aus der täglichen Erfahrung abgetan, daß man nicht 
selten Syphilitische für Lepröse ausgegeben finde: „Quot inter leprosos positi 
isto ex morbo repcriunturi" [Bl. 21^'). Was die Astrologie anlange, so sei Pico 
della Mirandola zunächst kein Ar/.t. der doch in Fragen der Seuchenlehre die 
Entscheidung haben müsse, wie beispielsweise Ibn-Slnä. Auch Galenos sei 
iiber den Einfluß der Mondphasen auf die Krisen und kritischen Tage nicht im 
Zweifel, wie denn auch andere Arzte, selbst Hippokratcs, über den Nutzen der 
Astronomie und Astrologie für die großen epidemischen Fragen und die kleinen 
Bedurfnisse der täglichen Praxis günstig sich aussprächen. Es wird dem guten 
Manne ganz warm dabei, um seiner lieben nützlichen Sternenweisheit willen: 
,.Ü quanta viri audacia, qui non modo haec dicere, verum pressa in manus 
omnium tradere praesumebat"']'. Mit Recht weist er zwar die theologischen 
.Argumente als hier nicht von Bedeutung zurück, macht sich aber eines gleichen 
Fechterkunststückes wie sein Gegner schuldig, wenn er ihm astronomische 
Vorausberechnung von Finsternissen und Ahnliches als beweisend entgegen 
hält Dagegen hat er wieder leichtes und einwandfreies Spiel, wenn er auf 
den unbekannten (infektiösen) Faktor in der Pathogenese der Lues hinweist 
„cum ostenderem, malum francum habere causam quandam malivolam et 
incognitam etiam medico . . . Quem latere potest medicum, praeter qualitates 
manifestas aliquam occultam causam in isto morbo reperiri" und dem verleum- 
derischen \'erdrehungskünstler „Apertam veritatem illaniatam ferre haud potuisti"" 
zuruft. Leider begibt er sich gelegentlich auch auf das rein dialektische 
Gebiet, ohne zu bedenken, wie bequeme Handhabe er damit seinem hierin ihm 
weit überlegenen Gegner bot, und hält ihm vor, daß es ihm in praktischer 
Medizin an der unentbehrlichen praktischen Anleitung, wie er selbst am besten 
wisse, nur allzusehr mangele. ..Nullus, quantumque Studiosus, in actum cura- 
tionis exire praesumat, nisi prius curare viderit. Tu autem, cum medicinam 
profitearis, quantum haec feceris, tuo relinquo iudicio" (Bl. Sj'). Auf die frühere 
astrologische Praktikantentätigkeit Mellerstadts weist er nur im Vorübergehen 
hin';. Zum Schlüsse schlüpft er offensichtig unter die Flügel der Fakultät an deren 
Spitze nach dem Tode Johanns von Halle am 3. August 1499 Johannes 



I) Dedaratio Defensiva Bl. S,'. 

») Ebenda Bl. ö,'. 

•) Ebenda Bl. 2I5' „Astronomorum etiam Doctrinam, ut eins artis apostata, stomachando 
refutas ipse . . und Bl. 8,' „Tu autem, si imperitia tua seductus gravius in ea forte aliquot annis 
cum praccipuus esse in ca arte volebas, erravisti, non debuisti ob id artem sie dctestari". 



Der Leipziger Syphilisslreit 1499 — 1501. 143 



Wagner von Lanilsberg getreten war, während dessen Nachfolge in der theo- 
retischen Professur (der Pathologie) wohl im Januar 1 500 noch offen stand und 
auch wohl noch einige Zeit ofl'en bheb, ehe statt Melierstadt oder Simon 
Pistoris, die vielleicht sogar um diese Praxis ihren erbitterten Kampf führten, 
Wilhelm Ilaldenhof aus Thorn einrückte, der eben erst in die medizinische 
Fakultät aus der Artistenfakultät übergetreten war^). Er war aber schon ein Jahr- 
zehnt Kollegial des kleinen Kollegs gewesen und hatte ofifenbar vor vielen Jahren 
auswärts den medizinischen Doktorhut errungen, der nun plötzlich durch den 
für beide bloßstellenden Zwist Mellerstadts und Simons Pistoris eine un- 
erwartete Aussicht bot. 

Wenn wir die Tatsachen einfach nebeneinander stellen, uns also erinnern, 
daß Mellerstadts Pamphlet am 17. September 1499 erschien, nachdem mindestens 
8 Monate, vielleicht noch einige mehr seit dem Erscheinen der „Positio" ver- 
gangen waren, so steigt uns wie von selbst die Vermutung auf, daß Pollich 
erst nach dem Tode Johanns von Halle sich dieser literarischen Fehde 
erinnerte, die ihm nun nachträglich willkommenste Gelegenheit bot, den Kon- 
kurrenten unschädlich zu machen. Das Streitobjekt, die theoretische Professur 
in der medizinischen Fakultät, macht diesen „wissenschaftlichen" Streit gewiß 
nicht erquicklicher. Doch wir täuschen uns leider kaum mit dieser Annahme, 
wie wir noch sehen werden^]. 

Zunächst insinuiert sich also Simon Pistoris sehr vernehmlich bei 
seiner Spektabilität dem Herrn Dekan mit folgenden feierlichen Schlußworten^): 
„His ego magister Symon Pistoris medicinae doctor . . censorem quemvis 
peritum affectu amplo exposco, imprimis denique Vos, dominum magistrum 
Johannen! Lantzspergk Medicinae doctorem et eiusdem facultatis decanum 
benignum, ceteris cum collegis oro, si quid emandandum aut viri cuiusquam 
boni diffamativum verbum reperiatur, abradatis. Pariter per vos in opusculo 
contra me per doctorem Martinum Melierstadt edito equidem fieri posco 
iustissime. probabile autem quidquam in convitium aut diffamationem non ten- 
dens posuerit, animo modesto ferre nusquam recusavi''. — — 

Nun hatte also wieder Melierstadt das Wort; er brauchte es gehörig und 
ließ nicht auf sich warten. War doch keine Zeit zu verlieren, und für einen 
gewandten Federhelden wie ihn, waren der Blößen bei dem Gegner so vielel 
Schon der Titel „Castigationes in alabandicas declarationes" *; ist ein frecher 



') Am S.August 1499, also 5 Tage nach dem Tode Johann Waghs von Halle. 

-) Wenn wir in der Illustrierten Geschichte des sächsischen Landes von Konrad Sturm hoc fei 
Bd. I S. 1006 lesen, daß Pistoris der Kandidat des einen Sachsenherzogs gewesen sei und Lands- 
berg der des Andern für das Dekanat und die erste Professur, so will uns das mit nichten wahrscheinlich 
dünken. Daß der 2. Professor in die i. Professur und damit ins Dekanat einrückte, war nun doch 
schon seit gar vielen Jahrzehnten fester Usus, aber es liegt dieser Cberlieferung wohl noch ein 
Nachklang des Streites Mellersladt-Pistoris um die zweite Professur zugrunde. 

^1 Declaratio Defensiva Bl. 1?,'. 

*l „Alabandicus" aus der Stadt Alabanda am Mäander in Karien, mit dem Nebensinn von 
üppiger Frechheit. 32 BU., 4°; die Rückseite des ersten und des vorletzten und das ganze letzte 
Blatt unbedruckt. Das Büchlein ist bei Jakob Thanner gedruckt. Vgl. Tafel XV Nr. 4. 



Lileratische Betäligimg. 



An^nii und scnon li.is ii.-ic- Wort des Textes „Quibus insolentiis"! eine 
bewußte Unwahrheit, wenn er nicht die eigenen Unverschämtheiten d.imit 
treffen wollte; denn Pistoris hatte im ganzen würdevoll an sich gehalten, daß er 
auch „anders konnte", wird seine Duplik dartun; Meilerstadt, das sanfte 
Lammlein, ruft aber heuchlerisch alle zu Zeugen auf ob der schnöden Unbill, 
die ihm zu Unrecht widerfahren sei, und streut den Universitätslehrern ver- 
logenes Lob, daß sie in ihrer Milde an sich gehalten hätten, um Pistoris nicht 
ob seiner Erbärmlichkeit sofort von der Hochschule zu jagen, die er schmach- 
voll verunziere „ . . . ut ineptias suas infantiles ac errores pene inauditos, nisi con- 
silio vestro singulari ac Providentia cohibueritis, brevi de universo vestro g>'m- 
nasio actum, vestro nomini dedecori ac immortali maculae futuros plane pros- 
picio" [Bl. a/]. So enthüllt er offen sein Ziel, Pistoris in Leipzig unmöglich 
zu machen. Darum häuft er Schmähung auf Schmähung, macht sein Gegner 
in jeder Weise lächerlich und bläht sich stolz im geliehenen Schmuck seiner 
Worte und ..Leistungen': ,.Et quantum ille fructus gloriaeve ex studiis suis 
gymnasio vestro adiecerit, non tardum dictu est, quandoquidem a tempore doc- 
toratus sui non apicem unum edidit, nisi quaestiones tres'), alio tarnen (quod 
turpius estj coUectas disputaverit [während doch bei Meilerstadt selbst außer 
Wortschwall und Spitzfindigkeiten alles entlehnt und Autoritätenkram ist]. At 
ego ['.] studio vestro quanto ornamento fuerim, lucubratiunculae meae, quas in 
liberalibus artibus philosophatus, Parisiensium more edidi, (venia sit dicto) locu- 
pletissimo testimonio esse possunt" (Bl. a^''). .\ls echtem Humanisten duftet 
Eigenlob ihm berauschend*), und heuchlerisch setzt er hinzu „In suscepta 
autem disceptatione aequitati merita praeferri minus posco", — und verlangt 
noch lauter nach Zensur von berufener Stelle als sein Gegner der „semilite- 
ratus", den eine solche Behörde sicher gleich auf lo Jahre im Verruf erklären 
würde, trotzdem seine Eehlgeburt (abortivum suum) erkennen lasse, wie Pistoris 
selbst im Streite mit ihm (Meilerstadt) an Gewandtheit des Ausdruckes gegen 
seine noch kläglicheren früheren Stilübungen gewonnen habe^), falls ihm nicht 
gar die Krücke eines „spiritus vulpinus" [Bl. a/] geliehen sei. Mit grimmigem 
Behagen stellt er dann eine Liste von 135 Irrtümern seines Gegners zusammen, 
die freilich an Wiederholungen und Unterschiebungen nicht arm ist. Glück- 
licherweise macht er sich nicht an die Widerlegung aller, sondern trifft zu- 
nächst nur eine Auslese und gibt zum Schlüsse eine Widerlegung der letzten 
13. Da sich der Streit vom Gegenstand immer mehr entfernt und zu einem 
immer leereren Wortgezänke ausartet, gehe ich auf den Rest nur kurz noch ein. 
Charakteristisch für den ganzen Meilerstadt ist die glatte \'erdrehung, mit der 
er sich von seiner eigenen läppischen Erklärung von „epidemia" (s. S. 140) 
frei macht, um desto tapferer über Pistoris herzufallen. Viele Dutzende von 



') Diese 3 Quaesüones neben der „Positio" (s. oben S. 136 f.) habe ich bisher nicht aufzufinden 
vermocht. 

*) Dafür hat er ein andermal die Stirn auszurufen : „Ego me laudibus non eveho, hoc quidem 
a me alienins nihiL" Castigaiiones Bl. bj'. 

') Was übrigens bei Mcllerstadt bestimmt im selben Maße gilt: man vergleiche nur seine 
„15 Propositionen" von 1482, die wir obendrein nur in einem späteren Drucke kennen! 



Der Leipziger Syphilisstreit 149«/ — 1501. I^r 

Kennern der griechischen Sprache werden als Zeugen dafiir angeführt, daß 
„epideniiae" = vulgarii ['.] morbi sei, während er „o frivola, o ridicula nee num- 
quam satis irrisa doctrina" (Bl. h,') darüber zetert, daß man nach Pistoris ein 
,,epidemialis" hinzusetzen müsse, wenn man der Lues nach der Form ihres 
Exanthems verschiedene Namen gebe, also pustuIae epidemiales oder exan- 
thcma epidemiale sage. Ebenso lächerlich macht er als , hirnverbrannt die 
Ansicht des Pistoris, dali neben den gewöhnlichen meteorologischen Einflüssen 
noch eine verborgene Krankheitsursache bei der Lues vorhanden sein müsse, 
„incognita medico". Mit Nachdruck weist er die unbestimmten Andeutungen 
seines Gegners zurück, daß es ihm an der fachmäßigen medizinischen Aus- 
bildung fehle'), ohne sie allerdings anders als durch seine „Erfahrungen", „Er- 
folge" und „Stellungen" zu entkräften: „Laedit eos, qui doctorum numero me 
adscripserunt; quos viderim, quos legerim, an exercitatus sim necne, his expe- 
rietur, si antea non est expertus: quam etiam experientiam ceperim duobus 
annis de viginti, quibus imperatorio electori illustrissimae domus Saxoniae, sere- 
nissimo duci Friderico, divi Maximiliani praefecto praetorio, serviveram, eo 
misso facto dicere noverunt, qui me in curiis principum atque regum viderunt" 
(Bl. b./ . Der weltläufige Mann mag ja hier keine schlechte Plgur gemacht 
haben; wo aber meinte er wohl mit der impertinenten Überheblichkeit Ein- 
druck zu machen, die er sich dem schlichten Leipziger P"akultätsmitglied gegen- 
über gestattet: „Ipse inter humiles ac obscurae sortis homines ver- 
satus plerumque Aescuclopaedian, quod aiunt, exercuit, et quam 
gloriam, quam famam apud doctos sibi pepererat, novistis"? [Bl. 63^ u. 63^] 
Elegantere Latinität hat er in 18 Jahren gelernt (aber auch die gewiß nicht 
am Hofe), doch die Hofluft hatte ihn verdorben. Die Schmidburg und die 
Pistoris, die einen Cranach den Älteren mit Aufträgen bedachten, brauchten, 
nebenbei bemerkt, vor einem Pollich nicht zu erröten. Die „Aescuclopaedia" 
ist ja gewiß ein amüsant-bissiger satirischer Terminus'), für dessen Aufbewahrung 
der Historiker der medizinischen Standesgeschichte ihn dankbar sein kann — 
entstanden ist er sicher in mockanten Humanistenzirkeln, begegnet ist er mir 
sonst noch nicht — aber für Melierstadt ist seine Verwendung in diesem Be- 
werbungsstreit um die Leipziger Professur kein Ruhmestitel. Übrigens sah er 
wohl ein, daü diese Trauben für ihn zu hoch hingen, sonst hätte er vielleicht 
seiner malitiösen Zunge nicht derart die Zügel schließen lassen. 

Das beste an dem Pamphlet ist die flotte Abfuhr, die er dem „Declarator" ^) 
ob seiner \'erteidigung der Astrologie zuteil werden läßt; zwar hat er sich hier 
die besten Waffen, wie er selbst sagt, aus der blitzenden Waffenhalle des Gio- 
vanno Pico della Mirandola geholt, weiß sie aber virtuos zu handhaben, 
virtuos und ergötzlich zugleich, auch wo er freimütig eingesteht, daß er selbst 
einst in diesem monströsen Kindbette schwanger gelegen „Videor mihi utiliter 



') Es scheint aber hier gehapert zu haben; die Tatsache der Erlegung des Eintrittsgeldes 
ist bei ihm allein registriert. Man machte seinem fürstlichen Gönner diese Konzession, lehnte es 
aber ab, weiter zu gehen. In das „Consüium facultatis" hat man ihn niemals aufgenommen. 

-) Erzieher zum Dienste des Äskulap, etwa „medizinischer Einpauker". 

^) So nennt er seinen Gegner immer ironisch nach dem Titel seiner Streitschrift. 
Studien zur Geschichte der Medizin. VUI. lO 



6, Literarische Beiaiigung. 



\:-uu\ .iNii.Mogia fuisse, quando cognitis eius dogmati(bu)s tanquam falsis nunuic 
ut dcbui, ne residuuni virilis meae in illis incassum perderem, ea prorsiis 
abcgi. Verum cnimvero astrologiam, quam eins professionis (scientia enim dici 
nullo iure potcst medullam contingerem, per aliquod annos sectatus sum: scd 
cognito ^ut ante diximus^ quantum iiigL-nia decipiat ac vanitatis habeat, omnes 
omnium auctorum Codices, quot in bibliotlieca reposuenim in extrenias teiiebras, 
tanquam nunquam visurus , coniiccre minus cunctabar etc." (Hl. ii^'.) Er 
schließt mit einem bissigen Hinweis auf die entlelinte Latinitat seines Gegners 
und seine eigene — schmucklose Sachlichkeit {\ ') und Wahrheitsliebe, mit der 
er mehr die Sache der Universität als seine eigene Sache geführt habel 

Scheinbar unerwartet, aber wohl sicher auf Bestellung und jedenfalls 
überaus willkommen bekam Pollich aus Italien selbst Sukkurs. Giovanni 
Manardi * 1462), Leibarzt der Fürsten von Mirandola, spater der Nachfolger 
Leonicenos in Ferrara seiner Geburtsstadt, hatte sich auch zu dem Leipziger 
Streitpunkte geäußert, und wenn Meilerstadt auch das kleine Schriftchen in 
Briefform zunächst etwas enttäuscht aus der Hand gelegt haben mag, ließ er 
es doch als „Opus [1] Johannis Meinardi" alsbald in Druck gehen'). Der 
Mitarbeiter des großen Bekämpfers der Astrologie Giovanni Pico della 
Mirandola läßt sich kaum in den Abschnitten seines Schriftchens, die von 
der ,,pestis astrologica" handeln, aus seiner vornehmen ruhigen Sachlichkeit 
herausbringen, die gegen das Gekläffe und Gekeife eines Melierstadt so wohl- 
tuend absticht, trotzdem Manardi konsequenterweise viel weiter geht als der 
\'erdrehungskünstler an der Pleiße, und ruhig erklärt, allerdings habe auch 
Galenos sich astrologischen Lehrmeinungen irrigerweise angeschlossen. Da- 
gegen spricht er den Ibn-Sinä frei von astrologischen Velleitäten und unter- 
scheidet fein zwischen dem. was dem Arzte zunächst wirklich nötig sei und 
dem, das er um augenblicklicher Tagesmeinungen willen nicht entbehren könne. 
Selbst dem genialen Peter von Abano, den alle ,. Modernen" auf den Hoden 
der Hölle verdammten, sucht er gerecht zu werden-) und bringt zum Schlüsse 
interessante eigene Beobachtungen ;„si unusquisque suas referre habet visiones" 
Bl. g') und solche aus der Praxis seiner Lehrer für die These als Beleg, daß 
man die Sternenschau bei der Behandlung von Krankheiten ruhig beiseite 
lassen könne: „quotiens vacuandum est, lotium magis quam astrum inspicient 
et venarum pulsationem potius quam stellarum observabunt configurationem . . 
Vale ex Mirandula. M. D."'*) 

Mit vollem Recht erklärt denn auch Pistoris in der Notiz auf der Titel- 
rückseite seiner scharfen Erwiderung, zu der er sich hat hinreißen lassen, der 

') Es erschien ohne Ort und Jahr, vermutlich noch 1 500, und zwar aller Wahrscheinlichkeit 
nach bei Hans Stuchs in Nürnberg auf* Quartblätter (signiert ij, iij, iiij); die Rückseile des ersten 
Blattes unbedruckt. Vgl. das Faksimile des Titels Tafel XV Nr. 5. 

') Dai5 er als echter Humanist eine wörtliche Übersetzung einer mißverstandenen Stelle aus 
dem griechischen Original (des Augustinus!!) gibt (.,si verbum verbo reddalur, sie sonat"), durfte 
dem Bilde nicht fehlen. 

") Aufgenommen in die berühmte Briefsammlung des Manardi als erster Brief des 2. Buches, 



Der Leipziger Syphilisstreit 1499 — 1501. ^Ay 



„Confiitatio coiiflatorum" '), die zu Anfang desjalires 1501 erschien: mit Manardi 
wolle er in ruhigen Zeiten schon ins klare kommen, der sei kein schmähsüclitiger 
Beleidiger, sondern treibe in urbaner Form Polemik, wie erselbst sie auch in seiner 
Heimat früher i.iblich geglaubt habe: „et herum modo et modestia apud nostros 
disputanduni antea credebam". Daß er selbst diesmal von einer solchen ge- 
sitteten Kanipfesweise gegen I'olich keinen Gebrauch mache, werde ihm hoffent- 
lich niemand verdenken. Verbessert hat er seine Position nicht durch die scharfen, 
zum Teil persönlichen Ausfälle I Leider war er nicht so klug, sich selbst zu 
sagen, daß um so weniger Ehre für ihn zu holen sei, je mehr der Kampf in 
ein pures Redegefecht ausarte; denn auf jede Autorität, die der eine ins Feld 
schickte, konnte der andere mit zehnen dienen, und stilistisch und dialektisch 
war Ivlellerstadt ihm bedeutend über. Sachlich wäre höchstens das eine 
hervorzuheben, daß die V'ielgestaltigkeit der Lustseuche Pistoris dazu verführt, 
die Einheitlichkeit der Kranklieit in Frage zu stellen. Von scharfen Rede- 
wendungen, die Pistoris dem Pol Heil ins Stammbuch schreibt, nur einige Beispiele: 
„Fucum amas verborum, quo aequo plus garris (Bl. 21^''). Anus delira si tibi 
quandoque assentiat, non miror: blandus es et ore dicax (ib.). O ingenium 
muliebre, cui praeter nova et vana nihil gratum, ah divina numina :'B1. 2I5'). 
Tu vero album per nigrum circumloqueris, laudare non debebam (Bl. 21,;"",. Tu 
praeclare et unice commentator medicinae" (Bl. i^^"). Das sind gewiß alles, trotz 
ihrer teilweise bitteren Wahrheit unter Universitätsgenossen unwürdige Invek- 
tiven, aber Pistoris flicht mit Recht dabei ein: „Tu qui nee innumeris con- 
viciis unquam efferbuisti, naturae tandem tuae cedam efficis" (Bl. 21/) und 
hält ihm grimmig den Spiegel vor: „Principi servire, quod tibi quam gloriosum 
visum est, si doctum quem faceret, revera longe te peritiores non pauci stabu- 
larii evasissent. Rasis ego sententiam secutus, qui docuit, is urbibus famosis 
medicum debere morari, ubi et aegrorum copia peritiam faceret ampliorem, nus- 
quam et principum (si libuisset) negata mihi sunt stipendia. Velim, opere 
quam verbis tuam monstrares peritiam, et certe fama, quam summam et solam 
et unicam optas, longe maior tibi crevisset!'" [Bl. S^^ S/] % Ja er läßt ihn die 
ganze Wandelbarkeit, Unruhe und Zwiespältigkeit seines Lebens in nicht 
allzusehr verzerrtem Bild überschauen, wenn er ihn folgendermaßen apostro- 

') Vgl. das Faksimile des Titels Tafel XV Nr. 6. 10 BU., 4» (Wi-ü, J3l-l). Die von 
Melierstadt immer wieder aufgetischte Behauptung, Pistoris habe den ersten Druck dieser Schrift 
nach Erscheinen zurückgezogen, um sie, von stilistischen Fehlern gereinigt, abermals erscheinen zu 
lassen, beruht vielleicht insofern auf Wahrheit, als Pistoris etwa sein Büchlein schon ausgegeben, 
jedenfalls schon geschrieben und in Druck gegeben hatte, als die Broschüre des Jlanardi erschien, 
auf die er dann mit wenigen Worten auf der Titelrückseite hinwies, die nicht alle erhaltenen Exem- 
plare zu enthalten scheinen. Sie fehlt deshalb wohl auch bei Grüner „Aphrodisiacus"' 1780 S. 80. 
Einige Korrekturen mögen dabei nachträglich vorgenommen worden sein , wie denn von den Uni- 
versilätsgenossen dem so heftig und unwürdig Bedrängten gewiß auch ungebeten mancher gern bei- 
gesprungen sein wird; von Konrad Wimpina ist es ja später bekannt geworden. Das Büchlein 
ist Iwi Melchior Lottcr in Leipzig gedruckt. 

-) An anderer Stelle ähnlich, aber bissiger (Bl. BjO: „Si tibi pariter aliquid laudis evenisse 
cum inter satellites hominesque literarum expertes non pauca admiratio sit novae anteaque non visae 
iloctrinae tuae, teque vehementer laudalum, ut pueri lunonis avem; anogasti animum." 

10' 



us 



6. l-ilcransch« 



|>lucrt: „Qua protcrvia dum subito astronomiam te hausissc arbitrabaris et huius 
.irtis peritos in publicum ctiam certamcn citaveris, quam iniuriosc valvas niacu- 
lasti, qua dcniquc verecundia ut reprobus, ab arbitris remissus, omniuiii dcnique 
nunc imniemor et rectissime tuo ore transfuga, et tandem omniuni exul? 
Prinium namque iuris peritiam, deinde astronomiam. post medicam ita subito didi- 
cisti, ut vcrius te ;u>pexisse quam didicisse quisquam ratus sit: nunc et oratoriae 
tantisper insudans ad nomenclaturas et graminaticcn tandem redis. Quae et 
cuncta, si praeter aliorum molestiam (in tuam rem puta) ageres, ferrem et ego 
modestissime; pari autem passu, quo non paucos ante me inquictavisti, nunc 
et in medica oberrando (rabidi niore canis) meam laniare faniam nunquam cessas. 
Si quae contra errata tua dixerim, alieno nie ductum spiritu confingis." Wir- 
kungsvoll halt er ihm die eigene Ausdauer und Selbstbeschränkung entgegen: 
„Putasne tanto aevo studiosissime uni artium non sine labore insudaverim tibi 
cunctas transcurrenti facultates nullanique ex integro amplectenti, ut potius 
libasse quam attigisse videaris, in medica aequari et possim et debcam; ignoras 
etiam, quaeque facultas virum integrum sibi velit? Tu dicacitate, quam prac- 
fers nee opera tua, sed natura magis, quosque molestare audes eademque con- 
ditione ut omnifariam conflatis nunc theologorum nunc oratorum sententiis 
inversis verbis et sermonibus famam tibi amplissimani accessisse opinaris; ncc 
hac insolentia contentus, in cunctos dcnique obiurgari et conviciari seniper veiis" 
(Bl. 21;' u. 2I5'). Das war deutlich gesprochen und trotz aller Heftigkeit mit 
dem harten Klange der Wahrheit, der den Gegner zu noch größerer Wut auf- 
peitschte. Naturlich mußte Meilerstadt das letzte Wort haben, wofür hatte er 
denn die große Gewandheit in Geistesgj-mnastik und Federführung seit seinem 
noch unbeholfenen Kompendium der 15. astrologischen Thesen sich errungen! 
Ein allerletztes Mal stieg er in die tintenbespritzte Arena nieder, den Federkiel 
in eitel Gift und Galle tauchend, und die unleugbare Überlegenheit der Waffen- 
führung skrupellos ausnützend. 

„Responsio" nannte er sein letztes Wort'), wann wäre ein Melierstadt 
jemals um eine .Antwort verlegen; gegen ihn war Pistoris wirklich ein Bäcker- 
knecht, der mit frischgebackenem Brote gegen scharfe Klingen kämpft, wie er 
in dem Titelgedicht sagt (Talel XVI, Nr. i). Tolles Wagnis war es freilich 
von ihm, gegen einen Meilerstadt anreiten zu wollen: so charakterisiert es 
dieser auch überaus zutreffend in den paar Schlußworten an den Leser, die 
er einer einleitenden Zusammenstellung der von Pistoris falsch gelesenen oder 
falsch verstandenen Autoren, der auf 219 angeschwollenen Irrlehren (vgl. S. 144) 
und der ursprünglichen Thesen von 1498, die zu dem ganzen Streite die Ver- 



•) 40 Bll., 4°, 21l— 8, ai— 8 . . i>l— 8; die Rückseite des ersten und letzten Blattes und das 
ganze 8. Blatt unbednickt, am Ende die Jahreszahl „Illl>3", 1501. Bei dem nämlichen Verleger 
gednickl wie das „Opus" des Manardi, also in Nürnberf; (worauf auch die Bevorzugung der 
Nürnberger Kalenderdrucker den Leipziger Verlegern gegenüber, vgl. S. 141 Anm. I hinweist) bei 
Johann Stuchs. — Ich verdanke die Kennlni-) dieses Druckes der Liebenswürdigkeit der Leitung 
der Hamburger Stadtbibliothek. Die Leipziger Universität hat dies Pamphlet nicht zu ihren 
Bücherschätzen genommen, wie «onst die vorhergehenden alle. 



Der Leipziger Syphilisstreit I499 — 1501. iaq 

anlassunij gegeben liatten, anhängt: .,extremae temeritatis homuncio ille sub 
suo nomine ^conducta tarnen opera) adversum me nuper edidit . . ." (Bl. 2i.^')) 
\'oll grimmiger Wut stürzte er sich auf alle Schwächen und Blößen seines 
Gegners, und kein Mittel der Schmähung und Verdrehung ist ihm nunmehr 
zu schlecht; ja man fragt sich immer wieder erstaunt, ist es möglich, daß er 
seinem Leipziger Leserpublikum so etwas bieten durfte. Zuerst wird der ganze 
„Fall" vollkommen neu auffrisiert, von Anfang an. Er selbst habe stets nur 
selbstlos und harmlos der Wissenschaft gelebt, „vitatis cuiusque semper con- 
tumeliis et odio". Aber „es kann der Beste nicht in Frieden bleiben" usw. 
„Xonnuli", der schlimmste natürlich Pistoris, „laudatissinium et saluberrimum 
meum consilium . . quovis conatu deturbare cepere, invidia impulsi . . ." Wie 
ein „Draco ignivorus" sei Pistoris über das Lämmlein Mellerstadt hergefallen, 
es zu zerfleischen, da er die Ansichten des großen Leoniceno auf den Schild 
gehoben! So schaft't er sich eine neue Plattform zum Schimpfen, Lästern und Be- 
leidigen, und er stellt tatsächlich alle seine früheren Leistungen damit in den 
Schatten; man höre ihn: „O tumultuanteni invidiam, o excoecatam rationem, 
qua ista blacteramenta in rationales medicos sperguntur (Bl. a,./). O tristem 
ignorantiam . . . penitus obtusus aut mentis pessimae et diabolicae obstinationis tu 
solus adversaris, qui haud sine almi Lipczensis gymnasii ignominia, damno et 
iactura (quia tibi impune conceditur) absque omni molestia in viros quosque in- 
nocentes, insontes, doctos conducta opera invehere non erubuisti (Bl. a^"'). Ar- 
bitror et ipse omnibus in hanc tuam sententiam manibus et pedibus eundum, 
scurram lenonemque quempiam nuncupare non esse magni ingenii, sed iniqui, 
lividuli. detractorii. O venerandani pudicitiam, quam non evangelium peperit 
et amor dei, sed scorti, quod te decoxerit et fecit natura impotentem (Bl. a^'). 
Tua perversitas, impoenitentiae scelus agnitae falsitati plena cera subscribere . . 
errorum interpres! O nugator maligne o medicomastix impudens, nihil est 
te in medicina indoctius, nihil imperitius. Dolcndum est, nullam legem tarn 
exitialem inscitiam punitum ire. Studium medicinae, quod false de te prae- 
dicas, exitialis ignorationis vitio, quo pluribus noces, tuo ore confundis" (Bl. b^^). 
„Te nemo inscitia aequabit i^Bl. b,/). Nemo inquam castigabit satis catholicones, 
calumnias, blasphemias, quibus non valvas modo et perituram chartam sed et 
famam et posteritatem, quae post dira fata Simonimasticones inveniet, maculasti 
(Bl. b^'). Omnes scorpiones tibi fratres, teque scorpionem esses infertur: male 
ergo terras Alemannorum nuper accusasti tanquam privatas scorpionum semente, 
nisi id obstet, quod aiunt, aliubi ortos scorpiones in cauda, te vero in lingua 
habere venenum (Bl. 6^7'- Das „Calumniare audacter" handhabt Po lieh meister- 
haft, wie man sieht, aber auch im gehässigen Verkleinern und versteckten Ver- 
dächtigen ist er Meister. Pistoris muß so schlecht gemacht werden, daß in 
Leipzig kein anständiger Hund mehr ein Stück Brot von ihm nimmt. Allent- 
halben stäubt es von der „Backstube" (pistrina) '); hämisch trägt er den Klatsch 
weiter: „Accepi a fide dignis, te, quo a scholaribus lardi portionem pinguiorem 
obtineres, scropham aliquando incidisse" (Bl. b,/). Ungescheut geht er jetzt 



') Frech schreibt er gleichzeitif;: „Desine de peiiitura mea vaneloqui"! Bl. D, 



I -Q ('. Litcraiischc t<ctiiuc«ng. 

ganz orten aul sein Ziel los, ilim die Professorenkarriere in Leipzig un- 
möglich zu machen: „Mihi crede, quem venaris leporein his canibus nun ap- 
prehendesl (Bl. ö^'). Non satis est Lipcensem [in Leipzig geboren] sed opportet 
Lipcicum esse (Bl.c^')! Tot volumina et quidem geniinis exeniplis errorum 
literariis forniis implevisti, ut his paene tota Europa non absque Lipcensis studii 
iactura effluitet (Hl. b/). Quodsi discurrere ostiatim et melancholico more abs- 
que 1 lipporate, Galeno, Dioscoride, Avicenna, ceteris visere aegrotos quempiam 
doctum eflecerit, te comitans aequat in arte canis, natura vero jiraestabit 
(Bl.Cg''). Dum plures in medicorum almi studii Lipcensis collegio philosophi et 
medici insignes sane et excellentes, inveniantur, quo te solum tarnen medicum 
aestimari facias, hunc parum solertem, illum indoctum apud plebeos praedicas 
oninesque lacessis, confundis et tanquam venenum ac pestis saevissima quod non 
negabunt. requisiti, molestas. Qua et in me pariter grassari coepisti; sed quantum 
tulere vires, divino praesidio tibi constantissime restiti, nee unquam patiar a te 
supprimi" (Bl. c^'). Wahrlich gründlich ist die Gosse aufgerührt und in infamer 
Weise reichlich Mißtrauen hineingesät. Wer will mit „so Einem" zu tun haben: 
„Ouaeque facultas vult sibi virum integrum, catholicon pistrinus est: non enim 
homo semissis sum, quaelibet ergo me potest admittere, quando praesertim 
omnes communi quodam vinculo et seminaria ratione iunctus nemo addubitabit" 
(Bl.bj). 

Ja, man muli es ihm wirklich lassen, das Metier verstand Meilerstadt: 
er hat den armen Simon Pistoris in seiner Vaterstadt gründlich unmög- 
lich gemacht. Und er ist denn auch gegangen — an den Hof des Kur- 
fürsten Joachim III. von Brandenburg berufen! 

Beachtenswert, also erwähnenswert scheint mir, was Pollich in seiner 
letzten Streitschrift über sein persönliches \'erhältnis zu W^enzel Faber sagt 
(Bl. b^'f.) wie sehr es auch ins Schöne gefärbt sein mag: „Falsum est, quod 
ab arbitris unquam cum verecundia sim remissus. W'enceslaus Budweis, insignis 
mathematicus, et suae opiniones complures, per me in materia de verbo intelli- 
gibili') (ipsismet ingenue confitentibus) antea convicti, scholasticam vindictam 
machinantes iudicium astrologicum quod super eventis anno octogesimosecundo 
coelestium interpretatione simul illis initiatus edidi, praecique opinionem de 
gubernatore et domino armi eligendo per ascensiones rectas, non (ut ipsi) obliquas, 
convellendam ducebant. Quod profecto veluti ex ignorationis poculo, quod singuli 
bibimus, vel opinionum dissensionibus ortum sine verecundia et absque pudore 
aequo animo tuli sponteque cessi: ea enim benevolentia mutua, qua inter 
earundem artium studiosos semper fuimus, ut alter alteri et maiores honores 
et votiva placita e.xoptaremus. Ego revera ut nemini (te venenosam tigridim 
praeter) unquam sum adversatus . . ." Es steckt ein gut Stück Heuchelei in 
diesen noch weiter von ihm ausgesponnenen Schlußworten! 

Und unser Gesamturteilr Gewiß ist Pistoris in diesem Streite der Leid- 
tragende, weil Unterlegene. Aber irgendwelches eigene Urteil im Sachlichen 



') Scheint nicht erhalten zu sein. 



Dei Leipziger Syphilisstreit 1499 — 1501. jci 

der Medizin ist Melierstadt nicht zuzugestehen und mit der „Vertretung des 
neuen Geistes" ist es eine recht ungewisse Sache. In der Bekämpfung des 
astrologischen Irrwahnes steckt zweifellos ein Verdienst Picos, wie sehr auch 
er noch mit mittelalterlichem Rüstzeug kämpft, und sich ihm angeschlossen zu 
haben, ist ein Lobestitel für Follich, der eine ganze Reihe von Jahren sich 
tiefer in dieses Wahngespinnst eingelassen hatte als Pistoris, der wieder eben 
um seines Festhaltcns an der Astrologie willen im Kreise des Kurfürsten 
Joachim und seines großen Hofpraktikenschreibers und Mathematikers Johann 
Carion um so lieber gesehen war. .«^ber daß etwa in der Auffassung von der 
Syphilis bei Nicolo Leoniceno, die Mcllerstadt als so unübertrefflich preist') 
und so rein dialektisch-scholastisch verteidigt, auch nur ein Fünkchen des Fort- 
schrittes glimmt, muß ich auf das allerentschiedenste bestreiten, trotz der auch 
hier vorhandenen Ablehnung der Astrologie. Gerade diese Syphilisauffassung 
zeigt uns recht deutlich, wie schwach es im positiven Sinne mit dieser ganzen 
„medizinischen Renaissance"' bestellt war. 

Gewiß, die Araber haben ihre ganze medizinische Wissenschaft von den 
Griechen herübergenommen und sie hatten dessen weit mehr und Besseres 
herüberzunehmen als etwa die abendlandischen Arzte des angehenden 16. Jahr- 
hunderts, aber sie haben es sich mit Genialität angeeignet und daraus ein 
Gebäude des Wissens in neugeborener Schöne aufgebaut und weiter ausgebaut, 
gegen das ein Leoniceno und. alle philologischen Mediziner der Renaissance 
in ihren Leistungen völlig verschwinden. Sie haben dem überkommenen 
Schatze manch neues Edelgestein hinzugefügt und die alten Brillanten in zum 
Teil berückende Fassungen gelegt, die ihren Wert erst recht zur Geltung kommen 
lassen. Der Qänün des Ibn-Sinä, von dem Leoniceno, Manardi und 
Pollich keck behaupten, er sei nichts weiter als schlecht übersetzter Paulos 

') Nebenbei bemerkt scheint Meilerstadt mit seinem Eintreten für die wirklichkeitsferne 
Syphilistheorie des Leoniceno in Leipzig selbst keine Proseliten gemacht zu haben. Jedenfalls sind 
die Äußerungen, die Magnus Hundt in seinem Antropologium , das 1501 in Leipzig heraus kam 
(5. oben S. 115 ff.), über die Syphilis macht, nicht im Geringsten durch Leoniceno, Manardi oder 
Pollich beeinflußt. (Fuchs hat sie in den „Ältesten Schrifistellern über die Lustseuche in Deutsch- 
land, 1843" auf S. 322 übersichtlich zusammengestellt.) — Interessant wäre es, festzustellen, in 
welcher Periode das zeitweise zwischen Wittenberg und Leipzig hin und her pendelnden Lebens 
des westlälischen Poeten Hermann von dem Busche sein Lobgesang auf Simon Pistoris 
stammt. Irgend ein Zusammenhang mit dem Streite Polich -Pistoris oder Wimpina- Meilerstadt 
muß nicht notwendig angenommen werden, zumal der Dichter und Humanist mit Heinrich Schmied- 
berg, dem Schwager des Pistoris befreundet war. An poetischem Überschwang ist jedenfalls in 
den Versen kein Mangel: 

Ad Simonem Pistoris Medicinae Doctorem peritissimum. 
Te reliqui vates numeroso carmine laudent 

Attolantque artes, alta sub astra tuas! 
Me cebrasse Simon, sat sit te hie optime paucis 

Conveniens studijs, est breve lemma, meis. 
Vota ferant alij Phebo medicoque deorum 
Xu me Paeoniani iudice vincis opem. 
(Hermannj Buschij Pasiphili. Epigramniatum Liber Tertius. Lips 1504.) Bl. C/. — Trocken 
berichtet Wimpina in seiner „Centuria": „Simon Pistoris, nalione Misncnsis, satus oppido Lipsica, 
artium et utriusque Medicinae Archiatrus, Doctorque ac Senator Lipsensis famatissimus!'' 



(>. Ijtf rai ische Bellltiguni; 



\i>n Aitjina und Galcnos quam l'auluni et Galenum male tran.slatum\ er 
wird, solange die Erde steht, eine der klarsten und wohlgeordnetsten Dar- 
stellungen des medizinischen Wissens einer bestimmten Zeitperiode bleiben, 
die je geschrieben wurde! 

Und wer als ruhig urteilender Historiker die grenzenlos oberllachliche 
Manier betrachtet, mit welcher der grolie Leoniceno aus der Lues, deren 
Ätiologie und Pathogenie zweifellos eines der drängendsten Probleme der 
medizinischen Wissenschaft am Ende des 15. und in dem ersten Drittel des 
16. Jahrhunderts war, eine Sommerkrankheit (morbus aestivus) machte, weil 
Ulterationen der Mundschleimhaut und der Genitalgegend in einem Aphoris. 
nius des Hippokrates als im Sommer öfters vorkonmiend genannt werden 
(davon daß sie zusammen vorkamen sagt der große Koer kein WortI), eine 
Sommerkrankheit, die aus zu großer Wärme und Feuchtigkeit der Luft entstehe, 
der muß sagen, daß eine solche Renaissance, eine solche Xeuerweckung des 
Altertums, aufgebaut auf kleinen glücklichen Stellenfunden dieser und ähnlicher 
Art. die man dann beliebig ausdeutete, nichts weiter war, als ein schweres 
Hindernis für den wirklichen Fortschritt der Wissenschaft, der nur durch 
erneute eigene Naturbeobachtung im Sinne und Geiste der alexandrinischen 
Wissenschaft zur Zeit ihrer höchsten IMüte möglich war. Seichtes Auf- 
kläricht hat noch immer zur Dünkelhaftigkeit gefuhrt, auch damalsl Als viel 
mehr hat sich auch die antiastrologische Polemik nicht erwiesen. \'om 
treibenden Prinzip, das in der Erneuerung des Piatonismus und des Neu- 
platonismus steckt, im Gegensatz zu dem der eigentlichen Naturwissenschaft 
direkt weit näher stehenden Aristotelismus. kann heute und hier nicht die 
Rede sein. 



Gewiß war sie nicht erfreulich für die Leipziger „Facultas Medicinae", 
diese Kampfesepisode an der Schwelle des 16. Jahrhunderts, welche beim 
Freiwerden einer der beiden Lehrstellen durch den Tod des Dekans Johannes 
von Halle im August 1499 entfesselt wurde und mit dem Weggange beider 
Streitenden endigte! Ein Beschluß, daß sowohl Melierstadt, der bestimmt 
niemals in ihren engen Kreis (das „Consilium") Aufnahme gefunden hatte, als 
Pistoris, dessen „Personalien" jedenfalls in bester Ordnung waren, für die 
Nachfolge in der Professura pathologiae nicht in Frage kommen solle, ebenso 
wenig der nur ehrenhalber aufgenommene Wenzel P'aber und der ihm zu 
Ehren weiland in der Anciennität mit seiner Zustimmung zurückgestellte Kaspar 
von Braunsberg, liegt schriftlich fixiert nicht vor; doch wird etwas Ähnliches 
stattgefunden haben'). Der Eintritt Wilhelm Haldenhoffs ins Lehramt, nachdem 

') Wir besitzen ein Gutachten, das Simon Pistoris, der im Oktober 1502 Leipzig schon 
für ca. 6 Jahre verlassen hatte, kurz nach 1509 gesondert über die Reformbedürftigkeit der medi- 
zinischen Fakultät mit seiaen Abänderungsvorschlägen auszuarbeiten den Auftrag erliielt, noch im 
Konzept; es befindet sich im Hauptstaatsarchiv zu Dresden uud ist bei Stübel, Urkundenbuch der 
Univ. S. 454 — 457, von mir in den Anhang am Schluß der Gutachten von 1502 (Abschnitt 2) 
erneut zum Abdruck gebracht. Darin wird Zeile 23 — 27 von der theoretischen Professur in 
einem solchen Zusammenhang gesprochen, daß man fast annehmen möchte, Mcllerstadt habe es 



Des Kampfes Ende, Pistoris Abzug von Leipzig 1501. ICß 

er gerade sein medizinisches Doktordiploni zur Geltung gebracht hatte, war 
wohl nur ein vorlaufiger, wie die Satzung das wenigstens für das Dekanatsamt 
(vgl. S. 31, § 31) vorsah; das scheint sich sogar auch aus den Eintragungen 
des X'ogelschen Xaniensregisters zu ergeben, nach welchem Haldenhoft' 1499 
und 1500 erst nachträglich beigeschrieben ist und wo schon 1501 vermerkt ist 
„petit absentiam"; er ging also den peinlichen Verhältnissen aus dem Wege; 
auch 1505 ist „Wilhelm Haldenhoft' abscns" eingetragen. Sind das auch späte 
Nachrichten, so spiegeln sie doch den schwülen Übergangszustand wieder, der 
auf der Leipziger medizinischen Fakultät jahrelang lastete. 

Als guter Leipziger hat Simon Pistoris bei seinem Weggange dem Rate 
der Stadt, dem er ja selbst in Ehren angehört hatte, als Abschiedsgabc einen 
„guten Ratschlag zur Regelung des Lebens in Pestzeiten" nach Zeitsitte über- 
reicht, der später auch gedruckt wurde'). Von weiterer Schriftstellertätigkeit 
des Mannes ist mir nichts bekannt geworden, weder an der Spree, noch an 
der Oder, wo er ja für die Universitätsgründung fleißig wirkte, noch nach 
seiner glücklichen Heimkehr zu den heimatlichen Gefilden, die vielleicht schon 

wenigstens vorübergehend erreicht, mit der Verwaltung der zweiten Professur betraut zu werden, 
weil er gerade von seinem Gegner in einem Atem mit .,Doctor Landsberg" und „Doctor Caspar" 
als einer genannt wird, der bei häufigen Unterbrechungen seiner Lehrtätigkeit wegen Besuchen bei 
Kranken und besonders durch Inanspruchnahme seitens fürstlicher Personen, speziell des Landesfursten, 
weitgehende Berücksichtigung erfuhr: „da man solche lectur nicht vorsorget und ist gemeynicklich ohne 
geleß verblibenn"; daß es sich gerade um die theoretische Professur hier handelte, geht besonders 
aber dadurch hervor, daß Pistoris direkt fortfährt: „syder ich dy ander lectur habe"; denn dies 
war eben die I. Professur der Praktischen Medizin, die er seit 1 509 bekleidete. Doch ist hier noch 
manches dunkel. Daß der Kurfürst für Pollich eingetreten war, ist anzunehmen. 

') Die Ausgabe „(Scbrucft piib oolcnbt jic ficyP'jf ^U''''? baccalarium ITiattiiium lanbcspcrct 
bctbipolls . . ., perlegt von ^obaiiii ipilbeiifels. (506." 4°, 12 Ell., die Fuchs a. a. O. S. 400 f. 
zitiert, kenne ich nicht, sondern nur den Druck von 1517: „(Ein fuit5 fd^on cnb || aar tro|tIidj 
rcaimnit tpibcr '1 bic fdioiercu mib cc)d';f(fli*cii francbeyt bcr pfftilentj. |j Dura; ben adjtbareii 
bodijclartt- bcrrc Simone pifto:is | Docto:cin in bct artjucy fylenbt bcariffcn nnb cju bem an || berii 
mal POS anbcrt bem lErbarc Hate tju SfypGcf in Icy \\ «Cj »eg jveben gugefdjricbeu rn gdaffen." 
[Titelholzschnitt identisch mit Fig. 23 meiner „Deutschen medizinischen Inkunabeln" zu Nr. 201, 
die gleichfalls bei Martin Landsberg gedruckt ist.] 8 Bll., 4" (^1-4, Sl— t), die letzte Seite un- 
bedruckt. Auf der Vorderseite von J?^: „(Scbrurft qu fevp^d, burd; baccalaurcö JtTartinü 
tan- \\ befpcroi Berbipolc, 2Inno bni .ItLidiCt. vn rpij." Daß die Betonung der Überreichung 
der Schrift als Abschiedsgabe, etwa im Jahre 1502, vielleicht schon 1501, von der ersten Auflage 
auf den Titel dieser zweiten mit herübergenommen ist, zeigt wohl, daß der Verleger an dem Neu- 
drucke mehr Interesse nahm als der Autor, der nun doch schon bald ein Jahrzehnt in Leipzig 
wieder ansässig, und im höchsten medizinischen Ehrenamte war. Das populäre Büchlein gibt die 
in Ärztekreisen jener Tage herrschenden .Vnsichten über Infektionsvermeidung und Lebensführung 
in Pestzeiten übersichtlich wieder, geht dabei namentlich ausführlicher auf die damals strittige Frage 
ein, ob man in oberen oder unteren Stockwerken gesünder wohne. Weitläufig werden die medi- 
kamentösen Praeser\ativa behandelt. Kurz nur die eigentliche Behandlung mit Aderlaß und Arznei- 
mitteln, wobei P. seine Bedenken ob der Popularisierung solcher Dinge nicht unterdrückt „nidit 
bas man bie Ictute wol Urnen fönbe unb idoUic bas nidit tbun, funber ferlidi ifi es, tt'eil \o 
einer mil au^ ben bn*ern ergneyen unb bat ni*t bie fünft, ber feiet oft, er brenget aud) inan*en 
umbs leben, ber fiiji nidit fliirbc aber yo nid?t fo balbe." Er hält aber mit dem beschämenden 
Geständnis nicht zurück, „das im Sterben [bei Pestzeiten] nicht viel Arzte vorhanden sind", weil 
sie fliehen, und cibt eben darum wenigstens ein paar kurze therapeutische Anweisungen. 



) ; I 6. Liltnirische Betätigung. 



1507, sicher nicht später als 150S statt hatte. Ob aber l'istoris etwa kurze 
Zeit nach Haldenhorts Ende im Jahre 150S die Professur für theoretische 
Medizin versah? t!s scheint den vorhandenen .-Kkten nach nicht der Fall ge- 
wesen zu sein, doch möchte ich darauf nicht allzuviel Wert legen. ]?estininit 
hat er die Professur für praktische ^Medizin und damit das Dekanat im Oktober 
1509 übernommen, direkt nach Wagner von Landsbergs Tode, über dessen 
wissenschaftliche Bedeutung noch ein paar Worte zu sagen sind. 



.Auch der letzte Dekan im ersten Jahrhundert der Universität, Johannes 
Wagner von Landsberg, Professor der Pathologie 1490 — 1499 und der Therapie 
'499 — '509 hat handschriftliche Spuren seiner gelehrten Arbeit uns hinter- 
lassen. Ein mächtiger Foliant ist von ihm testamentarisch der Bibliothek des 
Großen Kollegs vermacht worden, wenigstens haben seine Erben es dorthin 
gegeben. ,,Liber per Testamentarios d. doctoris Joannis Lantzberg datus" 
steht noch heute von einer Hand aus dem Anfange des 16. Jahrhunderts ver- 
merkt im Ms. 1:JJ)0 der Leipziger Universitätsbibliothek; dieselbe Hand hat 
auch auf dem Einband „Manuscriptum D. Joh. Lantzberch" notiert. Ein alter 
handschriftlicher Katalog hat den Inhalt des gewaltigen Bandes für Lands- 
bergs geistiges Eigentum gehalten, veranlaßt durch eine Bemerkung auf dem 
ersten beschriebenen Blatte als Überschrift des Ganzen: 

„Metaphysica Doctoris Wageners de Lantzbergk artium et vtriusque 
medicine professoris Qui obijt Liptzk anno 15 10." 

Über die Exaktheit der chronologischen Angabe mag man sich weiter 
oben S. 74 unterrichten. Das Übrige ist, an dem Inhalt des Buches gemessen, 
immerhin beachtenswert. Der Text steht auf der ersten Seite nur in schmaler 
halber Mittelspalte in großer Schrift und beginnt. 

Omnes homines natura scire desiderant. Signum autem huius est 
sensuum dilectio .... 

Das ist der Anfang der „Metaphysik" des Aristoteles in der bekannten 
mittelalterlichen lateinischen Version, die auch dem bekannten Leipziger Druck 
der „Duoötvim libri inetfjapljificc ab 2t:if= || totclc fumnio pijiIo5opE?o:uni." 
. . . „jmprcffuin | CyptjiJ per baccalarium IHartinuni Canöfpcrgf öe i}c)cbu || poH 
2Inno falutis . . [1499] • •" zugrunde gelegt ist. Der Band enthält die ersten 
8 Bücher der Aristotelischen Metaphysik und 4 Kapitel vom 9. Buche, be- 
gleitet von reichlichen Marginalien und interlinearem Kommentar zum Teil 
dem Boethius, zum Teil dem Arabischen entlehnt. Wie denn der Kommentar 
des „Averroes" ibn-Roschd; schon 1473 im Drucke ausgegangen war und auch 
später noch des öfteren ') publiziert wurde. Daß unser Dozent der praktischen 
Medizin selbst dieses immense Opus zusammengeschrieben haben sollte, ist auf 



') Z.B. in hübscher handlicher Junline von 1562. 



Johann Wagner von Landsberg als Schriftsteller. j - r 



deii ersten Blick nicht übermäüig wahrscheinlich und doch buchstabHch walir. 
Die steifen aufrechten Schriftziige dieses unheinihchen Folianten sind voll- 
kommen identisch mit denen der Eintragung von Landbergs Hand im i. Satzungs- 
buche der medizinischen Fakultät auf der Rückseite des letzten Blattes (s. oben 
S. 84). Johann Wagner hat sich also so lebhaft für dieses etwas abseits von 
seinem Berufe und seiner medizinischen Lehrtätigkeit gelegene philosophische 
Gebiet interessiert, daß er es sich in der Fassung des groben Stagiriten und 
seiner Nachtreter zusammenschrieb, wobei die scholastische „arabica commen- 
tatio" eine große Rolle spielte') — also bei ihrem letzten Dekan am Ende 
des ersten Jahrhunderts der Universität in der „facultas medicinae" noch ein 
recht charakteristisches Symptom für deren ausgesprochene Hinwendung zu 
abgestandener Mittelalterlichkeit, die noch kein Wirbelsturm des neuen Geistes 
aufzurütteln begonnen hatte. 



') Auch Konrad AVimpina wußte von dieser gelehrten Arbeit Johann Wagners, er s.igt in 
seiner „Centuria scriptonim insignium" (ed. Merzdorf, Lipsiae 1839 S. 62) davon: ,. Johannes Curri- 
ficis . . . conscripsit commentarios praeclaros in Metaphysicen Aristotelis et quaedam alia". Von 
diesen „quaedam alia" habe ich bisher keine Kunde erhalten. 

Der mehrgenannte elegante westfälische Poet Hermann von dem Busche hat auch unsern 
arabistischen Aristoteliker besungen im Epigrammatum Liber Tercius, 1504 Bl. S^': 

„Excellentissimo medicinae Doctori 

Johanni Lantsberck. 

Forma fuit quondam medicorum niaxima prisci 

Anguis sub specia quam coluere patres. 
Posthunc si memini Podalyrius atque Machaon 

Florebant aevo, nomina prima, suo. 
Hippocrates medica peperit sibi Cous in arte 

Eternum post hos obtinuitque decus. 
Tu quoque nunc inter medicos clarissime Lantsberck 

Es secli princeps atque Avicenna tui." 

Wenige Jahrzehnte später war die „Renaissance der Medizin soweit fortgeschritten", daß es 
nicht mehr für einen Ruhmestitel galt, mit Avicenna verglichen zu werden! — — 



Anhang. 



Die Statuten vom Jahre 1503, mit Zusatzbeschlüssen bis ums 
Jahr 1520'. 

[Bl. l'] LIBER STATUTORUM FACULTATIS MEDICAE. 

[Bl. 2'J Statuta facultatis medicinae huius studii Lipzensis, 

prius ante multa tempora satis confuse et inordinate -) posita, saepius imper- 
5 tinenter repetita^', in volumine statutorum descripta, anno 1503, die vero decima 
mensis Maii fi/?« lo. J/a/] ad debitum ordinem redacta sunt et renovata, 
demunique per coUegium doctorum eiusdem facultatis cum nonnullis aliis super- 
additis conclusis et statutis racionabiliter, contradicente nemine, approbata. 

Statuta concernencia decanum doctoresque facultatis medicinae 
10 et eorum officia'*). 

I. 
Facultas medicinae habere debet decanum, qui sit senior, in ista uni- 
versitate promotus aut assumptus ad facultatem eiusdem universitatis. Qui si 
in possesione sex mensium fuerit et perraanserit, et alter medicinae doctor 
15 eciam eo senior infra hoc tempus non advenerit, quousque voluerit (caeteris 
paribus) permanebit in sua possessione, nisi domicilium ab hac universitate ad 
alium locum transtulerit. 

2. DE LOGO DECANI IXTER DOCTORES SUAE FACULTATIS. 

Decanus medicinae facultatis, qui habet aliis doctoribus praecipere et man- 
20 dare in licitis et honestis, ob id racionabiliter primum locum inter eosdem ob- 
tinere debet in sessionibus universitatis et convocacionibus suae facultatis. 

3. QUIBUS DECANUS MAXDARE POTERIT ET SUB QUA PO ENA. 

[Bl. 2''J Decanus habet mandare Omnibus et singulis doctoribus suae facul- 
tatis, cum intersunt suis convocationibus pro bono facultatis faciendis, sub poena 
S5 certorum grossorum irremissibiliter facultati persolvendorum. In certis eciam 



') Zarncke, vgl. Urkundl. Quellen S. 880. Der vorliegende Abdruck ist unter erneutem 
genauem Vergleich mit dem Original hergestellt, das sich im Besitze der medizinischen Fakultät 
befindet (vgl. die Beschreibung dieses zweiten Statutenbandes vorn S. 37 Anm. i). Die Numerierung 
der Abschnitte und ein großer Teil der Anmerkungen stammt von Zarncke her. 

') Man vergleiche die Aufeinanderfolge der Paragraphen in den alten Statuten. 

') Ungehörige Wiederholungen finden sich wirklich, vgl. z. B. in den alten Statuten zu § 43, 
femer die Beschlüsse von § 32 an, u. v. a. 

') Geschrieben steht facttlt. med. erst hinter officia. 



- . ..- .. < !.i ;.i; .s ' , b.m-.il.iureos et scohires eiusdem f.icullatis [si ei et collegio 
.! : :,;iu \l>uiii tuerit) ad hutusmodi convocaciones seu verius ad praescnciatn 
iK-^U'iuiii XLKT.itc potent, sub poena praeraissa. 

4. DE lURAMEMO CORPORAUTER PRAESTASDO ASSfMMKNDI AD FACULTATEM 
MEDICINAE SEU AD CONSILIUM FACL'LTATIS. 

Quilibet assutnendus ad facultatem medicinae vel ad consilium eiusdem 
iurabit corporalitcr decano facultatis medicinae sub hac forma: „Ego .N. iuro 
vobis decano veslrisi]ue successoribus reverenciam et obedienciam in licitis et 
honesiis, et') reservare statuta et statuenda, quae sunt et eerunt per facultatem 
seu maiorem partem approbata, et procurare bonum facultatis, ad iiuemcunijue 
statum devenero. Sic me deus adiuvet et s:uicta dei ewangelia." 

5. DE MODO CONCLUDENDI PER DECAXUM IN CONVOCACIOSIBUS DOCTORUM 
ET EXAMINIBUS PROMOVEXDORUM. 

Decanus in convocacionibus doctorum pro ali(|uo negocio facultatis tractando 
et expediendo habet inducere et secundum maiorem partem suffragiorum vo- 
cumque *) concordancium concludere, praeterquani in graciosis et praeiudicialibus 
imus solus poterit contradicere et rechunare (et eius contradictio et reclamatio 
valet verum)') in examinibus promovendorum vox vel votum unius tantum 
doctoris tamquam vox nullius reputabitur, nam hoc casu, quod maior pars 
fecerit, (Bl. 3''] iuris disposicione fecisse dicuntur. Ideo tunc cum maiori parte 
decanus suam tantum vocem connumerando concludere debet esse astrictus '). 

6. DE VOTIS PUXGITIVIS ET CONTtMELIOSIS IS COXVOCACIONIBLS 
DOCTORUM ET IN EXAMINIBUS. 

In convocacionibus ductorum, examinibus promo\endorum nullus doctorum 
dicat alten verba contumeliosa, maledictoria, opprobriosa aut pungitiva sub 
p)oena unius floreni renensis facultati persolvendi; nichilominus pars offendens 
parti laesae ultra dictam poenam tenetur salisfacere iuxta dictamen tocius 
facultatis vel maioris partis, si alias inter eos amicabiliter non poterit inter- 
venire composicio. 

7. NEMO DOCTORUM SECRETA CONSILII DEBET AD EXTRA REVELARE. 

Quilibet doct'irum de consilio facultatis nostrae existens tenebitur secreta 
consilii apud se serv-are et ad extra non re\elare, praecipue quando hoc sibi 
per decanum sub certa poena fuit iniunctum. 

8. DE VICECAXCELL.*R1.\TU INTER DOCTORES VICISSIM OBTINENDO. 

Pro concordia maiori facultatis medicinae obser%anda placet, quod de caetero 
vicecancellarium in medicinis habeant doctores vicissim de consilio facultatis 
iuxta ordinem senii eorum. Et hoc ipsum facultas suo tempore, quo aliquis 
promovendus ad licenciam admissus fuerit, domino episcopo Merssburgensi suis 
litteris patentibus insinuare debet, doctorem nominando, cui sua gracia ad 
petidonem et desiderium facultatis dignetur hac vi[3']ce in medicinis coraniittere 



') Am Rande später beigesetzt. 

*) Für suffragiorum vocumgiu war anfangs geschrieben •ueterum, sicher nur ein Fehler des 
Abschreibers. 

*) Die eingeklammerten AVorte sind von derselben Hand am Rande beigefügt, die die vorauf- 
gehende Korrektur eintrug. 

') Am Fuße des Blattes 2' ist auf die vorletzten Zusatzbeschlüsse (s. u.) verwiesen mit den 
Worten : Dt abihtate promtnentium guaere in fine. 



I. Die Statuten vom Jahre 1503. igt 

vicecancellariatuin. Et si plures aliquo tempore licenciandi fucrint, tunc vice- 
canccllarius sie datus rccipiet pro suis laboribus dumtaxat duos llorenos in 
auro. Alios llorenos distribuat inter doctores inmediate sequentes, ita quod 
quilibet duos florenos habeat. Pari modo alio tempore fiel. Sic aequalitas 
I laborum et emoiumentorum servabitur inter doctores, quae amorem nutrit atque 
concordiam. 

9. FORMA EPISTOLAE MITTENDAE AD EPISCOPUM MERSSnURGENSEM PRO 
VICECANCELLARIATU IMPETRANDO. 

Cum reverenciali proniptitudine in singulis complacendi. Reverende in 
Cristo pater, domine graciose! Vestrae paternitati afTectuose conimendamus 
venerabilem virum (aut venerabiles \iros) .N., in artibus liberalibus magistrum 
(aut magistros) et in medicina licenciandum (aut licenciandos), humiliter suppli- 
cantes, quatenus vestra reverenda paternitas medicae facultatis intuitu com- 
mendabili atque egregio viro .N., arcium magistro et in medicina doctori, 
i autoritatem concedere dignetur, praefato magistro (vel praefatis magistris) ad prae- 
sens licenciando (vel licenciandis) ') in medicinis licenciam conferendi, quod 
votis Omnibus apud eandem vestram paternitatem, quoad possumus, promereri 
studebimus. Datum Leyptzck ipsa die .N. facultatis nostro sub sigillo. 

Vestrae pateniitatis 

humiles oratores, decanus ceterique facultatis 

medicae doctores studii insignis Lipzensis. 

[Bl. 4''] Suprascripcio. 

Reverendo in Cristo patri ac domino, domino Tiloni, episcopo Merssbur- 
gensi, domino nostro graciosissimo (aut multum-) gracioso). 

10. QUANDO ET QUALITER DECANUS CONVOCACIONES DOCTORUM SUPER 
I • INTERLOCUCIONE PROMOVENDORUM FACERE TENEATUK. 

Pro concordia doctorum facultatis medicae servanda placet, quod doctores 
ciusdem facultatis et de consilio existentes in locoque universitatis praesentes 
et residentes de examinibus et promocionibus promevendorum habeant dum- 
taxat emolumentum iuxta statuta desuper edita. Decanus tamen pro tempore 
I existens, quantum fieri possibile est, in suis convocacionibus faciendis hanc 
debet habere discrecionem, ne nimis celeriter convocando doctores procedat, 
praecipue in quorundam doctorum actu regencium et residencium absencia, 
dummodo speratur brevi reditus eorum et mora pauci temporis promovendis 
minime esset nociva. Reputat autem praefata facultas nedum^) hunc doctorcm 
actu regentem, qui publice in scolis legendo vel eciam practicando laborat, 
sed eciam illum, qui a talibus cessavit et propter aetatem, quae acervum peri- 
culonim adducit, vacat et quiescit. 

Statuta concernencia baccalauriandos in medicinis, quae eis legi 
debent, dum instant pro baccalauriatu. 

II. BACCALAURIANDOS DEBET ESSE IMMATRICULATUS. 

Nullus promoveatur ad aliquem gradum facultatis [ßl. 4'] medicae, nisi 
prius matriculae nostrae universitatis sit inscriptus et integram peccuniam solvi 

') Im Original steht umgelichrt: liirncwiiilis ti-/ licenciando. 
-) Gescliriclien steht miitto. 
') nciium = non soliiin. 
Studien itir Geschichte der Medizin. VIII. 1 1 



I. I>ir ^^tntutcn vom J.ilite 1503. 

consuctain ui>ivcrsit;ili dcderil, hoc est dcccm grossos. Quoil ccinin intrllij;itiir 
de cxtr.incis assumcndis et promovendis per facultatcin. Et in l>oc paupcrl;is 
ncnnnem cxcusnbit. 



1 2. IIACCAIAURIANDUS lURAUlT SERVARE STATUTA FACULTATIS. 

Niillus promoveatur in baccalaiirium in nicdicinis, nisi priiis coram decano 
et tota farultate iuraverit volle liriniter servare statuta facullatis, ijuac sunt et 
erunt pro bono facultatis et per candem conclusa et approbata. 



13. IIACCALAURIAN'DUS ANTE SUI I'ROMOCIONEM TENETUR DOCTORUM 
I.ECTIONES DILIGENTER ') AUOIVISSE ET l'KACTICAM FKEyUENTASSE. 

Quilibct volcns promoveri in baccalaurium in niedicina, tenebitur prius, 
si magister est"), ante baccalauriatum adniinus jier bienniuni, si non magister, 
per triennium') doclores eiusdem facultatis diligentcr audivissc. Et per luiius- 
niodi tcmpus biennii ') debet eciam cum aliquo eorum vel alioruin doctorum 
practicam in medicinis diligenter adiisse. Quod poslrcmuin si non adiniplcverit 
(quia comode facere nequit), facultas secum dispenset. 



14. BaCCALAURIANDUS TEMPORE EXAMINIS SOI.VERE TENETI'R SEX FLORENOS 

RENENSES. 

[Bl. s'] Quilibet baccalauriandus nostrae facullatis, per do( torcs in me- 
dicinis ad rigorosum exanien admissus et examinatus, anteciuam sibi per eos- 
dem doctores examinatores finale responsum de eius admissione dicatur, sol- 
vere tenetur realiter et cum elVectu sex (lorenos renenses pro labore et honore 
eorundem. Et debet sub eodem examine pro solacio disponere unum can- 
tharum vini dulcis et duos cantharos cerevisiae secundum optionem doctorum 
cum uno talento confecti. 



15. nACCALAURIANDUS TEMPORE SUAE PROMOCIONIS DAHIT PROMOTORI QUATUOR 

l-LORENOS. 

Quilibet baccalauriandus tempore suae promocionis tenetur solvere suo 
promotori quatuor llorenos eodem vel sei|uente die post luiiu.imodi'') promo- 
cionem habitam, nisi eos in toto vel in [larte ipse promotor remiltere velit; 
quod stabil in voluntate seu arbitrio eiusdem. 

Quilibet baccalauriandus in medicinis in actu suae promocionis tenetur 
solvere famulis universitatis unum florenum renenscm"). 



') liiligenler ist am Kanile nacligetraKcn. 

') Die Worte si magister est sind später getilgt. 

') Die Worte biennium, si non magister, fcr triennium sind später getilgt und dafür ist 
geschrieben triennium. 

*) biennii ist später getilgt. Offenbar hängen diese Korrekturen mit dem 1509 gcfafllcn Be- 
schlösse zusammen, daß forlan alle Promovenden der medizinischen Kakulläl Magistri artium sein 
sollten; zugleich ward das biennium zu einem triennium erweitert. 

'') Die Worte eodem bis liuiusmoili sind später getilgt und dafür ist an ilcn Rand ge- 
schrieben ante. 

") Für ßor. ren. ist später geschrieben aunum numum renensem vel valorcm. 



I. Die Statuten vom Jahre 1503. 163 

Ikd 16. I'ECCUNIA FISCI PICR BACCALAURIANDUM SOLVENDA. 

Quililjet baccalauriandus, post examen in baccalaurium medicinae pro- 
motus'), tenetur infra quindenam") solvere duos florenos*) renenses in auro 
pro lisco facultatis. 

17. yUAE TENETUR lURARE BACCALAURIANDUS MEDICINAE IN APPARATU SUAE 
1 IS PROMOCIONIS. 

Quilibet baccalauriandus in medicinis in ;Ipparatu [Bl. 5^] suae promocionis 
tenebitur iurare, quod velit procurare, quantuni in eo fuerit, bonum istius facul- 
tatis, ad quemcunque statum devenerit, et quod dictum gtadum in nuUa alia 
universitate resumat. Et huiusmodi iuranientum in actu suae promocionis 
150 siilemniter per unum ex famulis universitatis publicabitur. 

18. BaCCALARIANDUS ANTE SUI PROMOCIONEM TENEBITUR UNAM QUAESTIO- 

NEM MEDICINALEM') IN SCOLIS DETERMINASSE. 

Quilibet volens promoveri in baccalaurium medicinae tenetur ante suum 
privatum examen et ante dispensacionem, quae fiunt per doctores de consilio 
15S facultatis eiusdem, publice in scolis sub aliquo medicinae doctore quaestio- 
nem medicinalem^) determinasse et eidem doctori et aliis magistris ac sco- 
laribus nostrae facultatis, arguere volentibus contra suam posicionem, pro posse 
respi mdisse "J. 

19. SCOLARES ET BACCALAURII IN MEDICINIS TENENTUR DECANO ET ALIIS 
leo DOCTORIBUS REVERENCIAM EXHIBERE. 

Quilibet baccalaurius seu Scolaris facultatis medicae tenetur pro loco et 
tempore congruente decano et doctoribus eiusdem facultatis debitum hono- 
rem et reverenciam impendere, sub poena non adniissionis ad aliquem gra- 
dum. Item, si quis eorum aliquem ex doctoribus (quod absit) iniuriose mo- 
ifls lestaverit, talis non admittatur ad aliquam promocionem, nisi prius sibi recon- 
ciliatus fuerit; nani non est dignus aliqua promocione, qui suis praeceptoribus, 
a quibus eam afifectaverit, indiscrete insurgit'). 

20. |B1. 6""] ORDO PROMOVENDI BACCALAURIOS MEDICINAE PER DOCTORES, 

et legitur doctoribus tantum. 

17« Placet, quod deinceps iuxta senium doctorum de consilio facultatis ex- 

istencium baccalauriandi promoveantur, ita quod doctores vicissim promoveant 
et emolumentum baccalauriandorum inde recipiant, videlicet quod, si unus 
tantum pro aliquo tempore baccalauriandus foret, tunc eins promotor, si prius 
nullo emolumento participavit, in suo ordine habeat totam peccuniam, iuxta 

irr. statutum desuper confectum solvi consuetam; si plures, tunc cum aliis doctoribus 

') Die Worte fosi examen bis promolns sind später getilgt. 

*) Dafiir ist später gesetzt ante promotiotiem. 

^) Kür florenos ist später gesetzt aureos und dann natürlich in auro getilgt. 

*) Korrigiert in dtias quaesliones medicinales. 

") Korrigiert in duas quaesliones medicinales. 

*) Am Rande Nota: Novo statu to caulum est, ut bis responJeal qtiiris. Da mit diesem 
novum statutum ein Zusat/artikel nicht gemeint ist, so bleibt nur die höchstwahrscheinliche Ver- 
mutung, daß darunter der ordo fromovenJi von 1523 verstanden sei. S. u. Die Statuten von 
1543 sind schwerlich gemeint. 

') Am Rande „/><■ iniuriosis laesionibus" . 

II ' 



l(,i I. Die Slalulro vom Jahre 1503. 

inuncdiate scquentil>us cniolumentuni ex liuiusniodi promocionc provcniens pro- 
jwrcionabilitcr dividat et distribu;it et unicui(.juc ilocloriiiii cciaiu iiitcgram i)or- 
cioncni alicuius promoli ollerendo, pro se parlcm unius baccalaurii ]iroinoti 
dumtaxat rctincndo; doctorque, in ordine sequciis istuin promotorem , alio 

IM» tempore liabcat promovcndi barcalaurcos facullatein, et nirhiloiuinus in emohi- 
mcnto, prius, dum non promovil, perceplo, dcbct esse contcnlus et scqueiiti 
doctori vel do^toribus. qui non ]iarticipavit seu partiriparunt. obvenriones inile 
perccptas, modo quo supra annotatuin est, dare tcncbitur. Kl ut praedictiis 
ordo doctorum promovencium et aliorum, qui cniolumentuni ex tali pninnKione 

iss perccperunt. in recenti habeatur memoria, decanus eosdcm ail aliqucm sex- 
temum specialem consignare debet esse aslrictus'). 



Statuta concernencia licenciandos in medicinis, quae eis legi debent 
tempore petendi favoreni super admissione ad licenciatum. 

21. [Bl. 6'^] LICEXCIANDUS TENETUK rROMn-TERE VEI.LE SERVARE STATUTA 

FACULTATIS. 

Nullus baccalaureus aut licenciandus in medicinis ad liren< iani in eadem 
admittatur'-'), nisi prius coram decano et convocacione tocius facultatis iuraverit 
vellc ser\'are statuta facultatis, quae sunt et erunt pro bono facultatis et per 
eandem approbata. 

22. LICENCIANDUS POST BACCALAUREATÜM TENETUR ADMINUS PER INTEGRUM 
BIENNIUM') DOCTORES DILIGENTER AUDIVISSE ET PRACTICAM VISITASSE*). 

Quilibet baccalaureus in medicinis et licenciandus, volens admitti ad licen- 
ciam in eadem, tenetur adminus post suum baccalaureatum doclores legentes 
ordinarie per integrum biennium^) diligenter audisse et cum aliquo doclore seu 
doctoribus eciani per tantuni temporis spacium practicam adiisse^), nisi prius 
ante baccalariatum pluribus annis quam duobus doctores diligenter audivisset 
et practicam cum aliquo aut aliquibus doctoribus visitasset et de hoc per doc- 
tores constaret. Tunc cum tali baccalaureo, petenti favorcm admittcndi ad 
licenciam, facultas poterit graciose dispensare, inspecta priori liabita diligencia. 

23. LICENCIANDUS TENETUR ANTE ADMISSIONEM AD LICENCIAM SUB ALIQUO 

nocTORE unam') quaestionem medicinalem determinasse. 

Baccalaureus in medicinis et licenciandus ante admissionem ad licenciam 
tenetur ante examen privatum [Bl. 7 ■■] pro licencia adipiscenda publice in alic|uo 
lectoriorum sub aliquo dijctore adminus semel*) quaestionem niedi« inalem 
determinasse et suo doctori ac aliis scolaribus in medicinis, arguere volentibus 
contra suam posicionem, respondisse. 



'; Hierzu steht am Rande: Hoc immutatum est tempore d. Roth, ut alibi; darunter von 
anderer Haod: in novo libro stalutorum. Sebastian Roth war Dekan von 1545 — '555- 

*| Korrigiert aus fromittatur. 

') Für bifnnium ist später geschrieben triennium. 

*( Hiemach ist später hinzugefugt cum guotiam dortore. 

'"") Später dafür trUnnium. 

'') Anfangs war geschrieben aiidh'isse. 

") Vor unam ist später eingeschoben ad minus bis. 

") Am Rande: Nm'o stittuto cautum est bis etc. modo praescripto. 



I. Die Statuten vom Jahre 1503. 165 



24. DACCALAUREUS IN MKDICINIS TER ALigUAM LECTIONEM TENLTUR SE 
ABILITARE AU LICENCIAM. 

Quilibet baccalaureiis medicinae, volens suo tempore in eadem petcre 
licenciani, debet prius a doctoribus de consilio facultatis optincrc favorem 
legendi aiiquam lectionem in facuitate medica pro iicencia suo tempore adi- 
piscenda; et antequain iioc fecerit, ad licenciam minimc admittatur. 

25. LICENCIANDUS LITTERAS VICECANCELLARIATUS SUIS EXPENSIS IMI'ETRAItIT. 

Licenciandus, postquam per doctores ad licenciam in medicinis admissus 
est, suis expensis vicecancellariuni, iuxta ordinacionem facultatis desuper factam 
sibi dandum per dominum episcopum Merssburgensem, verum cancellarium, 
cum litteris tamen facultatis, eideni episcopo praesentandis, impetrabit. Cui 
iuxta veterem niorem, si solus unus fuerit licenciandus, talentum unum de 
confecto; si plures, quilibet eorum unum talentum pro dono ulTcrre tenebitur. 
Et ultra hoc habeat voluntatem secretarii, pro huiusmodi litteris vicecancellari- 
atus scriptis eideni satisfaciendo; est autem pecunia unius floreni in auro cum 
quatuor grossis. 

26. LICENCIANDUS TEMPORE EXAMINIS TENEBITtm SOLVERE DUODECIM 
FLORENOS RENEKSES. 

Licenciandus in medicinis, ad exaraen per doctores [ßl. 7'] admissus et 
examinatus, antequam sibi per doctores examinatores responsura de eius ad- 
missione dicatur, solvet pro labore et solacio doctorum duodecim florenos, qui 
proporcionabiliter ') inter eos distribuantur. Tenebitur eciam dominos doctores 
et baccalaureos suae facultatis in prandio honorifice quo ad poculenta et es- 
culenta reficere. 



27. LICENCIANDUS TENETUR SATISFACERE VICECANCELLARIO. 

Licenciandus vicecancellario suo, antequam aperiat examen, tenetur satis- 
facere, eidem quinque'-) florenos pro suis laboribus ofTeiendo'). 



LICENCIATUS IN APPARATU SUAE LICENCIATURAE DABIT FAMULIS 
UNIVERSITATIS II FL*). 



29. lURAMEKTUM LICENCIATI NOVELLI, QUOD PRAESTARE TENETUR IN' 

APPARATU SUAE LICENCIATURAE, ET PER UNUM EX FAMULIS 

UNIVERSITATIS PUBLICAKITUR. 

„Domine licenciande, vos iurabitis, quod velitis procurare bonum facultatis 
medicinae, ad quemcunque statum deveneritis; item quod non velitis resumere 
licenciam in alia universitate; et quod velitis in ista universitate et non alibi 
recipere insignia docturalia, nee super hys ab aliquo superiori petere dispen- 
sacionem seu a iuramento absolucionem. Et dicatis: Ego iuro." 



') Dafür am Rande: aequalitcr. 

') Die Zahl steht auf Rasur. 

'l Am Rande: Quaiulo^ vi'de in nllero. 

•) Später ist hinzugefügt in auro. 



I. nif Statuten \oiii Jnliti- I >iiv 

30. I'KOMISSUM SUPER INSIC.NIIS [Bl. 8"^] DOCIOKAI.IUUS RIXiniCNDlS KT 
SOLEMPNITATIIIUS SEKVANDIS. 

Quilibet liccncialus mcdicinac, petens insigiiia doctonilia , licbet decano 

et docloribus de consiliu facultatis ])roiiiittcre, quod tempore recipiendi byr- 

rctimi et alia insigiiia doctoralia velil solcmpnitates aulae nee non alidnim 

actuum circa easdcm, sicuti vidcbitur doctoribus de consilio facultatis mcdicinac 

;m et non alilcr, cxpedirc. 

31. (.IUI ET gUOT DEBEANT I-SSl- rROMOTOKl S POC niRANDORlM IN MKUKTNIS 
ET TRADERE EIS INSIGNIA DOCTORALIA. 

Dccanus facultatis omni temjiore et principalis promotor cuiuscunquc 
doctorandi in medicina, compromotor vero aliquis doctorum de consilio facui- 

:»n tatis iuxta ordinem senii, imipiendo a primo seniore post dccanum et sie 
deinieps ad iuniorcm dcvcniendo, postea de novo vicissim incipiendo. Pro- 
mutori autem principali duoderim florenos et compromotori sex fl. pro labore 
liabito ') et solacio eorum *) novellus doctor solvere debet esse obligatus , et 
antequam hoc fecerit aut eonmi voluntatem plene non obtinuerit, ad consilium 

:6s facultatis medicae (et ad suam promotionem non') admittatur. Si vero plures 
doctorandi fuerint eodem tempore, decanus promotor erit primipalis ([uo ad 
singulos et a qunlibet ipsorum habebit duodecim fl.; compromotor autem, qui 
unicus esse dcbet, recipiet simiiiter ab unoquoque sex fl., pro sc retinens 
tantum sex, reliquos florenos inter doctores in medicinis sequentes proporcimia- 

270 biliter distribuere teneatur, lioc modo quod quilibet sex ohtineat fl. ; et doc- 
tores [Bl. 8'] carentes l>ac \ice emolumento doctoratorum alio tem])orc, deo 
favente, consimiliter participent. Et sie quod diflcrtur non oninino auflcrtur'). 

32. DE PECCUNIA FISCI SOLVENDA PER NOVELLUM DOCTOREM. 

Novellus doctor in medicinis post sui promocionem statim aut infra 
275 mensem') pro fisco facultatis solvere tenetur quatuor florenos in auro. 

33. DE PECCUNIA KAMULIS UNIVERSITATIS DANDA PER NOVELLUM UOCTOREJL 

Doctor novellus in medicinis promotus dabit famulis universilatis tempore 

recepcionis insigniorum doctoralium quinque florenos, pro quibus dicti famuli 

pracparare tenentur cathedrain et sedilia honorifice pro doctoribus, magistris 

280 et hospilibus cum ornainentis ad hoc consuetis in aliqua ecclesiarum, in qua 

tunc aula celebrabitur doctoralis. 

34. DOCTOR NOVELLUS POST SUI PROMOCIONEM MOX AD CONSILIUM EACULTATIS 

ASSUMETUR. 

Doctor novellus in medicinis hie promotus, postquam solverit iuxta statuta 
2SS snivenda, mox post insigniorum reccpcionem (quando aflectaverit) ad consilium 
facultatis medicae recipietur, salvis tarnen statutis, ingressum alicuius doctoris 
ad consilium facultatis respicientibus. 



') Für habito i.st später gesetzt habettdo. 

•) Hiernach ist später eingeschoben biduo ante promottonem. 

'J Die eingeklammcrlcn Worte sind n.ichgelragen, doch waren sie wohl nur durch ein Ver- 
sehen des Schreibers ausgefallen. 

') Am Rande: Hoc ultimum immutalum tempore il. Roth >!lS4S — '555^, «' "libi. 
^) Die Worte aul infra memem sind später getilgt. 



I . Die Statuten vom Jiihrc 1 503. j 67 

35. UÜCrORES lUC I'KOMOTI (JUALITER ALIOS LOGO ANTECEDERE UEBENT. 

[BI. 9'J Promotus in baccal;iureum facultatis mcdicae in nostra univer- 

jiMi sitate Lipzensi postquani assuiiiptus fuerit ad legenduin pro licenciatura in 

inedicinis et legerit pro publico exaniine licenciaturac, ex tunc, posttiuain 

promotus fuerit in doctorein inedicinae in hac universitate, praeire dcbet in 

loco quenilibet aliuni doctorem inedicinae in alia universitate proniotuni, nisi 

talis doctor alterius univcrsitalis in ista universitate ante adniissionein eiusdein 

2fls baccalaurii, ad favorem scilicet legendi pro licencia, esset praeassuniptus. Naiii 

hoc casu talis doctor hie promotus alienum doctorein loco sequi debet, eciani 

si ante ipsius doctoris alieni ad consiliuni facultatis medicinae assumpcioneni 

ad legendum pro licencia esset adniissus. Doctores vero hie promoti locum 

habeant in actibus publicis universitatis et facultatis secundum primogenita 

300 ipsuruni secundum licenciani publice in scolis receptam '). 

36. STATUTA CONCERNENCIA EXTRANEOS BACCALAUREOS, LICENCIATOS ET 

DOCTORES ALIBI PROMOTOS. 

Baccalaureus medicinae, promotus in alia universitate, tempore assunip- 
cionis ad facultatem medicinae tenetur darc famulis universitatis unum florenum 

:to5 renensem vel aequipoUens; et sex tl. rh., quos dedisset pro examine, si hie 
fuisset promotus, dabit doctoribus. 

Item idem tenetur infra primum mensem post suam assumpcionem ^) 
solvere pro fisco facultatis duos llorenos renenses. 

Item non debet aliquis extraneus baccalaureus medi [Bl. 9'] cinae assumi 

310 ad nostram facultatem huius studii, nisi prius matriculae universitatis sit in- 
scriptus et decem grosses rectori tempore assumpcionis integre solvent^). Et 
hoc eciam intelligitur de licenciatis et doctoribus alibi promotis et hie assu- 
mendis. 

Promotus in baccalaureum medicinae in alia universitate famosa, affectans 

Mi recipi ad facultatem tamquam baccalaureus, tenebitur ante omnia, antequam 
recipiatur, docere de suo baccalaureatu per autenticam suam; deinde sub aliquo 
doctore determinabit quaestionem medicinalem, ad quam respondebit eidem 
doctori et aliis medicinae baccalaureis et'} scolaribus arguere volentibus. 

Item iurabit baccalaureus in alia universitate promotus decano facultatis 

.lio medicinae sub hac forma: „Ego .N. iuro vobis decano vestris([ue successoribus 
obedienciam et reverenciam in Ileitis et honestis, et velle procurare bonum 
facultatis eiusdem et^) statuenda, quae sunt et erunt pro bono facultatis appro- 
bata vel approbanda, pro posse meo, ad quemcunque statum devenero. Sic 
me deus adiu\et et sancta dei evangelia," 

32S Tenetur eeiam baccalaureus alibi promotus, quia Scolaris censetur, doctoribus 

eiusdem facultatis tempore congruenti et loco debitam reverenciam et honorem 
impendere. 

') Von anderer Hand ist am Rande nachgetragen: ^l si licenlialus aliquis huius universi- 
lalis sit, doctore alienae universitatis adveniente, qui liesyderet assumi, praescribcmium tempus 
lienieinto est, ut intra senusire doctoratum comparet. Quod si fecerit, pracferendus alienae uni- 
versitatis doctori et loco et commodis est; si negkxerit, alienus receptus licenciato postea in doc- 
torem coronalo praeferatur, 

') Statt der Worte infra bis nssumpcionem ist später geschrieben statim. 

') Am Rande Kcctori 4: ^fr^ossos^. 

«) et fehlt. 

'') Es fehlt wohl servare statuta et. 



idig I. Die Slalulon vom Jahre 1505. 



37. STATUTA LICKNCIATOS KXTRANEOS ASSUMENDOS AD KAI UI-IAIKM 
MEDICIXAE CONCERNENCIa'). 

130 Liccnliatus in aliu univcrsitatc prDiiiutus, assuinptus ad nostraiu nuultatcin 

luiius studii, dabitjlM. 10'] rainulis univcrsitalis ciims tlcirenns rcnenscs tempore 
suae assiiin|Hrii>nis; tcnetur cciani probare per suain autcntirain, sc licenciaUini 
esse, et proiuittere iuxta priora statuta, velle prcciirare bunuin facultatis inc- 
dicae, ad qiienicunqiie statuin devenerit, et alia, quae concernunt In innrem et 
bontini statuin ehisdein facultatis huius studii I.ip/ensis; siniilitcr revcrenciaui 

3s» dccanu reiiquisque docturibus facultatis l<icu et tempore congruenti ac tlcbitum 
hi>ni)reni tenetur impendere; sed 12 11. dabit docturibus. 

38. STATUTA nOCTORES ALIBI PROMOTOS ET HIC ASSUMENDOS RESPICIENCIA, 

quae legi debent tempore assumpcionis eorundem. 

sio Promotus medicinae doctor in alia universitate, petens assummi ad facul- 

taiem medicinae huius studii, ante omnia debet matriculae universitatis esse 
inscriptus et totam percuniam SoKi c<insuetam, utpute derem grossos, rectori 
universitatis solvisse. Sed l8 11., quos hie pro examine dedisset, dabit doc- 
toribus, ut supra-). 

SIS Doctor medicinae, promotus in alia universitate famusa, si desiderat 

recipi ad facultatem medicinae, principio debet docere de doctoratu suo per 
autenticam suam, in qua modus suae promocionis continetur; deindc publice 
in scolis determinare debet quaestionem medicinaiem de fauore et consensu 
tocius facultatis medicae, ad quam respondebit doctoribus et omnibus aliis 

3»n medicinae scoiaribus arguerc volentibus; debet praeterea promittere eidem 
decano et toti facultati, quod, completa sua rcsponsione, inmediate velil petere 
assumpcionem ad facultatem. Habetur eciam talis publica responsio loco 
examinis '*). 

[BI. 10"] Doctor, promotus in alia universitate, dabit famulis universitatis 

35s tempore suae assumpcionis ad facultatem medicinae duos florenos renenses. 

Nullus decaetero recipiatur doctor alibi promotus ad facultatem nostram 
medicinae, nisi per triennium in alia universitate famosa stcterit et ibidem 
doctores medicinae diligenter in lectionibus audierit. Et hoc suo iuramento 
confirmabit *). 

360 Doctor alterius universitatis, volens recipi ad facultatem medicinae huius 

universitatis, si est baccalaureus eiusdem, tenebitur dare duodecim fl. rh. doc- 
toribus de consilio facultatis; si non est baccalaureus medicinae huius studii, 
dabit decem et octo fl. renenses doctoribus facultatis''). 

Nullus doctor alibi promotus in actibus si «lemnibus et publicis locum habeat 

38i inter medicinae doctores huius studii, nisi sit assumptus ad facultatem medi- 
cinae secunduin statuta eiusdem facultatis; neijue kathedram doctoralem ascen- 
dat, legendo et disputandn in medicinis, nisi de consensu decani et doctoruni 
tocius facultatis. 

Nullus doctor, alibi promotus in medicinis et hie assumptus ad facultatem, 

S70 redpi debeat ad consilium facultatis eiusdem, nisi in hac universitate biennium 



') Geschrieben ist concertuntcs. 

*) Dieser ganze Absatz ist später durchstrichen. 

*) In/ra quae Unctur Sicht von anderer Hand hier lieigeschricbcn. 

*) Nota steht hier am Rande. 

') Dieser Absatz ist später durchstrichen und darüber geschrieben: l'aUa est, non legitur. 
Am Rande steht: JJoc sublalum eil, loco eins ultimum lege folio sequenti verso (vgl. den Zusatz- 
artikel auf Bl. 1 1"). 



1. Die Statuten vom Jahre 1503. ißg 

post sui assumpcionem compleverit, aliquam Icclioncm in mcdicinis Icgendo 
iuxta statuta desupcr cdita. 

Quilibet assumcndus ad facultateni medicinae, alibi promotus tamiiuam 
doctor medicinae, ante sui assumpcionem ad facultatcm tcnebitur iurare, quod velit 
procurare bonum [L!l. 11'] facultatis medicinae huius studii Lipzensis, quantum 
in eo est, ad quemcunque statum devenerit, et quod velit servare statuta et 
statuenda, t]uae sunt et erunt pro bono facultatis eiusdem approbata vel 
approbanda. 

Item iurabit idem doctor alibi promotus, assumendus ad nostram facul- 
tatcm medicinae, corporaliter sub hac forma: „Ego .N. iuro vobis decano 
vestrisque successoribus obcdienciam et reverenciam in licitis et honestis, et 
servare statuta et statuenda pro posse meo" '). 

39. STATUTA CONCERNENTIA DOCTORES VOLENTES ASSUMMI AD CONSILIUM 

FACULTATIS MEDiCAE, quae eis legi debent tempore assumpcionis 
eorundem. 

luramentum in ordine supra signatum legetur eisdem de verbo ad ver- 
bum, et hoc sufficit quo ad doctorem medicinae in nostra universitate pro- 
motum. Si vero alibi promotus fuerit, addatur illud, quod sequitur: 

Nullus doctor alibi promotus et hie assumptus ad facultatem medicinalem 
recipi debeat ad consilium facultatis eiusdem, nisi in-) hac universitate bien- 
nium post sui assumpcionem legendo aliquam lectionem in medicinis comple- 
verit; et tempore sui assumpcionis ad consilium dabit quattuor florenos renenses'*) 
pro fisco. 



40. lUDIClUM LEPROSORUM PER OMNES DOCTORES MEDICINAE 
DEBET CELEBRARI. 

Conclusum et statutum est concorditer per doctores de consilio facultatis 
medicae, quod deinceps [Bl. ii'^] nullus doctorum audeat ex suo proprio capile 
et consilio solus se intromittere de examine et iudicio leprosi aut de lepra 
suspecti, nisi de favore decani et tocius facultatis signetuni eiusdem tibtinuerit, 
sub poena suspensi<inis a consilin facultatis et omnium emolimentorum ad tres 
annos, si in consilio fuerit; si autem extra et ad facultatem tantum assumptus 
est, non autem in consilio facultatis, tunc eius assumpcio ad consilium facul- 
tatis fienda ad tres annos loco eius poenae debet suspendi <(et differri)*). 



Das Folgende hat eine andere Hand geschrieben ; in den Urk. Quellen S. 881/! 
wird vennutel, daß es die Stromers von Auerbach sei, der gegen Ende des Buches 
einen Vertrag aus dem Jahre 1 5 2 1 eingetragen hat. Fällt auch dieser Beschluß i?i 
dieselbe Zeit? Dann luäre er ßcilich später eingetragen, als das Folgende au/ Bl. 12"; 
was indes leicht möglich ist. 

41. Doctor medicinae alius universitatis, desyderans recipi ad facul- 
tatem medicinae huius Lipsensis universitatis, si baccalaureus eiusdem uni- 
versitatis fuerit, lenebitur illico^) solvere pro assumplione, disputatione et 

') Am Rande luramentum. 

») in fehlt. 

') Später hinzugefugt in auro. 

*) (^tlilji-rriy ist später beigesetzt. 
') illiiO ist späterer Zusatz am Rande. 



I 70 '• '''*■ ^^InliUr» vniii Jiilirr 1 505. 

luboribus cacleris doclorum incdicinac doctoribus de consilio et ad fiscum 
facultatis viginti et iiuiiniue (1. in auro aul valorcin auri ; si vero bncca- 
luurcus huius facultatis et universitatls ') non fuerit, sohct triginta et umim II. 

Mi in auro aut tantuiii valorcin. Caelcium prandiuin nulluni tcnebitur, verum 
positioncs diebus sex aut septeni ad minus ante disputalioncm mcdicinac 
doctoribus, licenciatis, bacc.ilaureis et scholaribus mittat; attanicn nc rcli- 
quae facultates negligantur utque nostra disputatio honorificc celebrctur, 
placuit facullati, ut assunicndus dominum rectorcm, d. decanum theologiae, d. 

»;o ordinarium iuris et d. decanum facultatis artium per magistrum unum aut duos 
mcdicinae scliolarcs ad disputationem invitet; et ut mutuum honorem liii quatuor 
hospitcs reportent, decrelum est, quod assumendus eis in honorem una cum 
positionibus quatuor libras zuccari confecti domum dono mittat, ita ijuod singuli 
librani unam in munus rccipiant. 

1:6 De pecunia autem, quam solvit assumendus doctor, ponant doctores de 

consilio facultatis duos fl. ad fiscum, et reliquam pecuniam inter sc dividant. 



If'/rrtVr i>on anderer Hand isl das Folgende. 

42. ^Bl. 12'] DE ABILITATIC PROMOVIiNDORUM ET ASSUMENDOKUM. 

Anno M. D. viii sub decanatu doctoris loannis Landsperg, cum Hcnricus 
Stromer Aurbachius, Conradus Tockler Noricus, arcium magislri, et Caspar 
Kegeler ac Baltasar Lotwiger Hallensis, non magistri, pecierunt baccalaureatum 
raedicinae, tunc propter duos non magistros suborta fuit gravis altercacio inter 
doctores. Cum autem non possent illos non magistros repudiare, ex quo non 
habebant statutum ipsis contrarium et prius aliquando factum fuit, post pro- 
mocionem magistri Henrici Aurbachs, qui solus sub suo rectoratu^) eodem 
anno baccalaureus promotus fuit, alii duo, non magistri, cum magistro Con- 
rado Norico anno 1 509 fuerunt in medicina barcalaurei promoti. Quare tunc 
concordi ore sccundum praeceptum Galeni ^) conclusum est per omnes doctores, 
quod nullus in posterum in aliquf) gradu insigniri aut ad contubernium seu 
collegium medicorum assummi dcbeat, quin sit liberalium arcium magister. 
Quod itidem conclamatum est per omnes et singulos medicinae doctores anno 
M. D. XI post promocionem illorum quattuor nominatorum, qui acceperunt eo 
anno xi" mi die Novembris lauream doctoralem; et postremo, quando illi 
quattuor fuerunt ad facultalcm accepli die v. Novembris, eodem die approba- 
tum est per illos quattuor et omnes doctores de collegio, ut nullus in futurum 
ad raedicinae insignia aut gradum admittatur ncc ad contubernium doctorum 
aut facultatis assumatur, quin sit liberalium an ium magister'). 



') et universitatis gleichzeitiger Zusatz am Ran<le. 

'} Hinter rectoratu ist noch einmal stio wiederholt. 

'J Am Rande: SectinJo de loch affcctis ca. i. 

*) An den Rand isl geschrieben: Plato 3. Je rcpubUca simile ilc medicis. 



Wichtige neue Bestimmungen in dem behördlicherseits erlassenen Fakultätsslatut von 1 543. i n \ 



Wichtige neue Bestimmungen 
in dem behördliclierseits erlassenen Pakultätsstatut von 1543.') 

[Bi. 2'] DlSrUTATIO. 

Caput n. 

Decretum est, ut annuae quatuor disputationes niedicae instituantur ad minus. 
Licehit tarnen, si temporis conditio postulaverit, plures constituerre. At cum ope- 
rarius dignus sit merccde sua, sequenti ralione disputantibus praemia proponantur. 
Doclori medicd, disputationi praesidenti, tres aurei pro officio dono dentur, respon- 
denti quinque grossi, hac lege, ut impressam a chalcographo quaestionem ^) cum con- 
clusis redimat — hoc autem ipso sibi praemium acci])it, qui laborum partem pro 
sua coronatione explet — , cuivis doctori medico disputanti pro munere quinque 
grossi, licentiato tres grossi, singulis scholasticis ex sede disputantium arguentibus 
grossus tribuantur; iis vero, qui in sede disputantium non assident, nihil dono detur. 

Quod vero ad hospites pertinet, rector gymnasii disputans pleno doctoris munere, 
scilicet quinque grossis, decanus artium tribus grossis dunandus est. 

[Bl. 6*] ANATOMIA. 

Caput XXII. 

Cumque non mediocris fructus per inspectionem humani corporis, quae per 
sectionem fit {ävuTOniav appcUant), ad discipulos redeat, itaciue placuit constituere, 
ut singulis annis ad praescriptum medicorum corpus aliquod dissecetur, ita tarnen 
ut partes corporis humani et äofioviu eiusdem discipulis accurate ostendantur. 

[Bl. 7''] PHARMACOPOLIA. 

Caput XXIII. 

Caeterum, cum pharmacorum consyderatio vel praecipua ad medicos pertineat, 
doctores facultatis medicae singulis annis pharmacopolia et officinas inspiciant et 
curent, ut probatae medicinae usurpentur. 

Item, si forte compositurus sit pharmacopola medicinani multarum partium et 
in quam plures res ingrediuntur, quae niagnae compositiones nominantur, iubebunt 
pharmacopolas partes simplices, priusquam conminuantur, ad contemplandum dis- 
cipulis et doctoribus proponere. 

Praeterea debent ea, quae in officinis venduntur, ad ccrtam pecuniam taxari et 
taxata perscribi in tabula et proponi, signata sygillo senatus. Si autein ex^is]>timarint, se 
mutatis preciis in taxatione aliquando gravari pharmacopolae, indicent hoc in semestri 
quoque tempore senatui, ut rationibus ipsorum mature consulatur. Secundum autem 
Ljpsicam taxationem omnes aliae taxationes in ditione principis nostri illustrissimi 
constituantur. 

DE EMPEIRICIS. 
Caput XXIIII. 

Denique quum passim circumforanei cjuidam cum maximo simplicium periculo 
curam medendi sibi adsumant, neque vero usquam didicerint artem medicani, et 
tamen absque omni testimonio doctoratus titulum iactitent, \isum est eos non tantum 



') Nach dt-m Original, einem Großfoliohefl, 7 Bll. Pergament 40 X 28 cm (das ". angeklebt), 
ungebunden, bezeichnet: A. I. 9. Vol. III. Mit der Aufschrift: „Statuta Medicorum Lypsicnsium 
ab Iliustriss. principe Mauritio Saxoniae duce confirmata, aucta, correctaquc, Anno Domini M. D. X LIII." 

*) Der Druck der Disputationsthemata ist also von nun an oliligatorisch. 



|- • S|4trrc «Kintcmlc IWschlüsüi.- und Ausfuliningsbestimmuni^cn 1555. 

ex urbc Lypsicnsi scd etiain ex universa ditione principis noslri expellere. Cim- 
stitutuiu est itnque, ut nullus einpeiricus hie vcl iilibi incdicinain udlübendi Ciimquc 
vcndcndi potcstatein habcat, nisi prius dccamim et consilium facultatis aut inedicuin 
illius urbis, ubi artein siiaiu cxercere vult, adcat et vcniain medcndi comprccetur, 
(lui deindc de eo constiluant et, si arteni ipsius probaverint, admittant; sin inipustorcin 
intellexcrint esse, inlerdicant illi, ne \el phannacuin ulluni vcndat vcl ad aegros 
incdcndi eos caussa adeat. Quod si vero aiiquis luiec negligcns aut qui se doc- 
toratus litulo iactitet nee certa dDCunicnta si\e teslinionia eius rei habeat, deprae- 
hcnsus fuerit, in euni niagistrutus pro condititme aniniadvertere dcbet. 



Spätere ergänzende Beschlüsse und Ausführungsbestimmungen 
der Fakultät vom Jahre 1555 usw.') 

\'. [S. 13] ut ANAIU.MIA. 



Demonstratori anatomiac ex diplomatc principis deeernuntur 20 florcni, qui ex 
aerario persolvuntur. 



Doetores etiam reliqui interesse debent anatomiae, quantum euique per negotia 
licebit; pro qua opera singuli 2 florenos ex aerario aecipient. Si qui forte tarnen 
per negotia, valetudinem aut quanilibet aliani probabileni eausani inipedientur, his 
nihilominus idem praemium, nempe 2 floreni pendantur; qui vero sinipliciter interesse 
recusaverint, his nihil dabitur. 

3- 
Doctori ehirurgiae suum eonstitutuin est per principem salarium, qui si sotiuni 
et adiutorein sibi eonsensu facultatis sua spon[S. i4]te asciverit, ei de suo praemium 
persolvere debet 

4- 
Spectatores Studiosi vel artis nostrae vel etiain philosophiae, aut si qui sunt 
alii honesti, qui non ex petulantia quadam interesse volunt, adinittentur, ita ut sin- 
guli tarnen pendant ante primuni ingressuni 6 grosses. De hac pccunia collectores 
dein curabunt funus, et reliqua necessaria coniparabunt; de quibus cxpensis rationein 
reddant faeultatL Quod reliquum deinceps fuerit, id aequaliter in incisores et col- 
leetores distribuetur *). [De eo cullegio medieo supcrioribus annis sie statuen in 
esse Visum est, ut. illud in omnes doetores, quotquot in eonsiliis facultatis fuciit, 
aequaliter dislribuatur.] 



') Im „Liber Dccretorum et Aclorum'', einem Foliobande in Papier, .s. 5,-25. Abgedruckt 
bei ZarncVe, Die Statulenbüchcr S. 619 — 625, 

') 'Stall id bis dislri'biialur ist später gcsclzt worden: ,,;'</ loluiii relinqudiir incisori^ 
eollectores auttm n'nl immunes". Auch dies bl später gclilgl und statt dessen erst der eingeklammerte 
Schluß des Absatzes gesetzt worden. 



Spätere ergänzende Beschlüsse und AusfÜhrungsbestimmungen 1555. 17^ 

VI. [S. 15] RATIO STUDII AU SCIIOLAKES. 

I. 
Et quia hactenus plcrisquc Scolaribus fuit incognita ratio sludioruin, quam vocant 
coinplctionis, et inulti tenierario quodaiu ausu ante teiui)us non sine publica inul- 
loiuTii pernitie et dignitatis artis et ordinis noslri iinininutione praxin exercere 
cepcrunt, decrevit facultas, ut posthac statuta, quae pracscribunt forinaiu et rationem 
sludioruni, quotannis in die Lucae sine dilatione praelegantur baccalaureis et scola- 
ribus. Ad quam rem percommodum esse putavit facultas, ut posthac onines et 
singuli, quo tempore primum animum applicant ad discendam artem, aut qui ex 
alia universitate scholares huc veniunt, nomen suum apud decanum jjrofiteantur et 
inscribi cu[S. i6]rent, ut, quem cursum studiorum tenuerint, postea rectius co- 
gnosci possit. 



Cumque multi temere ad gradus aspirent, eo quod putant, se utcunque tempus 
definitum in statutis complevisse, cum tamen eruditio non respondeat, facultas vero 
iuramento astricta sif, ne praeter dignitatem aliqui ad honores evehantur, de quo 
singulari etiam consilio a maioribus cautum est, decrevit facultas posthac, ut ex dis- 
putationibus et lectionibus candidatorum, quibus doctores tum temporis diligenter 
interesse debent, iuditium fiat accuratc de eruditione et aptitudine petentium gradus; 
nam si qui inepti iudicati fuerint, illos ne quidem admittendos ad petitionein alicuius 
gradus censet, [S. i 7] ne et sibi et facultati temere negotium facessant et ipsi in dis- 
crinien reiectionis veniant; nam quod a maioribus nostris magnis de causis et gravi 
consilio hac in parte sancitum est, id etiam serio et, qua par est, integritate exe- 
quenduni omnino sibi statuit facultas. 

3- 
Cum omnis iraperitia sit rebuspublicis dctrimentosa, praecipue vero in hac arte 
magnam afferat perniciera, ultimus gradus, doctoratus videlicet, a mainribus con- 
stitutus est, ut sit publicum testimonium eruditinnis et doctrinae perfectae illius, qui 
publice medendi artem exercere et cui Immines vitam et saluteni suam tuto com- 
mittere possint. Itaque prudentissime ab illis cautum est, ne qui ante hoc publicum 
testinionium medendi artem non sine periculo aegrotantium et aliorum hominum 
intelligentiuni querela nostrique ordinis ignominia tractent, quod statutum omniniodo 
est tuendum et conservandum. Unani[S. 1 8]miter igitur decrevit facultas, ut, si qui, 
obliti omnis modestiae, contra ausi fuerint facere et honorem sibi nondum con- 
cessum impudenter usurpare, illos eliam postea neque ad honorem illum necjue ad 
nostram .societatem admittendi>s unquam esse, siquidem indigni haud immerito iudi- 
cantur hoc ordine, cuius Icges, authorilatem, dignitatem et existimationem contemnere 
non verentur. 



Folgende Anordnungen scheinen noch nach dem Jahre 1555 getrofifen worden 
zu sein, 

VIII. [S. 2l] DE DISPUTATIONE PUBLICA. 

Decreta seu propositiones disputationum, priusciuam prelo subdantur, ad cen- 
suram decani referantur. 

Eidem octo dies ante disputalionem doctoribus et scolasticis per famulos uni- 
vcrsitatis distribuantur et theatrum ab ipsis expurgetur ac tapetis adornetur et toto 
disputationis tempc>re suo officio attente fungantur. 



Spilen? erßAnicnilc liosclilussc uiul AuslulinitiK>licslimii)unf;cn nach 1555. 



Quicunquc sculasüci vel baccalaurei tilulus hunormn ferre apud nus cupiunt, 
una cum pracsiilc ab initio ad postrcnuim iisquc dispiitati>ini intcrsint, nc praeses 
surdos parictes fcrirc vidcatur et ne sie so>lastici>runi culpa disputandi mnnus curruat. 

Studiosi medicinac inter disputaniluin certu loco sedeant in o>nspeitu unuiiuni, 
scd mediconitn inpriuiis, ut, quam parati et instructi ad disputatiimem vcniant et 
quantuin prnfeccrint, aut qua omninn spe versentur [S. 22] in liac schola, liquido 
coguosci et iudicari possit 

H(.>c decretum si quis contempserit et facere neglexerit, is iiec disputantis 
praemium feret nee ad bonorum petitiones admittetur. 

Scolasticus ad baccalaureatus gradum non adinittatur, nisi sexies ad niinimum 
in disputationibus appanierit ar, cum datur copia, ipse etiam disputaverit. 

Sic etiam sancituin est, ne cui baccalaureo licentia adeundi ad doctoralem 
sublimilatem conferatur, nisi itidem sexies ex medica sella (si in sj^acio nempe com- 
pletionis tot disputationes celebnitae fuerint) disputaverit. 

Decanus de singulis tiisputationibus cathaloguin disputantium et respondentium 
a famulo universilatis exigat et in facultalis indicein rcdigat, ut cuiusque merita inde 
appareant 

[S. 23] Si quisquam haec et alia (quae, ut res medica efflorescat, constituta 
sunt) dcspexerit et alio se contulerit et coroUani susceperit, decretum est, ut par 
pari releralur, ne unquam hie apud nos in numerum ductorum aut facultatem niedi- 
corum recipiatur. 



Äußerungen 

der verschiedenen Mitglieder der Leipziger Universität 

über Mängel und Reformbedürftigkeit 

der Medizinischen Fakultät in den Gutachten zur Reformation 

der Hochschule auf Anfordern Herzog Georgs 

verabfalJt im Oktober 1502.') 

Bl. 62'. 

„. . . wo wol aber In allen faculteten gemenklich gebrechen oder vorsumgi- 
keit etlichn was wer zu ubir gebin dj-sser schrifl't vorstregimg . . ." 

Mag. Johannes Sperber [aus Heiiigenstadt]. 

Bl. 87 \ 

„Item in facultate theologica, luridica nee non medicinali defectus qui sunt, 
hi scribent quorum intercst . ." 

Joannes Conradi de Frigido fönte (Kaltenbrunn). 

Bl. 86\ 

„Der ertzte thun g. H. ist mir gar nicht wissenn, den das ich sie von 
ydermann gelert und weidt berumpt auch über andere universitet hör breissenn." 

Heinrich Scheib^e^, Doctor. 

Bl. 60 ^ 

„Von der faculteten der Erczte weys ich gancz nichts anzcuzceygen. Es 
seynt vihl gelarter Doctores in der Erczney alliie; es ist sich zcuvermuthen, mau 
findet sie yn dewschen landen als guth und fso vihl yn eyner universitet bey 
ey^n)ander nicht, ich vorsehe mich, sye thuen was se}e sollen." 

Mag. Laurentius Zooch [Dr. jur.] 

Bl. 46 ^ 

„Inn der facultett der Ertzeney, so die doctores der selben facultett noch 
notturfft versorget weren, die dan itzundt auch, bey andern universitetten für gelart 
angeschen, geburlichen vleis Inn irer Schule, mit disputiren und lesen thetten, als 
ich nit anders weifs, dan das sie geburlichen vleis thun. So wüste ich von einigem 
gebrechen genanter facultett nichts zcusagen." 

Johannes von Breitenbach, Doctnr und Ordinarius 
(der Juristenfacultät). 

'J Nach dem .S.immelb.inde zur Reformation der Universität von 1 502 ; großenteils schon 
.-ibßcdnickt bei Emil Friedberp, Die Universität Leipzig in Vergangenheit und Gegenwart, i8g8. 
Vgl. unsere Ausführungen im Text S. 42 flf. 



I - \iiO<-iinij;cn ilcr vcrscliifilfiirii MUjjliolri ilci l.<i|'^i);(t UiiivcisitiU usw. 

1,1. ,S7>. 

..In der facullct der Krtznc\' wcifs icli, g. h., iiidil suiulcrlich gebrecli vor- 

dcn wie wol doctor Casp.ir zu j;c7.ceitcn riidit ynlicymiscli ist, yn liocii fsn 

: IT sc>nc lection mit eyncni andern zu bestellen, als denn yn der Juristen 

i.uiiiti-t vor altn jarn auch ist gclialtn wurdnn yi\ Zuversicht, szo efs der niafs nacli 

gchaltn wurdnn als denn mehr sciiulcr erschynenn." 

Capcllan Joliannes Rc\ nhart, Doctor. 

70'. 

. . Desgleich bcvindt ich uch gebrechenn Inn der facultet der medicin, Inn 
welcher facultet der achtbar wirdig Herr doctor Lanczbergk etlichem Heiß ann 
gestalt . . . 

Cap. Johannes Liiitholtz von Muelilbcrg. 

Bl. lO'— 12'. 

„Joh. peyligk vonn czeytz, magister" 

Bl. lo^ 

„. . In den Facultet artium der icii bey glaidt byn . . ." 

Bl. 12'. 

„. . Alß daß man mit sulchen soldt [der Abwesenden] der do cyn jar huch- 
Icwfft, etzliche L^enten versoldet, alß eynes Theologen, medicum vnndt Legisten . ." 

Bl. 63'. 

„In andern hogesten faculteten als facul. Theologica, Juridica vnd medicinal(is> 
nach meyner costenung und wissen haben doctores gcmiuch, aber sv oft nicht 
llyeßick lesen und nicht sulbest, besunderni in jure civili werc vonnuten, das man 
gute lectores haben müßte." 

Mag. Cunradus Brunswigk [Witrop?] 

Bl. 53'- 

Item die doctores In der artzedie seyn pdichtig zcu lesenn in die legibili, das 
ist alle leslichen tage, E\ ner vor miltage der nach mittage, die seyn auch vorsinnich 
den sie machen vil viertage vnd lange vacancien. Men hat ufigehort zcu lesen 
achtage vor margarethac vnd sul noch wider anheben, do durch auch die scholares 
vorsumet werden Auch sollen lesen die doctores In der artzedie, wen die doc- 
toren Im rechten lesen, hoc est an die legibili Et post caniculares Incipiendo 
Barthol(omaei) hoc autem anno currenti medici Bartholomaei vacabant ]5rfipter dis- 
putationera de quolibet in artibus etc. 

Cappellan Hcinricus Greve, magister. 

Bl. 49 \ 

In der facultett der Ertzney. 
Item das vor die schuler etliche disputation uffgericht wurden, den die doctores 
fast gelert sein. Davon die schuler sich bessern. 

Cap. Johannes Hennigk, Doctor [de Hilynis, Großenhain, Theologe]. 

Bl. .51^ 

Zcum dritten von der facultet der arcztie ap dy doctores vnd lectores beide 
glichenn fliß thun weiß ich nicht zo sie nicht viel scolares haben. 

Leonhard Meseberg, geistlicher rechte dfjctor. 



2. Au[Jeriin};oii der vcrscbieJunen Mil(;lie<Jcr der Leipziger Univcrsiliit usw. 177 

Bl. 25'. 

Dy medici ader doctores der Ertzney wywoll dye mit vleiU leßen wen Ir 
docli mehr besoltt waren zuleUenn, were grosßer nutz der schuller Auch das sie 
ym lore mehr disputationes hilden, dor Inn groß frommen gescheen mag gleicher 
weyß deucht mich auch von den Juristenn . . . 

Gantz gehorsamer demutiger dyner 

Paulus Suoffheym von gorlitz Magister. 
Bl. 58 \ 

. . . daß In Andern, dreien, faculteten, nemlichen der heiligenn geschrift, geist- 
lichen vnd werntlichen recht, deßgleichen in der Ertznej, kein hoher gebruch nicht 
befunden wirdt, daß sie seumlich seind In Irer Lection, vnd deßgleichen Etzliche 
defectus, In lectoribus gefunden wirt, daß der selbigen, nicht genug Ist, vnd auch 
selten lesen . . . deß auß solcher Vorsehung, vil scolares Ewr fürstlichen universitet 
Andere Land, besuchen musen jc. 

Magg. art. Conradus <Thocler^ Nurmberga, 
Alexander ^Czekler) Esslingensis. 
Bl. Sg". 

„Der gleychen mag auch gcschriben werden von den Juristen und medici, 
die wollen andern gescheflten genug thun und nicht Vorsorgen ire officia bey der 
lere und underweysung, wie sich geburt, und noch den sie ire eykomen da von 
entphangen." Mag. Andreas Bon er von Landau. 

Bl. 68'. 

. . . deß gleichen dy coUegiathn in facultate medicinali auch wenigk vor eyn 
gemeynen nucz thun mit yren lecion . . ." 

Cap. Michahel Raw ^aus Leipzig^, mag. art. 

Bl. 35'- 

. . . dyweyl eyn yttlich regiment ordentlich gehalden wirt szo dy regireu 
eyntrachtig seyn und betrachten denn gemeynen nutz Alß ewrenn fürstlichen gnaden 
wol wissentlich ist. Daß aber sulichß sey und er unßern regiren deß sage ich nicht 
Dann szo man ansieht alle faculteten Es sey gleich facultas theologorum Juristarum 
Medicorum oder Artistarum, Szo wirt doch erfunden, daß sy nichtz achten den 
gemaynen nütz. Sunder }'r me)-nung stetiglich steht auf eygenen gewin und zuvor 
an vor dy alle umb aller meysten ist an czu sehen daß regiment der facultisten in 
wasserle)' gestalt sy betrachten seyn den gemeynen nutz . . . 

Mag. Georgius Brunss ■(Gregor Breunsdorf de Leipzig?^ 
Bl. 90'. 

Facultas medicorum vnnd dy achtbar wyrdigen Doctores der selbigen faculteten, 
hocher sich befleysen bey den kranken, den bey den gesunden, So sy den gesunden 
furderlich leßen den sy bys dar gethim haben Ewer fürstlichen gnaden universiteten 
seit nicht schaden dar von empfahen. vyl seyn solariaten wenigk legenten zu thun. 
dy selbigen coUegiaten Dy nyhe keyn lectio noch resumptio haben gelhon noch 
gedencken zcu thun dy selbigen collegiaten aus gunst meher acht der gelarten vnnd 
erfarenden beyn yn dy selbige nich wollen leyden mit grosßen vorfulgunge \on yn 
drynngen unnd swyngen, das sy den bundt unnd plan behalden. So diseni arge nicht 
vorgkummen wurde durch ewer fürstliche gnade, als ewer fürstliche gnade ist ge- 
negeten grosser abruch unnd schaden den selbigen ewer fürstlichen gnaden be- 
rufifen vniuersitetea mocht erfaren unnd geschehenn. 

Mag. Andreas Meynhart von Pirn. 
Bl. 31-. 

Facultas medicorum soluni deficit, et conqueruntur scholares quod ad prac- 
ticara non ducuntur; herbas noscere et discernere nemo doiet, anathomia non cele- 
bratur, apntecae non rectificantur. 

.Studien zur Geschichte der Mcdiiin. VIII. >2 



,-v; ■ \r.i;,,„nr,-n .1,1 v,-iv. l,i,..l,'n,n Mili;liiil.-i .1, i l.^■il./i^:.•l UnivriMliit usw. 

In der facultcl nicdicinali \vv man liset forseumlich ist auch am tag, Solten 
liillip dy Doctores dar vfl' sclien, daß armen leutt nit beswert wurden yn der aj^po- 
terkcn, solt solche erzcney all t;ixirt sein, nach ratt vnd forslenniß der dortorn 
iliscr lacultctcn. Mag. Peter ^Dcubinger) Miltenburgensis. 

Bl. 64 \ 

Item alle facultalos mit gelde vorsorget zeynn, das zy alle vierteil Jar dis- 
putationcm publicam haldcn magk, awßgenomen inedica facultas und das do Heissigk 
wurde ouch bcstalt zcu leücnn dorczu yn andern facultet. 

Cap. Wilhelmus Haldenhoff von Tliorn yn der erczney iloctor. 

[Das eingehende Gutachten des Doktor med. Benedikt Staetz (Staets) siehe 
vorn im Texte Seite 4 4 f. — Weil Heinrich Stromer von Auerbach, der später zur 
Medizin überging und sich in der medizinischen FakullJlt einen Namen machte, 
sei sein Gutachten als neugebackener Magister des Wintersemesters 1501 hier zum 
Schluß in e.xtenso mitgeteilt, obgleich es die medizinische Fakultüt nicht ausdrücklich 
berührt.] 

Bl. 30'. 

Durchleuchtiger hochgeborner Fürst unnd aller gnedigisten Herr !c. gebrechen 
unnd abnemung der loblichen universiteth unnd In sunderheit der großen unnd 
fumemister facultet Artium. An welchen vast dy ganz Universitet stet. Entspringen 
unnd k.'lraen dar von des an der Egenannten facultet herschen unnd regiren Etliche 
alte Magistri, welche alleyn Iren nutz : unnd nicht den gemaynen : fudern, Sunder 
hyndern : unnd welche Magistri : frumen unnd nutz mit vleys ze rcsumiren thun dy 
verwolgen sy und vortreyben dy selbigen, als vormals oll't geschehen ist, welchs 
merere abfal macht der unviersitet wan die obgemelten alten magistri : kaynen ge- 
lerten Jungen magistrum zw dignitet oder standt erwellen, Sunder dy alzeit verwerffen, 
als ditz lar ofTt geschehen ist. 

Durchleuchtiger Hochgeborner fürst unnd allergenedigister Herr disen Ge- 
prechen unnd ander vill die dy Egenant facultet Artium an yn mercklich hat : mocht 
man hulfflich durch Ewren gefurstlich genad hulff unnd rat der alzo furkumen do 
man d\- Selbigen regierer unnd alten verdrossen magisters dy gar wenigk guttes 
thuen noch than haben der universitet, aws der facultet, unnd sy absetzt, Sunst 
als ich von yn a\n teyl selbst vernumen hab, wirt es nymermer gut yn der Uni- 
versität, wan sy lieben mher das gelt dan den gemaynen nutz, auch mercklich 
sunder hulff den universitet entsprung, wo man verordnet, das ayner In der vor- 
gemelten facultet artium nicht blib über vij jar, So wurden si doctores unnd gelert 
lewt, das sunst nicht oder gar selten geschieht. Item wir Jungen magistri durlTen 
nicht anzenemen [„ze" ausgestrichen] Bacc^alaureos^ zw promouiern Sy neyden unnd 
ver\'olgen unns : unnd verwerffen darnach dy selbigen, Sy wellen es alles nur allayn 
haben, das wir unns gar kawm enthalten mugen. Es wer auch nutzlich das keyner 
In dy facultet kem, der vorhyn mit ayner Colegiatur versehen ist, unnd das man 
aynen magistrum In dem vierten Jar Se\nes magistery In dy vorbemelte facultet 
artium eyn nam unnd vill andern gebrechen mher der facultet artium von kurtz- 
wegen awßs gelassen, dy man ungezweyfelt In andern zedllen erfinden wirt. 
Ewer fürstlich gn. vntertenigster 

Mgr. Henricus Stromer 
Auerbachensis. 

Man sieht, der junge Magister war recht radikaler Gesinnung; daß er auch 
noch 10 Jahre später seinem medizinischen Dekan gegenüber scharf ins /eug ging, 
zeigt das folgende Gutachten. Daß er nicht nur ein geschäftlich betrieb.samer 



3. Äußerungen der verschiedenen Mitglieder der Leipziger Universität usw. i jg 

Mann war, der Wirt von Auerbachs Keller, sondern auch seine FakultUtsgeschäfte 
sehr ernst nahm, beweist das rege Leben, das unter seinem Dekanat in der medi- 
zinischen Fakultät herrschte (1523 — 1542), dessen die Fakultätsakten noch lautredend 
Zeugnis bringen. 



Als Herzog Georg im Oktober 1502 den ganzen Lehrkörper zu Einzelgut- 
achten über die Schäden der Hochschule und deren Abhilfe aufforderte, war 
Simon Pistoris schon außer Landes am Brandenburgischen Hofe. Was wunder, 
daß sich die herzogliche Regierung noch nachträglich sein Separatgutachten ausbat, 
als die versuclUen kleinen reforinatorischen Änderungen das erhofite Ergehnis nicht 
bringen wollten. Da Pistoiis, wie man erfahren hatte, in Fragen der Neugründung 
der Brandenburgischen Universität in Frankfurt a. d. Oder eifrig zur Mitarbeit her- 
angezogen worden war, mußte es der Regierung in Dresden um so wertvoller sein, 
das Urteil des Heimgekehrten über die Leipziger Verhältnisse zu erfahren. Er 
entledigt sich seiner Aufgabe wie folgt: 

Durchlauchtiger, hochgeborner fürst, gnädiger herr. Als mir euer fürstlich 
gnaden befolenn hat und begeret anczuczeichgenn standt, wesen auch defectus 
aber') gebrechgen der facultet der arczney, hab ich das mith fleiß gethan und 
aufTs korczte czu vormeydenn oberflossigk angebung, und thu euer fürstlich 
6 gnaden czum ersten kondt, das keyne facultet hyr weniger vorsorget ist unnd 
meher nachteyl in allen hat, wenne dy facultet der doctores in der arczney, 
unnd mich beduncket doch, das dy medici unnd doctores medicinae alßo 
wol vor gemeynen nuczt dynen und czu gebrauchgen seyn alßo ergen ander 
doctores. Dy facultet ist nunt vorsorgeth mit H coUegiaturenn, dy da seyn 

10 czu lectur gezcogen, das eyner ßo er eyn solch coUegatur hat vorplicht ist czu 
lesßenn, das dy andemn coUegiaten nicht bdorffenn, und ßo gemeynicklich dy 
doctores in mediana wertlichges Standes seyn, auch sich solch stand ön geboret 
und elichge weyber habenn, derhalbenn sy in den coUegio nicht seyn komen-), 
ßo alßo denne eyner von solchger coUegiatur aber lectur wy manß nennen wil, 

16 nicht meher ierlich eynkomen wenn xliiii alth ß., szo aber eyner nicht inn 
elichgen standt ist unnd bey on inn collegio wanung hat, der hat auch ander 
accidentalia und zufelle aber gewiß wy dy andernn und magk etwas merck- 
lichs meher habenn, alßo denne es doctor Lanczsperg got selliger und doctor 
Weyde ghabt habenn. Vor solch eynkumenß, er sey in collegio ader ausser- 

20 halben wanhafftig, sal und musß lessenn alle tage, dy man pfleget zu lesen, es 
sey denne sach das er czu zeittenn czu kranckenn gefordert, ßo hat man gdulth 
alßo mit allen ye und yhe ghabt und nemellich, ßo sy zu fursten alßo das 
landfurstenn gescheffte seyn geweysenn nach meher on nachgelasßnn; in der 
maß habenn solch lectur gehabt am negstenn doctor Lanczspergk selliger und 

26 docttir Meilerstadt am negsten gehabt; ßo denne doctor Caspar in euer g. 
geschefTte ist, da hat man solche lectur nicht vorsorget und ist gemeynicklich 
ön gebeß') vorblebenn; syder ich dy ander lectur habe ghat so ich eynheyniiß 
bynn, alßo dy meyste meynung unnd zeith, hab ich mith fleyß geleßen, mag 
euer f. g. auch wol erforchßen und wil das euer f. g. wol onderrichten, wu es 

30 euer f. g. begert. Nu kan euer f. g. wol abnemen, das gar swer ist, auch keyn 
doctor wol thun kan, das er solde tegellich leßenn und alle reyßen und ausß- 



•) statt ,,ader". 
') statt iöniun. 
■') statt Gi-Uß = Lesen, Vorlesung. 



I <5q 3. .\ullcninj;eii ilcr vcrschicilciu-n Mil(;li<il<-i iloi I.cip/.igcr Univcisiläl usw. 

CT.yhen abcslahcnn und der lectur h;ilbcnn lasUenn; ßo ist es warlich ni( lit 
leichte sunder swer in medicinis zu ieyÜcn, es bedorlT auch wol zeit daraulV, 
\vu man om recht thun vil und das es nuczbaiiicii seyn sali, dcrhalben ist 

s» solihgcr solt fast zu gerynge zu solchgcr crbcili», man wil denne losßenn wy 
es im buclige stehet, alßo dy nonncn den psalter. Dcrhalben awrc f. g. h. ist 
es sere von nothcn. das man allewege gcicrte und vorstcndige doctorcs ordinire 
zu solchger lectur, dy es wol vorwessenn können und guth schuller madigen, 
auch solchge dy schuller gerne horenn, wenn das vornemste forteyl eync gulhe 

«0 universitet zu bestellen stehet aulT guthe Icctores, es sey in welchger facullet 
es wolle, wenn man spricht eyn guther meyster macht gulhe und gelerte 
schullcr, und gemeynicklich ist der eynn gutter meyster und kunstreichger, der 
von eynem gutten meyster gelert hat. 

Ober dy c/.whe lectur hat euer f. g. ausl3 mildigkeyt und gutter czuney- 

45 gung doctori Christoffero Schonfeit ierlich eyn solth gegeben, alßo glcube ich 
aber ich bericht byn xxx flor., ilas es euch zu nucze der schuller lessen sal, 
der denne auch solchgs thut im massenn wy oben und ßo aulTte er kan, wen 
er heym ist 2c. Ober solch lectur haben dy niedici keyn vorsorgung aber 
eynkomnesß also dy anderen faculteten, das man mochte disputaciones haldcn 

jn im iare nach quattuor tempora wy anderhalbenn, sunder wu man hat messen 
disputaciones halden, hat mossenn dy facultet von oren evgen gelde, das man 
von den promovenden nj'mmet, ausßgeben ader dy promovenden haben danzu 
mossenn dy doctureß vorlonen; solch ist auch swer, wen dy iuristen haben 
beßunder eynkomnest und czynße czu sulchgen disputai iones, dergleich dy 

65 theologi 20. 

Wyr haben wol ghofft, gnediger herr, wu eyn doctor der erczney storbc 
ane erben und testament, ßo \hile es aull" dy facultcth, alßo denne doctor 
Halle seliger starb ane erben'), solchgs warth unß abegsprochgenn und onbillich 
genomen; so ist iczundt g. h. auch eyn doctor medicinae gestorben ane testa- 
60 ment-); ab seynn frunde und negst erben komen weren, weiß man noch nicht; 
wu nicht, hoffe wvr euer g. solde unß beholflich se)'n solch zu erlangen. Es 
hat auch gneidiger her derselbige vorstorbenn doctor korcz darvor leybczynße 
gekaufft bey dem erbarenn rath zu Leipczii,'k von in'' [300] flnr. und hat solchge 
czynße noch nye entpfangen, hab ich wul gewennet und gebeiten v(;n sulchgen 

66 gelde czu dispulac innes etwan lasßenn folgenn, hat man mir eynen gulhen 
trost wol gegebenn, und beten eure g., wu es sich begebe, eure g. wolle unß 
gnedigklich, doch ales mit willen des erbarenn raths hclfenn. 

Auch genediger herre gebe ich eure fürstlich gnaden warlich zu erkennen, 
das ich fast ongehorsam und onwillenß, dyweyl ich byn techant gewessen, hab 

70 müssen dulden und leyden und man hat wydder alle Statut und recht wydder 
mich gestrebet, man hat wydder Statut von ex iaren herkomen, dy sy alle 
geswnren habenn solchs alles andechtig, mich w<jllen entseczen, das den alßo 
nu wyder geleget und geniget ist, darvon ich nicht bsunder anczegen wil 
yczunt. 

76 Szo hat sich auch g. herre begeben in vorgangen wynter, das promoven- 

den waren alßo 11 magistri dy baccalaryen in der erczney waren, darczu 11 bac- 
calarien im medicinis betten cumpelyret, wüste ich sy nicht czu tadeln, ich 
konde auch in keynem rechte und statuta finden, das man s\- nicht solde 
czulasßen, wywol eyner baccalaureus der om czum ersten alleyn bath, konde 

80 ichs nicht erlangen, alßo lang das euer f. g. durch denselbigen baccalarien er- 
sucht war und euer gnade ausß gnaden und mildigkeyt dorch euer rethe befull, 



') Im August 1499, vgl. S. 70. 

') Vermutlich ist Konrad Niesemann gemeint, der am 28. Miir/ 1511 das Zeitliche ge- 
segnet h.ille (s. ob. S. 74 f.). 



j, Amlnrungcn der verschiedenen Milnüeder der Leipziger Universität usv»'. iSi 

das s\ mit uns doctoribus handelten das man czusaget den bacclarven czu 
protnoviren. Da er begerte zu re.spondyren und forfolgen ad promocionem, 
künde ichs nicht hen brengen und warth mir fast auffgzogenn und wolde e\ nen 
Itjiccalaureum ane den anderen nicht promoviren, liß ich aber gesclieen und 
meynet nu es solde alle diugk wol czugehen, sunder da man solde licenciam 
geben, und hatte doctoreni Cristofferum vor eynen vicecanczelarium an meynen 
g. herren von Merspurgk vorschryben und alßo darzu vorordennt, unnd solde 
ad actum gehen, war der \'icecanczellarius wegk gegangen vorseczigklich und 
genieynet, wu ich onn nicht selber holde, wolde herr se} n officium nicht thuen 
und vorczaug alßo dy zeit und stunde, und ist doch ny gewonheyt gewesen, 
das e\ n dechent den \icecanczelariuui pfleiget czu holenn. Da man den actum 
anhub und ich nu meyn oratio ausßniachget unnd vorkorczet sy om synent 
wvllen und meynet, er solde auch eyn oracionem thuen und 6n cum solem- 
nitate licenciam geben, alßo man pfleigt, und auch meyn herren von Merß- 
bergk in seynem briff anczeget, da gieng, g. here, doctor Cristoff auf!' den 
kathedernn unnd thut nichts, wen gab om siecht licenciam czu honung meyneß 
und der promovenden: referire mich auff alle doctores und magistri dy kegen- 
wertigk gewessen seyn. 

Ich hab auch wyder statuta und rechte erleyden von dem magistro 
Awerbach, iczunder licenciat wurden g. h., der czu mir in meyn hauß ist 
komen und gsaget, ich hette seyner übel gdacht unnd geredet auff on, das 
ich eyn te\les nicht abreden war, das her den baccl. von Halle an seyn vor- 
nemen hynderen und fast wyder war mich gancz vorcleynet und iniur^rt und 
saget, er konde meher ader alßo vil alßo ich hette om in der recommendacio 
vorcle\net und anderß meher, wy ich wol entdecken kan, das alles nicht sich 
finden wyrth und mich alßo ausßgericht gethan wydder seyn iurament und 
pflicht, das her gsworenn hat obedienciam et reverenciam decano, und hat 
solchgs gancz onbedechtig se\nes eydes das frevelich geubet, hette ich onn 
gerne bclagt, getrauthe ich keyn rechts erlangen. Derhalben magk euer f. g. 
dorch befehel aber wv es euer g. gefeit vorschaffenn, das solchgs gerecht- 
fertiget werde, wenn ich getrawe in solchgenn czwangk und nyder wyllen 
nicht vorzustehen und zu regiren, so man nicht wil dy statuta und was recht 
ist halden. 

Auch genediger herre ist es eyn wanheyt, das man dy lecciones auch 
responsiones aber questiones czu disputiren aber czu lesßenn thuen mit wüst 
und willen evnß techancz, das denne auch nicht geschyet; sy lasßenn drucken 
und leßenn aber resumiren öffentlich was sy wollen, auch keyne questiones, 
dy man sal disputiren, we\sen sv dem dechent und fragen glat nichts nach 
om und ist kevn furcht noch ghorsam, derhalben euer f. g. vorczeichge mir 
evn S')lch lang vorczeichung, nemellich das ongehorsamnies halben, so ist es 
doch von nothen, wen w\- solchgs nicht hengelegt wyrt, we\B ich nichts guthes 
zu handeln und wer vil meher anczuczeigen, derhalbenn wil ich iczund euer 
f. g. onderrichtet deniuttiklich habenn. 

Euer fürstlich gnaden onderteniger Symon Pistoris, doctor czu Leipczigk. 

Dem durchlauchtigen hochgebornen furstenn und hern, hem Georgen 
herczog czu Sachßen, in Frißland erblicher gubernator des reychs, landgraffen 
in Doringenn, margraffen czu Meyssen, meinem gnedigen libenn hernn czu 
eygen henden. 



Akten betreffend die Schmiedebergsehe Stiftung 

für das Gehalt eines Arztes am Georgenhospital zu Leipzig 

im Jahre 1517. 

A. Aus dem Ratsbuche der Stadt Leipzig v. J. 1537 — 1542 Blatt 205'' flg. 

Doctor Schmidebürges Stifltunge, den Artzt In Sanct Georgen Hospital be- 
langende, Auch das Jhargedechtnüs Zue Sanct Niclas, stehet geschrieben im Schöppen- 
buch Anno 1517. 

\'olget derselbigen StitTtunjre Copia hernach geschrieben, 

Zuewissen, das der Achpar hochgelarth Herr, Hainrich Schmidebergk, baider 
Recht Doctor, vor dem Erbam Rathe, Richter und Schleppen, alhier zue Leipzigk, 
mit sampt dem Hochgelarten Herrn, Simon Pistoris dem Jüngern, Auch baider 
Recht Doctor, sej'nem Oheimen, haltende, in seiner hant zwene perganienen brilT 
mit anhangenden Sigeln, erschynnen und vormelt, das vvl gucther leuth kindcr zue 
Leipzigk, von Studenthen und andern, darvon gemaynem nutze, und Christlicher 
kirchen, AVan s\e, Ir gepürlich vorstentnüs und alter, erraichen mergklicher nutzs 
entstehen und enthspringen möcht, durch mangel eines Artzts dem sye sein mühe 
zu verlegen unvermugendt , In iren Jungen tagen von dieser werlt vorschaiden, Ufl" 
das nun zum thail solchs underkomraen , So weite gedachter Hainricus Schmide- 
bergk, Fünffzigk gülden, Jherlicher Zinße, vor einen Doctor, in der Ertzney, Jerlichen 
vorordenen, die er auch damit hierzue verordent hat, Also, und hescheidenlich wie 
vrilget. Das derselbige Doctor den krancken, In dem Spittal zue Sanct Georgen, vor 
dem Ranischen thore, In welchs solche unhabende leuthe, in irer schwachhaitt ge- 
nohemen, mit seyner kunst und vorstentnüs, vorstehen, und die versorgen soll, die- 
selbigen alletage zum wenigisten ein mahl besuchen. Und warmitte Inen zuehelfTen, 
uffs treulichst angeben und verzeichen, Welcher Doctor von der Facultet der Ertzte, 
in der Universitet, An eynem, und von den Vorstehern des Spittals Andersthails, 
erwehelet, und vorordent werden soll, Wue anders, kein Doctor medicinae, von des 
Stiffters Schwester marthan. Als yzundt der Doctor Christoff und Simon Pistoris, und 
Sophian kinder vorhanden, Dan aislange der zweyer geschlechte, Stahm, und Erben 
vorhanden, darynnen, Doctores medicinae seindt, so sollen dieselbigen diese Zinse 
eynnehemen, geniessen, und den Armen schwachen leuthen im Spittal vor sein, mith 
diesem beschiede, das allewege der Eideste Doctor dieser geschlechte, zue solchem 
solde kommen und gelassen werde, Wan er aber zue Leipzigk nit sein weit. So soll 
ers dem andern des Geschlechts abetretten, der dan solchen solt, als er zue Leipzigk 
ist, Wan gleich der Elter widerkompt, behalten soll, und von wegen seins Alters, 
Nachdem er ein mahl, sich, dises Ampts geeussert, den andern unbetruebt lassen, 
Wue aber derselbige, dem ers abegetretten hette. vorstürbe, Ader auch wegzüge. 
So soll er wider einen Zuetrith hirzue haben. Und sonst nicht. Im fall aber, so der 
baider geschlechte, kein Doctor in der Ertzney vorhanden, Aisdan und nit ehir, 
soll der Facultet und den vorstehren des Spittals, eynen Bürgerssohn zue Leipzigk 
der do Doctor Approbatus zue sollichem solde, und das Hospital zue Sanct Georgen 
zuversorgen, zuerwehlen nachgelassen sein, Und forder, wue auch kein Bürgerssohn 



3. Akten bclrcfl'cml <lic SclimicilebciKsclu- Slilimi;- tisw. 183 



der Doctor inedkine wehr, zue obgedachtem Ampt, zusetzen macht haben, Doch 
also, das allewoge den geschlechten oben angezaigt vorbehalten sey, Das dieselbigen, 
wan eyner vorhanden, zue sollicheni Ampte, nach seinem gefallen, ane allen vorzugk 
gelassen, und von andern Biirgerssöhenen oder fremden Doctoribus, nicht sollen 
wenig, oder vyll vorhindert werden, solliche Zinße einzunehemen, und das Ampt 
zugeprauchen, Und wan gleich dieselbigen Bürgerssöhne, oder frembden, solche Zinße 
lange zeith eingenohemen, und das Spittal vorweset hetten, Dan dieselben soll nichts 
helllen, wie das durch raenzschen list erdacht mechte werden, dardurch sye, die, 
oder den vom geschlechte an solchen Zinßen, und Ampt einhält und vorhindernüs 
vorwenden mrichten. Was aber dem Bürgerssohn oder fremden Doctor, nach vor- 
miige der Zeyth, an den zuküniVtiglichen Zinßen gebürdt, das sol ime von denselbigen 
Zinsen volgen, Wue auch ein Erbar Rathe, vormittelst den pflichten, darmit sye, der 
Stadt vorwant sein, ein bekentnüs ausgehen Hessen, Das sye nit anders wüsten, Aus 
vyl beweglichen vermutenden Ursachen, Dan das der Doctor, dem sye, solch schrifi't- 
lich Bekentnüs gegeben. Aus obenangezeigten Stemmen und geschlechten heerkommen 
were, Wue derselbig angegeben Doctor, aus lenge der Zeith, und vergessenhait der 
mentzschen, solche des StifTters freuntschaill, nicht kenne noch möchte woll beweysen. 
So soll man an sollichem Bekentnüs, zufrieden sein, und inen zue sollichem Stiefft 
ausgeschlossen, der andern Bürgerssöhne und frembden, kommen lassen, 

Nachdem auch ferligkeith der Pestelentz vorfellct. So soll der Doctor der zue 
der Zevth, dem Spittal zugeordent, zue Leipzigk zuebleyben, bey vorlust solchs 
seins Ampts und gestieffter nutzunge, vorpilicht sein, Es were dan sache, das, der- 
selbige Doctor von obgedachter freuntschaflt, des Stiffters (Dan derselbige, soll h\r- 
zue nicht verbunden sein') Wan er sich aber von Leipzigk wendte. So sollen die 
vorstehir, dieselbigen Zinße, einem anderm Doctor zugeben und volgen zuelassen, 
Aisferne sich die Zeyth se\nes aussenbleybens erstrecket, macht haben, Wan er 
aber widerkompt, So soll er, der Zinße volkömlichen geniessen. 

Auff das auch Jerlichen dem Stiffter und seynen Eltern, guttes nachgeschee, 
so hat obgedachter Herr Doctor Hainricus schmiedebergk, den besytzer der Zinße 
und vorordenthen Doctor, hirmit beschwert, das ehr Jerlichen dem Propste und 
seiner sammelunge zue Sanct Thomas zue Leipzigk, Jerlichen Sechs gülden. Also, 
utrWalpurgis (oder in dem Leipsischen margkte nach Ostern fünffe, und ufi' Michaelis 
oder denselbigen margkt zue Leipzigk Eynen gülden geben und reichen müsse. 
Dafür soll der Probst und seyn Closter wochenlich, Eyne Seelmesse zue Sanct 
Niclas, do dan des Stiffters Eltern liegen, Ime, und denselbigen Sehelen zuguthe 
uff dem Altar etc. halten lassen, und vor den Sechsten gülden, Jerlichen ein be- 
gengknis, in derselbigen Kirchen zue Sanct Niclas vorschaffen, Wan auch e\ne 
Wochen eine Zeyth fürfiele, darynnen nach ordnunge, der heyligen Christlichenn 
kirchen, man, nicht pflegte Seelniessen zuehalten. So soll dieselbige Messe, in der 
andern wochen erfüllet werden. Also, das Zweyundfünflzig Seelmessen Jerlichen ge- 
lesen, Wan auch der Facultet und den Vorstehern des Spittals die vorordenunge 
e\nes Doctors, so Doctores auß der freuntschafft des Stiffters mangelten, vorviele, 
und die baide thayll sich, des Doctors, nicht wüsten, ader wolten voraynigen. So 
soll ein vtzlicher tha\ll, welchen Doctorem ehr vor den tuglichsten, zue diesem 
Ampt achtet, den Herrn Probste zue Sanct Thomas angeben. Und weme derselbige 
herr Probst, Als ein Obman zufeilet, demselbigen soll solch Ampt, mit dem be- 
schiede wie oben stehet, folgen. Solche vorordenunge und gestiefft, hat obgedachter 
Herr Doctor Hainrich schmidebergk, In be\weßen bestympts seins Oheims gestellet, 
und gemacht, Doch also und nicht anders Dan das dis gestiefft, nit ehir seynen 

') Diese Ausnahme, daß der Spitalarzt, falls er zur Nachkommenscliafl des Stifters gehüre, 
in Pestzeiten nicht in der Stadt ausharren müsse, wirkt heule absonderlich, ist aber völlig im 
Geiste jener Zeit. 



I v . ; Akliii 1. iii itiiul ilic ScIuiucdcbctK'-clic Sliruiiiß iisw. 

liiui 1 laiii 1 ii.in hl-, li.i uli des Stifl\ers thodc, hat Imc auch vorliolialtcn, 

lUc zuvcrfliuieni, fiant/. ull/.ulielicn, Ab es Iiiie pctielc, vmd ziicbesscrn, 
W'an auch die Haii|iU:i>niinu ilcr ZiiiUc ahogelöst, So soll mit Ratlie und voi- 
willigungc der FacuUct der Ertzte, der voi-stehcr zuc Sanct Georgen und des Doctors, 
der solch Ampt Innehat, widerunib angelegt, und auUgethan werden, Actum feria 
sccunda post assumplionis marie virginis gloriosissimac 

Anno 15 17. 

]i \.t.i Hr. Schniiedeberg-Stiftung, betreff, die Stelle eines Ar/tcs zum 
Georgen-Hospital. Mediz. Fakultät Leipzig 1577. 

l'in Aktenlieft, signiert B. VIII, 31, cntli.'lll das nümliche Aktenstück, wie es 
vorstehend nach dein. Ratsbuche der Stadt zum Abdruck gebracht ist, in einer Ab- 
schrift aus dem 18. Jahrhundert. Ich habe die Texte verglichen und keine anderen 
Abweichungen als orthographische gefunden, jedenfalls keine von irgend nennens- 
werter Bedeutung. Ich verweise auf Seite 99 im Texte und lasse im übrigen das 
Aktenstück für sich selbst sprechen. 

C. Fundaciii Mcdici ad hospitale, doctur Henricus Srhmidwergk. 
„Promotionsbuch 1525, A. IV. 36." 

In dem Dekanatsbuche in Quarto das Heinrich Strumer v.mi Aucrijach 
bei Übernahme des Dekanats 1523 anlegte, findet sich am Ende unter den Ab- 
schriften der Stiftungen zur Fakultät vnn Stromers H.md Bl. 199'' — 204' auch 
eine Abschrift der Schmidebergschen „Betrefiend die Kundacicm des Medici zue 
sanct Jiirgen im Spital", ebenfalls mit der Kopie im Ratsburhe übereinstimmend. 
Hier fehlt beim Namen des Juristen Simon Pistoris der Zusatz „Der |üngere", 
am Ende ist dagegen noch der Beurkundungsvermerk des Notars erhalten: „Datum 
feria secunda post assumptionis Marie virginis gloriosissimae etc. yrij. Concordat 
cum libro, quod ego Benedictus Sculteti Notarius manu propria attcstor". 



Diätetische Verhaltungsvorschriften in Pestzeiten 
und Vorschriften zur Pestkur 

ausgearbeitet von 

Dr. med. Vinzenz Schwoffheim von Liegnitz, 
Baccalarius der Medizin der Universität Leipzig. 

Ms. Ups. 1221. Fol."i) Bl. 242'— 246--. 

Regimen Preservativuiii ab epidimia Vincentii Swofheym de 
legenis medicinae doctoris feliciter incipit.-) 

Est praeterea ex aegritudinibus aegritiido secunda, ut dielt Avicenna libri 
primi doctrina prima capitulo octavo, quae de uno homine ad alium transit. 
5 Et harum sunt multae, scilicet lepra, Scabies, febris pestilencialis, variiiia et 
caeterae, Inter quas febris pestilencialis in malicia tenere videtur principatuni, 
eo quod interdum more animosi leonis fert se in medias acies hominum et 
amore coniunctos diuidit, et crudeli caede corpora illorum exti(n)g\vit, neminem 
parcit, nullum timet. Insidiatur regibus et principibus, et contra summos ponti- 

10 fices, Cardinales, Episcopos et praelatos, tamquam inimiciis capitalis quemcumque 
ferociter insurgit. ^i Personas nun excipit, quae[r]stus pauperem surdis auribus 
pertransit. Est enim infelix haec meretrix, inmisericors, et sine (inini pietate, 
quapropter magis necessariura erit, ut inscribatur modus et via, praeservationis 
ab incursu tarn nephandi morbi. •[ In prirais medici perswadent in suis trac- 

15 tatibus de praeservatione loquentes, ut corpora mundentur, Sed ego prae 
Omnibus consulo, ut mundificatio aniraae praecedat corporis mundificationem. 
Nam non raro morbus ille ex ira dei venit, ut in veteri legimus testamento 
Et in libro quem Lactantius eleganter scripsit de ira dei: Ordinenius enim in ea 
Processiones, leiimia, Elemosinas et praeces continuas et devotas ad Jesum 

20 faciamus, ut ipse Jesu misericors nos ab [Bl. 242^] ipsa custodiat et praeservet. 
Pt)St haec, si possimus, teneamus regulam potencium, qui tempore pestis fugere 
soliti sunt. lu.xta ductrinam AI mosoris [!] libro quarto: Terra autem, in qua 
fuerit antrax fugienda erit, et est remedium summum. Haec tamen doctrina 
observari propter varias causas non potest, praesertira in terra n^stra quae 

26 prohdolor plena gwerrarum') est. 

') 252 Bll., um 1450 beschrieben, ganz kurz vor- und nachher, für Abt Johannes de 
slynitz (von Schleinitz). Einen großen Teil des Bandes Bl. 170 — 241* nimmt Petrus de 
Crescentiis „libellus de comodo ruris'' ein . . „Scriptum anno domini M''cccc°liiij'', feria tercia 
post epiphaniam domini completum" also 1554. Es folgt von der nämlichen Pland geschrieben 
unser Regimen. Ein alphabetischer Herbarius eröffnet den Band (Bl. I — 62) und ist im August I446 
in der Abschrift beendet. 

') Vgl. im Texte S. 6 und S. 103. 

') Hussitenkriege? 



• litiflen in rcsljtcitcn und Vorschriften »ur l'oslkur. 



Et primo seqiiitur de acre. 

Tu igitur, qui fugcrc nun potes, eligc tibi locum altuin, in. iiUosum, scp;i- 
ratum a paludibus et a multitudine et a li>cis fetidis, iit sunt cvniiteria '), 
ad quae corpora mortuoruni defenintur et stabula et fetiditates porcorum. Nulla 

so enim res secundum Avioennatn est niagis iniinica calnris innati et cordis 
quam magnus fctor, Nee obstat illud quod loca alta sunt liberiora. Nam aerem 
subtiliorem habent et niagis passibilein. Ergo cum accidit pestilencia aequa- 
litcr li>co superiori et inferiori, citius inficitur Imrus superior. Nani licet locus 
superior sil, sit magis aptus recipere impressinnem'-), Est etiam magis aptus 

st recipere rectificati' mem ex venlis et igne. 

Maxime enim eligendus est locus, qui aspectum habet ad Septentrionem, 
iuxta illud Avicennae secunda primi doctrina secunda summa prima capitulo 
octavo: Inhac autem intcncione venti, qui sunt meliores, sunt Septentrionales, 
et est sententia Rasis tertio Almansoris capitulo de ventis et aere. Nam 

♦0 venti de septenlrione venientes mundificant et reclificant ipsum aerem [Bl. 243'']. 
Et sole splcndente fac ut sol per fenestras tuas intrare cjueat, quoniam ipse est 
unum de maximis aerem rectificantibus. Loca etiam ad quae llant venti 
venientes de locis foetidis et loca, ubi sunt caules mulli, et arbores nucum 
\itandae sunt. Venenum enim est dormire vel degere sub arbore nucum, dicit 

4S Petrus De Ebano in libello suo de venenis. 

Venenum inquit est, sedere in (h)ortis caulium ac quiescere sub umbra 
oleandri et balneari in aquis sub quarum ripis Oleander et arbores venenosae 
crescunt Reclificetur etiam aer cum siccis lignis in camera succensis, ubi 
degere vel morari quis consuetus est In aestate cum minori, tempore autem 

so frigoris cum maiori igne. Similiter in tempore pluvioso et nebuloso ignis nota- 
bilis suscitandu-s est cum flammis bene lucentibus et proprie et lignis quercinis, 
luniperis et de salice. Legitur namque de Ypocrate, quod cum tali igne et in- 
cendio, civitatem Athenarum a periculo pestilenciae liberaverit, et prcpter darum 
tale ipsius ingenium. Athenienses eum in deum habuerunt et sibi statuam 

u aeneam construxerunt Irroretur camera tua in aestate cum aceto et aqua rosacea. 

') „guerrae" und „cjinitcriae" scheinen nach Montpellier zu deuten ; Ähnliches trifft man aber 
auch im Gesundheitsregimen Johann Mcurers, siehe Abschnitt 6 dieses Anhangs. 

*) Ich habe schon im III. Bande des „Archi%'s" bei dem Prager deutschen Pestregimen von 
1372 auf diese uns absonderlich anmutende Anschauung verwiesen. Die Ansichten der Ärzte jener 
Zeiten gingen übrigens über diesen Punkt etwas auseinander, wie einer der Leipziger Mediziner in 
einem Pestbüchlein durchblicken läßt. Simon Pistoris behandelt die Frage des gesunden Wohnens 
in verschiedenen Stockwerken 1502 in seinem „kurtz vnd schon vnd gar trostlich regiment wider 
die schweren vnd erschreckliche kranchcyt der pcstilentz" (2. Aufl. 151;, Bl. 2i/) folgendermaßen: 
,,salt flyhen eyn behaußung ader gemach, gegen dem mittage tzuuorauß, darnach gegen dem abent, 
haste fenster mache sie tzu. £s sprechen wol etlich, das dan besser sey tzuwonen vnter der erden, 
wider [als] daruff, vnd besser nyderig vnd an der erden wen in der höhe. Wan so die luft cor- 
mmpirt ist, so nemen die höhe and was hoch ist, mer vnd eher die corruption vnd putrefaclion, 
wen was nyderig ist. Als spricht Auicenna secunda primi ic. Auerrois sexto colligat. Doch 
sprechen gemeynlich die doctores vnd bcschliessen, das höhe gemach vnd weytte, vnd die frey 
stehn, doch sich die lufft euent)Ten [auslüften] mag, sein am besten, vnd nymbt weniger fewli. 
Auch kan man die lufft bas rectificyen vnd euentyren, sunder wo die lufft gar faul werc vnd das 
gemach offen, so nemen die hohen gemach eher faulnis wen die nyderig. Darumli thut man die 
fenster gcmeiiJich tzu ane zu zeytten, also oben gesaget ist, d. h. am frühen Morgen wenn die 
Sonne in das Zimmer scheint, dann soll man die Fenster Offnen, damit die Sonne den Dampf ver- 
zehrt." Er selbst ist für hohes Wohnen und freie Luftzirkulation ,,das gemach . . sal haben eyn 
frcyen Infft, nicht verschlossen ader nyderig vnter der erden, sunder cntpore und sal nicht sein bey 
stehndt wasser pfutzen" fBl. 21,'). 



4. Dialelisclic Vcrlialluntjsvorscliriileii in Pcstzcilcn und Vorscliriften zur I\■^lkur. jg? 

Si vero timeres expensas, fac hoc cum aceto et aqua simplici. In hiemc et tem- 
pore frigoris fac furaum ex thure et mirra. Ista sunt exilia et vilis precij. 
Parcilas cniin liominum preciosiora inscribere et notare non patitur. Adeo enini 
aliqui parci sunt, ut morerentur pocius ac discedercnt, quin pro corporis sui 
utilitate paruni [Bl. 243^] quid expendent. Rectificat ctiam aerem pomum 
Ambrae Kt pnmuni huius descriptionis latum in manibus l> laudani purissimi SS, 
ligni aloes, Storacis, Calamitae ana ?i ij, Masticis ana (t, (Jariophil. 5j, Semen 
basiliconis, spicae ana 5ji Ambrae 5'''i niusci electi grana v, conquassanda 
conquassentur, pulverisanda pulverisentur cum pistello calido, misce omnia 
malaxando cum aqua rosarum et pro incorporacione meliori adde dragmatam 
[dragacantam?] quantum satis, Et fiat pomum seu massam pro pomo. 1[ Pro 
pauberibus autem ambra et muscus abiciatur. Pomum illud proprie valet in 
tempore frigoris. Tempore autem caumatis posset fieri ex cordialibus frigidis, 
sicut sunt Bolus armenus, Terra sigillata, Rosa, Corallus, Sandali, Comphora [!], 
Nenufar, Balaustia etc. Quibus in compositione posset addi Muscus, Ambra, 
loandanum [!], lignum aloes, Spica, Mastix et caetera Aromatica. 

Nota. Autor de naturis reruiu libro xiiij de lapidibus praecinsis, summis 
laudibus extollit lapidem lacintum, Hys verbis: Confortat gestautem, Fugat 
tristiciam et suspiciones vanas et securuni facit in peregrinam terram euntem. 
Tutanien est contra pestilenciam, contra serpentes et contra venenum. Com- 
munior tarnen usus est portare spongiani infusam in aquain rosaceani et aceto. 
Aliqui autem pro conservatione retinent zeduarium. Aliqui ex bolo armeno 
[Bl. 244''] Et terra Sigillata cum Sirupo de acetnsitate citri conficiunt pillulas 
et pro conservatione ponunt unam vel duas in ore inter dentes et genas, Et sunt 
optime secundum praeceptorem meum Magistrum Michaelem. 

Idem magister Michael in exitu domus sue fricuit dentes suos cum 
Tyriaca Et in hac re ipsum sum secutus. Sed ante talem fricationem soleo 
OS meum lavare cum aceto et aqua rosae vel interdum cum aqua simplici et 
aceto. Rustici autem fricaredebent dentes suos cum tyriaca ipsorum, videlicet 
Alleo luxta illud, da rustico pulstes etc. Et imperiti multa perswadent et 
dicunt, sed illis non est adhibenda fides cum persuasiones illae fiunt sine ex- 
perimcnto et racione. Sequitur 

De cibo et potu. 
Panis sit de frumento coUecto in tempore bono, non pestifero non 
niniis antiquo et sit decenter coctus, bene ferinentatus et debile salsus. 

De carnibus. 
Garnes iuvenes meliores sunt anti(juioribus, habentes temperamatum seu 
medium in macie et pingwedine. Et de mane elixae comedantur, de sero vero 
assae, et earum praeparacio ut frequenter debet fieri cum aceto, luxta illud 
Avicennae prima quarti de praeservacione a pestilencia, d<[icit>: Et sit caro 
quae administratur decocta, in acetosis lavantur. Valent etiam in hoc casu 
pedes vituli et extremitates caeteronmi animalium in aceto [Bl. 244^], Similiter 
et Galredae acetosac et proprie conditae cum hys speciebus. 

De Galredis. 

Recipe Cynamomi ^ ij ,S,S [Zingiberis] ^ iij piperis ^i Gariophili, nucis 
mus<(cati) aa i> iij , Cardamomi , Croci ana ,^ ij , f<(ac)> ex hys puh'is et mistis 
faciendo Galredam. Sequitur de ovis. 

De Ovis. 
Ova etiam conveniunt recentia et moUia. 



I SS (• 1 iialoliMlu- Vcilmllunp»» i,..ii... „\ IVsUtilcn und Voi:>cliriri< i> ui l'.viUni 

10» L>c piscibus. 

Pisces nieliorcs sunt illi, <iui capiunlur in ;i(|uis cuneiitihus, squamusi, 
praeparati cum acctosis. Pisces salili disconvcniunt. vitanda sunt omnia pingwia 
et dulcia Et usus l.icticinioruin ctiam disconvcnit. Sequilar de fructibus arborum. 

De fructibus arborum. 

110 Inter fructus arborum inices avellanae in iioc casu sunt inagis iaudandae, 

Nam secundum Ysaac de dictis, nux una cum ficu una si comeditur ante cibuin 
ab omni veneno homincm praeservat iilasum. Idem dicil Avcrrois 5t" culliget 
Et Ruflus in siinplicibus Et Aviccnna in 2" canonum in proprin capilulo, alij 
autcm fructus dimittantur propter inllammationem pestis, Et ncciua(iuam tolicrari 

115 debet sitis. Oportet; inquit Avicenna in capitulo de praeservatione prima 
4*1, ut non administrentur balnea in sluba neque in tijna seu dolio neque 
toUerelur sitis K. 

[Bl. 245']. De cerevisia. 

Cerevisia competit dedinans parumper ad acetositatem, quae non est 
ISO turbida neque permixta. Et plus laudo ego anticjuam quam noviter braxatam. 
Sit eciam cerevisia illa braxata de fruniento bono mm valloso, quod cuUectum 
est tempore messis sanae. 

De vino. 

Si autem consuetus es bibere vinum, Eiige vinum mediocris potentiae, 
i.'6 medium inter novuin et antiquum, non fulmine percussum, cum tale sit pesti- 
ferum, et quis(|ui$ ex eo biberit, morietur vel dementatur, ut dicit Albertus 
magnus in summa sua tractatu quarto de corporibus generalibus inanimatis: 
Quo non modo intelligendum est de vino Sed de umni liciuore, ut dicit 
Albertus ibidem. 

130 De vino absintluato. 

Laudatum est tempore Epidemiae vinum de absinthio. De illo vino 
loquitur Arnoldus de nova villa in tractatu suo de vinis: Valet tempore epi- 
dimiae in niutacione locorum et in visitatione infirmorum, quum non pcrmitlit 
aerem infectum ncjcere. Haec ille. 

136 De sompno et vigilia. 

Sompnus fiat secundum Consuetudinem, non taincn fiat statim pust cibi 
assumptionem, ymmo pausandum erit ad horas duas. 

Sompnus diumus vituperatur, quem tamquam pestem fugere debes 2C. 

[Bl. 245^^]. De motu et quiete. 

110 Exercitium competit tempore pestis, temperatum non violentum ne(|ue 

laboriosum propter attractionem aeris corrupti, fjuae fit propter labores et exer- 
cicia. ymmo melius est, quiescere quam se movere motu, qui ducit ad raa- 
gnitudinem anhelitus. 

De jeiunatione et repletione sequitur. 
US Cibi repletio et potus omnino est evitanda, ymmo semper a niensa 

surgendum est ante saturitatem corapletam, Neque enim fames toUeranda est 
luxta illud Avicennae: Tollerare famem replet stomachum putridis humoribus. 
Item prandere seu cenare debes cum moderamine non cum repletione usque 
ad segniciem. Non delecterLs in una eadumque mensa diversis cibarijs, sed 



4. Diätetische Verhaltungsvorschriften in Pestzeiicn und VHrschriften zur Pestkur. jgg 

150 in uno ferculo bono sis contentiis') principaliter in cena. Possum tarnen tibi 
duü concedere propter consuetudinem patriae, cui quatuor bona vix sufficiunt. 

De Accidentibus animae etc. 

Ultimo postergare debes Tristitiam, Odium, Meiancoliam, Iram. De 
muituis, de pestilentia cogitationes fortes non habeas, Sed gaudio utaris teni- 
les perato. Omnes enim mudi leticiae et consolationis conveniunt. Conversentur 
apud te caventes et socij distrahcntes [Bl. 246''] te a tristicia et melancol\a 
etc. Cum quibus solacij causa ludere potes in Scato, in alea et in caeteris. 
Haec de regimine et praeservatione sanitatis sufficiant etc. 

Durch ein großes Initial und eine neue Überschrift getrennt folgt im Ms. 1331 
auf Bl. 246'' — 248"' von der nämlichen Hand geschrieben ein „Regimen medi- 
cinale" ebenfalls gegen die Pest; es scheint mir aber die ergänzende l'estkur zu 
enthalten und dem vorhergehenden „regimen praeservativum" als notwendige, vervoll- 
ständigende Fortsetzung von dem nämlichen Autor bzw. Kompilator (eben unserem 
Arzt aus Liegnitz) beigegeben worden zu sein; ist es auch naturgemäß weniger inter- 
essant und noch weniger selbständig, so möchte ich es doch nicht ganz beiseite 
lassen. Der Verfasser nennt hier einen weiteren Lehrer, „praeceptor et dominus 
meus Antonius de Padua", zweifellos den Antonio Guainerio, der allerdings 
Padua 1428 schon verlassen haben soll. Ob diese Jahreszahl so unumstößlich fest 
steht, möchte ich noch bezweifeln, da aber Guainerio seine Lehrtätigkeit ander- 
wärts fortsetzte, wäre das auch kein unüberwindliches Hindernis; denn von dem in 
Pavia Gebürtigen konnte ja noch manches Jahr als von „Antonio di Padova" sprechen, 
wo er so lange Zeit mit Ruhm gelehrt hatte, zumal vom großen „Santo" her der 
„Antonius von Padua" dem Norditaliener im ^Nlunde lag. Der im präservativen Teile 
des Regiments genannte Micaele Savonarola soll erst 1434 in Padua die Professur 
erhalten haben, hat aber vorher schon Lehrtätigkeit ausgeübt. — Eine aufmerksame 
Durchsicht wird den Leser überzeugen, daß tatsächlich zwischen dem „Regimen 
praeservativum" und dem folgenden „medicinale" ein unleugbarer Zusammenhang 
besteht und — daßVincenz von Swoffheim, wenn sein Name überhaupt mit Recht 
diesem Doppeltraktat vorgesetzt ist, bestimmt sehr energische Anleihen bei zeit- 
genössischen und früheren Autoren gemacht hat, wenn er nicht das Ganze irgend- 
wo entlehnt hat. 

Regimen medicinale. 

160 IN prosequendo regimen medicinale nonnuUi a principio in praeservatione 

fleubotomiam faciunt. Et bene quidem, cum sangwis esset in peccato. Cum 
autem contingat sangwinem nuUo modo peccare maximus et intollerabilis in 
fleubotomia committitur error nam talis in humoribus colericis facit ebul<(l)i- 
cionem et in flecmaticis in crudacionem secundum Avicennam quarta primi 

166 capitulo XX. Et summopere tibi cave, ne aegrum ad unam duarum rerum per- 
ducas, scilicet humorum colericorum ebulicionem et frigidorum cruditatem. 
Item ex ea et maxime quando non competit, virtus debilitatur cum thezaurus 
vitae extrahitur et ipsa anima secundum quosdam philosophos antiquos, qui 
putabant sa^n^guinem esse animam corporis. Quibus dulciter concordat 

170 Homerus poeta in preclaro suo opere de hello Tro3'ano dicens purpuream 
vomit animam cum sanguine mixtam. Et iterum Hunc ibi [Bl. 246^] fundentem 
calidum de pectore flumen Versantem oculos animam per ora vomentem. 
Tu itaque fleubotomia non indiges, fugere debes manutergium apud Barbiton- 

') Ks steht contentis da. 



. i,..,..,..,.i,., \^.i, .1 ,.„.,1.,.,,..., i„ l'...,...M..„ ,,'m1 \-..rMliriM.ii .Mir lV>lUur. 

- 'res jT" sigiio bi.n.i i-xU'n>uin t.iiunKiin l.niucum et plasain. Naiii sua cx- 
tensii>nc intcrdiim illos, qui flcubutoinaniii non sunt, ad lleubotoiuaiulum per 
hanc extensionem inducimt. Scd numquid ri-prchciulo lleubolomiani •' certe 
mininic, cum ipsatn sepe laudavcrini, sed volo quod Corpora, t.|uae suiU robusta 
rubea bruna exuberanter sa^n)guincin habencia. lila quidein fleubothi>mari 
possunt aetalc consencicnte. Et hoc dico propter pueros et senes. Tales 
eniin flcubothomandi non sunt, ut dicit Avicenna allegato capitulo ijuarta prirai 
de fleubotomia. 

^i Dum autem coinpraehenderetur, quod alius luimor a san^uine in corpore 
j>eccaret, praemissis digestivis esset ab eo evacuandus. Talia aulein digestiva et 
solutiva consequenter ordinanda sunt secundum propurtionem huninrum peccan- 
tium et corporum indisposilionem. Ruffus autcin tradit nobis medicamen prae- 
scrN'alix-um et solutivum illud. Recipe Alocs parties [!] duas, croci et mirrae 
unius cuiusque parlem unani, de quo ipse per se loquitur: Nunquani vidi 
aliqucm homincm liabentem hanc niedicinam, qui non liberatur et praeservaretur 
ab epidimia. Et nunquani fuit inventa medicina sibi conipar. Post hoc medi- 
camen debet dari in pulveribus sive in |B1. 247'] substantia pillulari. Qui in 
compositione possit addi Reubarbarura. Si fortius desiderares, evacuare colerani 
addatur et turbith. Seu agaricus si Qegma etc. Praeceptor et dominus nieus 
Anthonius de Padua ponit descriptioneni talem IJ Aloes succotrini 5'ij. 
mirrae ?ij, Croci 5i, Reubarbari electi ^ij, Agarici ?^ij, garioph^iii) 9j, spicae 3is, 
Corticum citri 5j, Seminum citri ^ij, Tormentiliae ?, Sandalorum rubcorum, 
Se^minum^ acetosae ana i^j, Corallorum rubeorum i>S, Boli ar^menici^ 5''ji 
Canipliorae gra^na^ ij et cum syrupo de acetositate citri q. s. ad corporandum 
fiant pill{u\ae^ vij pro 5 dosis a 5i usque ad 5js. Et sunt fortiores quam 
piilulae statim superius descriptae. Veniendo autem ad medicinas praeservativas 
non solutivas Primo laudata est Tyriaca luxta illud versus Allea, nux, ruta, 
pira, raphanus et tyriaca, haec sunt antidota contra mortale venenum. 
^ Nam ipsa ut ait Avicenna in libro de viribus cordis securum efficit utentem 
se ab incursu pestilencialium febrium et a pravis humorum morbis. Et potest 
dari quinque horis ante prandium in aestate cum Succaro rosarum et aqua 
acetosae, cicoreae vel buglossae, Tempore autem frigido cum vino aromatico. 
Dosis eius est a ?i usque ad ^i S. Id quod dictum est de tyriaca, intelligi 
potest de metridata. Ex cuius usu continuo rex Metridatus volens se ipsum 
cum veneno interficere non potuit Sequitur notabile. 

Mirabiliter laudantur Trocisci huius descriptionis J^ Boli armeni, terrae 
sigillatae et gencianae, Baccarum lauri, Tormentiliae, Enulae campanae, Diptami 
ana 5iji Aristologiae rotundae, Absiuthij, Mirrae, Rutae, Costi, Castorei, granorum 
luniperi ana 5i S. pulverisentur et incorporantur cum Tyriaca Et f. Trocisci 
pondere 5i Et dentur sicut de Tyriaca dictum. 

Multi tenent descriptioneni hanc pro secreto et crede mihi, quod est 
medicina laudabilis pulvis ex invencione mea, quem dedi in pestilencia magna, 
et inveni in eo mirabiles effectus praesertim cum corpora fuerint raundificata 
^ Radicum tormentiliae, cynamomi, czeduarj ana 5ij> Hmaturae eboris 5j S, 
Sandalorum rubeorum, radicum diptami, comua cerui combusta, aristologiae 
rotundae, Buli ar^meni^ ana 5j. Margaritarum, Fragraentorum zaphiri et granati 
ana 9j; Camphorae ^ S, zuccari al(bi) >iij, Fiat ex hijs pulvis ad modum 
trageae. Potest hie pulvis dari pueris et senibus et est medicina propie pro 
delicatis super r)mnia. ex frigidis laudatur Bolus armenus, nam secundum Avi- 
cennam non solum praeservat, sed et deprehensum liberat Dosis eius est 5j 
cum vino potenti malvatico et aqua rosarum. Pulvis radicis diptami mirabiliter 
laudatur, Cuius herba est una de Septem herbis quae habent virtuteni liberandi 
a venenosis cibis et potibus et laetali vcnenn |BI. 248"']. 



4. Diätetische Verhaltungsvorscliriflcn in Pcstzcilen und Vorscliriflcn zur Pestkur. iqi 



Ut petrus de Ebano in libellu sun de venenis, Ruffinus de diptiimo 
iuir;ibile nescio quid loquitur in suis simplicibus, quod si fuerit circulus factus 
in terra de lignis siccis ad latitudineni unius passi vel citra et diinittatur una 
porta in circulii duarum palinaruni vel unius et in niedio ponatur dyptainus 
et ponatur ignis in circuki circuniquaque usquani ad purtain tibi est dyptamus 
Et proiciatur serpens in niedio circuli, Ignis cumburentur, quod serpens veniat 
prout citius poterit ad portam ubi est dyptamus, quod statim, ut senciat 
odoreni diptami, fugiet et permittit se potius conburi in circulo vel intrando 
igneni, quin quod ipse vellet transire super diptamuin. Haec ille dicitur quod 
herbam hanc cervi prodidenint, Nain confricantes vulnera sua ipsamque in 
cibuni sumentes, venenuni cum jaculis educebant ut refer^t^ Autor de naturis 
rerum libro XII ca])itulo de diptanio. Multi multis laudibus extoUunt Scabiosam, 
Nam non modo tantum in pracservando dicunt eam valere, vmnuj dant succum 
eius corporibus iam infectis Et de ipsa tantam habent confidenciam, ut sine dubio 
in xij hominis credant aegms per succum eius a peste liberari Et hoc sensit 
metrista: Emphistrata foris necat antracem tribus horis Intus potatur si vinis 
evacuatur. Haec mihi visa sunt meliora et utiliora, quae ex libris sapientum 
colligere potui. 

Laus deo. 



Daz ist wider dy pastilencz. 

Das ist der briff den des Romischen konges arczt hat gesant der ^edelen)') 
frawen von plawen wider dy pestilencia -). 

Wem sy werden czwischen den schultern, der sal laszen unter den Schulter 
s mit czwenen koppflen unter dem slos''). 

Wem SV werden an dem halli ader .m dem hcwbt, der sal lassen dy 
hewbt ädern ufl" be3'den dawmen. 

Wem sy werden an der lincken seyten aber an dem selben ') arm, der sal 
lassen dy milcz ädern czwischen dem mynsten finger und dem namlnßeii an 
10 der selben selten. 

Wem sy werden an der rechten seyten, der sal lal3en dy hing ädern 
czwischen dem namlosen finger und dem mittesten an der selben selten. 

Wem sy werden*) an dem herczen, der sal dy milcz ädern lassen ander 
rechten hant czwischen den minsten fmger und den namlasen. 
15 Wem sy werden*) an der lincken seyten in den heydrussen") oder an den 

beyn, der sal lassen dy gicht ader czwischen der minsten zehen') und der 
nechsten da bey. 

Wem sy werden*) an dem rechten peyn ader an der heydruß^), der sal 
lassen dy frawen ädern Inwendig dem fuß"). 
20 Wem ez ist in dem ruck, der sal laßen dy ädern dy da get über dy 

gri'ssen czehen*", Und wer do sleflt, ee man ym") lest, den liilfT'-) es nicht, 
zu welcher [93''] czeit es in an kumpt'^), der sal sich hüten vor slalTen'*). 
^Ouch sal man inessig seyn an essin unde in trinken, unde sal sich hüten 
vor gemeynen bade vor ober essin und vor aller hande gesalczner spyse unde 
!s sal alle morgen essen Rute unde saluie. Ouch sal man nuczen pillen 
pestil(entlales^ des morgens unde auch dez obendes.^ 

') eJelen fehlt ßa. 

'J statt wiiier dy pestilcnlia hat Vr vor die drnse. 

*) ntie sloff t'r. 

*) seyten aber an dem selbt-n fehlt l'r, 

') Wem is ist Vr. 

') an den hegedrusen Vr, 

') zee Vr. 

*) in den fiegedrnsen an der rechten seyten ader an dem heyiie l'r. 

*) Oder aber ynnrwenig dem fuze Vr. 
^'') dy off der grossen czen geen l'r. 
") je. den man em Vr. 
'«) en hilft Vr. 

'*) es eynen menschen an kommet Vr. 

'V slo/e Vr. Die Brcslauer Handschrift (III. Fol. 3, Bl. XT" Sp. 2) fügt das Folgende 
(Zeile 23 — 26) an und schlieBt dann den „briff" überhau|it. 



istilencz. 



193 



Dise erczeney wart gesant dem kong von franckereich von den 
besten erczeten von pariß für dy sucht pestilencia. 

Wem sy auff faren, der nem senff vnd holder bieder und stoB dy mit 
» ein ander In essig und leg daz vber und misch dryackers dar under. 

Auch wer sich in der czeit da vor hüten weite, der nem selben bleter 
xmd holder bletter und promen pleter und als vil sam des andern und sied 
daz in ein guten lawter we\n und dar ein gestossen Ing\ver, Vnd trinck dcis 
nuchter, ee dan du auß dem hauß gest 
5 Czu einem virteil weinß nym der stuck j'des ein virding Auch nym einen 

tag dryackers vnd den andern pillolas pestilenciales und den dritten tag pillolas 
de ganfora, dy reynigen dich von der gifft. 

Auch seyn czu diessen dingen alle pawm frucht \'ngesund, an welßnuß. 
Auch hut dich vor übrigem essen und isse czu aller speiße essig. 
) Item nym ein stuck weis brothß und laß das weichen drey tag in essig, 

do Wermut vnd rawten in gesoten sey. Daz laß wider trucken und halt daz 
für dein nassen an dem wege. 

Auch emphindest dw krancheyt oder sichtum [Bl. 94'], wo daz sey, so 
laß dy meng adem zu hant. 
5 Auch hut dich vor den, dy dy seuchtum haben, und bleib nicht unter 

den lewten, dy do czu mal hin und her gesamment sein. 

Auch vert dir icht auff, n\m rawten, metem, swerteln und wermut wurczeln, 
gestossen In we\nessig und leg daz daraufif und deines eigen mistes oder leg 
dar auff senff, holder bletter in essig gestossen und dryackers dar unter. 
) Item nvm rawten, feigen, welßnuß, eins als vil als des ander, und stoß 

\e imd besunder, wen es wol gestossen se\-. So stoß es unter ein ander und 
iß daz alle morgen, daz bewart dich \or der gifft. 

Item drey hewfflein weiß Ingwers gleich alz vil und ein hewfflen gampffers 
als der vordem eins Und alz \il czuckers, dy vir mach unter ein ander ge- 

> tempert. 

Und wer dy druß hat, dem sal man ez uff ein snyten brotz seen oder 
in weyn oder in bier oder in wasser und geb ez dem menschen zu nuczen 
vor dem siaff. 

Hilfft daz nicht, so sal man ez ym mer geben czwir ader drey stundt 
I und laß czu der adem, alz vor geschriben steth. 

Item für den gesmag wasch dich alle morgen und deinem antlicz mit essig 
und thue dar ein eyn wenig dryackers und hut dich, daz es dir in dy äugen 
nicht kum 3C. 

Wem dy dmß ist auff gefam, lert der doctor, der neme drj^ackers und 
i thue dar ein eyn wenig Saffers [Bl. 94^] als ein erbeß, daz sal man vor czu 
treiben mit we\Ti ader mit wasser In einem morser des dryackers nym als ein 
hassel nuß. 

Auch streich darumb e\n rinck mit dryackers und leg dar auff, als vor 
geschriben stet senff und holder bletter in essig. Auch leg auff daz hercz eyn 
I tuchlein mit roßen wasser, dar eyn thue aber gaffer. Auch trinck czucker 
wasser ader gersten wasser, dare\n thue aber gaffer. 

Nota empöre pestilenciae bonum est, portare spongeam inbibitam aceto 
et aqua rosarum permi.\ta cum pulveribus Cynamomi, Gariofoli, mirrae, croci. 
Eciam bonum est, odorare Rutam cum aceto aspersam. Eciam bonum est, 

> omnes cibos preparare cum aceto. Eciam bonum, uti agresto et succo pomorum 
silvestrium. Etiam bonum est, panem coctum cum aceto %ini intinctum cum 
suco silvestrium comedere. Eciam bonum est, xy [?] ratee aceto intincta cum 
duabus magnis nucibus et duabus ficubus de mane commedere, quia abstinet 
veneno; sed in magna quantitate sumpta generant paralisim stomachi [?] etc. 

Studien zur Geschichte der Medi/in. VIII. 13 



igj 5. Dax ist wider dy pftstileiicz. 



«0 licni M ajubicma generetur rctro aures aut in collo, in principio fiel 

llcubotoniia, id est niinuciü de cephalica ciusdem lateris. Si siih scapula, fiel 
minucio in brachio oppi^sito a basilica vcl de pede eiiisdem lateris. Si sub 
venire circa pudebunda, fiel niinutio de pede eiusdem lateris. Et debet lieri 
minucio statini in principio et debet sangwis extrahi in magna quantitate, si 

8t non fuerit impedumentuni, ut est sincopis. 

[Bl. 95']- 

Hye ist zu merckcn, ob sich eyn mensch nicht mocht behalden nach dem 
in einen gemeyn lauff mit erczeney ader mit weißheit, Also daz er eyn czeichen 
gewun, wy sich dan eyn mensch erczeney n sol, daz er dem todt entpllihen 
mögt. Wan alz bald alz eyn mensch eyn czeichen gewun, so sol er yni loßen 

»rt ee er kumpt über dy yi stundt, wan nach den naturlichen tag, daz ist vber 
yfiiii stunden. So ist der sichtum vol kummen und holfl't keyn erczeney nach 
meysterschafft. Von ersten so sulth ir wissen, daz in dem menschen sein 
iii hewbt glider, in den ligt daz leben des menschen, da/, ist daz hercz, dy 
leber vnd daz hirn, dy selben trey glider yglichs besunder hat seyn stat, daz 
es es rewmen sol und muß von allem übrigen unllat, der dem menschen den 
todt bringt. Daz hat seyn form |foranien?] bey den oren und bey der kele. 
Nu soll ir wissen, daz alle gifft von dem luflt kumpt, der do vergißt ist oder 
welcherley dy gifft ist, daz auch vil kumpt von hagelslechtigen obß. 

Auch so ist dy gifft der eygenschafft, daz sy mit gaiitzer krafft czu störet 

100 des menschen natur und bringt den menschen den todt. Auch czu gleycher 
weiß so der gifftig lufft in daz mensch geth zu hant lewfft daz vor gifTtig blut 
czu dem herczen vnd wirt daz hercz totlich von dem vorgifltem blut. Also 
baldt daz herz entpfindt daz vorgitTtig blutes, so sewdt es daz selbig blut czu 
seiner fristung und den uchsen. Ist daz daz blut und den uchsen nicht auB 

10» mag, so get ez tzu der lebem und von der leber in daz hirn [95''] Und 
lewfft also in den hewbt glidem und czu strewet des menschen natur und 
bringt yra den todt. 

Da von seit ir wissen, Ist daz sich eyn czeichen erhebt ander den uchsen, 
so solt ir wissen, daz daz hercz krank ist und vorgiflt. wolt ir dan dem 

110 herczen czu hulff kumme, so solt ir czu hant lassen auff dem arm und ^er) 
dem sich das czeichen gehaben hat und solt nicht lassen auff dem arm da 
gegen, wan daz brecht zwifeldgen schaden, von erst decz gut blut wurt ge- 
czogen auß dem leichnam und wird dez menschen leben gekurczet, zum ander 
mal wird daz vergifft blut geczogen an das gesunten stat und brecht dem 

11« menschen den todt Ist daz sich eyn czeichen habt bej' den gerichten der 
heimlikeyt der schäme, so solt ir wissen, daz dy leber ist kranck Do für solt 
ir lassen auff dem selben fuß dy ädern, dy do get czwischen der grossen 
czehen und der czehen do bey, Und solt nicht lassen do bey uff dem armb, 
dan dy vergifft materia wird über sich geczogen zu dem herczen ader czu 

120 dem him, und brecht den todt. 

Ist daz sich eyn czeichen hebt binden am dem dyhe, so saltu czu hant 
lassen hyn dan von der schäm, und erscheinet an dem dyhe, so saltu czu 
hant lasszen an dem selben fuß dy ädern, dy do get czwischen der cleyn 
czehen und der do pey. 

ISS Ist aber daz sich eyn czeichen hebt hinder den oren oder an der kele, 

so solt ir wissen daz daz hirn kranck ist. So solt ir czu hant lassen auff dem 
arm uff der seyten, do sich daz czeichen erhaben hat, Und sunderlich auff 
der ädern, die do get zwisch den [gt''\ heyß zephalica und ist aber der 
median. Oder last auff der ädern, dy do get czwischen dem dawmen und 

ISO des czeigers. 



;. Dar ist wider dy pasUIcncz. ig« 

Wer aber, daz ir euch empefundt brechenhafftig, also daz es euch stech 
in den seyteen, so solt ir lassen auff der ader, dy do heist basilica uff dem 
rechten arm und lieisB czu lateyn Epatica und czu teutsch dy ieber ader und 
lewffth und der hercz ädern oder lallt auff der ädern, dy do get czwischen 
dem mynsten finger und dem ungenannten. 

Und besehet sunderlich, wan sich eyn czeichen erheb an was teyls des 
leichnams daz sey, das ir dar über nicht slaffen, biß ir euch gelassen habt 
in fi stunden. 

Ist aber daz ez kumpt über jii stunde, so hilffet daz lassen nymmer. 
Wer aber vergifft ist mit blättern mit drussen und der vergifft dy do kumpt 
in dy peyn, so nemet dryackers und senff samen und holder bletter und leg 
ez auff dy plattern, so genißt er. 

Moget ihr der ding aber nicht gehaben, so nemet Rawten und essig und 
legt ez auff dy blättern, so gewirret euch nicht. 

Welt ir aber sicher seyn, daz ir an dem sichtum nicht sterben. So memet 
Salvia und schoß welcken und holder bletter und weissen Ing\ver und daz 
daz wol gestoßen sey und trinck daz Biiiitag des morgens vnd des abentz, so 
gewirret euch [Bl. 97'] nicht an czwciffel. 

Auch vor allen dingen hut euch vor der meng des volcks, zu bade, zu 
k<^i)rchen und zu Strossen. 

Auch dy weil dy pestilencia wert. So magt in eur knmer einen rauch 
von Wermut und \-on wachelbern vnd von lorbern Und macht dy fenster czu 
und halt dy nassen und den mund dar über. So gewirret euch nichtz an czweiffel. 



Audi bei flüchtigem Überschauen dieses Regimen „wider dy pastilencz'' 
erkennt man sofort, daß es sich um kein einheitliches Werk, nicht einmal um 
eine zwecksichere Kompilation handelt, wenigstens nicht in der Form, in welcher 
es die Bamberger Handschrift (175 Ed. VII. 56) Bl. 93'' — 96'' aus dem Ende 
des 15. Jahrhunderts uns überliefert hat. Ich habe aber gerade diese Hand- 
schrift für den Abdruck gewählt, weil sie den umfänglichsten Text bietet, um 
so an einem recht charakteristischen Beispiel zu zeigen, wie ungescheut man 
sich, rein aus den Gesichtspunkten der praktischen V^erwendbarkeit heraus, ge- 
legentlich unter einem Sammeltitel brauchbare praktische Notizen und kleine 
Abhandlungen und Exkurse zusammenschrieb, um sie im Bedarfsfall bei der 
Hand zu haben. Der „Sammeltitel" oder die Rubrik ist hier nur die erste 
Zeile „Das ist wider dy pastilencz". Als Brief für die Frau von Plauen 
hätte zunächst nur Zeile 4 — 26 zu gelten, dann folgt eine neue Überschrift. 

Für diese Abtrennung der ersten 26 Zeilen spricht laut die überaus sorg- 
faltige um das Jahr 1410 — 1420 geschriebene Breslauer Handschrift III. Fol. 3 
{Vr) Bl. ly Sp. 2, die unter der Überschrift Dj'S ist der brijf den des Römischen 
konigis ^Arzt) hatten gesant der edelen fraiven von phncen vor die druse, nichts 
weiter gibt als diese ersten 22 Zeilen aus der Bamberger Handschrift, denen 
sie zum Schlüsse noch ein paar weitere Zeilen anfügt. Dieser deutliche Hin- 
weis der Breslauer Handschrift wird sehr wesentlich in seiner Eindringlichkeit 
unterstützt durch eine allerdings beträchtlich später geschriebene Handschrift 
im Britischen Museum (Additioiial Ms. 4S97), die aus den Jahren 1490 — 1495 
zu stammen scheint, also ungefähr in die nämliche Zeit zu setzen ist, wie die 
Bamberger Sammlung von Pestanweisungen. Dort findet sich auf Blatt 13'' — 14^ 



igg s. Uii ist witler dy pnslilcnc/. 

der Briet' an tiic Fr.iu von Plauen ins Niedcrlamlisclu' iiberset/.t. Die ,,Frau'' 
von Plauen ist hier als unverheiratet angononinien, was ja das niittelhocluleutscho 
„t'rowe" auch reciit wohl zulaßt. Trotzdem kann iler Leser sich meine erstaunte 
Freude denken, als ich meine heimische edle Dame in London als „Mejufrou 
van pleu" wiederfand. Ich setze den niederländischen Text unverkür/.t hierher: 

Aliud reginien pestilenciae. 

liem dit is die lottere die des ovcrsten keysers medicijn oversande 

den Mejufrou van pleu voir die pestilcncie. 

Item eest dat zalre dat die aposteme wast tusschen die scouderen, soe seldy 
5 laten mette fonto>'sen. 

Item die dese aposteme wäst in den hals, die sal latcn in die hoefladere in 

aen beede die diimen van sinen handen. 

Item diet wast in die slur side en aen den erm of oer onder den slinken erm, 

die sei laten die milt ädere, die steet tusschen den deinen vinger en den 
w anderen daer naest in die selue slur side. 

Item diet wast ann den rechten erm of aen die selue side, die sal laten die 

longe äderen, die staet tusschen den middelsten vinger eii den anderin te 

rekenen neder ten cleinsten vinger wart. 

Item diet heeft omtrent sijn herte, die sal laten die nyer ädere, die staet tusschen 
15 den deine vinger ert den naesten volgende. 

Item diet heeft an trecht been by die scamelheit, die [13''] sal laten dien der 

vrouwen ädere of die moeder ädere en am tzelue been, daer hijt heeft die 

aposteme. 

Item dijt heeft in die rugge, die sal laten die ädere op den groten teen. Item 
2u ghi seit merken soe wie det geslapen heeft metter aposteme, eer hi gelaten heeft, 

die en sal niet helpen det laten daer nae en daer om, als ghi gevüelt die 

aposteme, soe wacht u bouen al van slapen. 

Item nah seldy merken, spenn [•'] die voir die sterfte, die welke gesent was den 

co<ng> van vrancrijs van den besten en vemaersten medecijn van al parijs dat 
25 ierster is hi sal nemen bladere van vliederbome en mostaert") eii wrmen dat 

te gader en legget op die but/.e. Dat ander is, men sal nemen bochs same en 

vlier*) eil breembladere des eens alsoe vele als sanders eii sieden das in claren 

wijn en daet daer in allettel gewreuen ghinbeers eil drincl daer af alle morgen 

enen goeden dranck (I4'i, eer ghi buten huys gaet. 
9} Item deser siecten sijn siedeleer alle vruchten van bomen, sonder die noten sijn 

goet daer jegen en nae enege meesters die mispele. 

Item wacht u van gulscheit') van drinckene. 

ER oer van by vrouwen te sine en orbort edic in al u spise eil Sonderlinge 

des morgens. 
35 Item wacht u voer siec volc en vorden steden. 

Item alsoe voller als ghy gevuelt die siecte, soe seldy sonder merren laten doen 

die mage ädere. 

Item hebdy die aposteme efi wildise verdriven, nemt rüte eil alsene of die 

wortelen daer af gestoten ontwee eil wijnedic en legget op die butse, eer ghi 
*» daer met geslapen hebt, of van u selves mest. 

Item nemt Rute en grote not en vigen van elken even vele en wiitssen ont- 
wee te gadere en al gewreuen legget op die butse efi etes oer alle mergen 

wevnich. 

Item wacht u voer die stat daer die pestolencie regneert of vanden gemenen 
*j volce [14'] soe ghi best moeght. 

Item als ghy te bedde gaet, soe slut die camer over al en nemt lauwerbladere 

en alsene en geniuersaet en maect enen roec in die camere en stopt volleer 

u oren, en hebdy des noet, soe nemt dat ghi gecrigen moght. 

') Senf. ») Flieder. ») Vielem Essen, Gefräßigkeit. 



Daz ist wider dy pastilcncz. jg^ 



Item smergens nenit rute gewasschen in ciaer water met weyruch, souts en 
60 etsic met .iij. noten. 

Item sijt bilde en wacht u van fantesien, waten die bringen diewile die butse. 
Item wacht u van swetenden arbeit eil en vraecht met, als dat. volc vander 
butsen siec is. 

Diese niederdeutsche Bearbeitung ist also zunächst etwas umfänglicher 
als die der Breslauer Handschrift III. Fol. 3. Auch hier findet sich schon die 
Kombination mit der Schrift die „welke gesant was den cong van vrancrijs 
van den besten en vernarsten medecijn van al parijs", es ist also im 
Wesentlichen das angefügt, was die Bamberger Handschrift direkt hernach 
gibt, Zeile 26 — 48 unseres zu Anfang dieses Abschnittes gegebenen Textes. 
Wir hätten es also in dieser Kombination im wesentlichen mit dem am Ende 
des 14. und im 15. Jahrhundert in deutscher Handschrift weitverbreiteten Pest- 
regimen zu tun, das ich im 2. Bande des Archivs für Geschichte der Medizin 
S. 379 f. publiziert habe, dem „Sin der hogistin meister von Paris vor dy 
sterbunge der Druße". — Dies Regimen lehnt sich an den Pesttraktat der 
Pariser Fakultät \oni Jahre 1349 dem Namen nach an, ohne irgend etwas 
damit zu tun zu haben. Ich habe im 3. Bande desselben Archivs am Ende 
des 2. Heftes die Untersuchungen über diese Pestregimina weiter gesponnen und 
gezeigt, wie sie sich um eine Prager Pestanweisung gruppieren, das „Miss um 
imperatori" von 1371, das aber die Aderlaßregeln auf ein Minimum reduziert 
hat und natürlich selbst wieder nur eine Etappe im großen P'luß der Pest- 
regimina darstellt, mit dessen Zurückleitung auf seine ursprünglichen Quellen ich 
noch beschäftigt bin und noch längere Zeit beschäftigt sein werde. Der „Brief 
an die edle Frau von Plauen" gehört also auch in diese ganze Strömung 
hinein. Ob ihm ein wirkliches, wenn auch verschleiertes oder in der Über- 
lieferung entstelltes Faktum zugrunde liegt: Gerade seine spezielle Lokalfarbung 
spricht eigentlich für diese Vermutung. Es lag ja nahe, ein Regimen für des 
Kaisers Majestät oder für den König von Frankreich als Quelle einer Pest- 
verordnung zu nennen oder als Empfehlung gar zu fingieren, des ,, Kaisers 
Arzt" oder „die beste- an vornemsten medicijn von al parijs" zum Zeugen 
aufzurufen, aber die „Frau von Plauen" zu erfinden, dazu war doch wenig 
triftige X'eranlassung vorhanden, man kann wohl sagen gar keine! Es han- 
delt sich anscheinend um die Gemahlin eines der „Vögte von Plauen", die bis 
zum Jahre 1466 in Plauen selbst, im Vogtlande saßen, vielleicht Anna von 
Riesenburg, Gemahlin Heinrichs IX. von Plauen (13S3 — 1411) oder ihre Vor- 
gängerin. 

Der Beziehungen der „\'ögte von Plauen" (später auch „Burggrafen von 
Meißen") nach Böhmen, wo sie nach 1466 ihren Sitz hatten, waren ja auch 
früher schon viele. Es wäre also recht wohl möglich, daß auch diese Pest- 
rcgeln tur die Frau von Plauen in Prag ihren Ursprung fanden und mit dem 
,,Missum Imperatori" verschmolzen wurden oder überhaupt direkt aus derselben 
Quelle stammten, wenn man nicht annehmen will, daß die Pestvorschriften für 
den Kaiser einfach abschriftlich in die Hände einer ,.Frau von Plauen" kam 
und dann nur durch Zufall unter ihrem Namen weiter gingen. Wie ungeniert 



I ^ (. Du ul wider dy pasttileoc^ 

man n.ich lokalen Hc/.niuingcn und Autoritäten solche IVstrcgmiina uninaniUe 
und in neuem Nansen dann weiter empfahl bzw. durch solche Naniensncnnuntj 
ii>r Gewicht zu verstarken suchte, dafür brinjjt das restrcy;imen vom „Sinn der 
höchsten Meister von Paris" in einem Gutiiaer l-^xemplar einen hübschen Kcleg. 
In dem von Regel weiland ins l.icht gesetzten und von Oefele zum Teil in 
l'rivatdruck publizierten mittelniederdeutschen „Gofhaer Arzneibuch", das ums 
Jahr 1400 oder kurz nachher zusammengeschrieben sein mag, linilet sich dies 
l'estregimen folgendermalien eingeführt '): 

„Dese artikel sint gemaket deme konynghe van vrankrike van 
den besten arzten, de to paris wcren unde sint bestediget van den besten 
mestcren to erffordie unde heft velen luden ghehulpen." 

Der Glanz der jungen (1592 gegründeten) Hochschule in Thüringen wurde 
also zur Autorisierung des umlaufenden Textes schon schnell verwendet. Ähn- 
liches kam auch anderwärts vor. 

So wie ihn die niederländische Quelle des Londoner Additional Mscr, 4897 
übersetzte, ist der Brief mit Pestregeln gewilJ nicht an die edle Frau gesendet 
worden, das beweist schon die sonst in Pestregiminis nicht seltene Abmahnung 
von der Ausübung des Geschlechtsverkehrs in der Wendung „van by vrouwen 
te sine"! Eine neue Zutat des niederländischen Textes ist die wohl irgendwie 
niedersächsische Empfehlung der Mispeln neben den sonst allein von den 
Haumfrüchten als erlaubt erklärten Welschen Nüssen. 

Was die Ramberger Handschrift weiter noch bringt ist zunächst (Zeile 61— 68) 
ein aufgelesenes Theriak-Safran-Kampfer-„Experiment", ferner ein kleiner latei- 
nischer Pestsplitter (Zeile 6g — 82) in vielfach überlieferter Form, weiter ein einmal 
besonders zu behandelnder ausführlicher Aderlaßtraktat in Pestzeiten mit all- 
gemein-pathologischer Einleitung (Zeile 84 — 137), den man etwa durch die 
Wendung „So er ein Zeichen gewunn" oder ,,Wan sich ein Zeichen 
erheb"' charakterisiert finden könnte. Er kommt öfters vor und mag künftig 
so bezeichnet werden. Den Schluß endlich macht die Wiederholung einiger 
Stellen aus dem „Sinn des höchsten Meister von Paris" (Zeile 138 — 151) 
Schließlich möchte ich hervorheben, daß ich diesen Pestbrief für die Frau von 
Plauen zwar vor allem um seiner Vogtländischen Lokalbeziehung willen hier 
aufgenommen und etwas ausführlicher hier besprochen habe, selbst auf die 
Gefahr hin, daß er mit der Uni\ersität Leipzig im 15. Jahrhundert auch nicht 
das geringste zu tun hätte, daß mir aber die reiche Beschäftigung des Leipziger 
Mscr. 1227 mit der Pest [vgl. S. 106 ff.) zu diesem Pesttraktat- Exkurs hin- 
reichend Berechtigung zu geben scheint, zumal die Pestfrage seit dem ,, Schwarzen 
Tode" auf der Tagesordnung der Ärzteschaft stand und es durch immer neue 
Epidemien verhindert wurde, daß sie etwa bald von der Tagesordnung hätte 
abfresetzt werden können. 



') Bl. 127' ^ile ' — '3 lies Papierkodex in Klein-Folio cod. cbart. A. 9S0 der Gothaer 
HerzogUcbcD Bibliothek, den ich kürzlich einer eingehenden Durchsicht unterzogen habe. Vgl. auch 
die Programme von 1872 und 1873 des Gymnasium zu Gotha, die Re(;els bekannte Abhand- 
lung enthalten. 



5. Daz ist wider dy pastilcDcz. igg 

Auch ein anderes Mitglied der Leipziger Universität ist, halb unversehens 
mit der l'estliteratur in lose Beziehungen geraten: Joh. Kleine (Cleyne) von 
Lobau, Mitglied des kleinen (Fürsten-)Kollegs 1480 — 1490'). In einer Hand- 
schrift der Leipziger Universitätsbibliothek Nr. 1255, die Kleine der Biblio- 
thek dieses Fiirstenkollegs bei seinem Tode vermachte-), findet sich nämlich 
über einem Pesttraktat sein Name in roter Tinte hingeschrieben, als ob er der 
Verfasser wäre: 

Bl. 197' Sp. 2. 

Johannes cleyn de lobaw. 
(a)d honorem sanctae trinitatis ac virginis gloriosae et ad utilitatem rei 
publicae ac pro conservatione sanorum et reformatione lapsorum volo 
aliquid de pestilentia scribere . . . [Bl. igS'" Sp. 2] . . . . pestilentiarum 
pericula evadere possunt . . omnipotens ac gloriosus, laudabilis et 
benedictus in saecula saeculoruni .Amen. 

Es ist aber eine oft anzutreffende Pestkompilation, mit zahlreichen Bruch- 
stücken des Pesttraktates des Professors in Montpellier Johannes Jacobi, die 
jedoch auch diesem völlig Fremdes enthält, z. B. eine ausführliche Prognostik. 
Auch der Pesttraktat des nordischen Bischofs Kanut (Kamiutus, Kamintus) ist 
im wesentlichen ein Plagiat an dieser Pestkompilation, wie das Herr Dr. Ernst 
Wickers heimer künftig in seiner Ausgabe des Pesttraktates Johannes Jacobis 
näher darlegen wird. 

') Inskribiert im Sommer 1447, Baccalar Winter 1448, Magister im Winter 1451. Vgl. 
Stepner Nr. 423. 

') Auf der Innenseite des Vorderdeckels steht die Notiz „Istum librum legavit mgr. Johannes 
Kiene de Lobaw pro liberarea collegj' principis cuius anima requiescat in pace .1.4.9.0." 



6. 

Ein Gesundheitsregiment 

für 

Kurfürst Friedrich den Sanftmütigen (1428— 1464), 

gesiliriebcn von 

Johannes Heurer von Crossen, 

Mitglied der Medizioiscben Fakultät zu Leipzig. 

(Ms. Lipsense, 1584. Bl. i^—y). Fol.» 

Doctrina bona et utilis conscripta domino domino generoso 
Frederico duci saxonie antiquo aquodara medicinae doctore lipczensi. 
Incipit fauste. 

Quoniam vestra dominacio pro vestrae sanitatis conser\-atione regimen con- 

5 scribi dicendum optaliter cupit, hoc vel breve pro vestra consolatione con- 
scribere Uberavi et primo de aere. cum enim omnes actiones vitae dependeant 
a corde. Eo quod est fons \'itae, Et quia per aerem corpus humanuni ma.xime 
alteratur et notabihter cor, eo quod aer inmediate venit per nares et os ad 
cor, ergo expediens est providere de aere convenienti tempore. Ergo pluvioso 

10 nebuloso et obscuro non muhum exeatis, et si contingerit vos exire, nares et 
os intrare nequiveritis. SimiHter etiam tah tempore fenestrae vti [soll wohl 
„vestri" heißen] comodi obstruantur. Sed in aura clara statim econverso aperian- 
tur, ut radij solares Ubere intrare possint, Tempore autem noctumo claudantur. 
In aere etiam multum calido vel multum frigido etiam non multum exeatis, 

15 nisi cum cautela praehabita, quia talia etiam multum habent alterare ad in- 
naturalem complexionem. Sed quia motus corporis maxime etiam pro sanitatis 
conservatione est necessarius, quia rarissimum est, quod aliquid ita perfecte 
%-ivit sive (h)abetur, quod calor naturalis possit superfluitates oiiinium mem- 
brorum consumere et quia motus moderatus resolvit superfluitates corporis vel 

vj ^h^abilitat superfluitates, ut eo melius expelli possint. Ideo expediens est, 
ut vestra dominatio ante prandium sit in motu moderati corporis vel exercitio 
corporali, qui motus sufficit incitare calorem naturalem, qui facere habet diges- 
tionem. Sic quod postquam assumitur cibus. Cibus inveniat etiam exitatum [!] 
et non sopitum Et motus talis non sit ad fatigationem, quia cum sentitis cor- 

E poris membra fatigare, tunc cessandum est a tali motu. Sumpto autem cibo 
et potu. quiescendum est ab omni motu, studio et ita absque sompno, qui non 
debet fieri in hys horis. Si autem somnus vos invadere vellet, possetis post 
prandium suaviter deambulare, ita tamen quod ista ambulatio modicum diflerat 
a 'quiete, quia per quietem viget digestio, ut patet in olla bulienti quieta. Sed 

90 quia defectus exercitus multotiens supplet balneum, cum balneum resolvit et 



6. Ein Gesundheitsregiment. 



superiluitates a corpore abluit, ideo de baineu facitis vos in quindena solum 
semel balneari. Et hoc est verum, si sudores habuissetis, cum competerit sulum 
serael in quindena pro ablucione sorditatis [e?] satis tepide et non diu inmorari. 
Si autem sudores non habuissetis, possetis in mense solum semel balneari vel 

35 semel solum in tribus septiraanis, solum tepide abluendo sordiciem congregatan» 
in superficie cutis vel ad provocandum sudorem et expellere habet superfluitates 
gencratas in illo tempore inter carnem et cutem. Et dixi notabiliter, quod 
balneari non debetis calide, ijuia per balneum caliduni muilum de spiritibus 
consumitur et vos multum debilitarent. Sed pedes saepe lavabitis, cjuia lotio 

40 pedis confert pro sanilate visus, auditus et memoriae. Et ita locio pedum de 
sero circa introitum lecti hat, notabiliter illis diebus, quibus caenari non con- 
tingit, sed lotio capitis non tardetur ultra viginti dies. Haec fiat tamen plus 
in ebdomeda non semel, et nunquam fiat stomacho repleto, sed ante pran- 
dium vel longe pust prandium. Post exercitia ad labores et pust balneum custo- 

■lö diatur corpus, ne subito frigefiat. Nee bibatur aliquod actu frigidum multum, 
quousque calor acquisitus a balneo vel labore quiescat, ymmo tunc non solum 
debetis abstinere a potu, sed etiam ab omni comestione tam diu, donec calor 
naturalis ad interiora redeat. Quando autem exercitia et motus habent inanire 
corpus et corporis inanitio habet provocare appetitus cibi aliquid, non est 

50 nuUa petitio naturae, quae indicat. quando homo comedere debet et ergo sumere 
debetis cibum vestrum solum, quando natura appetit. non tamen diu famcm 
tollerare debetis, quem famem praeter solidum patj replet stomachum malis 
humoribus, licet aliquando ex constitutione sanctae matris ecclesiae vel ex 
devocione jejunandi famem tollerare opportet. Sed tamen in illo appetitu 

65 sumendum cibum, capiatis cibum et potum non corruptos. Extremi [?] ^) autem 
esse possunt panes de frumentis corruptis et carnes raucidae et randum [?] 
[am Rande alias lardum, ut Saxones faciunt] raucidum et similia ymmo in 
illo bono apetitu sumatis cibaria, quae vel bene sapiunt et delectabilia gustui 
vestro et cibaria vobis magis consueta. Excipio tamen hie si appetitura 

6« habueritis ad aliqua cibaria mala, quod ab his pro posse caveritis. Sicut si 
potest esse aliquod genus fungorum [am Rande: si dulces sunt fungi ut boleti 
et parteris (?) hys fungi] vel caro vel pisces fumigati, cum ab eo tempore 
maxime calido, quia nuUi dubium est quod in processu temporis mali generantur 
ex illis cibarijs corruptis. Sed summe notare debetis, quod isla vobis placabilia 

tJj bene et consueta vestrum appetitum non ad tantam alliciant comestionem, 
quod ipse extingueretur quia semper cum appetitu comedendi cessandum est. 
Sed tamen si contingerit vos aliquando repleri propter magnum appetitum et 
cibaria delectabilia, sie quod appetitus extingueretur, tunc abstineatis vos tarn 
diu a cibarijs delicatis donec appetitus redeat, et in ista abstinentia solum 

70 eomedatis ista quae naturam sustentant et non multos humores generant ut 
esse posset avenata cum sola aqua et modico butiro recenti praeparata vel 
perfusio de pane cum covento-j et modico recenti butiro interim non bibendo 
vinum nee cerevisiam. Si autem appetitus tarde redire voluerit, tum interim 
modieum eomedatis, quod fastidium dueet, sumendo aliqua brodia pulli non 

T5 multum pingwia vel alia eonsimilia brodia, ut possit esse coneussum pulli et 
similia. Ex his brevissime elicio, quod illa quae comedetis moderate sumere 
debetis et istam mensurani et moderationem eonsiderare debetis ex isto, quod 
stomachus non gravatur et tunditur post supercoctionem cibi et notetis, quod 
illa quae comedetis bene mastieare debetis, quia dentes a natura ad hoc sunt 

so ordinati, ut perfecta cibus comminuatur antequam mittatur ad stomachum, quia 

') „Exiliosi''?? Es steht „Exi" mit Strich und Haken da, was Extremi, Extcrni, zur Not 
Eximii gelesen werden kann, ohne dem Sinne zu entsprechen. 
-) Dünnbier. 



(>. Ein GesundheitsreKiinent, 

aptitudo conterendi cibum non est data stomacho, quia tuiic stomachus maxiiue 
leditur eo, quod non polest coniplere defectum contractione, et ijuia tunc 
stomachus laeditur, quando cibus iniperfccte digeritur. Quia cibus indigestus 
ulterius ad niultas egritudincs disponit, sicut experigcncia teslatur, <iuia foraces 
[voracesi] frcqucnter aegrotant. Kt sciatis quod in cadem niensa summe vitare 
dcbetis mult^i fercula et maxime si fuerint delectabilia, quoniam blandimcnta 
saporis provocant ad plus suinendum , quam stomachus bene polest digorcrc. 
Item ex aha causa non valent multa fercula, quia multotiens unum est facilis 
digestionis reliquum vero difTictlis digestionis et inaei]ualiter fercula digeruntur, 
sie si in una olla cames vaccinae et pullinae bu^l^irentur, c]uare tunc digeslum 
cum indigesti < miscerelur et tunc ad epar traheretur ideo ex isto venirent opila- 
tiones et aliae variae aegritudines. Item alia causa, quare debelis vitare multi- 
tudinem ferculorum, quia inter primum ferculum et ultimum est magnum inter- 
vallum et sie inchoata digestione impeditur a cruditate ferculorum supervenientum. 
Ex quo infero quod solum unum ferculum vel duo habere convenit una mensa, 
in quod non sinl valde difformia in abilitate digestionis, ergo in cadem mensa 
comedere non debetis varia fercula, sed carnes pro uno ferculo et pisces pro 
aliii vel cames vitulinas, mutoninas, cervinas [?J [Bl. i *■] pro uno ferculo et sie 
de similibus. Et in ista comestione ferculorum de comniuni lege vos ita 
tenere debetis, quod primo sumatis sorbilia et facilis digestionis, post hoc 
assata et solidiora. Si autera contingeret vos diu laxire (: resolutum :) ventrem, 
habere tunc debent praeponi assata et ova dura et cavere tunc debetis a brodiis 
multis et consimilibus fiuxibns. Potus autem vester commensurari debet cibo, 
sie scilicet quod in stomacho fiat debita coniunctio cibi et potus, sie quod cum 
potus in stomacho non fluctuabit nee natabit nee etiam cibus ratione carere, 
ne potus magis siccus esse debet. caveatis autem vina magis fortia scilicet 
vinum rosaceum tempore aestatis aliquando bibere poteritis. Sed contentus sitis 
in bona cerevisia clara nön humulata ut multotiens cum aliis cerevisiis triplata. 
Summopere tamen caveatis a quolibet potu iam in declinatione et defectu 
existente. Multa et diversa potagia in eadem mensa etiam cavere debetis, 
medonem vos bibere non multum laudo, quia vulgi proverbium est, hoc dicit: 
medo qui me bibit, hunc egi' ledo. Inter autem dua prandia bibere pro posse 
melii >ra caveatis. Quando autem cibus et putus propterea sumuntur, ut digesta 
convertantur in substantias membrorum et digerantur, quae digestio maxime 
fit per calorem naturalem, ut ergo talis calor naturalis a membris interioribus 
non distrahatur sed cum eadem fortificetur. Swadeo etiam, quod post cenam ad 
duas horas ad minus sitis in quiete vel suaviter in curia ambulando, quia per 
istum quietem calor naturalis circa interiora membra fortificatur. Illo quoque 
tempore quiescatis etiam mente non irascendo, non audiendo odiosa verba 
nee [ut?j amara nee dispulia, sed quae placita sunt et facilia intellectu et 
commoda. ut possunt esse plures historiae et melodiae musicales. cum autem 
sompnus advenerit, protinus dormiatis, ijuia in sompno maxime perficitur digestio 
et hoc ideo, quia calor naturalis tunc non distrahitur, sed membra exteriora 
coadunantur et uniuntur, eo quod in somno occupationes cessant et meditationes 
diuturnae, tunc etiam est tranquillitas mentis et corporis. Et in aestate dormiatis 
in loco frigidiori et obscuriori et magis tranquillo, dum tamen non sit locus 
reumaticus. Si autem aliquando contingerit vos de die dormire eocjue de 
nocte irapedimentum in somno habuissetis, tunc dormiatis capite bene elevato 
et discalceatis pedibus et tibiis discaligatis, nam dormire calceatis pedibus et 
tibiis maxime reflectis in aestate fumos et corpus supercalefacit, visum obscurat 
et Caput replet, operiendi tamen sunt, ne magis infrigidentur. Similiter caput in 
somno plus (juam in vigilia est cooperiendum. nam quando calor naturalis 
fortificatur circa membra interiora tunc manus, caput et pedes depauperantur 
calore naturali, quare facilius a frigore possunt laedi, maxime quando aer est 



6. Ein GesundheiUregiment. 20^ 

frigidus, ymmo omni tempore manus et pedes in frigiditate non permittatis. 
Item ad lectum quando vos ponitis, primo iaceatis supra dextrum latus donec 
compleveretis primum sompnum, quia in dextro iacet epar niultum habundans 
calore naturali quia epar tunc suppeditur stomacho tamquam ignis suppositus 
libetj'). completo autem isto sonipno maxime expediret surgere eiciendo urinam 
et pectus per Stratum punjzando, membra terendo. postea expedit e converso 
ad sompnum redire super sinistrum latus. i|uia tunc maior digestio in stomacho 
completa est, quare tunc non reijuiritur tantus calor ut in prima digestione. 
In dorso autem rarissime dormire debetis ne superfluitates, (juae superfluunt 
ad nares et paulatim-) defluant ad cerebrum et submergant memoriam De 
mane autem postquam surrexeritis, diligenter ad hoc cooperari debetis, ut corpus 
mundificetur superfluitatibus multiplicatis in somno non soium per secessum et 
urinam, Sed transiendo, sticando, et nares mundando et caput pectendo. Ab 
ira pro posse caveatis, quuniam ira supercalefacit omnia membra propter fer- 
vorem cordis. Tristitiam quoque caveatis, quia corpus infrigidat et exsiccat, 
ideot|ue occasiones istorum caveantur quantum possibile est. Gaudio autem 
saepe vacare debetis et honestis solaciis, quia illa animum reflorere faciunt 
et Spiritus per haec ex<^c)itantur. 

Et notetis pro generali regula et pro complemento illius regiminis, si 
aliquando bene dispositus essetis et mane comederitis, tunc de sero endem die 
modicum vel quando nihil coraedatis de mane. Si autem de mane Cfinstitis 
indispositus tunc eodem die modicum ad aliqualiter satisfaciendum consuetudinem 
per talem subitam abstinentiam. Nam nimium terretur. ad singularia autem 
fercula descendendo ad praesens Vestrae dominationi scribere non proposui, 
quia illa relinquo fore nota vestrae discretioni, quam per dei gratiara ex 
plurimorum medicorum informatione sufficienter habuissetis. Sed tarnen caveatis 
a cibis medicinalibus [?J hoc est ((uae sunt multum calida et frigida multum, 
sicut sunt olera, fructus crudi, salatum et multum dulcia, multum acetosa et 
similia excellentis saporis et qualitatis formalis et virtualis. Caveatis ab omnibus 
tarde digestibilibus a caseo antiquo notabiliter et a lacte et illa quae come- 
detis, sint actu calida bene digestibilia et quod a primo comedatis, quando 
stomachus et intestina superiora a fetoribus sint evacuata. Et haec brevia pro 
honore vestra et vestrae sanitatis conservatione pro praesenti sufiiciant, offerens 
me ex convenienti ad quaevis vestra bene placita pariter et mandata, per 
vestrum Johannem Meurer Medicinae doctorem. 



Wie schon im Texte kurz zum Ausdruck gebracht (S. 104), ist dies Ge- 
sundheitsregiment Dr. Johann Sprottaus gen. Meurer aus Crossen gewiß 
nicht das unbedeutendste in der langen Reihe von Anweisungen zur Bewahrung 
der Gesundheit, fiir hohe, höchste und allerhöchste Herrschaften, die einen so 
breiten Raum in der medizinischen Literaturgeschichte des 13. und 14. Jahr- 
hunderts einnehmen. Es zeichnet sich durch einen guten Blick für das Wesent- 
liche und einfache klare Darstellung aus, vermeidet allen Autorenkram und 
alles gespreizte Gelehrttun, beschränkt sich vielmehr auf einfache prä/.ise An- 
gaben, die aber auch das unscheinbarste Detail nicht verschmähen, wenn es 

') Ubes gleich tcbcs, eiserner Kessel. 

') palatiimf die Lesung paulatim ist aber nicht zweifelhaft. 



20S *•• ^" Ucsundhcüsregimcnt. 

dem Aritc von Wichtigkeit scheint. Natürlich kann der ruhig denkende Mann 
aus seinen Zeitansichten nicht heraus. GewiÜ, daß das Fußbad die höheren 
Sinnesorgane und das Gedächtnis starke, wirkt auf uns erheiternd, aber wir 
freuen uns auch wieder der gesunden Anschauungen über Nahrungsdiätotik. 
Die Notwendigkeit einer Schlafmütze will uns nicht einleuchten, aber die sonstigen 
Anweisungen über die Diätetik der Nachtruhe scheinen uns wieder nicht übel 
beobachtet, wenn es auch nicht gerade alles auf Meurers Konto gesetzt 
werden dart", der mehr eine vernünftige Auswahl unter mancherlei Vorschriften 
seiner Vorgänger und Zeitgenossen getrofl'en hat — für jene Zeiten schon kein 
kleines N'erdienst Kurz, die kleine Schrif' in ihrer schlichten Sachlichkeit 
scheint mir zum Besten zu gehören, was von medizinischer Seite im i 5. Jahr- 
hundert in Leipzig geschrieben ist. 



7. 

Ärztliche Ratschläge für die Reise für einen sächsischen Herzog, 
anscheinend aus der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts. 

In nomine domini amen. Regimen ordinatum pro duce Saxoniae 
transeunti ad regem Ungariae, Roraanorum etc. Primo incipiendum 
ab aere et merito, quia secundum Galienum nono terapeutices aerem volimus 
sive nolimus unicuique concedimus et nichil est, quod corpus forcius et cicius 
s juvaret quam aereni, qui per os et nares cor et arterias inspirando pervenit cum 
qualitatibus suis et per omnes venas sive arterias totius corporis diffundatur 
et spiritibus omnibus corporis miscetur, per quos omnis actus vitae corporalis 
perficitur, igitur aer maxime est considerandus. Prima igitur regula sit, quod aer 
calidus et siccus aestimetur. Tempore quietis debet obtemperari frigidis et humidis, 

10 sie quod cum extremitatibus Salicis et pirorum etc. camerae struantur vel cum 
aqua rosarum recreentur. Tempore vero hyemis ad aliqualem caliditatem aer 
declinat, sed temporibus aiijs in calore aer fit equalis. Secunda regula, in calore 
itinerantes summe studeant, ut bona et decenti coopertura capita sua tegant ut 
pileis vel panno lintheo sive serico subtili, ne sol sua excessiva caliditate 

16 cerebrum impediat et sitim nimiam generat vel fortasse mentem perturbet. 
Tertia regula, in ho.spiciis evitentur camerae vel habitatione.s antiquo testitu- 
dinatae, antiquis muris circumdatae in quibus scorpiones et araneae consueverint 
gcnerari. Item optime purgentur coquinae et cellaria, in quibus cibaria et 
potagia pro domino et sua faniilia debent adaptari et reservari, ne alia reptilia et 

20 ve<ne)nosa inferre possint nocumentum. Quarta regula, vitentur loca fetida 
nebulosa, caliginosa et pestifera. Et si transire contingat per talia, habeatur 
pomum odoriferuin ambrae in manu. Et possit, si placeret, fieri pomum contra, 
pestilentiam et aerem corruptum tempore aestivali in hunc modum: I^ torraen- 
tillae, corticis citri, ossis de corde cervi boli ar^meni) ana 7<i. ligni aloes .^ij, 

»5 camphorae Ki, ambrae griseae ,> semis, musci electi 3 semis, gariofili, nucis, muscatae 
galliemustis ana 5s, laudani purissimi ji, addatur pars terebintinae et cum aqua 
rosarum omnia aromata incorporentur et fiat pomum cum pistello calido etc. 
Pauperibus posset fieri odöramentum ad tostam panis intinctani aceto etc. 



Bl. 



Secundo videndum est de cibo et potu. De illis in praesenti tales 
considerantur regulae. Prima nutrimenta iterrantibus debent esse bonae substantiae 
et digestionis et non multae quantitatis, scilicet ut faciliter digerantur et super- 
fluitates in venis mihi non congregentur, vitentur ergo olera et fructus et 
lacticinia, nisi forte per viam medicinae comedentur. Prima regula est, men- 
sura cibi talis in via existat, ne stomachum aggravet. Et potus alias non in 
stomacho fluctuet, quia dicit Avicenna, deterior est comestio quod stomachum 
aggravat, sicut deterior est potus qui temperamentum egreditur et in stomacho 
natat. Secunda regula viatorum, antecjuam de hospitio recedatur soluin 
parumper comedat et vinum limphatum bibatur, sive ad unum omnia vel in 
consimili quantitate de alüs cibis vel usque ad hospitium exspectetur, si com- 



I' ' ' KaUchllige tttr die Reise Air einen süchsischen Herzog. 

«fi m. 'li'sc liiri p. lest. Aliqui namque homines adeo rari sunt, qui cum equitant 
et in et.>ruin intcrioribus vel niateria existat, niultuin rcsolvuiuur et deliilitaii- 
lur quantuni nun faciliter rcstaurantur. Krit igitui neccssaiie sunierc ex i ibn 
aliquantuluni solum, ne cibus inundet in stoniaclio el fluctuet et pausent 
post hoc, donec cibus aliqualiter descendat. Tertia regula, cibaria tempore 

t& calido debent esse aolu et pntentia frigida, ut debent esse mullum Salsa nee acuta 
nee dulci.i, vitentur igiiur species forles siiut piper, gariofili, galangae, sinapi. 
Item sive condiantur cibaria cum acelo et agresta, si placet cum speciebus dul- 
cibus et non fortis ralefactionis. Quarta regula, praecepta stoniachi debilitatc 
partiatur cibus rectu soliti, ita quod portin quae in vire una prius accipiebatur. 

10 in duas partiatur sie melius digcratur. Circa putuin specialitcr Cdiisiderandum 
est, quod itinerantis tempore cautius (?^ bibere debent vinum limphatum albuni 
cum bona et clara aqua. Eligatur igitur aqua melior quae haberi potuerit in 
terris, in quibus dc^minus cum suis manet, pro limpha etiam et pro decnctione 
ciborum. Sed ijuia in Ungaria ut intelle.xi sunt plures aquae sulfureae, quae 

SS ad quantum possibile est evitentur et aquae meliores cum summa diligentia 
considerantur et iissumantur. Vina etiam sulfurea ibidem existentia evitentur 
pro posse, quia sunt multun\ calefactiva et exsiccativa et sie [208''] opi- 
lationum et febrium generativa. Adducantur igitur bona et electa vina de 
Austria. Contra taleiii maliciam aquae et vini valet eomedere eepas cum aceto, 

«0 quia secundum Aviqennam sitim ainputant, fastidium removent et excitant 
appetitum. Item ad extinguendum sitim potest assumi in via lapillus cristal- 
linus latus et tritus et in '>re retineri, aut abluatur ()S aqua frigida quae 
habeatur et pannnper ex ea deglutiatur vel vapor aquae frigidae circa 
fonlem frigidam assumatur. Et nun subito post calores aqua frigida multa 

es bibatur, quia o])ilationes generat et ^h^j^dropisiin. Item pro siti extinguenda 
sumatur succarus msarum in quantitate nucis magnae etdissolvatur cum aqua 
frigida et bibatur. Istud stumacluini confortat et sitim reprimit calnrein extraneum 
extinguendo etc. 

Tertio videndum est de motu et i|uiete. Pro illo prinm talis datur 

711 regula, quod cum a motu et via ad hospitium pervenitur, nun eomedatur nisi 
post aliqualem cjuietem. Nam dicit Damascenus in nimii > exercitio positus ante 
cibuin parum quiescere, otiosus vero exereeri oportet. Os cum aqua frigida abluatur 
et non transglutiatur de ea, ali;is extrema etiam et facies cum aqua recenti 
abluantur, deinde ad comestionem aecedatur et post hoc de eibis consuetis et 

7S bonis refeetio fiat. Secunda regula, si sitim quis magnam vel debilitatem tirauerit, 
non inmediate post cominestionein ambulet, sed per aliquas huras pausetur, 
quia mi itus factus statim pi ist ci unestii mem sti imachum inflat et cibum de latere 
ad latus movet et sie male digerit. Tertia regula, si comm<idose fieri potest, 
non fiat cum fastidio et nausea iiineratii >, sed tarn diu a motu cessetur, donec 

80 fastidium removeatur et appetitus excitetur. Nam ex illo iuneturarum dolores 
splenis et epatis durationes (?) et morbi melancolici et flegmatici generantur. 
Quarta regula, post magnum motum et fortem vitetur usus piscium, nam dicit 
Avicenna, pisces quoque et quae eis similantur post laboriosum excercitium 
edendi non sunt, corrumpentur enim et cfirrumpuntur huraores. 

Bl. 2o8^ 

85 Quarte videndum est de repletione et evacuatione et balneo. 

Pro illo primo datur regula secunda superius posita de cibis. 

Secunda regula. Ex cibo non ad tantam repletionem perveniatur. Et 

penitus saturitas fiat, )'m^m)o comedendum est, ut reliquae appetitus adhuc in 

stomachi remanentium , sieut vult Avicenna. Etiam multiplicatio diversorum 

»0 ferculorum in eadem mensa et cum hoc comedendi prolongatio summe sunt 

vitanda. Nam nihil deterius est quam diversa nutrientia simul adjungere et cum 



;'. Arztliche Katschläge für die Reise für eioen sächsischen Herzog. 207 

hoc comedendi tempus prolongare. cum enim postremum nutriens advenit, iam 
primum incipit digeri, nutrientium ergo partes in digerendo nrni similantur. 
Tertia reguia, hora maioris refectionis et repletionis itinerantium debet esse hora 
cenae sive serotina, quia frigiditas aeris calorem conforraans naturalem sub- 
sequitur et quies et tranquillitas mentis et SDmpnus noctumus, quae orania 
digestionem faciunt meliorem. Item de balneo itinerantium dicit Avicenna, quod 
multi sunt, quibus in via ex calore accidat nocumentum, quorum dispositiones 
redeunt exvacationem in aqua frigida, sed melius est ne cito hoc fiat, sed parum 
expectat, deinde Ordinate ad ipsum accedat. Istud intelligitur de juvenibus 
robustis, qui fortem habent calorem et stomachum et epar fortia, de debilibus 
autera et infirmis aliter sentiendum est. Item balnea aquae calidae pro parte 
postponantur, quia ex diversis quandoque morbidis tales inficiantur, quandoque 
alii e.x pestilentia et cetera. 

Circa primam regulam, quae est de stomachi aggravatione, sciendum 
quod si nausea et gravitas in stomacho perciperetur, mu.\ vomitus pro posse 
erit provocandus, quia illis est sublimis medicina. Nam dicit Avicenna quarta 
primi capitulo secundo, quod vomitus evacuat flegma et coleram et mundi- 
ficat stomachum et removet gravitatem, quae accidit capiti, clarificat Nisura aufert 
fastidium, confert lassitudini et est medicamentum maliciae caloris et securat ab 
eventu aegritudinum cronicorum. Si igitur faciliter fieri potest, semel in mense fiat 
vel quando fuerit necessarium et potest fieri cum penna, quae intingatur in olco 
olivarum et aceto et ad coUum introraittatur, vel sumatur unus bonus haustus 
aquae et quarta [Bl. 209''j pars aceti et parum olei et totum tepide ebibatur 
et post comestionem ad duas horas, quando graxatio stomachi sentiatur, prius 
cum digito vel penna vomitus provocetur vel sie sumatur succi corticum 
radicis sambuci ^l, misceatur cum parvo hausto aquae tepidae et sie tepide 
bibatur. lUud vomitum aliqualiter fortius sed licet tempore necessitatis secum 
fieri possit. Item intendatur ad mundificationem ventris a faecibus quod etiam 
fieri potest cum suppositoriis et cum clisteriis de communibus rebus, quando 
placet, intendatur etiam ad expulsionem urinae, sputi vel aliarum superfluitatum, 
cum necessarie fiierit. 

Quinto et ultimo videndum est de sompnu et vigilia et de animae 
accidentibus. De illis prima regula est talis, quod sicut mediorcis sompnus 
sive prolixus et non profundus virtutes fortes efficit, ita ergo contrarius debilitat, 
quia totum corpus humectat et cerebrum et reumatismos facit. Secunda regula, 
dormitatio diurna vitetur, nisi repugnaret vigiliae prolixitas in nocte praecedenti. 
In die autem dormire malum est et ad malas praeparat aegritudines. gene- 
rat autem morbos humectationis et reumatismos calidos corrumpit, gravat splenem, 
laxat nervös, efficit pigritiam, tertia primi capitulo nunc, tertia regula, non est 
dormiendum post cibum statim, non saltem post duas horas et tres; cum som- 
pnus advenerit. mox sibi locus tribuatur. Melior autem est sompnus moderatus 
nocturnus, nam sub silentio noctis nee occupationibus nee clamoribus nee 
lumine solari sompnus interrumpitur, qui talis sompnus ad bonam et optimam 
digestionem cooperatur. Quarta regula: sompnus naturalis in aestate octo horas 
non excedat. In hieme sufficit dormire novem horas, notandum tarnen, quod 
in Omnibus istis et praehabitis consuetudi), licet aliqualiter sit mala, tamen subito 
non erit postponenda, nam dicit Ypocras: Ex multo tempore consueta, et si sint 
deteriora inconsuetis, minus molestare consuetis. Et mala consuetudo suc- 
cessive et non [Bl. 209''] subito erit removenda. Item avertantur animae 
accidentia, pro quibus sciendum quod ira, angustia, tinior, pussilanimitas et 
tristiciae et nimiae occupationes omnino debent posttergari. Nam huiusmodi 
inclavamentum ['f] efficiunt secundum Ypucratem. cum gaudio igitur et pulchro 
solacio vita erit prolonganda et sanitas conservanda. 



JOS - \i !ii.)ir Kiiv.iw.-. t. 1 .!..• Heise filr einen s&chsiscben Herzog. 

>ciiiMi iKT .~-.nuiiuui.iiui. urr uns dies Schriftstück aufgewahrt hat ';, niaclit 
seine Leipziger Provenienz wahrscheinlich. An Joliann I^leurer als Verfasser 
ist nicht wohl zu denken, denn von einer Reise Friedrichs II. nach Ungarn 
ist mir nichts bekannt geworden. Es dürfte sich um die Anweisung für eine 
Reise eines seiner Sohne zu dem König Matthias Corvinus von Ungarn, 
der 145S — 1490 regierte, handeln, aus den Jahren 1465 — 1475; nennenswert 
spater ist die Kntstehung dieses Gutachtens wohl nicht anzusetzen. Wenn 
Zeile 17 die .Anweisung gegeben wird, sich von altem Gemäuer als Aufenthalts- 
ort zu bcw.ahren, wegen der darin weilenden Skorpione und Giftspinnen, so ist 
wohl ein ärztlicher X'erfasser anzunehmen, der in Oberitalien oder Montpellier 
studiert halte und danach annehmen mochte, daß auch in Ungarn solche un- 
gebetenen Gäste sich in den Reiseherbergen lästig machen konnten. 

Auch dies Schriftstück zeigt einen gesunden Wirklichkeitssinn, Phrasen- 
freiheit und die Fähigkeit die überkommenen wissenschaftlichen Lehren ge- 
schickt für den Spezialfall umzumodeln und zur Anwendung zu bringen. Steht 
es auch nicht allein da in seiner .Art'-\ so sind doch motivierte ärztliche X'erhal- 
tungsmaßregeln für die Reise nicht gerade häufig. Die vorliegenden beschränken 
sich mit großer .Ausschließlichkeit fast allein auf das diätetische Gebiet, und 
sind hierin von großer Ausführlichkeit, wahrend z. B. die wenige Jahrzehnte 
früher geschriebenen ärztlichen Anweisungen für Seereisen des Altwiener Pro- 
fessors Galeazzo di Santa Sofia (t 1427)') auch eine ganze Reihe von 
Rezepten für Notfalle enthält, was ja auch für längere Seereisen durchs Mittel- 
meer nach dem heiligen Lande und zurück zweckmäßig war. Man versorgte 
sich mit den .Arzneimitteln schon in Europa vor Beginn der Reise, da von 
Schiflsarzten natürlich keine Rede und auch in den Küstenstädten und im 
Inneren des heiligen Landes auf ärztliche \'ersorgung kaum zu rechnen war. 

Jedenfalls scheint mir auch dieses Schriftstück, wenn gleich mehr im 
Banne der Schulmeinungen als das im vorigen Abschnitte besprochene, 
immerhin noch kein übeles Beispiel abzugeben von dem praktischen Sinn und 
dem gesunden Menschenverstand der bei den Ärzten im Meißnischen im 
15. Jahrhundert geherrscht hat. 



'j Ms. 1227 der Leipziger Universitätsbiblioüiek Bl. 207' bis 209'; vgl. vorn S. 106 bis iii. 

') Man vergleiche z, B. das „Regimen iter agentium" im QJnün des Ihn Sinä Buch I, Fen 3, 
Doctrioa V, Cap. 3 — 8. 

') Vgl. Leopold Senfelder, Galeazzo a Sancta Sophias angeblicher Traktat über die See- 
krankheit. Wiener klinische Kundschau 1898 Nr. 41 u. 42. 



Namenregister. 



Abano, s. Peter. 

Ailam, Balbierer in Leipzig 91. 

Adam, Melchior 125, 137. 

Aegidius von Coloniia (Roma- 
nus) 113. 

Acs;idius von Corbeil 18, 19. 

Albertus magnus 18. 

Albreclit, Herzog von Sachsen 
39. 104. 

Aldchennc, Hans 91. 

Alexander V., Papst 4. 

Alvenslebcn, Pascha von 71. 

Anselm von Frankenstein 4. 

Aristoteles 5, 16, 18, ig, 154. 

Arnold von Villanova 133. 

Auerbach, s. Stromer. 

Averroes 19. 

Avicenna (Ibn Sina) 13, 15, 16, 
18, 10, III, 123, 124, 146, 
151, 155, 186. 

Bährens 59. 

Barth, Michael 23. 

Bartholomäus Anglicus 120. 

Bartholomäus Fr)so, Karthäuser 
Pater 131. 

Bartholomaeus von Salerno 16. 

Bauch, Gustav 130. 

Bayern, Frau von 78. 

Becke von Schmiedeberg, Va- 
lentin 10, II, 14, 64, 65,67, 
68, 70, 80, 82, 83, 84, 94—99, 
131, 182 ff. 

Benzi, Hugo 16, 55, 108. 

Bernhardinus, Dr. 66, 67, 81. 

Biborger, Nicolaus 109. 

Bicci, Lorenzo di 20. 

Boethius ;, 1 54. 

Boerner, Friedrich 125. 

Boner von Landau, Andreas 177. 
Studien zur Geschichte der Mcdizi 



Borner, Kaspar 56. 
Boysen, Karl 9. 
Brandts, M.irkus 41. 
Brandts, Moriz 12S, 140. 
Brandt, Marcus 137. 
Breitenbach, Dr. jur Johann von 

42. 175- 
Breunsdorf von Leipzig, Gregor 

177- 
Brunschwig, Hieronymus 118. 
Brunss, Georg 177. 
Brunswigk, Konrad i 76. 
Buch, Abbas de 109. 
Burkard von Konstanz 80. 
Busche, Hermann vom 115, 151, 

»55- 

Carion, Johann 151. 
Caspar, Dominus 66. 
Choulant 114, il". 
Celtis, Konrad 41. 
Cermisone, Antonio 108. 
Cleyne, s. Kleine. 
Collenutius, Pandulphus 141. 
Conradi, Johannes, von Kalten- 

brunn 175. 
Constanlinus Africanus 16, 18. 
Cran.ich, Lukas, der Ältere 70, 

96, 97, 145- 
Crescentiis, s. Petrus. 
Creußner, Friedrich 125, 126, 130. 
Currifex, Currificis, s. Wagner. 
Czekler, Alexander 177. 

Damianos 20. 

Deinhard , Dr. Konrad, 6, 10, 
59 83. 

Despars, Jacques 13, 55. 

Deubinger, Mag. P.iter, s. Tü- 
binger. 

. VIU. 



i Deussen, E. 86. 
Dcynhardi von Wetter, Konrad, 

s. Deinhard. 
Dietrich, Markgraf 93. 
Diiio di Garbo 55. 
Dollhopf, s. Tolhopf. 
Drobisch 7. 

Eck, Paul, von Sulzbach 125, 126. 
Eissenmann, s. Eyssenmann. 
Erhardt, Kanzler 77, 78. 
Erler, G. 6, 7, 17, 53, 103. 
Ernst, Kurfürst u. Herzog von 

Sachsen 39, 104. 
Euderitzsch, Dr. Johannes 93. 
Euklid 5. 

Eulenburg, Franz 7, 14. 
Eyssenmann, Simon 128. 

Faber von Budwcis, Wenzeslaus 
41, 68, 69, 71, 83, 1 1 1, 125, 
126—128, 150. 

Fabri von Sagan, Nicolaus 4, 6. 

Fabri, Wenzeslaus 10, s. Faber. 

Feller 16, 19. 

Flegk, Vitalis, von Borna 60. 

Flührer, Konrad i". 

Fluther, Konrad 1 7. 

Förstemann 89. 

Fohrenberg de Nurenberg, Joh. 
60. 

Forenberger, Johannes, s. Fohren- 
berg. 

Freitag, Rudiger 93. 

Friedberg, Emil 42, 56, 175. 

Friedrich H. , der Sanftmütige, 
Kurfürst u Herzog v. Sachsen 8, 
54, 62, 63, 104, 105, 200, 208. 

Frj'so, s. Bartholomäus. 
■4 



N'atuciirrgislcr. 



I u.l.v C. II. I3^. 140. 141, 

>S'. «5J- 
Kuch», Rob«rl 110. 
Kubrmiinn, Johann 00. 

Galenns 13. id, 18, 55, 124, 

146, 151. 
Grnlilc da Koücno 13, 108, 124. 
Gcot^, Hcriog von Sachsen 42, 

45. '-5- 
Gcnrgius de Monlcferrato 1 1 7. 
<ienüdus de Solo 16, 18, 19. 
Gerstniann, Nicolaus 1*. 
Gilbertus 18, 19. 
Gladenstcdt, s. Gledciistcde. 
Glcdenslede von SaUwcdel, Hcl- 

mold 4, 5, 6, 9, 10, 12, 15, 

2». 3'. 32. 'oo — '°3- 
Golaw, Kicolaus 61, 62. 
Gordon, Ifcriihard 18, 1 1 1 . 
Gothaer Arzneibuch 198. 
Greef 98. 
Grcgorii 116, 117. 
Grcve, Mag. Heinrich, Kaplan 1 76. 
Grossmano , Magi.^tcr Johannes 

109, 1 10. 
Grüninger 116, 118. 
Grüner 124, 147. 
Guainerio, Antonio 189, 190. 
Guntherus piscator 110. 
Guorras von Konstanz, Uurkhard 

65- 
Guorus, s, Guorras. 
Gurlitt, Cornelius 96. 

Uaebler, Konrad 41, 125, 137. 

Haldenhnf von Thorn, Wilhelm 
10, II, 12, 43, 44, 57. 71, 
72. -3. 75. 84, 143, >S2. '54. 
178. 

Hallenhoff, s. Haldenhoff. 

Haller, Albrecht 114. 

Hallcr, Vicencius 4. 

Hans, Minster 91. 

Hartlieb, Johann 120. 

Heinrich IX. von Plauen 197. 

Heinrich , Herzog von Schlesien 

39- 
Hclain, Richard 118. 
Helmold vonSalzwedcl, s.Gleden- 

stede. 
Henning de Haynis, Or. Job, 

Kaplan 84, 176. 
Henri de Moodcville 119. 



Honruus de Ribbenicz 1."*. 

Hcrfail von I.obosiU, Anilirosius 
61. 

Herold, Joh. 17. 

Hcrtil von Jauer, Thom.is (>i. 

Hildebrandt de Crossin, Ur. Gre- 
gor 40. 

Hilden, Johann 4, 6. 

Hippokratcs 13, 16, 19, 55, 138, 

13'.'. '52 
Hogenlfcrkc, Gerhard 4, 12, 100. 
Hohenkirch, s. Hogcnkerke. 
Hoppe, Johann, v. Jüterbock 6. 
Hugo von Siena, s. Bcnzi. 
Hundt Magnus 72, 84, 1 15 — 121, 

'23, 151. 

InihofT, Konrad, von Framcrs- 
bach (alias de l.or) 88. 

Jakob von ForU 55, 108. 
Jacobus de Gubin iio. 
Janus Tolnphus 40. 
Joachim, Kurfürst von Branden- 
burg 151. 
Johann Hilden 4. 
Johann v. Landsberg, s. Wagner. 
Johann von Tornamira 3. 
Johannes, der heilige 20. 
Johannes Jacobi l'jg. 
Johannitius (Honein) 18. 
John, Johann Dionys 27. 

Kaminlus 199. 

Kanut 199. 

Kaspar, Dr., s. Molitoris. 

Kegler, Kaspar von Tiersheim 

48, 75, 84, 117, 123, 138, 170. 
Ketham, Joh. von 117, 123. 
Kiliani, Thomas 66, 67, 80. 
Kleine von Lob.tu, Joh. 103, 199. 
Kortum 59. 
Korze von Breslau, Franz 6, 10, 

II, 12, 62, 63. 
Kosmas 20. 
Kunlz, Johannes 5. 
Kurz, Franz, s. Korze. 
Kynst, s. Kuntz 5. 
Kyros, der heilige 20. 

Lamme, Heinrich 3. 
I^ndisberg, Martin, von Würz- 
burg 122, 126, 133, 153. 
Landsberg, Dr., s. Wagner. 



l.omlioi|;iT. licorg 98. 
Lciigenhoini, Ji>. Christian 121. 
l.eoniccMO, Nicolo 136, 137, 138, 

13«), 140, 141, 151, 152. 
Leymbach, Georg 128. 
Licius I 23. 
Liniholz v. Mülilbcrg Johannes, 

Kaplan 43, 176. 
Lobedans in Mittweida 110. 
l.or, de, s. IniholT. 
Lorcnzo di liicci 20. 
Loiter, Melchior 113, 115, 120, 

121, 147. 

Lubertus de Oscnbrug 4, 6. 
Ludwiger, B.illha.scr 48, 7(1, 84, 

170. 
Lurz, Hermann 14. 
Luther, Ilans, Apotheker /.u 

Leipzig 78. 

Manardi, Giovanni 146, 147, 148, 

151. 
Marco Giovanni da Siena 10(1. 
Malteo Giovanni da Siena 106. 
Matthias Corvinus, König von 

Ungarn 40, 208. 
Meilerstadt, s. Pollich. 
Mcrzdorf, Theod. 114, 116. 
Merzcborch de Siend.il, Jacobus 6. 
Mcsebcrg von Stendal, Jakob 6, 

7, 10, 11, I-, i'i, 24, 57, 58, 

59, K 03- 
Mescberg, Leonhard 176 
Messko von Schweidnitz, Johann 

61. 
Mesue 16, iS. 
Meurer, Johann Dr.(Sprottaw gen 

Meurer) von Crossen 6, 7, 10, 

17, 19, 61, 62, 103 — 106, 

186, 200 — 204, 208. 
Meynharl.Andreas, von Pirna 177. 
Misch, der Wundarzt Lorenz 

Ol. 
Molitoris, Dr. Kaspar aus Brauns- 

hcrg 43, 71, 77, 78, III, 176. 
Mondino dei LuzzI 16, 18, 117, 

122, 123, 124, 133. 
Monctarius s. MUnzemeister. 
Monlagnana, Barlolomeo 108. 
Monlagnana, Pietro di 122. 
Moriz von Sachsen 171. 
Mormann, Dr. Joh. 66, 67, 81. 
Morsiano da Imolc, I'iotro Andrea 

"7, >23- 



Namenregister. 



211 



MüiiUinoistcr, llaiis 17. 
MUnzenicister, Dr. Nicolaus, Arzt 

in frcibcrg (Monctarius) 106, 

107, 108, III. 
Mundinus, s. Mondino. 

Nicolaus Praepositus 18. 
Nicolaus Schultet! de Franken- 

vordis 6. 
Nicolus Florcntinus 16. 
Niesemann, Dr. med. Konrad, von 

Großlankheim 12, 60, 74, 75, 

180. 
Noricus, s. Tockler. 
Numburg, s. Voigt. 

Ocfele, Felix Freiherr von 108. 
Oschitz, Dr., s. Salhauscn. 

Paracclsus 92. 

Partibus, Jacobus de, s. Despars. 

Pascha von Alvensleben, s. Alvens- 
leben. 

Paulikow, Peter von 6, 17, 18, 19. 

Paulos von Aigina 151. 

Pawlicow, Peter, s. Paulicow. 

Payne, J. F. 119. 

Peter von Abano 146, 186, 191. 

Peters, Hermann 21. 

Petrus de Crescentiis 184. 

Peyligk, Bartholomäus 113. 

Peyligk, Johann von Zeitz 113 bis 
121, 122, 123. 

Pflug, Ritter Otto 77. 

Pick, Friedel 27. 

Pico de la Mirandola, Graf Gio- 
vanni 124, 130, 135, 140, 142, 
145 146. 

Pisloris, Benedikt, s. Stacts. 

Pistoris, Christoff 95, 97, 98, 
182—184. 

Pistori.s, Martha geb. Schmiede- 
berg 94, 95, 97. 

Pistoris, Nicolaus 6, 7, 12, 58, 
60, 65, 83, 91, 94—99, 137. 

Pistoris aus Leipzig, Simon 10, 
II, 24, 47, 48, 53, 67, 68, 
70. 73. 74. 79. 81. 83. 85, 
94—99. "3. 133. 13^ 154, 
179— 181, 182 — 184, '86. 

Platearius 19. 

Platner, Joh. Zach. 121. 

Plauen, edle Frau \on 103, 192 
bis 199. 

Plauen, Vögte von 62, 197. 



PIcu, Mejufrou van 196. 
Plinius 16, 17, 140, 141. 
Poliziano, Angclo 136. 
Pollain 137. 

Pollich von Mellerstadl, Martin 
68,73,83, 113, 122 — 152,179. 
Poscidonios 1 20. 
Posern-KIctt 104. 
PrantI, Karl 1 17. 
Proctor 138. 
Proles, Ursula 97, 98. 
Prutenus, Wilh., s. llaldenhoff. 

RabI, Karl 113, 123. 

Rases (ar-Razi| 13, 19, 55, iii, 

124. 
Rau, M.ig. Michael, Kaplan 177. 
Rebnicz 18. 
Regel 198. 
Reichenbach von Schweidnitz, 

Stanislaus 67, 81. 
Relnharl, Dr. Johannes, Kaplan 

43. '76. 
Reisch, Gregor 118, 119. 
Reynhart, s. Reinhart. 
Ricardus, Anglicus 123. 
Riesenburg, Anna von 197. 
Rochobonella, Petrus 108. 
Roth, Sebastian 164, 166. 
Ruflinus 191. 
Rufus 1 90. 

Sacrobosco, Johann von 88. 

Salhausen von Oschatz, Nikolaus 
61, 62, 65, 66, 80, 81, 82. 

Santa Sofia, Galeazzo di 208. 

Sartoris, Heinrich von Braun- 
schweig 76. 

Sartoris, Henning 76. 

Sartoris, Ludwig, von Görlitz 76. 

Savonarola,Micaele 103, 187, 189. 

Schedel, Hartmann 28, 29. 

Schedel, Hermann 28. 

Scheibe, Heinrich 175. 

Schleinitz, Gugold von 40 

Schiltel, Dr. Georg (aus .\mberg) 
23, 48, 79, 86. 

Schiltel aus Hambach, Georg, s. 
d. vorhergehenden. 

Schiltel, Huldreich 23. 

Schipnitz aus Weyda, Johannes 
6, 7, 10, II, 17, 19, 23, 24, 
27. 3'. 33. 35. 58. 59. 60, 
61, 62—67, 80-83, 85. 

Schleinitz, Johann von, Abt 185. 



Schmiedeberg, Heinrich 96, 97, 
98, 99, 151, 182 — 18g. 

Schmiedeberg, Ursula 97, 98. 

Schmidberg, s. Becke. 

Schmidt, Ludwig 108. 

Schüncfeld, Christof 12, 74, 76, 
84, 180, 181. 

Schonfeld, s. .Schönefeld. 

Schott, Johannes 21. 

Schrader, Heinrich, von Braun- 
schweig 76. 

Schuiteti de Frankenfordis, Nico- 
laus 6. 

Schultet! von Wittenberg, Paul 61. 

Schwab, s. Schwabe. 

Schwabe von Leipzig, Johann 

72, 84. 
SchwofTheimvon L!cgnitz,Vincenz 

6, 103, 184, 185 — 191. 
Schwof heim von Görlitz, Paul 

73, «77. 

Scultetus de Glogowia, Johannes 

128. 
Sculteti, Nicolaus 10. 
Senfelder, Leopold 14, 208. 
Serapion 19. 
Silber, Johann 14. 
Slantitz, Heinrich iio. 
Sperber, Mag. Joh. 175. 
Sprottaw, s. Meurer, Johannes. 
Stabius, Johann 128. 
Staets, Dr. med. Benedikt 44, 45, 

178. 
Staets, Vinzenz 71, 72, 73. 
Starten von Osnabrück, Lubert 

6, 10. 
Slauffmann, s. Stofcnianu. 
Steinmetz, Dr. Johann 86. 
Stephanus 18. 
Stockton Hough 114, ii". 
Stöckel, Wolfgang, aus München 

115, 119, 120, 121. 
Stofemann f Stoveman) de Luckow, 

Johannes 6, 59, 60. 
Stromer von Auerb.ich, Heinrich 

10, 1 1, 47,77, 79,169, 170, 178. 
Stuchs, Georg 125, 148. 
Stübel 8, 15, 17, 40, 45, 46, 47, 

5'. 53. 54, 56, 62, 73, 76, 

83, 85, 88, 89, 104, 131, 152. 
Stuflmann, s. Stofemann. 
Sturmhocfel, Konrad 145. 
Swingenfels, Heinricus, Oculista 

58. 



Niuiicnte(;istcr. 



Taddeo i8. 

Tansletler, Gcoiv uS. 
Ihanncr, Jakob 132, 143. 
Thicmc, s. Thymc. 
Thomas von Ai|iiiiio lijt. 
Thorbecke, August 14. 
Ihymc von Fteyenstadt, Alexius 

61. 
Tockonburg, Johann von, tikiilist 

Ol f. 
Tocklcr, Konrad (Noricus) 13, 

47, 56. 57. 75, 84, 87, 88. 

128, 170, 177. 
Toccklcr, s. Tockicr. 
Töply, R. von 123. 
rolhopf, Magister Hans 40, 41, 

125. 
Tolophus, Janus 40. 
rorrigiano, s. Trusianus. 
Trusianus 13. 
Tübinger aus Wittenberg, Peter 

44, 178. 



Udcritz, Johannes 17. 

Vinccncius de Nyssa <;. 

Vogel, J. J. 5. ''. 'O, ", '2, 
62, 64, 131. 

Voigt von Naumburg, Vin/.enz 
65, 80, 83. 

Vorschove de Monastcrio, Bern- 
hard 4. 

Voulli<-nie I ;7. 



Wagh von Halle, Johann 10, II, 
24. 27, 66, 69, 70, 71, 72, 73, 
80, 81, 84, 85, 142, 143, 152, 
180. 

Wagner aus Landsberg, Johann 
10, II, 13, 23, 24, 36, 43, 
69, 7', 72. 73. 74> 76, 83. 
84, 85, 143, 154, 155, 170, 
176, 179. 

Wenzel, König von Böhmen 3. 



Wetter, Dr. 8a. 

Woyda, Johann von, s. Schipnitii. 
Wickcrsheimer, Ernst 199. 
Wilhelm, Herzog von Sachsen 

8. 53- 
Wilhelm von Saliceto (l'lacen- 

tinus) 16, III. 
Wilhclmus 109. 
Winipina, Konrad 75, 102, 103, 

114, 116, 125, 147, 155. 
Wollgang, Graf von Anhall 116. 
Wolkcnstein, Katharina 95. 
Wustmann, (iustav 36, 77, 86, 

97, 125- 
Wyaw, Vincentius 4. 



Zarnckc, Friedrich 8, 10, 11, 21, 

22, 55, 73. '3'. 159, '72. 
Zoch, Dr. jur. Laurentius 175. 



Studien -Heft 8. (Sud hoff, Die q^^f j 

medizinische Fakultät zu Leipzig.) 









^^^^:^^ -c):i--c<^ .^:occ.K^.r .:^w.. 










Eine Seite aus dem ältesten Statutcnbiiche der Leipziger medizinischen Fakultät. 
Beginn der Eintragungen über Promotionen und Rezeptionen. 



Studien -Heft 8. (Sudhoff, Die 
medizinische Fakultät zu Leipzig.) 



Taf. II. 



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Dekanatskonto, 

angelegt auf der Innenseite des hinteren Kinbanddeckels des Statutenbuches 

von Dekan Dr. Johann Schipnitz von Weyda. 



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mcdizini.sclic l-alailtät zu Leipzig.) 



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Studien- llctt M. (MkIIk-M. Die 
medizinische Fakultät zu Leipzig.) 



Taf. IV. 







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. I)lt Stcrt)endc'" vi>n Lukas ( r.iiKicli d Alt vom .Sclinn(lhm;;''-clu-n 
weiland in der NikolaiUirclie zu Leipzig, gemalt l.'il^ 
(Grabmal des Dekans Valentin Becke von Schmiedeberg). 



\ltar- 



Studien I l<-lt N. (Xulliiiff, Die 
mciii/iiiisclic Fakultät zu Lcipzij^.) 



'Inf. Y 




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3 .ü C 



V. = ■^ ~ ^ 



Studien-Heft 8. (Sudhoff, Die Taf. VI. 

medizin. Fakultät zu Leipzig.'» , 

CompnttniiiEiIiiis plit 

öromra:a)f afnrrationt \ roiruptiör attp 
tt ^niii 3lrf ftotf lis ro:rf fponlf 8:iiS finr ac 
rurara luriöiirimans 'ük nis nuf ör m riu 
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gflindfwtjti ifj 0^l|omaiutOftiirimo?plite 
tmtrptctü Dolumimlius attmte CQUQtRu; 

Tfeic qm Doctrinas multum fulgcrc pzobflras 

"^idcnr.ct fcirae conuigilalTc nianus 
iDoctrtoquiß tiruloö ftudeat pzebcrc venulToö 

i3gidiOTZbomc:quiDocuercbcne ^ — ■ 

(fptgräntaaiKttmatotem 

i£ui fint bnmani fpcctatoz cozpozis vnx^Q 

Jllis que xirtns officiumqj fimnl 
'Xt'^ quo(B fint piomtjö qucuis Dcfcripta fignn'd 

"Hpic Cläre offcnacö.intucare modo 

domptntiioradapttts plpGdS)C' 
rlarano:p»nripaltu tturoam roipo 
rts mrmliwü 6suras luimto oftm 
ttns ' plplofoplpt alumms atimo' 
öuin ptofuwra^ 

)^ in fußiotilius omnts potrntie 
? otßf tatiuf ^ ff nfitmt« tantp matt 

rialee 7 o.'gJtncepcr fiia ojgana.quibusalUganf. funt notific« 

tc.^dfo vt iioiutii pl)ilofopbflrici>picntc8 aliqiialciUcKÜo?ga 

,,v>,« ,j3bcantpcnci3.lMflctJit banc fuccuictl ? b:eui(Timä/Capm8 pbificiflb 

iiinqcre ctcürationc./Cjrca cuiua aclarationc a toro nöimmcrito cd mcipu-ir 

Gesamt-Titcl und Untertitel des anatomischen Abschnittes von l*e>iigks „Compendiunv ,1499) 




Studien-Heft 8. (Sud ho ff, Die 
medizin. Fakultät zu Leipzig.) 



laf. VII. 



IrrtJöTirii^^batartJ f ögifitFa S>m^\\» 









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Situsbild aus Peyügks Compendium ^1499). 



Studien-Heft 8. (Sudhoff, Die 
inedizin. Fakultät zu Leipzig.) 



Taf. VIII. 



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Organ-Abbildungen aus Peyligks Compendium (1499). 



Studicn-1 left 8. (Sudhoff, Die 
medizin. Fakultät zu Lciii/.is^.l 



laf. IX. 







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Studicn-I left 8. (Siulh..ff, Die 
medi/.in. Fakultät zu Lei[)xig.) 



'laf. X. 




Studien- Heft 8. (Sudhot t, Die 
medizin. Fakultät zu Leipzig.) 

tneri tfffopbag* 




Taf. XL 
TR«»muoven«cbm8 

fi:ffiHlllMll\Tii\wnirmTp 



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Scuröo2i> ftomscbi". 






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Aus Magnus Hundts „Antropologium", 1501. 



Studien-1 Icft 8. (Sudhoff, Die 
medizin. Fakultät u\ Leipzig.) 

^madiiatiua t^bantolb Coriürtoa tD<;mo:fa 



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Situsbild der „Compendiosa declarati"" von 1316. 



Studien-Heft 8. (Sudhotf, Die 
medizin. Fakultät zu Leipzig.) 



Taf. XIII. 





Studien-Heft 8. (Sud hoff, Die Taf. XIV. 

medizin. l'^akultat zu I.eipzitj.'* 

Cafiior ^f ßlfr iDortoi rartanar llutiialio farüntatfm. 

p«(Trti!ai1llrt>lbl/'T>*njmpdtifpmüargnmfti MrpDUti6üi<irtMfeBim4»p»ti«rmi? plffiKpanJoio nj«nmbjriM<ttffdrt<ip«l 
Il('}fandnin6ign4'rt intcrta/iicqujqjnrglig^nea/öcpjaijtionibue :purgatroniho(q«niae<tui /iimmfi rtÄfUff»« bifoitifil/ 
«((iOic plmJtp'f t fcopum idü nunimc iit|ct)Ddl miOuuf/nd »ri'i ttnicre (lurgatoitu banön «fl nufcKartioitüTwqi rbarmac» fonj 
irntjneiitioit'iniri p»ruulofi(Timi.<apiopur/uqj vnOc()a.3i^coipa:ie oculatus 3rfp8 fit mcOioi* | olcftCT fcofta» commri ß» 
fplccT« ac apptnOnr« ötbrttgn fjcutcjtj : naum : anni umpu« : Um^ttramcnCii/coipoii* babioi : plmiH>&m< : ftfrfjionf : <»«r«l 
Kit am : cffutcubm; : finibomac J CT(Ucun5i({ bumortB nmtunMli'^'Uc (Ulfbi (|jci|fiait>f nxtiunK cciibit«:re ^^l^ol)m i^t 
«joibo» omniba« conclufiOfit» C>i|'iucKnOje bi mcOutm ^po|ui'nue/txHt jnu« mrOuiiw fhiOlOJO*4fr ^ tfaUlmiMXM gOtlM/ 

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«si^irUUI(I>|')iaiifiC(.'onrpKan:cgn vutu«ni:ccje(n :<öplnicn^.fotfnAn>:rtriU(wn<M](tt<n!4IBt{ttDipi0: 401011 iltgitfljtl. 
«nfu<iuOin(in <t ^uiOomm : 3pru'|'>P fjoniotie frcnncnOi concociionoti. 

peiniii Conrlußa. 
öfrunöaronrlußc. 

^ Cor4 mojbdmm Mm fcifantJbnt t q5^«r*{^tt«lD11 niacBJtwnwbmcpda t(nt4n6anonijIt 
«3«9 fauuc c[i («» m»tt>9» rcguuuH im(ui c (ömiiKit. 

CntiafonrIiiGo 

^ (S<T9:(n«n f4c((Qxtip;t>iIvkl!0:ant %\\ qoi f n< ti|ainiin(/in omni (Mttporgat^i^e ctBiKDr mcMMniRti«« 

ißunrtaronclufio. 

(Q ^pertptm'ü cf! mctüä 4nt( pf)4rntAa (rt><^ieion; art<m'cöpM«n(m : (btmam t et nptctfcnmt (grfpat(^^ 

röutntnfonclufia» 

|([ iCtinpoe 4nnt m (^f^ibai^ü pargdtionA^oe pcrintit act^ x*^io in qua b(Q(t (gtr ccnfit<r4il60l)l t/f« 

&mnronrlufm. 

f[ ^1 fmifiirf(r"'"> 'P'St^e part«/öt> tjfrfnti» «■ «rolunf« fStfima/rpirimn bcliIctjH i rt «*;p»iV hiittifb(MtfTi«A(«4K«n^/fMil 
fecnic}; ptopccr rabibi calo:ie arrie noe aftibicntie/fuid pll^gaN^l<\^ iriciiOM (ra<n«lK;aif^UUItllltC(^rlirQa(«tn uMtUU/M 
IHIMI incPK4Uicn(9uia> vjue Oit^kilt» t\\ : naiurt«^ a&nic&iuii molrpue. 

örptnnaronrulfio* 
t^rtmiaronfluno. 

C 3" (X^itxnbü mtbidnl« porsmcitio» confucoibo ac acci'tmcui foliu cgri« dKninflutt confT(ff4i)(«b 

SRonacontlurm« 

C C9rtC0<U mAüommti» V40I4K : moon«^ n«rt imba/cpcQUt.rrfq-, in ptindpfc/nifi ongnuit 

Conrluricrrtrnimonn0* 

C ^34Pt) inc^ocnü ^ n«nsQie mcilte noIU 41 rfuc (;cin^ie c;uii«tu(ica(( p(c(^v((f Dr£At6ti« 1 (^i^'f<^ 
Ein Leipziger medizinisciies Disputationsprogramiu (15 12). 



Studien-Heft S. (Sudhoff, Die 
niediiiri. Fatcultät zu Leipzig.) 



Taf. XV. 






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Studien-IIeft 8. (Sudhoff, Die 7"-//. XVf. 

mediiin. Fakultät zu Leipzig.) 1 

Ifftotinfugatitit^ 

nt0 ptüortö in 

meDtfina aD 

l)onorealml 

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ftilip 
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UStalTrcbötiaclSimonem pifloris 
Cui tocieno non eo veritue noua bclla moucrc 

iJtifurgii cötra pulucmlcntus cqucs 
Cuarc age nö opus cd pifto: modo panib"'. bcc rc3 

Jiidigct armati viribus mgenii 
Ibc tibi cü Defint.cti quc non ante vidcbaö 

KcU tuü fcrmnt fangmnolenia capuc 

tx^\nax[ont fdcnlcdtifat ^ .m 

bcnriom <t jmagiflro ConV- /^A/ffllrtöij 

Cmn\ 

f ^Jf^UctiMioCoKcgq pUndpifl, 

C iErcmplartafacißbfntpjffpjrenbie 
2^accaUriue m»?tnnuo vjctbipolenpg • 

ne n^P -Öi.,,^^ ; 5" ^ 7 A^ IVnr»>m>;' ^-»nc^Ar, ro^r^cJi^ 

1. Titelblatt der letzten Streitschrift l'oUichs. 2. Vorlesungsanzeigc von Konra<l Tockler 
(über die „Spera materialis") von i 507. 



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Sudhoff, Karl 

Die Medizinische fakultät 
zu Leipzig im ersten Jahrhun- 
dert der Universität 



BloMeä 



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